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Für mich waren TALON mit ihrem selbstbetitelten Album ein echter Senk­recht­star­ter: Die Kalifornier spielen darauf perfekten Melodic Hard Rock, der vom ersten bis zum letzten Takt mitzureißen versteht. Doch bei TALON handelt es sich mitnichten um einen Frischling, der einen überraschenden Coup landen konnte. Die Band existiert vielmehr seit über zehn Jahren und hat bereits unter dem Namen VOXEN eine Scheibe veröffentlicht, so daß wir uns mit Drummer John Parker zu­sam­men­setz­ten, um weitere Details zu klären.

Die Band wurde 1989 gegründet und hieß zu Anfang VOXEN. 1995/'96 veröffentlichten VOXEN ein Album namens »Sacrifice«. Die Platte hatte einen deutlichen Partycharakter und danach entschlossen wir uns, daß wir eher auf straighten und härteren Hard Rock umsatteln wollten. Daher nannten wir uns etwa 1998 in TALON um und mußten uns nach einem neuen Sänger umsehen, den wir vor drei Jahren endlich in Michael O'Mara fanden, der zuvor bei Joshua Perahias Band M PIRE gesungen hat.

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Eine lange Zeit und dennoch habt Ihr es in diesen Jahren nur zu zwei Alben gebracht. Warum?

In den Anfangstagen konzentrierten wir uns auf ganz andere Dinge: Wir hatten einen Vertrag mit WARNER BROTHERS und schrieben Musik für viele TV- und Filmprojekte. So durften wir für die NBC-Miniserie "Ann Margareth" einmal oder für die UPN-Serie "Land's End" dreimal aktiv werden. Außerdem haben wir Musik für den Film "Outbreak" mit Dustin Hofmann beigesteuert. Insgesamt waren es etwa zehn verschiedene Projekte, an denen wir für WARNER BROTHERS gearbeitet haben. Leider hat es nie gereicht, von der Musik zu leben, sondern wir mußten immer normalen Jobs nachgehen. Andererseits war es eine Möglichkeit, daß wir uns als Band betätigen konnten, denn unsere Musikrichtung war während dieser Zeit nicht gerade sehr populär. Erst Mitte der Neunziger haben wir unser Augenmerk darauf gerichtet, eine Platte zu machen. 1994 unterschrieben wir dann einen Vertrag bei STATUE RECORDS. Wir waren etwa bis 1997 damit beschäftigt, »Sacrifice« zu promoten und zu betouren. Danach setzte der erwähnte Veränderungsprozeß bei uns ein. Apropos: Falls jemand Interesse an »Sacrifice« hat, kann er die CD über unsere Homepage bestellen. Wir haben vor etwa zwei Jahren die Rechte zurückgekauft und haben die Platte neu aufgelegt. »Sacrifice« hatte mehr Party- und Glamflair als unsere neue Platte, da wir damals mit Sicherheit sehr von POISON beeinflußt waren.

Dementsprechend seid Ihr mit Sicherheit keine Teenager mehr...

Nein, wir sind zwischen 37 und 41 Jahren alt, aber wichtig ist, daß wir der Musik treu geblieben sind. Aus diesem Grund betreiben wir TALON sehr professionell und zudem haben wir das Glück, daß unsere Familien uns sehr unterstützen.

Ist Voxen eigentlich der richtige Name Eures Gitarristen Kory? Er wirkt wie ein Künstlername - allein schon durch die Nähe zu dem Bandnamen der All-Girl-Band VIXEN?

Er heißt wirklich so. Allerdings war VOXEN damals nur ein vorübergehender Name. Wir hatten einfach keinen Schimmer, wie wir die Band nennen sollten, aber nach und nach hat sich der Name VOXEN eingebürgert. Bei der Umbenennung sind wir die Sache etwas aufwendiger angegangen: Wir stellten eine Liste mit über hundert Vorschlägen zusammen, die wir einen um den anderen wieder kickten. Letztendlich blieben eine Handvoll Möglichkeiten übrig, die wir abcheckten, ob sie nicht schon irgendwie verwendet werden oder rechtlich geschützt sind. Wir entschieden uns für TALON, weil der Name kurz und prägnant ist und weil wir fanden, daß die Klaue eines Adlers eine Metapher ist, die gut zu unserer Musik paßt.

Ihr seid Euch allerdings bewußt, daß es eine deutsche Band namens TALON gab.

Ja, denn wir hatten vor der Umbenennung Kontakt mit ihnen aufgenommen. Sie versicherten uns, daß die Band nicht mehr existiert und daß sie mit Sicherheit nicht mehr weitermachen wollen. Zudem hatten sie nie ein Gebrauchsmusterschutz für den Namen TALON beantragt.

Das Cover Euerer Platte wurde eindeutig auf einem Computer gerendert und sieht eher ungewöhnlich für eine Band Eurer Gattung aus.

