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MISTRESS OF THE DEAD – White Roses, White Coffin

EPIDEMIE RECORDS (Import)

Der tschechische Musiker Vlad Cristea Vales, der hinter MISTRESS OF THE DEAD steckt, ist immer noch darauf bedacht, dieses Soloprojekt zu mystifizieren. Zum einen macht der Kerl immer noch ein Geheimnis um sich und sein Unternehmen, zum anderen scheint er noch nicht einmal Interesse daran zu haben, MISTRESS OF THE DEAD in irgendeiner Form bekanntzumachen. Anders ist es nĂ€mlich nicht zu erklĂ€ren, daß hier dezidiert darauf hingewiesen wird, daß keinerlei Internet-PrĂ€senz existiert. Dabei hat der Tscheche mittlerweile bereits sein viertes Langeisen am Start, zudem tummeln sich im Underground eine Unzahl an Demos von MISTRESS OF THE DEAD.

Wie auch immer, der Herr hat mit »White Roses, White Coffin« ein ebenso beĂ€ngstigendes, wie fĂŒr viele Zeitgenossen wohl abstoßend wirkendes, weil zumindest stilistisch und musikalisch verstörendes, ungemein depressiv wirkendes Album vorzuweisen. Vier Tracks beinhaltet das Werk bloß, die ĂŒppige Gesamtspielzeit von gut 75 Minuten beantwortet aber wohl sĂ€mtliche noch offenen Fragen zur Musik bereits im Vorfeld. Doch wer sich die MĂŒhe antut, an der OberflĂ€che zu kratzen, um die eigentliche Intention des KĂŒnstlers zu entdecken, wird sehr erstaunt sein. Elegische Epen sind es selbstredend, die uns hier prĂ€sentiert werden, allerdings weniger schwermetallisch orientiert und intoniert, als vielmehr in erster Linie auf AtmosphĂ€re und Depression angelegt. Unbedingt erwĂ€hnt werden muß auch, daß Vlad das Album seiner großen Liebe namens Jindriska gewidmet hat und dabei in den Texten eine sehr religiöse Einstellung offenlegt. Dadurch wirken die, an sich nur einen kleinen Teil dieses bedrĂŒckenden Gesamtkunstwerkes ausmachenden, lyrischen Aspekte im Endeffekt wie ein Seelenstriptease, den Vlad hier vertont hat.

Sein Glaube widerspiegelt die Hoffnung auf ein Leben nach dem irdischen auch in den Texten und dadurch enthĂ€lt »White Roses, White Coffin« im Endeffekt sehr wohl einen Hoffnungsschimmer, der - einem Lichtstrahl gleich - das Grau der Kompositionen immer wieder durchbricht. Auch wenn die vier Tracks - rein musikalisch betrachtet - nur sehr schwer zu unterscheiden sind, da sich kompositorisch kaum Unterschiede offenbaren und man in erster Linie die unterschiedlichen Spielzeiten der durch die Bank atmosphĂ€risch dichten, beklemmenden, zum Großteil in Richtung Doom Death tendierenden Kompositionen als Anhaltspunkt nehmen muß, um zu wissen, welcher Nummer man gerade lauscht, weiß »White Roses, White Coffin« den Zuhörer regelrecht zu fesseln.

Die anklagende Art und Weise, mit der uns der KĂŒnstler auf seine Leiden in diesem irdischen Dasein hinweist, zieht den Zuhörer wie von magischen KrĂ€ften geleitet, direkt in seinen Bann. Zusammen mit den mitunter sehr tiefschĂŒrfenden KlagegesĂ€ngen machen die monotonen Strukturen den Reiz dieses Werkes aus, und im Endeffekt ist man hier regelrecht dazu verdammt, mitzuleiden und mitzutrauern. Der Begriff "Funeral Doom" war wohl nur selten zuvor so zutreffend, wie bei dieser vertonten Leidensgeschichte des Vlad Christea Vales.

beeindruckend 12


Walter Scheurer

 
MISTRESS OF THE DEAD im Überblick:
MISTRESS OF THE DEAD – White Roses, White Coffin (Rundling)
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