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KING WOMAN – Celestial Blues

RELAPSE/ROUGH TRADE

Hinter diesem Bandnamen steckt zwar in erster Linie die US-amerikanische Künstlerin Kristina Esfandiari, doch das Unternehmen wird sehr wohl als Band betrachtet. Und das nicht nur, weil mit Schlagzeuger Joseph Raygoza und dem für Baß und Gitarre zuständigen Peter Arensdorf zwei weitere Musiker zum Line-up zählen, sondern vor allelm deshalb, weil die charismatische Frontdame das Unternehmen KING WOMAN keinesfalls als Soloprojekt betrachtet wissen möchte.

Dennoch ist es in erster Linie ihre Darbietung, die dieses paradox betitelte Werk namens »Celestial Blues« prägt. Der Blues, so hat uns die Geschichte gelehrt, ist doch des Deibels eigene Musik, seit Robert Johnson damals an jener sagenumwobenen Kreuzung im Bundesstaat Mississippi..., ihr wißt schon.

Ab sofort gilt der Blues laut Madame Esfandiari jedoch als "himmlisch". Kann man glauben, muß man aber nicht. Fix ist jedoch, daß man diesen Terminus für Kristinas Gesang verwenden darf. Die gedämpfte, mitunter fast spartanisch anmutende Instrumentierung trägt zwar auch einiges zur Gesamtwirkung des Albums bei, würde aber ohne die dazugehörige Gesangsperformance eher unauffällig bleiben. Ganz im Gegensatz zum Vortrag von Kristina, der von leisem Flüstern (wie etwa im von Streichern unterstützten ›Golgotha‹, das einen "Gute-Laune-Musikliebhaber" wie mich zunächst einmal eher verschreckt und verstört hat) bis hin zu schmerzverzerrtem Wehklagen (›Psychic Wound‹ soll wohl als programmatisch betrachtet werden) reicht.

Obwohl die musikalische Untermalung die gesamte Spielzeit über kaum großartig von der als Fundament dienenden Melange abweicht, die aus düsterem Blues, dezent umgesetztem Doom und klassischem Gothic Rock zusammengesetzt ist, wechselt die Atmosphäre in nahezu jedem Track. Dafür bedarf es eben der entsprechenden Stimmgewalt, und damit kann Kristina Esfandiari wirklich imponieren. Besonders beeindruckend wirkt ihr Vortrag dann, wenn sie innerhalb einzelner Tracks (wie das unter anderem in ›Entwined‹ der Fall ist, einer hypnotisierenden Gänsehautnummer) von zart auf knallhart wechselt, und einem ihr Seelenleben förmlich aus den Boxen entgegenrinnt.

Partytauglich ist »Celestial Blues« also definitiv nicht, und selbst "Abrocken" im eigentlichen Sinne des Wortes ist dazu völlig unmöglich. Wem es jedoch ab und an nach gedämpften, zumeist einigermaßen trübsinnigen, dunklen Klängen dürstet, sollte an diesem Album seine Freude haben.

Ein Testdurchlauf ist jedoch dringend empfohlen, denn »Celestial Blues« kann je nach eigener Verfassung und Stimmungslage für akustische Irritationen ebenso sorgen wie für pure Langeweile, oder im schlimmsten Fall sogar zu Angstzuständen führen.

https://www.kingwoman.band/

gut 10


Walter Scheurer

 
KING WOMAN im Überblick:
KING WOMAN – Celestial Blues (Rundling-Review von 2021)
andere Projekte des beteiligten Musikers Kristina Esfandiari:
WHIRR – Pipe Dreams (Rundling-Review von 2012)
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