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LACUNA COIL-Bandphoto 1

Nicht nur die Sportwelt blickt im Moment gespannt in Richtung Italien, auch die vereinte Metalwelt erhebt ihren Blick und logischerweise auch die Gehörgänge gen Süden um in Erfahrung zu bringen, was uns aus dieser Region, die ja schon seit Jahrhunderten für feine Klänge berühmt ist, an neuen Sounds zu bieten hätte. Seit nunmehr zehn Jahren sind LACUNA COIL bereits aktiv und ihr nächstes Studiowerk »Karmacode« steht gerade in den Startlöchern, wodurch der Band und vor allem dem Album die vollständige Aufmerksamkeit der Presse in den nächsten Wochen sicher ist.
Im Laufe der Jahre ihrer Existenz konnten sich die Italiener einen sehr guten Ruf erspielen. Mehr noch, mit ihren letzten beiden Veröffentlichungen »Unleashed Memories« (2001) und »Comalies« (2002) schaffte das Sextett, angeführt vom Gesangsduett Andrea Ferro und Cristina Scabbia, den Durchbruch auf breiter Ebene. Aber nicht nur bei uns, wo die Band offenkundig auf breiter Basis erfolgreich ist und Fans der verschiedensten Zielgruppen mit ihren Klängen erfreuen kann, was sich nicht zuletzt in der Verpflichtung von LACUNA COIL für stilistisch breitgefächerte Festivals äußert, ist die Formation erfolgreich. In den letzten Jahren waren die Italiener auch desöfteren auf dem amerikanischen Kontinent zu Gast, was für europäische Bands an sich schon leider nicht immer möglich ist, und absolvierte gefeierte Konzerte en masse. Nichtsdestotrotz sind seit der Veröffentlichung des letzten Studioalbums nahezu vier Jahre vergangen, eine verdammt lange Zeit im schnellebigen Musikbusiness. Für manche Band hat ein dermaßen langer Abstand zwischen zwei Studioalben bereits den Niedergang gebracht, doch im Falle der italienischen Durchstarter LACUNA COIL braucht man sich ob der Dichte an Hits, die auf dem demnächst erscheinenden neuen Werk zu finden sind, wohl keine Sorgen zu machen.
Sänger Andrea Ferro, glühender Fan "seines" AC Milan, der seiner Meinung nach dieses Jahr die Champions League holen wird, was ebenso noch in den Sterne steht, wie die Aussage des Herrn Ferro, daß die "Squadra Azzura" wohl demnächst als regierender Fußballweltmeister gefeiert werden darf, weilte für ein paar Tage in Deutschland, um Auskunft zum kommenden Album und über den allgemeinen Zustand von LACUNA COIL zu geben:

Euch ist hoffentlich bewußt, daß Fans nicht gerne lange warten, bis sie ein neues Album ihrer Lieblinge in Händen halten können. Weshalb hat es denn so lange gedauert, um ein neues Album auf den Markt zu bringen?

Wir haben uns bewußt alle Zeit dieser Welt gelassen, um keinen Schnellschuß abzuliefern. Außerdem war es ja auch nicht so, daß wir auf der faulen Haut gelegen sind. Da die Songs erst im Laufe der Zeit so richtig gewachsen sind und wir gewährleisten wollten, vollständig mit unserem Produkt zufrieden zu sein, war es anders kaum möglich. Wir sehen »Karmacode« als sehr wichtigen Schritt in der Entwicklung der Band an. Obwohl das Album nicht völlig anders klingt als unsere älteren Scheiben kann man doch getrost von einem großen Entwicklungsschritt sprechen.

LACUNA COIL-Einzelshot: Cristina Scabbia 1

Ihr wart zwar noch nie so etwas wie eine vorhersehbare Band, aber dermaßen vielschichtig und vor allem klischeefrei habe ich "Karmacode" ehrlich gesagt nicht erwartet.

Wir sahen uns noch nie als Band, die man in irgendeine Schublade stecken konnte und hoffen, daß uns das auch in Zukunft erspart bleibt. Wir sind LACUNA COIL und hoffen, damit möglichst viele Fans ansprechen zu können. Auch was Klischees betrifft, können wir nicht unbedingt damit dienen. [lacht]

Dadurch wird es wohl auch schwierig, den LACUNA COIL-Fan als solchen zu charakterisieren. Wie setzt sich Eure Fanbase überhaupt zusammen?

Da wir als Musiker für sehr unterschiedliche Einflüsse offen sind und unsere Musik dementsprechend gestaltet ist, ziehen wir wohl auch verschiedenste Fans an. Als bestes Beispiel für die mannigfaltigen Fankreise sehe ich die Festivals, für die LACUNA COIL bereits gebucht wurden: Wir haben schon auf dem "M'era Luna"-Festival gespielt, das ja wohl eindeutig die Gothic-Fraktion anspricht, aber auch bei "Rock am Ring", das für mich zu einem Crossover-Event verschiedenster Klänge zählt, sind wir ebenso gut angekommen, wie auch auf dem "Gods Of Metal"-Festival bei uns in Italien, wo sich ansonsten die Creme de la Creme der Metal-Bands die Bühne teilt.

