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Gary Moore – Live At Monsters Of Rock

SANCTUARY RECORDS/ZOMBA

Anscheinend ist Gary Moore ein Meister darin, sich von einer Zwickmühle in die nächste zu manövrieren: So machte er jahrelang Weltklasse-Hard Rock und seine Alben aus den Achtzigern müssen (teilweise mit leichten Abstrichen) als Meisterwerke bezeichnet werden.

Doch kaum waren die Neunziger gekommen (war eben ein durch und durch furchtbares Jahrzehnt...), fühlte sich der Meister der sechs Saiten stilistisch eingeengt und stürzte sich auf den Blues. Nun ist es kein Geheimnis, daß die Merkmale des reinrassigen Blues klar definiert sind und er trotz seiner immensen Ausdruckskraft nur wenig Raum für experimentelle Sperenzchen läßt, so daß es kam wie es kommen mußte: Gary Moore drehte sich permanent im Kreis und kopierte sich selbst mehr, als er es früher je hätte tun könnte. Hatte er sich noch 2001 das Motto »Back To The Blues« auf seine Fahne geschrieben, brach er ein Jahr später panisch aus: Es wirkte mehr als befremdlich, daß er sich für das Album »Scars« mit dem ehemaligen SKUNK ANANSIE-Basser Cass Lewis und PRIMAL SCREAM-Drummer Darrin Mooney zusammentat, die man aufgrund ihrer Herkunft nicht unbedingt als Melodiespezialisten ansehen konnte. Entsprechend ruppig sollte die Platte ausfallen und so wird der Livemitschnitt vom "Monsters Of Rock"-Auftritt alten Fans die Tränen in die Augen treiben. ›Wishing Well‹, stets ein Paradesong seines Sets, wird von Gary katastrophal gesungen - oder besser gesagt lieblos herausgeschrieen. Viel besser ergeht es auch ›Shapes Of Things‹ und ›Out In The Fields‹ in den Händen des aktuellen Moore-Trios nicht. Dieses Gewand paßt am besten zu den drei »Scars«-Stücken: ›Rectify‹ und ›Stand Up‹ sind roh und hart, aber auch seelenlos, was erschreckenderweise sogar auf die Ballade ›Just Can't Let You Go‹ zutrifft. Als trauriger Tiefstpunkt bleibt ›Parisienne Walkways‹ Lichtjahre gegenüber einstigen Interpretationen zurück und das stumpfe Gitarrensolo schlägt dem Faß endgültig den Boden aus. Kaum zu glauben, daß es die Finger des gleichen Mannes waren, die mich bei einem Konzert anno '85 wahrhaft in Trance versetzten.

Da momentan ohnehin jede abgehalfterte Truppe wieder aus ihren Löchern hervorgekrochen kommt, sollte sich vielleicht auch Gary Moore seiner Vergangenheit besinnen und wieder auf ursprünglichen Hard Rock umsatteln. Sehr glaubwürdig wäre das zwar nicht, aber was könnte schon Schlimmeres passieren, als daß er in der nächsten Zwickmühle säße?

http://www.gary-moore.com/


Stefan Glas

 
Gary Moore im Überblick:
Gary Moore – After The War (Re-Release-Review von 2004)
Gary Moore – Back On The Streets (Re-Release-Review von 2013)
Gary Moore – Corridors Of Power/Run For Cover (Re-Release-Review von 2001)
Gary Moore – Dirty Fingers (Re-Release-Review von 2000)
Gary Moore – How Blue Can You Get (Rundling-Review von 2021)
Gary Moore – Live At Monsters Of Rock (Rundling-Review von 2003)
Gary Moore – Live At The Marquee (Re-Release-Review von 2001)
Gary Moore – Live From London (Rundling-Review von 2020)
Gary Moore – Rockin' Every Night - Live In Japan (Re-Release-Review von 2003)
Gary Moore – Victims Of The Future (Re-Release-Review von 2004)
Gary Moore – We Want Moore (Re-Release-Review von 2004)
Gary Moore – Wild Frontier (Re-Release-Review von 2004)
siehe auch: Gary Moore-Tributesampler »Give Us Moore«
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