UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → Online Empire 88 → Review-Überblick → Rundling-Review-Überblick → KING WOMAN – Â»Celestial Blues«-Review last update: 25.09.2021, 16:38:43  

last Index next

KING WOMAN – Celestial Blues

RELAPSE/ROUGH TRADE

Hinter diesem Bandnamen steckt zwar in erster Linie die US-amerikanische KĂŒnstlerin Kristina Esfandiari, doch das Unternehmen wird sehr wohl als Band betrachtet. Und das nicht nur, weil mit Schlagzeuger Joseph Raygoza und dem fĂŒr Baß und Gitarre zustĂ€ndigen Peter Arensdorf zwei weitere Musiker zum Line-up zĂ€hlen, sondern vor allelm deshalb, weil die charismatische Frontdame das Unternehmen KING WOMAN keinesfalls als Soloprojekt betrachtet wissen möchte.

Dennoch ist es in erster Linie ihre Darbietung, die dieses paradox betitelte Werk namens »Celestial Blues« prĂ€gt. Der Blues, so hat uns die Geschichte gelehrt, ist doch des Deibels eigene Musik, seit Robert Johnson damals an jener sagenumwobenen Kreuzung im Bundesstaat Mississippi..., ihr wißt schon.

Ab sofort gilt der Blues laut Madame Esfandiari jedoch als "himmlisch". Kann man glauben, muß man aber nicht. Fix ist jedoch, daß man diesen Terminus fĂŒr Kristinas Gesang verwenden darf. Die gedĂ€mpfte, mitunter fast spartanisch anmutende Instrumentierung trĂ€gt zwar auch einiges zur Gesamtwirkung des Albums bei, wĂŒrde aber ohne die dazugehörige Gesangsperformance eher unauffĂ€llig bleiben. Ganz im Gegensatz zum Vortrag von Kristina, der von leisem FlĂŒstern (wie etwa im von Streichern unterstĂŒtzten â€șGolgothaâ€č, das einen "Gute-Laune-Musikliebhaber" wie mich zunĂ€chst einmal eher verschreckt und verstört hat) bis hin zu schmerzverzerrtem Wehklagen (â€șPsychic Woundâ€č soll wohl als programmatisch betrachtet werden) reicht.

Obwohl die musikalische Untermalung die gesamte Spielzeit ĂŒber kaum großartig von der als Fundament dienenden Melange abweicht, die aus dĂŒsterem Blues, dezent umgesetztem Doom und klassischem Gothic Rock zusammengesetzt ist, wechselt die AtmosphĂ€re in nahezu jedem Track. DafĂŒr bedarf es eben der entsprechenden Stimmgewalt, und damit kann Kristina Esfandiari wirklich imponieren. Besonders beeindruckend wirkt ihr Vortrag dann, wenn sie innerhalb einzelner Tracks (wie das unter anderem in â€șEntwinedâ€č der Fall ist, einer hypnotisierenden GĂ€nsehautnummer) von zart auf knallhart wechselt, und einem ihr Seelenleben förmlich aus den Boxen entgegenrinnt.

Partytauglich ist »Celestial Blues« also definitiv nicht, und selbst "Abrocken" im eigentlichen Sinne des Wortes ist dazu völlig unmöglich. Wem es jedoch ab und an nach gedĂ€mpften, zumeist einigermaßen trĂŒbsinnigen, dunklen KlĂ€ngen dĂŒrstet, sollte an diesem Album seine Freude haben.

Ein Testdurchlauf ist jedoch dringend empfohlen, denn »Celestial Blues« kann je nach eigener Verfassung und Stimmungslage fĂŒr akustische Irritationen ebenso sorgen wie fĂŒr pure Langeweile, oder im schlimmsten Fall sogar zu AngstzustĂ€nden fĂŒhren.

https://www.kingwoman.band/

gut 10


Walter Scheurer

 
KING WOMAN im Überblick:
KING WOMAN – Celestial Blues (Rundling)
andere Projekte des beteiligten Musikers Kristina Esfandiari:
WHIRR – Pipe Dreams (Rundling)
© 1989-2021 Underground Empire


last Index next

UNDERGROUND EMPIRE vor zwanzig Jahren!
Button: hier