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Sampler

Pete York's "Super Drumming" - Volume 1



IN-AKUSTIK

DVD



Catrin Thul


Hat man sich erst mal durch die leicht seltsame Menu-Benennung gekämpft, gibt es an dieser DVD eigentlich nicht viel zu meckern... Nun ja, außer daß es gelinde gesagt etwas seltsam ist, bei einer Musikveröffentlichung die Songwriting-Credits (mit Ausnahme einer der beiden Jon Lord-Kompositionen und Igor Strawinskis ›Feuervogel‹) weder im Klappentext noch auf der DVD selbst zu nennen (auf den diversen LP- und CD-Versionen zur "Super Drumming"-Fernsehserie gab es die ja schließlich auch!)

Ansonsten: Die DVD ist regiocode free - sehr praktisch für den internationalen Mini-Markt. Leider konnte ich nicht rausgefunden, ob sie nun PAL oder NTSC ist. Außerdem steht da was von sechs Menu-Languages - ich habe nur eine (nämlich Englisch) gefunden... Der Ton ist sehr gut (wahlweise PCM Stereo oder Dolby Digital 5.1), das Bild eben Fernsehen anno 1987/'88 - nicht wirklich klasse, aber auch nicht schlecht.

Die "Features" (Pete York erklärt jeweils gut fünf Minuten lang, wie es zu der Idee der Sendung kam und stellt die beiden Staffeln kurz vor) kann man entweder in Englisch abspielen - oder auf "Pete York-Deutsch" (wer den Mann mal reden gehört hat, weiß was ich meine...) Die beiden Versionen sind textlich nicht identisch, aber wenn man nur eine sieht, verpaßt man nicht viel. Bemerkenswert: alles ist in einem Take aufgenommen, mit einer Kamera ohne Schnitt, offensichtlich bei ihm zu Hause mit einer Privatkamera - aber mit vernünftigen Mikro (Hallo, Mr. Paice!)

"Special 1" besteht aus zehn Songs (allesamt Instrumentals) aus der ersten Staffel - aufgenommen im Februar 1987 in einer stillgelegten Kirche in der Nähe von Ulm. Die Band bestand damals nur aus Brian Auger (org), Gerd Wilden (k), Peter Woelpl (g), Wolfgang Schmid (b) - kennen muß man da wohl nur den Erstgenannten. Die Schlagzeuger aus dem Bereich Rockmusik sind: Cozy Powell (R.I.P. - vorher bei RAINBOW, BLACK SABBATH, WHITESNAKE, usw.), Ian Paice (Hauptberuf: letztes Original-DEEP PURPLE-Mitglied) und Simon Phillips (war der mal länger in irgendeiner Band?) Aus dem Jazzbereich zu hören sind Gerry Brown und Louie Bellson, sowie der Percussionist Nippy Noya und natürlich Pete York selbst. Als Nummer 11 gibt es dann noch "I Got Rhythm (The Last Round Up)" - da spielen die Herren nacheinander je ein Solo - verbunden durch jeweils ein paar Sekunden von Pete York und seiner Band.

"Special 2" besteht aus 14 Songs aus der zweiten Staffel - aufgenommen im August 1988 im ehemaligen Stahlwerk in Völklingen im Saarland. An der Orgel ist nun Eddie Hardin zu hören, als Gäste gibt es Miller Anderson (g), Colin Hodgkinson (b) und Jon Lord (noch 'ne Orgel und E-Klavier), die Herren Wilden, Woelpl und Schmid sind immer noch dabei - ach ja: und Rick Keller am Saxophon. Nicht aufgelistet sind die Tatsachen, daß auch Schmid mal Keyboard spielt, daß Rick Keller auch querflöten kann, daß es zwei Dudelsack-Soli und eine "Huh"-hauchende Sängerin gibt. Die rockenden Schlagzeuger: Zak Starkey (der damals noch relativ unbekannte Sohn von Ringo Starr), Bill Bruford (YES, GENESIS, etc.), Nicko McBrain (IRON MAIDEN), sowie der Jazzer Billy Cobham und die Percussionisten Nippy Noya sowie Freddy Santiago. Beim ersten Song (einem Medley bestehend aus SPENCER DAVIS GROUP-Songs) wird sogar gesungen (nämlich von Eddie Hardin) - in der Fernsehsendung gab es noch weitere Titel mit Gesang, die wurden aber nicht auf diese DVD gepackt.

