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  UE-Home → History → Online Empire 32 → Rubriken-Überblick → ''Metal Paper''-Artikel-Überblick → Bernhard Schmid – »Rock 'n' Read«-Review last update: 29.01.2023, 21:40:36  

Bernhard Schmid
Rock 'n' Read
( ROWOHLT TASCHENBUCH VERLAG, ISBN: 3-499-60803-0 )

Slang und Songlines der Rockmusik" hat Bernhard Schmid sein Buch untertitelt und macht damit das Ziel seiner Mission klar: "Rock 'n' Read" will mithelfen, den Rock'n'Roll nicht nur akustisch zu genießen, sondern auch besser lesen zu können. Ein einfaches, weithin bekanntes Beispiel: In einem Songtext müssen "balls" nicht immer ein paar Bälle bezeichnen... Doch Bernhard Schmid geht viel weiter in die Tiefe und liefert die passende Übersetzungshilfe für Texte von metapherverliebten Songschreibern.

Alphabetisch geordnet wird jeder Begriff zunächst mal ganz dudenlike mit den Werkzeugen der Sprachwissenschaft entschlüsselt und übersetzt, woraufhin sich dann ein oder zwei Beispiele aufgeführt werden, um den entsprechenden Begriff also auch in seinem natürlichen Biotop erleben zu können. Dabei werden auch einige hart rockende Bands wie AEROSMITH, GUNS N' ROSES, JETHRO TULL oder VAN HALEN zu Rate gezogen. Doch Bernhard Schmid hat sich keiner Stilrichtung verschlossen und läßt Chuck Berry ebenso zu Wort kommen wie 2Pac, Cole Porter wie THE WHO, BON JOVI wie STEPPENWOLF, die BEATLES wie die BEASTIE BOYS, PINK FLOYD wie die SEX PISTOLS, die ROLLING STONES wie Bob Marley, Jim Steinman wie Elvis Presley. Schließlich hat jede Stilrichtung ihren eigenen Dialekt, und gerade der höchst slangaffine HipHop kommt dementsprechend kräftig zum Zuge.

Auf jeden Fall dürften nach der Konsultierung von "Rock 'n' Read" kaum noch Fragen offen sein. Allerdings darf man hier und da auch die Enthüllungen Schmids anzweifeln: So glaube ich nämlich kaum, daß Frank Zappa und die BLOODHOUND GANG mit dem Begriff "heinie" - wie von Schmid behauptet - den Allerwertesten meinten, sondern wohl eher das Gegenstück auf der anderen Seite. Anyway...

Doch "Rock 'n' Read" ist mehr als eine Allzweckwaffe zur Entschlüsselung der Sprachmythen der modernen Musik, mehr als das Wörterbuch "Rock'n'Roll - Deutsch". Es eignet zwar weniger zum Seite-für-Seite-Verschlingen - dann kann man auch genausogut das Telephonbuch von München-Mitte ausweniglernen - aber es ist eine saumäßig unterhaltsame Bettlektüre, durch die man vor dem Einschlafen ein paar Minuten wahllos blättern kann, um dann immer mal wieder mit einem überraschten "Ach, das hatten die damit gemeint..." einzuschlafen. Doppeldeutige Träume garantiert...


Stefan Glas

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