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Dokumentation

Hype!



ATTRACTION MOVIES

DVD



Stefan Glas


"Hype!" stellt gewissermaßen die Grabinschrift auf einem musikalischen Trend dar, der Anfang der Neunziger die Musikwelt auf den Kopf stellte: Grunge. "Hype!" wurde nämlich 1996 gedreht, als der Spuk schon mehr oder minder vorbei war.

Es erstaunlich, wie lange es die Macher schaffen, das Wort "NIRVANA" nicht zu erwähnen und auch keine Bilder von der Band zu zeigen, obwohl doch schon auf dem Cover damit geworben wird, daß man hier die erste Liveaufführung von ›Smells Like Teen Spirit‹ sehen könne. Schließlich steht es außer Frage, daß die Grungewelle mit NIRVANA stand und fiel - oder genauer gesagt: im Gleichschritt mit dem Erfolg NIRVANAs ihren Hysteriehöhepunkt erreichte und mit dem Tod von NIRVANA-Kopf Kurt Cobain dem Untergang geweiht war.

Aber es geht den "Hype!"-Machern nicht darum, die (vermeintlichen) Glanzlichter der Grungebewegung in den Vordergrund zu stellen, sondern man taucht tief in die Geschichte ein und forscht nach den Wurzeln, die dafür sorgten, daß man zwei bis drei Jahre lang meinen konnte, die Musikwelt würde nur aus Seattle bestehen und daß außerhalb der Grenzen dieser Stadt im Nordosten der USA niemand eine Gitarre anfassen würde.

So taucht im Lauf dieser Geschichtsforschung auch ein Flyer von THE LEWD auf, was die Frage aufwirft, ob Kurdt Vanderhoof vielleicht am Grunge schuld war... Äh, etwas konkreter und weniger ironisch: THE LEWD waren eine Punkband, bei der der spätere MURDER- und DIE SIEGER-Gitarrist Bob Clic oder eben auch der spätere METAL CHURCH-Mainman spielte; Kurdt agierte bei THE LEWD unter dem Spitznamen "Blobbo" und bediente den Baß, was deutlich macht, daß er in seiner Karriere als Musiker einen dezenten Wandel durchgemacht hat.

Doch Punk ist ein gutes Thema, denn dieser Film macht deutlich, daß die Grunger keineswegs das Rad neu erfunden hatten, sondern einfach den Punk wiederbelebten und ein wenig nach ihrem Gusto zurechtbogen. Dabei beweist eine Band wie BLOOD CIRCUS, die ebenfalls in diesem Film vorkommt, daß beim Grunge die Grenzen zum Heavy Metal fließend waren.

So zeigt "Hype!" auf, daß zur Zeit der großen Grungewelle ganz unterschiedliche Bands existierten - ja, sogar besagte METAL CHURCH sollten diese Phase überleben. Kein Wunder also, daß die Majorplattenfirmen, die damals blind alle Bands signten, die aus Seattle stammten, den ein oder anderen Fehlgriff taten und sich hinterher wunderten, was sie sich da mit fetten Vorauszahlungen in Millionenhöhe in ihren Stall gelockt hatten...

Bedenkt man jedoch, daß letztendlich nur vier dieser Seattlebands - in kommerzieller Hinsicht - riesengroß wurden, nämlich NIRVANA, SOUNDGARDEN, ALICE IN CHAINS und PEARL JAM, ist es erstaunlich, welchen Einfluß Grunge nehmen konnte und es schaffen sollte, die komplette Szene dermaßen umzukrempeln.

Doch auch die "Macht" des Grunge war nur begrenzt, denn die Neunziger überlebt hat letztendlich dennoch keine dieser Bands, und so muß man heute eher von einem Phänomen sprechen muß, das aber von der aktuellen Musik kaum noch reflektiert wird, während sich andere Stilrichtungen, die seinerzeit unter dem Grunge heftig zu leiden hatten - sei es Melodic Rock, Hard Rock oder Heavy Metal in all ihren stilistischen Variationen, die in den Achtzigern existiert hatten - schon längst wieder florieren. Offensichtlich war Grunge eben doch nur ein kurzlebiger Hype gewesen - zumindest das, was Geld und Kommerz aus einer einstigen Undergroundbewegung gemacht hatten.

 
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