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DREAM THEATER – Dream Theater

ROADRUNNER RECORDS/WARNER MUSIC

Programmatisch und schlicht wurde bei Studio-Langeisen Nummer Zwölf von der amerikanischen Prog-Metal-Ikone DREAM THEATER auf einen Titel verzichtet. Dennoch hat dieser Umstand keineswegs etwas mit Einfallslosigkeit oder dergleichen zu tun. Viel eher wird man schon nach wenigen Durchläufen erkennen, daß die Herrschaften ihren Bandnamen offenbar als Essenz ihres Schaffens betrachten und eben diese auch das aktuelle Album prägt. Auf diesem, dem zweiten seit dem Abgang von Mike Portnoy, konnte sich "Neuzugang" Mike Mangini erstmals am Songwriting beteiligen und der Eindruck des wiedererstarkten Zusammengehörigkeitsgefühls, den die Formation seit dem Einstieg des sympathischen Fellverdreschers bereits auf den Bühnen dieser Erde hinterlassen hatte, ist nun auch auf Tonkonserve absolut nachzuvollziehen.

In erster Linie merkt man »Dream Theater« nämlich an, daß es sich um ein "Bandalbum" handelt und der dadurch entstandene "Flow" sehr viel mit zur Wirkung beigetragen hat. Im direkten Vergleich zu den letzten Werken mit Portnoy'scher Beteiligung ist zwar auch ein eindeutiger Ruck in Richtung gemäßigterer Klänge zu erkennen, doch das tut weder dem Genuß einen Abbruch, noch sind jene Elemente für die das Quintett seit jeher von den Fans geliebt wird, außen vor geblieben. Dabei lassen die Mannen aber auch nichts anbrennen und besinnen sich auf ihre Stärken und das ohne jegliches Kalkül. Ebensowenig haben sich DREAM THEATER auch dazu hinreißen lassen, der Erwartungshaltung ihrer Fans gerecht werden zu müssen. In Zeiten, in denen sich unzählige Bands nur noch mit Orchesterbegleitung an Klassik heranwagen, um ja nur allen Ansprüche gerecht werden zu können, erscheint der instrumentale Dreiteiler ›False Awakening Suite‹ fast schon dreist, haben sich die Herren doch auf vergleichsweise billige Keyboard-Streichinstrumente beschränkt, um diese Idee auch umzusetzen. An der Intensität dieses Einstiegs ändert das aber nichts, der Zuhörer wird förmlich zur anschließenden ersten Single-Auskoppelung ›Enemy Inside‹ getragen und speziell diese dürfte der Band erneut auch Radioeinsätze bringen, schließlich hat die Nummer trotz sehr heftiger Riffs und einem verhältnismäßig hoch angesetztem Härtegrad absolutes Hitpotential. Zwar sind bei weitem nicht alle Tracks von einer solchen "Ohrwurmstichigkeit", dennoch läßt sich festhalten, daß die Herren ihre "experimentelle" Seite dieses Mal im Zaum gehalten haben. So ist es einzig das Instrumental ›Enigma Machine‹, das sich zwar sehr wohl als komplexes, verschachteltes "Traumtheater"-Frickel-Gebilde entpuppt, aber dennoch nicht bloß zur Befriedigung aller "Musiker-Polizisten" unter uns sorgen dürfte, da der "rote Faden" dennoch eindeutig nachzuvollziehen ist.

Besonders bemerkenswert dabei ist für mein Dafürhalten dabei übrigens das Drumming von Mangini, der scheinbar in indirekter Verwandtschaft zu einem Kraken stehen dürfte und erneut unter Beweis stellt, weshalb man ihn zum "Theater" gelotst hat. Doch auch James LaBrie hat einmal mehr ganz große Arbeit geleistet und erweist sich vor allem in den kommerzielleren Tracks als Alleskönner, wobei er erneut vor allem in allen Höhenlagen glänzt. Nachzuhören unter anderem in der Ballade ›The Bigger Picture‹, sowie in ›Along For The Ride‹, das weniger mit Prog-Feinheiten als mit Rock-Schlagseite und amtlichem Hit-Appeal aufwartet. Mit dem 22-minütigen Fünfteiler ›Illumination Theory‹ kommen dann aber auch jene Fans der Band auf ihre Kosten, denen es gar nicht frickelig und abwechslungsreich genug sein kann. Hier erteilt man uns nämlich eine Lehrstunde ein Sachen Prog-Metal, wobei vor allem John Petrucci alle Register seines Können zieht und zahlreiche Nachwuchskünstler am Arbeitsgerät wohl einmal mehr an den Rande der Verzweiflung treiben wird. Mit diesem imposanten Schlußpunkt beendet die Formation ein durchweg gelungenes Album, mit dem sie uns vor allem wissen läßt, daß DREAM THEATER nunmehr am besten als Kollektiv funktionieren.