Wir wollten eine Klaue, die aus den Wolken herabstößt. Allerdings hatten wir kein Interesse an einem altmodischen Design, sondern wir wollten etwas, das futuristisch aussieht. Daher beauftragten wir einen Computerkünstler.

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Ich fand es sehr amüsant zu sehen, wie Ihr textlich mit Klischees gespielt habt: So kombiniert Ihr beispielsweise die altbekannte Zeile "Tearing down the walls" mit dem peppigen Nachsatz "If you want me I can be your wrecking ball".

Wir haben mit Sicherheit viele sehr standardmäßige Texte, wie man sie von einer Band wie uns erwartet. Aber man sollte sich nicht allzu ernst nehmen und auch mal ein Augenzwinkern einbauen.

Wie sieht das Leben eines Melodic-Mucker im neuen Millennium aus? Ich vermute mal, daß sich da in den letzten fünfzehn Jahren einiges geändert hat.

Du hast voll und ganz recht. TALON sind nicht fünf Typen, die zusammen in einem Haus auf dem Sunset Strip wohnen, rund um die Uhr Party machen, vom Pizzaservice leben und nachts Flyer von der Band an die Laternen des Strips kleben. Wir sind alle verheiratet und haben Kinder. Ein Teil von uns lebt in der Nähe von Los Angeles, während die anderen bei San Francisco wohnen. Für die Proben muß also immer ein Teil der Band eine dreistündige Autofahrt auf sich nehmen. Da wir sehr häufig proben, sind wir wohl eine der Bands mit den höchsten Benzinrechnungen in Amerika...

Folglich seid Ihr angekotzt, weil Ihr früher chicks 'n' drugs bis zum abwinken gehabt hättet und Ihr nun stattdessen für die nächste Party bis zu Eurem Geburtstag warten müßt...

Richtig, damals gab es sicherlich weitaus weniger talentierte Bands, die Platinalben abstaubten, so daß im Zuge dessen besagte Hühner und Drogen auf sie herabregneten. Leider haben wir diese Zeit verpaßt, aber es entstand damals eine Menge toller Musik. Mittlerweile hat sich alles geändert - selbst für jene Bands, die damals diese Musik gemacht haben: Sie müssen heute zusammenarbeiten, um überleben zu können, so daß zur Zeit Bands wie POISON, CINDERELLA, DOKKEN oder RATT im Package miteinander durch Amerika touren.

Dennoch ist es großartig, daß ehrliche Rock- und Metal-Musik in Amerika wieder ein wenig Beachtung findet.

Völlig richtig: Ich habe mir gestern abend in San Francisco das Package DEEP PURPLE/DIO/SCORPIONS angeschaut und es war großartig! Das Konzert war schon vor zwei Wochen ausverkauft und es waren 18.000 Fans da.

Mir sind bei Dir zwei Dinge aufgefallen, die ich für einen Drummer ungewöhnlich finde: Zum einen bist Du zusammen mit Kory der Hauptsongwriter der Band und außerdem erwähnst Du in Deiner Special Thanks-Liste die Gitarristen Randy Rhoads und Michael Schenker.

Ich sollte vielleicht vorausschicken, daß ich schon vor VOXEN mit Kory in verschiedenen Cover- und Garagenbands gespielt habe, so daß wir nun seit fast zwanzig Jahren ein Songwriterteam sind. Wir schließen uns immer ein ganzes Wochenende lang ein und dann entstehen unsere Lieder. Über die Jahre hat sich diese Vorgehensweise eingespielt und der Rest der Band kommt mit unseren Kompositionen sehr gut klar, so daß es nie einen Grund gab, etwas zu ändern.
Mein Dank an Randy und Michael läßt sich ebenfalls leicht erklären: Als Heranwachsender lernte ich zunächst Gitarre und diese beiden waren immer die größten Vorbilder für mich: Die Energie, die sie mit ihrem Spiel vermitteln, ist phänomenal. Dies ist stets ein Ziel für mich als Musiker und Songwriter.

http://www.talonrocks.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

TALON (US, CA) im Überblick:
TALON (US, CA) – Talon (Rundling-Review von 2002)
TALON (US, CA) – ONLINE EMPIRE 13-Interview
TALON (US, CA) – News vom 20.09.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Michael O'Mara:
ATOMIC RADIO – News vom 08.01.2015
M PIRE – Chapter One (Rundling-Review von 1996)
M PIRE – News vom 08.07.2008
VFX – News vom 09.04.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers John Parker:
VOXEN – Sacrifice (Rundling-Review von 1997)
siehe auch: Musik von VOXEN im Film "Outbreak"
andere Projekte des beteiligten Musikers Kory Voxen:
VOXEN – Sacrifice (Rundling-Review von 1997)
siehe auch: Musik von VOXEN im Film "Outbreak"
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