UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 30 → Review-Überblick → Rundling-Review-Überblick → Sampler – »The Polishing Of Metal«-Review last update: 03.12.2021, 22:11:49  

last Index next

Sampler – The Polishing Of Metal (Doppel-CD)

EMPEROR MULTIMEDIA (Import)

Die Firma EMPEROR MULTIMEDIA hat ein cooles Samplerkonzept entwickelt, wo eine Audio-CD mit einer Multimedia-CD gepaart werden.

RAGGEDY ANEURYSM, die die Audio-CD eröffnen, fallen gleich mal auf, allerdings hauptsächlich, weil der industrialmäßig verzerrte Gesang kräftig am Nervenkostüm nagt - nur gut, daß PENETRATOR mit klasse Riffing und traditionellem Shouting bis Krähing etwas dagegenzusetzen haben. Um so größer ist der Sprung zu Robert Jackson und seinem ›Personal Jesus‹, der zwar kein Cover des gleichnamigen DEPECHE MODE-Songs darstellt, sondern eher wie eine Alternative-Version von Zodiac Mindwarp oder Andrew W.K. darstellt. Dafür erinnern allerdings LASHING ETHER und ihr ›Gone Berserk‹ vor allem wegen des Gesangs sehr wohl an DEPECHE MODE, die mal mit verzerrten und mal mit Schrabbelgitarren garniert werden.

Dann darf der Solokünstler J.D. Bradshaw einen Instrumentalsong beisteuern, der zwar nicht in neoklassische Yngwie-Fahrwasser gerät, aber doch deutliche Gitarrendominanz zeigt. DEMACRETIA aus Südafrika werden indes ein wenig seltsam, denn der Quasi-HipHop-Rhythmus plus Grunz-HipHop-Gesang läßt gestandene Metaller schnell die Flucht ergreifen; als positivster, aber nur seeehr entfernter Vergleich, den man anstellen könnte, sind die Finnen VELCRA zu nennen.

USER lassen uns anschließend eine langweilige Trödel-Metal-Nummer hören, bei der der Gesang so wirkt, als sei er durch die Türsprechanlage aufgenommen worden. A FASTER NOW spielen Pillepalle-Metal mit einem gewissen Surfpunk-Appeal, bei dem rausgebrüllter Gesang und nervöses Schlagzeug dominiert. Zeit für SKULGRINDER, die wir ja schon kennenlernen durften und die endlich mal wieder einen guten, normalen Metalkracher beisteuern. Selbiges trifft auch auf STROKER und ihren ›Mr. Poizon‹ zu, den trotz des etwas leiernden, arg Ozzy-mäßigen Gesangs nicht zuletzt durch die treibende Gitarrenarbeit zu gefallen wissen.

Endlich kommen wir zum ersten Highlight, denn SEVEN 13 erinnern an SAVATAGE zwischen »Gutter Ballet« und »Streets«, wobei der Song für diese Stilistik allerdings soundtechnisch ein wenig zu roh ausgefallen ist, doch das sollte man bei einer unsigned Band nicht überbewerten. Weitergeht es mit SAVATAGE-artiger Musik - hier allerdings mit einem gewissen unterkühlten Alternative-Touch, denn die Frankfurter Sisko-Brüder lassen uns an ihrem ›Tell Me‹ teilhaben, das um Längen besser klingt als jene Scheibe, die uns seinerzeit zur Bewertung vorgelegen hatte, und wie der unausgereifte Bruder von ›Handfull Of Rain‹ klingt.

Die uns ebenfalls bekannten DREAM OR NIGHTMARE erinnern uns auf ›The Dawn‹ ein wenig an schwarze METALLICA, denen man Speed entzogen, dafür Groove hinzugefügt hat, wobei der Gesang in Richtung James Hetfield meets Jon Oliva tendiert. ›You Got It‹ von JET BLACK JOY mutet wie ein aufgehellter TYPE O NEGATIVE-Song an - will heißen: längst nicht so langsam, längst nicht so düster und vor allem nicht mit einem Peter Steele, der im tiefsten Keller rumtönt, aber eben doch einem Gesang, der sich stilistisch am TYPE O-Fronter orientiert.

