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”Y-Files”-Datasheet

Contents:  "Matthias Herr's Heavy Metal Lexikon Vol. 3"-Buchreview

Date:  18.02.1992 (created), 23.12.2010 (revisited), 08.02.2012 (updated)

Origin:  METAL HAMMER

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue possibly still available, check here!

Comment:

Die recht umfangreiche Besprechung von Matthias' Buch stellte den Abschlu├č der Underground-Seiten in dieser Ausgabe dar. Da seinerzeit noch l├Ąngst nicht so viele B├╝cher aus dem Themenkreis Heavy Metal erschienen, und Matthias zudem - wie dem Text zu entnehmen - in der Szene kontrovers diskutiert wurde, machte es durchaus Sinn, dem Thema etwas mehr Platz - auf dem man ansonsten h├Ątte zwei Demos plazieren k├Ânnen - einzur├Ąumen.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

Matthias Herr
Matthias Herr's Heavy Metal Lexikon Vol. 3
( Eigenverlag )

Kreuzberger N├Ąchte sind seit den Gebr├╝dern Blattschu├č bekanntlich lang. Folglich kann man da auch so allerhand anstellen. Als einem Bewohner des gekreuzten Berges in Berlin gar nichts mehr einfiel, begann er einfach, ein "Heavy Metal Lexikon" zu verfassen. Mittlerweile hat er das dritte Teil dieser Reihe auf die Menschheit losgelassen, und um dieses Werk soll es sich in den n├Ąchsten Zeilen drehen. Die Rede ist also von "Matthias Herr's [sic!] Heavy Metal Lexikon Vol. 3" wie Ihr mittlerweile wohl gepeilt habt. Wer sich schon mal mit den bisherigen B├╝chern von Matthias auseinandergesetzt hat oder schon Beurteilungen dar├╝ber geh├Ârt beziehungsweise gelesen hat, der wei├č bestimmt, da├č seine Person und sein Werk alles andere als unumstritten sind. Meinungen in allen m├Âglichen Extremen sind anzutreffen.

Das, was Matthias schreibt, eignet sich keineswegs zum kritiklosen Konsumieren bei 'ner Pulle B├Âlkstoff und 'ner T├╝te Knabbereien so wie beispielsweise jene Programme, bei denen man in der ersten Reihe sitzt, sondern will reflektiert werden, fordert zum Bilden einer eigenen Meinung auf oder aber zum erneuten ├ťberdenken dessen, was man geistig ├╝ber eine Band bereits als letzte Wahrheit archiviert hatte. Ich habe jedenfalls fast ebenso oft mit kolikartigen Kr├Ąmpfen und schmerzverzerrtem Gesicht aufgeheult wie der Hund von Baskerville bei Vollmond, wie ich selig l├Ąchelnd, mit dem Gef├╝hl, gerade mal etwas Balsam f├╝r die musikliebende Seele erhalten zu haben, mit dem Kopf nickte. Auf jeden Fall konnte ich die Artikel nutzen, mein musikalisches Weltbild (welches nahezu identisch mit meinem allgemeinen Weltbild ist) auf etwaige Unschl├╝ssigkeiten abzuklopfen.

Man mag zu Matthias stehen wie man will, man mu├č auf jeden Fall zugeben, da├č er den Mut hat, seine Meinung deutlichst ohne Besch├Ânigung zu artikulieren, ungeachtet dessen, wie unbequem sie auch sein mag. Da├č er dabei auch mal kr├Ąftig daneben greift oder ├╝ber's Ziel hinausschie├čt, ist verst├Ąndlich, von meiner Seite aus aber entschuldbar. So gesehen ist allerdings die Bezeichnung "Lexikon" f├╝r diese Buchreihe inkorrekt, da in Lexika eine objektive, wertneutrale Darstellung von Sachverhalten abgegegeben wird, w├Ąhrend Matthias bewu├čt die Bands aus seiner pers├Ânlichen, subjektiven Sicht schildert.

Da dies aber kein Pl├Ądoyer pro oder contra Matthias Herr geben soll, sondern es uns speziell um das "Heavy Metal Lexikon Vol. 3" gehen soll, will ich Euch noch etwas ├╝ber dieses Bl├Ątterwerk erz├Ąhlen. Da ├╝ber 70 Bands im dritten Lexikon von Matthias vorgestellt werden, w├Ąre es ziemlich idiotisch, einige Namen herauszupicken. Man kann sagen, da├č Matthias Bands aus allen Stilrichtungen ausgew├Ąhlt hat, wobei allerdings ein deutlicher Schwerpunkt auf Thrash- und Death Metal-Bands liegt. Und gerade da begeistert er sich f├╝r Dinge, die ich eher mit Attributen wie "Schwachsinn" bis "Klischee" schm├╝cken w├╝rde, was ich Matthias allerdings keineswegs ankreiden, denn schlie├člich sind Meinungen subjektiv, und ├╝ber Geschm├Ącker l├Ą├čt sich streiten. Ganz zweifelsohne ist Matthias aber ein Mensch, der auf Kontroversen steht und sie sogar zu suchen scheint.

Ein Buch, an dem sich wahrscheinlich die Geister scheiden werden. Ich w├╝rde es mir kaufen, wenn ich es nicht schon h├Ątte. Wer dies ebenfalls tun m├Âchte, der schicke 24,80 DM + 2,50 DM an:

Es sei gleich noch gesagt, da├č sich einige Fehler bzw. Ungenauigkeiten eingeschlichen haben, faktische ebenso wie bei den ├ťbersetzungen oder der Rechtschreibung, was bei einem Buch von 200 Seiten allerdings kaum zu vermeiden sein d├╝rfte. Schlie├člich kriege ich noch nicht mal diese wenigen Zeilen v├Ąl├Ąrrvray hin.


Stefan Glas

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