Ebenso schwierig wie den "Fan" von LACUNA COIL auszumachen, ist es auch, Eure Musik zu beschreiben. Versuch's Du einmal.

Wir sehen uns weder als traditionelle Metal-Band, noch als Gothic-Act oder sonst was. Unsere Musik setzt sich aus Elementen der Rockmusik genauso zusammen, wie aus Versatzstücken, die man von Metal-Bands kennt. Aber auch vereinzelte Gothic-Anteile sind zu hören. Dazu kommen auch immer wieder eher klassische Einflüsse und auch für ursprüngliche, traditionelle Klänge aus verschieden Regionen dieser Welt sind wir offen.

Vor allem jene, für meine Gehörgänge orientalisch anmutenden Einflüsse stehen euch sehr gut. Wo kommen diese her? Wart Ihr geschlossen im arabischen Raum auf Urlaub?

[lacht] Nein, das nicht gerade. Ich bezeichne diese Anklänge auch eher als "mediterrane" Einflüsse, denn nur auf Arabien kann man diese nicht beschränken. Wir sind generell offen für Einflüsse jeder Art. LACUNA COIL sind ein Schmelztiegel unterschiedlicher musikalischer Strömungen. Da wir in unserer Heimat sehr häufig mit nordafrikanischen Klängen konfrontiert werden und diese auch sehr schätzen, lassen sich diverse Anklänge dieser Musik auch auf unserem Album finden. Nicht zu vergessen sind die traditionellen europäischen Klänge, wie unsere symphonischen Parts, die mit zum Klangbild von LACUNA COIL gehören, sowie die vom amerikanischen Metal beeinflußten Rhythmen, die der Sache den entsprechenden Drive verschaffen.

LACUNA COIL-Einzelshot: Andrea Ferro

Ihr orientiert Euch in Richtung Amerika und im Gegenzug scheint gerade Amerika regelrecht einen Narren an Euch gefressen zu haben.

Ja, unser wichtigster Absatzmarkt sind in der Zwischenzeit die Vereinigten Staaten geworden. Dort sind LACUNA COIL inzwischen noch eine Nummer größer als in Europa. Unser letztes Album »Comalies« hat sich in der Zwischenzeit mehrere hunderttausendmal verkauft, darauf sind wir mächtig stolz.

Könnt Ihr auch, der "Rest" dieser Erde muß wohl erst erschlossen werden?

Wahrscheinlich. Wir bekommen zwar immer wieder Zuschriften von Fans aus Japan oder Australien, gespielt haben wir in jenen Regionen aber noch nicht. Ich bin auch nicht wirklich über konkrete Verkaufszahlen informiert, weiß aber, daß es weder in Asien noch in Australien besonders nennenswerte Zahlen zu vermelden gäbe. Deshalb warten wir ab, ob es denn diesmal ein vernünftiges Angebot für eine Tournee geben wird und konzentrieren uns so lange auf unsere Fans in Europa und in den Staaten.

Nachdem Ihr für »Comalies« desöfteren unterwegs wart, ist davon auszugehen, daß die Fans auch die Songs von »Karmacode« im Rahmen einer Tournee präsentiert bekommen. Was ist denn diesbezüglich geplant?

In wenigen Wochen werden wir eine ausgedehnte Tournee quer durch die Vereinigten Staaten absolvieren. Wir werden insgesamt für sieben Wochen zusammen mit Rob Zombie in den Staaten unterwegs sein. Im Anschluß daran wird wohl eine kurze Pause eingelegt werden müssen, um unsere Batterien neu zu laden. Aber schon im Sommer wollen wir in Europa präsent sein. Wir sind gerade dabei, diverse Angebote einiger Sommer-Festivals in Europa zu sichten und werden mit Sicherheit im Laufe des Jahres auch noch auf ausgedehnte Tournee gehen. Wie die Sache genau ablaufen wird, ist aber noch nicht abzusehen.

LACUNA COIL-Einzelshot: Cristina Scabbia 2

Dabei werden wohl die Clubs und Hallen förmlich übergehen, schließlich könnten LACUNA COIL mit zu den erfolgreichsten Formationen dieses Jahres werden. Euer eigenes Material wäre an sich schon mehr als ausreichend, um positive Resonanzen zu erhalten. Was war denn der Grund für die Auswahl einer zusätzlichen Coverversion? Und weshalb habt Ihr Euch ausgerechnet für ›Enjoy The Silence‹ von DEPECHE MODE entschieden?

