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FUNERAL PROCESSION – The Red Vine Litanies

VÁN RECORDS

Alkohol ist im Metal-Bereich immer wieder ein gerne verwendetes Thema, um die Musik auch mit passenden Texten auszukleiden. Das Paradebeispiel dafĂŒr stellen fĂŒr mich seit Jahrzehnten die Frankfurter Schluckspechte von TANKARD dar, die wohl Zeit ihrer Existenz Tracks wie â€șEmpty Tankardâ€č oder â€șBeermudaâ€č zum besten geben werden mĂŒssen. Aber auch wenn Bier das wohl meistkonsumierte GetrĂ€nk (die Abstinent-Fraktion möge mich jetzt bitte nicht steinigen) in unserem Business bleiben wird, gab es sehr wohl auch immerzu schon KĂŒnstler und Formationen, die ihre Liebe zu anderen GetrĂ€nken kundtaten. Wie wĂ€re es also mit ein SchlĂŒckchen Wein?

Daß im gegorenen (kommt das eigentlich von "Gore"?) Rebensaft die Wahrheit verborgen steckt, wußten ja schon die alten Römer und (um wieder den Zeitsprung in eine etwas aktueller Epoche zu schaffen) auch der heutzutage eher als JĂ€ger und fragwĂŒrdiger Patriot in Ungnade gefallene Ted Nugent bekannte sich einst auf »Weekend Warriors« zu â€șGood Friends And A Bottle Of Wineâ€č.

Diese Aussage kommt der im traditionellen Wienerlied oft zitierten GemĂŒtlichkeit durch gemeinsames Trinken des edlen Rebensaftes gleich, der in der Alpenrepublik seit jeher Tradition und auch Kultur hat. Wie uns der gute alte Hans Moser in seinem Gassenhauer â€șDie Reblausâ€č wissen hat lassen, wird Wein jedoch nicht immer nur getrunken, sondern essentieller "gebissen" und eben jene Aussage bringt mich zu »The Red Vine Litanies«, dem Bekenntnis der deutschen Black Metaller FUNERAL PROCESSION zu jenem edlen GetrĂ€nk. Die Jungs haben eine sehr schwere Variante ihres pechschwarzen Musik-GebrĂ€us zu Ehren des Gottes Bacchus abgeliefert, das als Ein-Song-MCD in ĂŒppiger Version von knapp 20 Minuten angeboten wird. Von einem "Fluchtachterl", oder auch einem schnellen Schluck aus der Pulle zwischendurch, kann hier also bei Gott keine Rede sein, mit diesem Album wird ein uns kleines, aber dennoch sehr edles Eichenfaß aufgetischt und zwar eines, das sogar eine ganze Menge an unterschiedlichen Sorten enthĂ€lt. Die Burschen tischen uns eine sehr reichhaltige "Karte" an mannigfaltig gestaltetem Schwarzmetall auf, die neben epischen Momenten (quasi blaufrĂ€nkisch; samtig-geschmeidig und tieffruchtig) auch eine satte Dosis RĂ€udigkeit (Blauer Portugieser; sehr sĂŒffig, aber nicht unbedingt als "anspruchsvoll" bekannt) enthĂ€lt. Dazu serviert die Kellerei FUNERAL PROCESSION aber auch noch zartbittere, melancholische Töne (Blauburgunder; bekannt fĂŒr sein dezentes Bittermandelbukett) und selbstredend auch die fĂŒr jene KlĂ€nge regelrecht zwingend notwendige nordische KĂ€lte (Eiswein). Gitarrentechnisch lĂ€ĂŸt man zwar vielmehr an Norwegen als an typische Rotweingegenden Mitteleuropas denken und trĂ€gt somit weiterhin zum Gelingen dieses international angelegten Unterfangens bei. Durch den sakral anmutenden Mittelteil sorgen die Herrschaften nicht nur fĂŒr zusĂ€tzliche AtmosphĂ€re, sondern zudem auch fĂŒr ein geradezu intensives Verlangen nach "Messwein", auch wenn der weiß ist.

Das Ergebnis dieses Exkurses in die Welt des Rotweins in pechschwarzer Variante ist in Summe sehr ausgegoren und hinterlĂ€ĂŸt, trotz stilistischer Vielfalt im Abklang, keinerlei irritierenden Beigeschmack.

http://www.funeralprocession.net/

gut 10


Walter Scheurer

 
FUNERAL PROCESSION im Überblick:
FUNERAL PROCESSION – The Red Vine Litanies (Rundling)
andere Projekte des beteiligten Musikers Florian "AlboĂźn" Dammasch:
EÏS – News vom 15.03.2010
EÏS – News vom 05.09.2010
EÏS – News vom 05.09.2010
EÏS – News vom 04.12.2010
GEIST (D, Bielefeld) – News vom 17.03.2009
GEÏST – News vom 17.03.2009
GEÏST – News vom 15.03.2010
andere Projekte des beteiligten Musikers Sascha "C:R:A" Rauer:
THE NOW NOISE! – Raging Mad Insanity (Rundling)
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