Als Fazit bleibt also festzuhalten, daß »Dream Theater« ein absolut starkes Album geworden ist, das wohl in erster Linie die Fans der früheren Werke vollkommen zufriedenstellen wird, auch wenn man doch leichte Abstriche in Sachen "Hitdichte" im Vergleich zu den Jahrhundertwerken »Awake« oder »Images And Words« in Kauf nehmen muß.

http://www.dreamtheater.net/

beeindruckend 13


Walter Scheurer

 
DREAM THEATER im Überblick:
DREAM THEATER – A View From The Top Of The World (Rundling-Review von 2021 aus Online Empire 89)
DREAM THEATER – Distance Over Time (Rundling-Review von 2019 aus Online Empire 78)
DREAM THEATER – Dream Theater (Rundling-Review von 2013 aus Online Empire 57)
DREAM THEATER – Falling Into Infinity (Rundling-Review von 1997 aus Y-Files)
DREAM THEATER – Live At The Marquee (Rundling-Review von 1994 aus Underground Empire 7)
DREAM THEATER – The Studio Albums 1992-2011 (Re-Release-Review von 2014 aus Online Empire 60)
DREAM THEATER – Underground Empire 3-"Known'n'new"-Artikel (aus dem Jahr 1990)
DREAM THEATER – Underground Empire 6-Interview (aus dem Jahr 1992)
DREAM THEATER – Underground Empire 7-Special (aus dem Jahr 1994)
DREAM THEATER – Metal Hammer 07/93-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 1993)
DREAM THEATER – Heavy, oder was!? 19-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 1995)
DREAM THEATER – Heavy, oder was!? 38-"Tourtagebuch"-Artikel (aus dem Jahr 1998)
DREAM THEATER – Online Empire 11-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2002)
DREAM THEATER – Online Empire 20-"Eye 2 I"-Artikel: »5 Years In A Livetime« (aus dem Jahr 2004)
DREAM THEATER – Online Empire 20-"Eye 2 I"-Artikel: »Images And Words - Live In Tokyo« (aus dem Jahr 2004)
DREAM THEATER – Online Empire 21-"Eye 2 I"-Artikel: »Live At Budokhan« (aus dem Jahr 2004)
DREAM THEATER – Online Empire 24-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2005)
DREAM THEATER – Online Empire 29-"Eye 2 I"-Artikel: »Score« (aus dem Jahr 2006)
DREAM THEATER – Online Empire 48-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2011)
DREAM THEATER – Online Empire 64-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2015)
DREAM THEATER – Online Empire 79-Interview (aus dem Jahr 2019)
DREAM THEATER – News vom 18.01.1999
DREAM THEATER – News vom 09.09.2010
DREAM THEATER – News vom 10.12.2010
DREAM THEATER – News vom 30.04.2011
DREAM THEATER – News vom 13.02.2012
Soundcheck: DREAM THEATER-Album »Six Degrees Of Inner Turbulence« im "Soundcheck Heavy, oder was!? 62" auf Platz 9
Soundcheck: DREAM THEATER-Album »Train Of Thought« im "Soundcheck Heavy, oder was!? 73" auf Platz 3
Playlist: DREAM THEATER-Advance Tape »Images And Words« in "Cavelist Metal Hammer 07/92" auf Platz 1 von Stefan Glas
Playlist: DREAM THEATER-Advance Tape »Images And Words« in "Cavelist Metal Hammer 08/92" auf Platz 1 von Stefan Glas
Playlist: DREAM THEATER-Album »Images And Words« in "Jahrescharts METAL HAMMER 1992" auf Platz 1 von Stefan Glas
Playlist: DREAM THEATER-Album »Images And Words« in "Playboylist Underground Empire 7" auf Platz 2 von Jens Simon
Playlist: DREAM THEATER-Album »Train Of Thought« in "Jahrescharts 2003" auf Platz 8 von Stefan Glas
Playlist: DREAM THEATER-Album »Train Of Thoughts« in "Playlist Heavy, oder was!? 73" auf Platz 4 von Stefan Glas
Playlist: DREAM THEATER-Album »When Dream And Day Unite « in "Playboylist Underground Empire 5" auf Platz 1 von Stefan Glas
Playlist: DREAM THEATER-Liveshow Saarburg, Stadthalle 12.11.1993 in "Jahrescharts METAL HAMMER 1993" auf Platz 1 von Stefan Glas
siehe auch: DREAM THEATER für die 54. Grammy Awards nominiert
siehe auch: DREAM THEATER werden von Mike Portnoy verklagt
siehe auch: Doch keine Portnoy-Klage gegen DREAM THEATER
unter dem ehemaligen Bandnamen MAJESTY (US, NY, Long Island):
MAJESTY (US, NY, Long Island) – Underground Empire 5-"Demoklassiker"-Artikel (aus dem Jahr 1991)
MAJESTY (US, NY, Long Island) – ''US Metal Vol. 3''-Special (aus dem Jahr 1999)
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