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Jon Lord

Beyond The Notes - Live



CAPITOL RECORDS

DVD



Catrin Thul


Plattenfirmen (hier: CAPITOL RECORDS, eine Tochterfirma von EMI MUSIC GERMANY) können also auch schnell arbeiten. Das Konzert fand am 5. Oktober statt, die DVD steht seit dem 13. Dezember (des selben Jahres wohlgemerkt!) in den Läden. Und gut gemacht ist sie auch noch! Musikalisch bietet sie Fans und sonstigen Jon Lord-Kennern keine großen Überraschungen: Wir sehen und hören die bereits auf der letzten Tour 1999 gespielte Hommage an Dave Brubeck namens ›Unsquare Dance‹, den Titelsong des letzten Albums »Pictured Within«, vier Songs von »Sarabande« aus dem Jahr 1975 und acht Titel des aktuellen Albums »Beyond The Notes«. Für Statistiker ist es natürlich bemerkenswert, daß letztere Gruppe immerhin zwei Songs enthält, die ganze sechs Tage vorher beim Konzert in St. Wendel nicht gespielt wurden; dafür wurden die einzigen beiden Stücke, die nicht von den drei genannten Alben stammen, weggelassen. Laut Zeugenaussagen wurden in Köln auch ›Wait A While‹ und ›Song For Miriam‹ gespielt, diese Stücke haben es aber aus unbekanntem Grund nicht auf die DVD geschafft.

Zur Aufmachung: ein recht liebevoll gestaltetes Booklet (heute leider alles andere als selbstverständlich!) enthält auf acht Seiten ein kurzes Grußwort, vollständige Credits und sonstige Danksagungen. Außerdem werden alle Soloisten mit Bild und Namen vorgestellt. Das Bonus-Material (auf der DVD selbst heißt der Menüpunkt "Beyond The Scenes" und enthält die anderen Punkte) ist mit 25 Minuten angegeben, was sich auf die Laufzeit von "Making of" und "Interview" bezieht. Ersteres zeigt die Musiker bei ihrer jeweiligen Ankunft in der Halle in Köln und kurze Statements von Miller Anderson und Sam Brown. Bei dem Interview scheint es sich um das Promo-Material zum Album zu handeln: Die Fragen erscheinen auf Texttafeln, Jon sitzt vor einer sehr neutralen und sehr grünen Wand. Die Fragen drehen sich alle um das Album beziehungsweise Jons genereller Arbeitsweise als Komponist und werden sehr ernsthaft beantwortet. Der von seinen Fans so geschätzte britische Humor flackert (leider) nur an zwei Stellen sehr kurz auf. Irgendwie scheinen die Briten die EU nicht zu mögen... In der Laufzeit nicht mitgerechnet ist die Zeit, die man braucht, um sich die Texttafeln unter "Biography" (es handelt sich nicht wirklich um eine Biographie, sondern um Hintergrund-Informationen zum Album) und "Discography" (die aber nur die beiden letzten Alben enthält!) zu lesen.

Wie angegeben handelt es sich um 130 Minuten Konzertaufnahmen. Und das in guter Bildqualität - benutzt wurden offensichtlich keine Digital-Kameras - und in schönen warmen Farben. Die Schnitte sind der Musik und dem vermuteten Alter der Zielgruppe angepaßt: normalerweise nicht gerade schnell - und wenn doch, dann an Stellen, wo es zu der Dynamik des jeweiligen Songs paßt. Ein bißchen erinnert mich das Ganze an die guten alten "MTV Unplugged"-Sendungen, nur eben etwas größer. Für Fans außerhalb Deutschlands (die Jons TV-Auftritte - meiner Zählung nach bis jetzt vier - nicht sehen konnten) dürfte der Auftritt von Frida (der Damals-nicht-nun-aber-schon-Blonden von ABBA) am interessantesten sein. Man sieht ihr zwar genau so "viele" Emotionen an, wie sie bei den TV-Auftritten gezeigt hat - aber immerhin bleibt ihr Mikrofon angeschaltet, so daß sie hinterher noch ein bißchen was sagen und sich bedanken darf. Ich bedaure es trotzdem, daß dafür Sam Brown als Solosängerin nur bei einem Song zu bewundern ist (in St. Wendel waren es drei)... Und Miller Andersons Stimme ist immer noch eine Klasse für sich! Musikalisch am bemerkenswertesten ist meiner Meinung nach, daß es bei Jon Lords heutigen Konzerten offensichtlich problemlos möglich ist, etwas zu experimentieren: Beim "Telemann Experiment" kommt eine junge Dame mit einem höchst interessanten Instrument namens Keyed Fiddle (einer Geige mit Tasten) auf die Bühne und spielt die Einleitung. Und die Solo-Einlagen von Jon an der Orgel wie auch von Bert und Mario (drums und percussion) sind tatsächlich anders als sechs Tage zuvor... Als Bandleader ist übrigens nicht etwa der Gitarist oder der Keyboarder angeben. Nein, es ist Percussionist Mario Argandona!

Fazit: unbedingte Kaufempfehlung an alle Jon Lord-(wahlweise Frida, Sam Brown, Miller Anderson etc.)-Fans, sowie an die, die es werden wollen, und an Liebhaber von Klassik-Pop-Crossover-Projekten. Die einzigen Kritikpunkte, die ich gefunden habe, sind die Benennung der Punkte des Bonusmaterials - und das will was heißen! ;-)

http://www.jonlord.org/

 
Jon Lord im Überblick:
Jon Lord – Beyond The Notes (Rundling-Review von 2005)
Jon Lord – Concerto For Group And Orchestra (Rundling-Review von 2012)
Jon Lord – Gemini Suite (Re-Release-Review von 2017)
Jon Lord – ONLINE EMPIRE 21-"Living Underground"-Artikel
Jon Lord – ONLINE EMPIRE 23-"Eye 2 I"-Artikel: »Beyond The Notes - Live«
Jon Lord – ONLINE EMPIRE 41-"Living Underground"-Artikel
Jon Lord – News vom 03.07.2007
Jon Lord – News vom 22.11.2010
Jon Lord – News vom 23.05.2011
Playlist: Jon Lord-Album »Concerto For Group And Orchestra« in "Jahrescharts 2012" auf Platz 3 von Stefan Glas
Playlist: Jon Lord-Album »Pictured Within« in der Kategorie "aktuelle Faves" auf Platz 2 von Thomas Heyer
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