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Tillison Reingold Tiranti – ALLIUM: Una Storia

REINGOLD RECORDS (Import)

Die drei Herren, die sich unter ihren Nachnamen für dieses Album zusammengetan haben, kennt man in der Szene. Dennoch dürfte es einigermaßen überraschend kommen, daß sich die beiden Prog-Spezialisten Andy Tillison (vorwiegend bei THE TANGENT, aber auch bei einigen anderen Bands und Projekte tätig) und Jonas Reingold (THE FLOWER KINGS, KAIPA, Steve Hackett, etc.) mit dem von LABYRINTH und diversen anderen, vorwiegend im Metal verwurzelten Truppen bekannten Roberto Tiranti zusammengetan haben.

Wollen die beiden Herrschaften etwa gemeinsam eine geheime Vorliebe für heftigere Klänge ausleben, und haben sich dafür einen geeigneten Kollegen gesucht? Keineswegs, denn »ALLIUM: Una Storia« entführt uns sehr wohl in progressive Gefilde. In historische genauer gesagt, denn es handelt sich um ein Tribute-Album für ALLIUM, eine Band, die in den frühen 70er Jahren aus Albanien nach Italien geflohen war.

Da Andy während eines Familienurlaubs in seiner Teenagerzeit diese Formation in Italien kennengelernt hatte, liegt ihm auch heute noch viel daran, dieser Band die Ehre zu erweisen. Nicht zuletzt, weil er von den fünf jungen Männern auf einem Campingplatz in der Nähe von Rom mehr oder weniger mit dem "Prog-Virus" infiziert wurde.

So viel zur Hintergrundgeschichte von »ALLIUM: Una Storia«. Ein Grund für die Zusammenarbeit mit Roberto war mit Sicherheit der Umstand, daß es für die Umsetzung der für die Scheibe komponierten Songs nicht nur eines für typischen 70er Prog geeigneten Vokalisten bedurfte, sondern auch einen, dessen Muttersprache Italienisch ist. Schließlich sollten die von Antonio De Sarno geschriebenen Songtexte möglichst authentisch dargeboten werden. Roberto erfüllt nicht nur sämtliche Voraussetzungen, er bringt die Nummern auch mit viel Herzblut rüber. Zudem offenbart er während seines Vortrags, daß er sehr wohl auch in jeder Retro-Prog-Band bestens aufgehoben wäre.

Die drei Songs - von einer Spielzeit von knapp über 17 Minuten (›Mai Tornare‹), beziehungsweise 8 Minuten (›Ordine Nuovo‹) und 14 Minuten (›Nel Nome Di Dio‹) - aus dem Fundus des Projektinitiators versprühen dadurch zwar einen Hauch Exotik, waren jedoch ohnehin dafür gedacht, dieser für ihn überaus einflußreichen Band gebührend Tribut zu zollen. Nicht nur das, Andy will damit den Progressive Rock italienischer Provenienz jener Epoche generell wieder ein wenig in Erinnerung rufen. Das sollte auf jeden Fall gelungen sein, wobei auch wenn die ein wenig spleenig anmutende Vorgehensweise des Protagonisten und seiner Kollegen vielleicht nicht überall wertgeschätzt wird. Muß es aber, denn ein solches Unternehmen setzt eine ganz besondere Liebesbeziehung einfach voraus. Denn so ungewöhnlich die Sache an sich schon ist, haben sich sowohl Andy als auch Jonas als Produzent und Mixer betätigt, weshalb es die Nummern als "Original Mix" und als "2021 Mix" zu hören gibt.

Das mag auf den ersten Blick hin nicht zwingend spannend wirken, ist es aber auf jeden Fall. Vor allem, weil im "Original Mix", der bewußt das Klangbild der 70er evozieren soll, die Gitarren von Andy für Prog-Verhältnisse ungewöhnlich schrammelig in Szene gesetzt wurden, und daher sehr psychedelisch angehaucht aus den Boxen kommen. Im von Jonas auf "Gegenwart" getrimmten Mix dagegen klingen die Saiteninstrumente druckvoller, dafür verabreichen die von Gastmusiker Ray Aichinger eingespielten Saxophonklänge dem Klangbild eine elegante Jazz-Schlagseite.

»ALLIUM: Una Storia« ist ein ebenso originelles wie ungewöhnliches Album geworden, das auch von der mehr als nur ordentlichen Umsetzung profitiert. Wenn das mal kein Grund ist, sich als "Prog-Trüffelschweinchen" zu betätigen, um eventuell verborgene Aufnahmen von ALLIUM auszubuddeln.


Walter Scheurer

 
Tillison Reingold Tiranti im Überblick:
Tillison Reingold Tiranti – ALLIUM: Una Storia (Rundling-Review von 2021)
© 1989-2022 Underground Empire


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