Da wir allesamt diesen Song sehr schätzen, kam er irgendwann ins Gespräch. Noch dazu haben wir es geschafft, die Nummer so umzusetzen, daß ›Enjoy The Silence‹ nunmehr eher nach LACUNA COIL klingt, denn nach DEPECHE MODE. Außerdem sollte das Lied bei Konzerten zusätzlich für Stimmung sorgen können. Ich meine, wer kennt den Titel nicht? (ähem, der zerknirschte Verfasser dieser Zeilen...) So gesehen erwarten wir markige Publikumschöre bei den Konzerten. [lacht] Noch dazu hatten wir die Ehre mit Roland Prent zusammenzuarbeiten, der seinerzeit auch das Original produzierte. Roland war schwer angetan von unserer Version und hat uns ermutigt, den Song mit auf das Album zu nehmen.

Roland Prent? Ich dachte, da war einmal mehr Waldemar Sorychta im Spiel?

Roland Prent war aber "nur" für den Mix verantwortlich, die eigentliche Produktion haben wir zusammen mit Waldemar gemacht, aber wir wollten unbedingt mit Roland im "Galaxy Studio" in Belgien arbeiten, da alle Werke, die jenes Gebäude verlassen haben, bislang perfekt geklungen haben. Übrigens hat Roland unsere Version dermaßen beeindruckt, daß er den Song auch DEPECHE MODE präsentieren möchte. Ich bin schon gespannt, wie ihnen unsere Version zusagen wird.

Aber als Single wird ›Enjoy The Silence‹ dennoch nicht in Frage kommen, oder?

Nein, zunächst wird ›Our Truth‹ ausgekoppelt. Die Single erscheint bereits gut einen Monat vor dem Album und sollte schon erste Aufschlüsse über zu erwartende Erfolge geben können.

Dann wird es wohl demnächst auch ein Video dazu geben?

Ganz bestimmt. Es ist zwar in Europa nicht mehr unbedingt üblich, im sogenannten "Musikfernsehen" neue Videos präsentiert zu bekommen, aber in den Staaten scheint man sich wieder darauf zu besinnen. MTV ist stärker als je zuvor und es gibt mittlerweile auch wieder eher spezialisierte Sendungen, die den Fans Musik fernab der Charts präsentieren. Der Dreh war zwar mörderisch anstrengend, aber im Endeffekt hat es sich ausgezahlt. Laßt Euch überraschen! Ich bin sicher, daß man ›Our Truth‹ schon bald zu sehen bekommt!

Wobei zumindest ich recht zuversichtlich bin, schon sehr bald nicht nur das Video zu sehen, sondern auch etwas über Charteinstiege von »Karmacode« zu erfahren. Auch wenn es hart klingen mag, aber meiner Meinung nach ist der Erfolg von LACUNA COIL unmittelbar mit eurer Sängerin Cristina Scabbia verbunden. Wo würden denn LACUNA COIL stehen, wäre dem nicht so?

Ich glaube nicht, daß wir dermaßen erfolgreich wären. Cristina ist ein unglaubliches Talent und wird immer besser. Fast könnte man sagen, sie ist die perfekte Sängerin. Zumindest für LACUNA COIL ist sie das schon. Die Band würde zwar auch ohne Cristina existieren, aber sicher ganz anders klingen und wahrscheinlich nicht in derartiger Form Erfolg haben. Die Frage ist durchaus berechtigt, allerdings bestehen wir darauf, daß Cristina als Bandmitglied von LACUNA COIL akzeptiert wird. Daß sie auch noch nett anzusehen ist, sollte nur ein Nebeneffekt sein.

LACUNA COIL-Bandphoto 2

Was der Musikliebhaber auch genauso annehmen wird. Schließlich sollte es die Musik sein, weswegen sich LACUNA COIL auf dem Durchmarsch befinden. Allerdings darf man schon anmerken, daß auch das Auge mithört...

http://www.lacunacoil.it/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Clay Patrick McBride

LACUNA COIL im Überblick:
LACUNA COIL – In A Reverie (Re-Release)
LACUNA COIL – The EPs (Re-Release)
LACUNA COIL – Unleashed Memories (Re-Release)
LACUNA COIL – ONLINE EMPIRE 24-"Living Underground"-Artikel
LACUNA COIL – ONLINE EMPIRE 26-Interview
LACUNA COIL – ONLINE EMPIRE 29-"Living Underground"-Artikel
LACUNA COIL – News vom 05.01.2006
LACUNA COIL – News vom 05.05.2007
LACUNA COIL – News vom 25.02.2009
LACUNA COIL – News vom 18.11.2009
LACUNA COIL – News vom 22.02.2011
LACUNA COIL – News vom 21.09.2011
LACUNA COIL – News vom 14.02.2014
LACUNA COIL – News vom 15.01.2016
LACUNA COIL – News vom 07.02.2016
Playlist: LACUNA COIL-Album »Lacuna Coil« in "Jahrescharts 1998" auf Platz 2 von Stefan Glas
siehe auch: Musik von LACUNA COIL im Film "Underworld: Awakening" als Remix von THE DILLINGER ESCAPE PLAN-Gitarrist Ben Weinman
siehe auch: Musik von LACUNA COIL im Film "Underworld: Evolution"
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