Das große inhaltliche Manko dieser Veröffentlichung ist, daß die Interviews und Ansagen/Erklärungen von Pete York fehlen, die ursprünglich die Fernsehsendung ausmachten. Dave Mattacks fehlt übrigens auch, obwohl er auf dem Cover genannt und in Petes "Feature" über Special 2 benannt wird... Da ist wohl mal wieder was in der letzten Sekunde geändert worden.

Kommen wir zu einigen Anspieltips:

FĂĽr Heavy Metal-Fans:

Special 1, Song 1: Cozy Powell: ›Dance With The Devil‹ (damit hatte er übrigens vor mittlerweile 30 Jahren mal einen Solohit)

Special 1, Song 8: Ian Paice: ›Ian's Shuffle‹

Special 2, Song 10: Nicko McBrain: ›R.U.N.‹

danach dann die jeweils zweiten Songs der genannten Herren.

FĂĽr Fans von 80er Jahre-Klamotten-Farb-Fehlgriffen:

Special 1, Song 2: ›Collapso, Calypso‹ (autsch: gelbes Shirt und rosa Jacke sehen auch an Pete York nicht unbedingt gut aus, knapp geschlagen: Nippys Schuhe)

Special 1, Song 7: ›Train Smash‹ (Petes Jacke sollte wohl zu Cozys Hemd und Peters Gitarre passen - tut sie aber nicht!)

Teilweise sind auch die Herren Woelpl und Schmid treffsicher gekleidet...

In Special 2 geht es schon geschmackssicherer zu, Bill Brufords grünes Hemd kombiniert mit pinkfarbenem Schlips und Jon Lords angegraute Hairspray-Frisur gepaart mit riesiger Sonnenbrille und Schulterpolster-Jackett sind schon das höchste der Verirrungen...

FĂĽr Fans von Videoclips:

Special 1, Song 4: ›Life On The Road‹ (mit hineingeschnittenen Szenen aus dem Tourleben)

Special 2, Songs 11-14: ›Amazonas Suite‹ (das kann man nicht beschreiben - da wurde zum Ende noch mal richtig aufgedreht...

FĂĽr Fans von offenem Feuer:

Special 2, Song 5: ›Sarabande‹ (fälschlicherweise im Insert als "Sarabande Suite" bezeichnet - im Gegensatz zur LP-Version handelt es sich hier aber nur um den Teil ›Sarabande‹): die gesamte Halle ist mit brennenden Kerzen übersäht. In Song 6: ›Gigue‹ (auf der LP-Version der dritte Teil der ›Sarabande Suite‹) stehen die Kerzen übrigens noch, brennen aber nicht mehr.

Special 2, Song 7: ›Firebird Suite‹: der Aufnahmeort ist die Gasgebläsehalle - und nun gibt es Dutzende von brennenden Gas-Fackeln. Recht imposant.

Die Bonus-DVD enthält eine etwa dreißigminütige Fernseh-Dokumentation über die Stillegung des Stahlwerks und die Dreharbeiten zur zweiten Staffel - "Tatort Stahlwerk", ganz nett. Die Macher müssen schwer von Jon Lord beeindruckt gewesen sein - oder nur ihn gekannt haben: Am Anfang wird nur er als prominenter Gast genannt - später dann Bill Bruford, Nicko McBrain und Jon Lord - und gespielt werden folgerichtig als Songbeispiel auch Johns ›Sarabande‹.

Die tolle neue Kameratechnik wird auch erwähnt. Der zweite Track namens "Klangverbesserung" beschreibt zuerst die - Zitat - "fortschrittliche Digitaltechnik" und wird dann zu einem Werbefilm für IN-AKUSTIK-Kabel. Nun ja, schlimmer als die sonst auf Musik-DVDs üblichen Trailer für andere DVDs der selben Firma ist das auch nicht - wahrscheinlich sogar informativer.

So, ich warte jetzt darauf, daĂź auch der dritte "Super Drumming"-Teil auf DVD erscheint. Da die Songs dort dann wesentlich kommerzieller (=bekannter und mit Gesang bedacht) wurden, dĂĽrfte das ja kein Risiko darstellen...

Fazit: unbedingt kaufenswert (wenn man Fan des einen oder anderen Musikers ist) und bei einem Preis von 16,99 Euro fĂĽr 1,5 DVDs z.B. bei Amazon kann man da kaum was falsch machen.

 
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