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THUNDER (GB) – Dopamine (Doppel-CD)

BMG

Gerade einmal 13 Monate sind seit der Veröffentlichung von »All The Right Noises« ins Land gezogen, dennoch serviert uns die britische Rockinstitution bereits ihr nächstes Studioalbum. Um etwaige Gerüchte erst gar nicht entstehen zu lassen, sei gleich einmal erwähnt, daß es sich in der Tat um ausnahmslos frisches Material handelt, das auf »Dopamine« verewigt wurde. Entstanden ist die Scheibe im Prinzip wie alle anderen auch. Allerdings scheint sich Gitarrist Luke Morley, der seit jeher für den Großteil der THUNDER-Kompositionen zuständig ist, den Frust, ob der eben nicht durchführbaren Konzerte und Tourneen regelrecht von der Seele geschrieben zu haben. So kam es, daß nach relativ kurzer Vorbereitungszeit ganze 20 Tracks zur Verfügung standen.

Die wurden zwar im Vorfeld intern noch auf 16 reduziert, dennoch war bald klar, daß der Fünfer ein Doppelalbum veröffentlichten wird. Dafür war zunächst wohl eine gewisse Überredungskunst nötig, um die Verantwortlichen des Labels von dieser Idee zu überzeugen, doch anscheinend hat THUNDER auch diesbezüglich die entsprechenden Trümpfe in der Hand gehabt.

Sonderlich schwierig dürfte es mit dem Songmaterial allerdings nicht gewesen sein, Gehör zu finden. Da man aber auch diverse Gedankengänge von Businessverantwortlichen kennt, ist ein Doppelalbum wahrlich nicht unbedingt Usus. »Dopamine« rechtfertigt diese eher unkonventionelle Veröffentlichungsweise aber definitiv, schließlich findet sich kein einziger Ausfall unter den 16 Songs. Durch die erhöhte Anzahl an Songs wird einem zudem erst wieder so richtig bewußt, wie breitgefächert das stilistische Klangspektrum von THUNDER eigentlich ist. Das war zwar schon immer so, wird aber durch die Fülle an Material offenkundiger als sonst. Wobei aber auch die überaus geschickt gewählte Reihenfolge der Nummern einen Beitrag zum positiven Gesamteindruck liefert.

Die als erste Single ausgekoppelte Eröffnung ›The Western Sky‹ macht sofort deutlich, daß die Veteranen, die zudem seit mehr als einem Vierteljahrhundert in derselben Besetzung agieren, nichts von ihrer Bissigkeit eingebüßt haben. Der satte Riff-Rocker mit Schmackes stellt aber nicht nur das unter Beweis. Zusätzlich machen THUNDER damit einmal mehr auch klar, weshalb die Band einen dermaßen guten Ruf innehat. Schließlich verstehen es die Briten einfach grandios, Musik und Text zu einem harmonischen Gesamtwerk gedeihen zu lassen.

Daß dabei nicht immer alles auf den ersten Eindruck passend erscheint, was als Konglomerat aus den Boxen dröhnt, spricht weiterhin für die Kompetenz der Herrschaften. ›Black‹ etwa, ist von der lyrischen Seite mehr als nur nachdenklich angelegt, entpuppt sich aber als gutlauniger Classic Rock-Song, zu dem man gar nicht anders kann als mitzuschunkeln. Ähnlich locker und lässig wird im Verlauf der Spielzeit natürlich mehrfach gerockt, wobei sich ›Across The Nation‹ als besonders gelungener Losgehtrack erweist. Wie gehabt, zeigt sich die Band aber auch nachdenklich (›Last Orders‹), und mitunter auch mit einer melancholischen Schlagseite. Dabei nimmt ein Piano ebenso eine essentielle Funktion ein wie das Saxophon von Andrew Griffiths. Nachzuhören unter anderem in ›Big Pink Supermoon‹, einem der elegantesten der zahlreichen Hitkandidaten.

Als Fazit läßt sich also festhalten, daß wir die eigentlichen Pläne von THUNDER für die vergangenen anderthalb Jahre zwar nachvollziehen können, und selbstredend auch freudig zu etwaigen Gigs gegangen wären. Da wir jedoch mit Sicherheit nicht ein dermaßen gehaltvolles Alternativprogramm, wie es »Dopamine« nun einmal geworden ist, geboten bekommen hätten, relativiert sich die Pandemie-bedingte Bühnenabsenz von THUNDER aber auf jeden Fall.

Schade übrigens, daß wir "nur" ein Doppelalbum erhalten haben, und die vier vor der endgültigen Produktion aussortierten Songs nicht auch noch berücksichtigt wurden. So wie die Band momentan drauf ist, können diese Nummern einfach gar nicht schlecht geworden sein.

http://www.thunderonline.com/

super 14


Walter Scheurer

 
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