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Bernhard Schmid
Rock 'n' Read
( ROWOHLT TASCHENBUCH VERLAG, ISBN: 3-499-60803-0 )

Slang und Songlines der Rockmusik" hat Bernhard Schmid sein Buch untertitelt und macht damit das Ziel seiner Mission klar: "Rock 'n' Read" will mithelfen, den Rock'n'Roll nicht nur akustisch zu genie├čen, sondern auch besser lesen zu k├Ânnen. Ein einfaches, weithin bekanntes Beispiel: In einem Songtext m├╝ssen "balls" nicht immer ein paar B├Ąlle bezeichnen... Doch Bernhard Schmid geht viel weiter in die Tiefe und liefert die passende ├ťbersetzungshilfe f├╝r Texte von metapherverliebten Songschreibern.

Alphabetisch geordnet wird jeder Begriff zun├Ąchst mal ganz dudenlike mit den Werkzeugen der Sprachwissenschaft entschl├╝sselt und ├╝bersetzt, woraufhin sich dann ein oder zwei Beispiele aufgef├╝hrt werden, um den entsprechenden Begriff also auch in seinem nat├╝rlichen Biotop erleben zu k├Ânnen. Dabei werden auch einige hart rockende Bands wie AEROSMITH, GUNS N' ROSES, JETHRO TULL oder VAN HALEN zu Rate gezogen. Doch Bernhard Schmid hat sich keiner Stilrichtung verschlossen und l├Ą├čt Chuck Berry ebenso zu Wort kommen wie 2Pac, Cole Porter wie THE WHO, BON JOVI wie STEPPENWOLF, die BEATLES wie die BEASTIE BOYS, PINK FLOYD wie die SEX PISTOLS, die ROLLING STONES wie Bob Marley, Jim Steinman wie Elvis Presley. Schlie├člich hat jede Stilrichtung ihren eigenen Dialekt, und gerade der h├Âchst slangaffine HipHop kommt dementsprechend kr├Ąftig zum Zuge.

Auf jeden Fall d├╝rften nach der Konsultierung von "Rock 'n' Read" kaum noch Fragen offen sein. Allerdings darf man hier und da auch die Enth├╝llungen Schmids anzweifeln: So glaube ich n├Ąmlich kaum, da├č Frank Zappa und die BLOODHOUND GANG mit dem Begriff "heinie" - wie von Schmid behauptet - den Allerwertesten meinten, sondern wohl eher das Gegenst├╝ck auf der anderen Seite. Anyway...

Doch "Rock 'n' Read" ist mehr als eine Allzweckwaffe zur Entschl├╝sselung der Sprachmythen der modernen Musik, mehr als das W├Ârterbuch "Rock'n'Roll - Deutsch". Es eignet zwar weniger zum Seite-f├╝r-Seite-Verschlingen - dann kann man auch genausogut das Telephonbuch von M├╝nchen-Mitte ausweniglernen - aber es ist eine saum├Ą├čig unterhaltsame Bettlekt├╝re, durch die man vor dem Einschlafen ein paar Minuten wahllos bl├Ąttern kann, um dann immer mal wieder mit einem ├╝berraschten "Ach, das hatten die damit gemeint..." einzuschlafen. Doppeldeutige Tr├Ąume garantiert...


Stefan Glas

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