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  UE-Home → History → Online Empire 47 → Review-Überblick → Rundling-Review-Überblick → HELL (GB, Nottingham) – »Human Remains«-Review last update: 20.11.2022, 22:24:48  

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HELL (GB, Nottingham) – Human Remains

NUCLEAR BLAST RECORDS/EAST WEST

Was auch immer die momentan grassierende Faszination für die Sounds "unserer Jugend" verursacht hat, vermag und will ich auch erst gar nicht zu beurteilen, da es ungemein schwierig ist, sich in die Lage der nächsten Generation zu versetzen, die in den 80er Jahren zum Teil noch gar nicht geboren war. Aber egal, an der Tatsache, daß momentan jede Menge an Bands aktiv sind, die mit direkter Referenz an jene Epoche, zumindest aber mit stilistischem Bezug darauf agieren, kommt man einfach nicht vorbei. Daß dabei mitunter auch Bands zu Ehren kommen, die selbst zur Blütezeit des Heavy Metals nicht mehr waren als eine Randnotiz, mag man böswilliger Weise zwar als "Hype" bezeichnen, auf der anderen Seite stellt aber eben dieser Umstand die Notwendigkeit von exakt jenen Formationen dar, denn in der Zwischenzeit werden jene Klänge schlichtweg als "zeitlos" bezeichnet und haben so mit Sicherheit ihre Berechtigung. Als Paradebeispiel für derlei späte Lorbeeren müssen die Briten HELL bezeichnet werden, die dieser Tage ein schon im Vorfeld gefeiertes Debutalbum (!) kredenzen und das, obwohl die Band selbst in den 80er Jahren nur durch einige Demos aufgefallen ist, zudem bereits 1987 - nach dem Selbstmord von Sänger und Gitarrist Dave Halliday - wieder aufgelöst wurden und bis vor wenigen Monaten wohl nicht mehr als einen kleinen Punkt in der schwermetallischen Historie darstellten. Weshalb also die plötzliche Euphorie? Purer Hype, oder doch mehr?

Mehr, vielmehr sogar, denn auch wenn es seinerzeit für die Herren nur bedingt zu laufen schien und auch ihre Demos nicht gerade im Übermaß in Umlauf gebracht werden konnten, so genießt zumindest die EP »White Lightning«, die noch von der Vorgängertruppe PARALEX eingespielt wurde, durchaus Kultstatus. Richtig losgetreten wurde die Lawine jedoch vor wenigen Monaten, als Andy Sneap - der nicht nur als Produzent über einen hervorragenden Ruf in der Szene verfügt, sondern seit glorreichen SABBAT-Tagen auch als Musiker - sich mit den ehemaligen Musikern dieser Truppe getroffen hat, um über eine Veröffentlichung von alten Tracks zu sprechen. Nach kurzer Zeit war man sich schließlich einig, mit David Bower war in Windeseile ein Sänger gefunden und Andy persönlich vertritt Dave Halliday an der Gitarre, wobei man erwähnen muß, daß es Dave war, der Andy einst als Lehrmeister an der Gitarre betreut hat, womit die Vorgeschichte zu »Human Remains« wohl ausreichend dokumentiert sein sollte.

Das Album wird allerdings auch völlig unabhängig davon für reichlich Gesprächsstoff sorgen, denn auf der einen Seite wird lediglich vom "Hype" die Rede sein, auch man selbst der größte Nörgler wohl HELL attestieren wird, die Essenz jener Tage auf höchstem Niveau darzubieten. Zusätzliche Angriffsfläche für Kritiker wird auch die Stimme von David Bower bieten, schließlich kommt er hinsichtlich Timbre, Phrasierung und auch Ausdruck phasenweise in die Nähe von King Diamond, dessen Gesang man ja auch wahlweise ganz fest ins Herz geschlossen hat, oder eben kategorisch ablehnt. Nicht zuletzt deshalb werden auch HELL polarisieren, keine Frage, aber auch das ist generell ein Thema bei Bands, die nicht gerade "massenkompatibel" aufspielen.

Das wirklich Faszinierende an »Human Remains« - und darüber braucht erst gar nicht diskutiert zu werden - ist jedoch die Musik an sich, denn die Songs wirken allesamt, und das trotz einer durchaus zeitgemäßen Produktion von Meister Sneap wie aus einer Zeitmaschine entsprungen und lassen sich grob als üppige Melange aus NWoBHM-Frühtaten, einer gesunden Dosis antiken Hard Rocks, sowie reichlich Exzerpten des frühen ProgRock/Metal bezeichnen.

Wer sich also an derlei Sounds immer schon ergötzen konnte, dem wird auch »Human Remains« mehr als nur zusagen, wen eine solche Stil-Mixtur dagegen noch nie ansprechen konnte, oder eine solche eventuell auch als nicht "zeitgemäß" genug erscheint, wird sich dagegen logischerweise verdammt schwer mit diesem Album tun. Die Musiker selbst wird die zweite Variante allerdings eher kalt lassen, denn jedem Fan kann man es auch als Band eben nicht immer recht machen...

http://www.hell-metal.com/

beeindruckend 13


Walter Scheurer

 
HELL (GB, Nottingham) im Überblick:
HELL (GB, Nottingham) – Human Remains (Rundling-Review von 2011)
HELL (GB, Nottingham) – The Age Of Nefarious (Rundling-Review von 2013)
HELL (GB, Nottingham) – ONLINE EMPIRE 39-"Living Underground"-Artikel
HELL (GB, Nottingham) – ONLINE EMPIRE 56-"Living Underground"-Artikel
HELL (GB, Nottingham) – News vom 25.06.2007
HELL (GB, Nottingham) – News vom 09.03.2008
HELL (GB, Nottingham) – News vom 12.08.2010
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