GOAT HORN klatschen uns einen rauhen Power Metal-Track um die Ohren, der sehr rhythmusorientiert ist, so daß deswegen der Melodieanteil ein wenig zurückgefahren wurde. METHEDRAS bewegen sich derweil zwischen Thrash und Death, wobei man seine Nummer ›L.R.S.‹ mit ein wenig technischem Anspruch aufzieht. Anschließend steht die Nerverei im Doppelpack an, für die SPIN (ruppiger Modernometal mit industrialmäßig verzerrten Vocals) und CIRIBUS (einminütiges grindiges Rülps-Röhr-Rumgestümpere, das dem Hörer bestenfalls auf den Sack geht...) zuständig sind.

Bei KRISTENDOM kommen endlich mal wieder Gitarren zum Zug, die wissen, wie man das Wort Riff schreibt. Ansonsten ist Death/Thrash-Gebrülle angesagt, was in Anbetracht der eigenwilligen Chören, mit denen die Franzosen zwischenzeitlich operieren, relativ gewöhnungsbedürftig klingt. Erwartungsgemäß gehören schließlich MELECHESH zu den Höhepunkten des Samplers, da die Band hochwertig wie immer zu Werke geht. Auch der Schlußpunkt von TERATISM geht mehr als in Ordnung, da wir hier einen sehr coolen Black Metal-Song mit Hirn serviert bekommen.

Auch die Multimedia-CD hat einen reinen Audiopart, auf dem sich aber nur zwei Songs befinden, da der restliche Platz durch die Multimedia-Inhalte beansprucht wird. Den Auftakt dieses Duos gestalten HEZZAKYA mit ihrem zu schnell gespielten Stoner-Song ›Mountains‹, während anschließend SEASONS OF THE WOLF mit halfordigem Gesang jegliche Schmerzen ausradieren.

Im Datenteil dieser CD befinden sich noch mp3-Dateien von Bands, die bereits auf dem Audiopart zu erspähen waren (im Falle von DREAM OR NIGHTMARE sogar noch eine Nummer der Vorläuferband AXEMASTER). Neu sind indes KING VIRTUE mit dem grauenhaften Wimmerpop namens ›Moving On‹ - was hat das bitte hier zu suchen!? Glücklicherweise schließen sich dann die Italiener VALAK mit dem gelungenen Atmo-Blackie ›Race Throught The Death II‹ an. Schließlich gibt's noch ›Violence In Music‹ von LIFEND, die allerdings nicht gewaltig, sondern ziemlich tranig loslegen. Besser, wenn auch nicht mehr als okay ist da der Thrash von SANITY'S VOID. Doch zumindest ›Rockin'‹ von MUDDY ROXX sorgt für einen halbwegs flotten Abgang mit fetzigen Gitarren.

Desweiteren finden wir hier noch etliche Videoclips, die großteils erstaunlich professionell ausgefallen sind. Hier sind zwei Neulinge zu verzeichnen, die Italo-Trues AHRCANA plus die Thrasher ENDLESS PAIN (leider nur ein schlechtes und übersteuertes Livevideo), und schließlich als superkultiges Bonbon ein AXEMASTER-Clip von 1986!

Leider ist doch deutlich mehr Schatten als Licht auf »The Polishing Of Metal« zu erspähen, so daß das innovative Konzept angesichts von zu viel belangloser Mucker leider kaum seine Vorteile wird ausspielen können. Außerdem sind die Lautstärkepegel der verschiedenen Songs extrem unterschiedlich. Da hätte ein "Polishing" in Form eines ordentliches Pre-Mastering Sinn gemacht! Kurz: EMPEROR MULTIMEDIA sollten nun wissen, wo sie für den Nachfolger den Hebel ansetzen müssen.

http://www.diskery.com/emperor/


Stefan Glas

 
© 1989-2021 Underground Empire


last Index next

UNDERGROUND EMPIRE vor dreißig Jahren!
Button: hier