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ANTICHRIST (S) – Sinful Birth

I HATE RECORDS/SOULFOOD

Die Veröffentlichungspause von gut sechs Jahren seit dem durchaus positiv aufgenommenen Debut »Forbidden World« könnte durchaus in die Irre fĂŒhren. Gut möglich nĂ€mlich, daß man als noch nicht mit dieser Band vertrauter Zeitgenosse etwa annimmt, es wĂŒrde sich um Perfektionisten aus der Prog-Abteilung (auch wenn der Bandname etwas anderes verheißt) handeln, die zigmal ihre Tracks ĂŒberarbeiteten, ehe sie damit zufrieden waren. Damit liegt man jedoch völlig falsch, wie es auch ein Irrglauben ist, von diesen Schweden etwas aus der Doom-Ecke zu erwarten, auch wenn uns das Label immer wieder gerne mit feinster Langsamkeit die Ehre erweist. Aber eben auch mit knallhartem, kompromißlosem Thrash Metal! Und genau den gibt es auch auf »Sinful Birth« zu hören. Im Vergleich zum doch eher eindimensional (wenn auch unglaublich effektiv) gestrickten Erstling scheinen vor allem die beiden Gitarristen Filip Runesson und Gabriel Forslund ihre Liebe zu technischen Finessen nicht lĂ€nger verbergen zu wollen und kredenzen immer wieder auch ins Frickelige tendierende Passagen.

Diese sind zwar eher nur Beiwerk, konnten aber auf sehr effiziente und elegante Weise in das - im krassen Gegensatz zur "Eile" der Band was ihre Veröffentlichungen generell betrifft, stehende - dem Bandnamen absolut gerechtwerdende höllische Vortragstempo eingearbeitet werden. Gedrosselt wird der vorherrschende Hyper-Speed zwar auch nur selten, wenn ANTICHRIST allerdings mal die Handbremse betĂ€tigen, dann mit Übersicht und GefĂŒhl.

Wie etwa im zehnminĂŒtigen (!) Epos â€șChernobyl 1986â€č, das dadurch nicht nur unglaublich bedrohlich anmutet, durch einige perfekt gesetzte Breaks wird die ohnehin schon beklemmende AtmosphĂ€re sogar noch zusĂ€tzlich intensiviert. Ganz große Emotionen in noch grĂ¶ĂŸerer Musik! Respekt!

Nicht zuletzt durch diese vermeintlichen Kleinigkeiten sollte man ANTICHRIST auch eher in der Tradition von eher technisch agierenden Szene-UrvĂ€tern wie etwa MIDAS TOUCH oder DEATHROW sehen, als die Formation mit den "ĂŒblichen VerdĂ€chtigen" der Speed/Thrash-Bewegung zu vergleichen. Auch wenn vor allem DESTRUCTION immer wieder als Einfluß herauszuhören sind, nicht zuletzt aufgrund der Ă€hnlich "giftigen" Stimmen von Schmier und Anton Sunesson.

Kurzum, ein echt cooles GerÀt, ganz im Stile der "alten Schule", jedoch zugleich auch voller unerwarteter Feinheiten. Zum Durchbruch fehlen wohl nur noch die echten Hits.

http://www.militiaofdeath.com/

gut 11


Walter Scheurer

 
ANTICHRIST (S) im Überblick:
ANTICHRIST (S) – Sinful Birth (Rundling)
andere Projekte des beteiligten Musikers Gabriel Forslund:
WITCHGRAVE – Witchgrave (Rundling)
andere Projekte des beteiligten Musikers Sven Nilsson:
MYSTIK (S, Stockholm) – News vom 29.06.2017
WITCHGRAVE – Witchgrave (Rundling)
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