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  UE-Home → History → Online Empire 47 → Editorial last update: 27.11.2019, 23:10:34  

ByeSpace!

Meine Herren, ich bin stinksauer! Da hatten wir uns nach Jahren endlich an diese Plage, diese Pestbeule namens MySpace gew├Âhnt und sogar gewisse kleine Vorz├╝ge sch├Ątzengelernt (Tributeseiten f├╝r l├Ąngst aufgel├Âste Bands, worauf wir immer ausgiebig in den News hingeweisen haben, oder die Tatsache, da├č hier von neuen Projekten sehr schnell Informationen zug├Ąnglich gemacht werden konnten, um mal zwei Beispiele zu nennen); f├╝r uns hatte dieser Proze├č allersp├Ątestens mit dem Editorial der unserer 28. Ausgabe begonnen. Nein, geliebt haben wir MySpace nach all' den Jahren immer noch nicht, aber wir haben gelernt, es in seiner enormen Unvollkommenheit anzunehmen und seine positiven Seiten zu sehen - und jetzt das! Jetzt schie├čen sich die MS-Herren einfach selbst aus dem Rennen...

Ende letzten Jahres stellten die Macher ein neues Design vor, das derart jeglicher Beschreibung spottet und eine programmiertechnische Katastrophe von apokalyptischen Ausma├čen darstellt, da├č man seither auf unglaublich vielen Seiten ├╝berdeutliche Unmuts├Ąu├čerungen findet - oder zumeist gleich den Hinweis, da├č man mit dem "neuen" MySpace nix mehr am Hut haben m├Âchte und die Seite ab sofort nicht mehr gepflegt wird. Wohl jenen Bands, die clever genug waren, ihre eigene Webseite zu behalten - und sei es, da├č sie sie heute nur als Schaltzentrale f├╝r die diversen Web 2.0-Seiten wie Twitter, YouTube & Co. zu nutzen. Hatte MySpace schon immer Performanceprobleme, so da├č selbst mit einer dicken Leitung beim Betreten einer MySpace-Seite normalerweise auch noch nach Minuten der Browser uns mitteilen konnte, auf welche Seite er jetzt wartet, um noch Daten geliefert zu bekommen, mu├č die einstige Situation heute als pardiesischer Zustand angepriesen werden. Statt diesem Wahnsinn der endlosen Ladezeiten ein Ende zu setzen, wurde das gesamte MySpace-Konstrukt mit Javascript und Flash weiter hochgeblasen, bei dem wirklich jeder Furz animiert werden mu├čte (wobei auch Monate nach dem Launch der neuen Version manche Elemente immer noch nicht komplett funktionieren!), so da├č MySpace mittlerweile v├Âllig unbennutzbar ist.

Anstatt zu erkennen, da├č MySpace gerade auf dem Musiksektor ein sehr n├╝tzliches Werkzeug ist, und die Community auf die entsprechenden Bed├╝rfnisse zuzuschneiden und an dieser Stelle auch mitzuverdienen, hat man es sich gerade mit den Bands verscherzt, doch Medienmogul Rupert Murdoch mit seinem NEWS CORPORATION-Imperium, der MySpace im Juli 2005 f├╝r 580 Millionen US-Dollar gekauft hat, gab offensichtlich eine andere Marschrichtung aus, die wohl mehr auf Filme abzielt, weil man dort wohl noch mehr Geld vermutet als bei der am Hungertuch nagenden Musikindustrie. Deshalb wird man auf MySpace nun permanent mit Trailern von irgendwelchen uninteressanten Streifen zugespammt, so da├č man schon Unbehagen in der Magengrube versp├╝rt, bevor man den Link zu einer MySpace-Seite anklickt.

Auf alle F├Ąlle ist seit einigen Monaten eine digitale V├Âlkerwanderungen sondergleichen von MySpace zu Facebook zu beobachten, der sich der ├╝berwiegende Gro├čteil von Bands angeschlossen hat, w├Ąhrend die MySpace-Seite allenfalls noch stiefm├╝tterlich behandelt wird. Da Facebook sp├Ątestens im Jahr 2010 auch in Deutschland seinen Siegeszug vollenden konnte, wird diese Umorientierung auch hierzulande kaum Konsequenzen haben, au├čer da├č die im Browser erscheinende Adresse im Anfangsteil auf "www.facebook.com" statt auf "www.myspace.com" lautet. Denn Facebook haben es just zum richtigen Zeitpunkt geschafft, f├╝r Bands eine halbwegs klare Adresse im Stile "www.facebook.com plus Bandname" anzubieten, statt jener monstr├Âsen Endlos-URLs, die man zuvor noch angeben mu├čte. Auch die Einbindung von Musik auf Facebook wurde vorangetrieben, so da├č die "d├╝mmliche ├ťbernahme" quasi reibungslos vonstatten ging...

Jetzt d├╝rfen wir uns also mit neuen Web 2.0-Problemen rum├Ąrgern. ├ťber die sehr seltsamen Auffassungen zum Thema Datenschutz im Hause Facebook beispielsweise wurde in den letzten Monaten in allen nur erdenklichen Medien ja schon ausgiebig - von rei├čerisch bis zu konstruktiv - diskutiert. Aber auch andere Probleme sind schon abzusehen, so wie es beispielsweise unm├Âglich ist, aus dem Wust an der Pinnwand einer Band, wo wirklich jeder belanglose D├╝nnschu├č dokumentiert wird, die wirklich wichtigen News rauszufiltern, w├Ąhrend man auf MySpace immerhin noch ab und zu in den Blog schauen konnte, um dort nach Eintr├Ągen zu forschen. Abgesehen davon konnte auf MySpace auch ein nicht angemeldeter Surfer auf alle Infos zugreifen, w├Ąhrend auf Facebook ohne vorherige Anmeldung kaum etwas geht. Und - juhu! - jetzt k├Ânnen wir das sch├Âne Spiel namens "Freundewerben" wieder ganz neu spielen, w├Ąhrend wir parallel bei Farmville Kohlk├Âppe z├╝chten und einen entlaufenen Gei├čbock suchen...

Na ja, aber wir werden uns auch an diese neue Plage gew├Âhnen, wie wir es einst mit MySpace getan hatten. Schlie├člich ist der Mensch anpa├čungsf├Ąhig...

...und jetzt ausgespaced...

Stefan Glas

P.S.: Als Coverk├╝nstlerin k├Ânnen wir heuer eine Debutantin ank├╝ndigen, die hier ihre erste Ver├Âffentlichung feiert: Josefine "Josi" Hoffmann. Ich durfte Josi kennenlernen, da sie beim HEAVY-Magazin ein Praktikum absolvierte. Schnell stellte sich heraus, da├č Josi nicht nur bildh├╝bsch, intelligent und charmant ist, sondern zu allem ├ťberflu├č auch noch eine talentierte K├╝nstlerin in ihr steckt. Zwar handelt es sich hier um das erste Werk von Josi, das an die ├ľffentlichkeit gelangt, doch sie stellt ihre K├╝nste gerne auch Bands f├╝r Coverartworks zur Verf├╝gung. Leider hat Josi noch keine Homepage f├╝r ihre Werke, doch Interessenten k├Ânnen sie per E-Mail kontaktieren.

 
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