UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 35 → Editorial last update: 07.12.2018, 16:45:36  

Much too much?

Der Fluch des ├ťberflusses in der Unterhaltungsbranche. Er hat uns fest im Griff! Ganz gleich wo man hinschaut - das Res├╝mee ist immer das gleiche: So sch├Ân es auch sein mag, wenn man keinen Mangel leiden mu├č, so ist mittlerweile alles extrem ausgeufert. Vielleicht zu sehr...

Schaut man auf das Kino, so mu├č man feststellen, da├č es fr├╝her einzelne Ikonen gab, w├Ąhrend sich heute eine gro├če Masse an Schauspielern um die Topzuschauergunst streitet. Nicht anders ist es im Modelbusiness: Fr├╝her gab es Cindy Crawford, Claudia Schiffer & Co. Damen, die - in jenem Rahmen, der dabei m├Âglich war - als Pers├Ânlichkeiten wahrgenommen wurden, die wahre Topmodels waren und die in den Neunzigern die Rolle ├╝bernommen hatten, die fr├╝her Schauspielerinnen zugekommen war. Doch schon l├Ąngst sind es nur noch viele namenlose Sch├Ânheiten - sp├Ątestens seit Laetitia Casta, die es vielleicht als letzte geschafft hatte, sich ein eigenes Profil zu schaffen und nicht lediglich als ein sch├Ânes Gesicht mit perfektem K├Ârper wahrgenommen zu werden. Heute ringt der potentielle Nachwuchs unter der Federf├╝hrung von Heidi Klum um den Titel "Germany's Next Topmodel", doch es d├╝rfte jetzt schon feststehen, da├č keine jemals ihrer derzeitigen Vort├Ąnzerin den Rang anlaufen kann. Nicht etwa weil diese Newcomerinnen so viel schlechter w├Ąren, sondern einfach weil sich die Zeiten ge├Ąndert haben: der k├╝nstlich herbeigef├╝hrte Verschlei├č, der heutzutage herrscht, wo jeden Tag ein neues Gesicht, ein neuer Trend und nat├╝rlich viiiele neue Skandale entdeckt werden m├╝ssen - diese pure Idiotie macht es unm├Âglich.

├ähnliches gilt f├╝r die Plattenindustrie, die aus der Vergangenheit nichts gelernt hat, und im Angesicht ihres bevorstehenden Untergangs mit einem immer h├Âher werdenden Irrsinnstempo neues Muckerfutter durch den Wolf dreht, statt wirklich hoffnungsvolle K├╝nstler behutsam aufzubauen. Andererseits: Wer will es ihnen verdenken, wenn diese Imperien von einst vielleicht schon in f├╝nf oder zehn Jahren komplett verschwunden sind... Gl├╝cklicherweise ist dies - wie auch der Absturz der Verkaufszahlen - auf dem Metalsektor noch nicht ganz so schlimm, aber dennoch ist die ├ťberflutung mit neuen Produkten immens - ganz gleich, ob es Newcomer sind oder etabliertere Bands, an die die Labels mittlerweile den Anspruch stellen, da├č im Jahr mindestens drei bis vier neue Produkte auf den Markt m├╝ssen, was zu einer Flut von oft halbherzigen Best Of-, Live- oder DVD-Ver├Âffentlichungen f├╝hrt. ├ťberspitzt formuliert gesagt kamen Anfang der Achtziger, als der Metal aufzubl├╝hen begann, pro Monat soviele Releases heraus wie heute an einem Tag...

Anstatt wie heute in permanenter Hektik zu leben, hatte man fr├╝her als Fan gen├╝gend Zeit, seine Lieblinge zu finden, und diese konnten im Umkehrschlu├č eine gro├če Fanschar hinter sich versammeln - wovon viele heute noch zehren k├Ânnen. Doch so un├╝berschaubar die Szene heute auch sein mag, sie bringt doch einen Vorteil mit sich: Dank der vielen Bands und der Abstufungen eines Stils, kann jeder die ma├čgeschneiderte Band f├╝r sich finden. Und wer noch nicht resigniert hat oder sich schon l├Ąngst bei den Ewiggestrigen eingeordnet hat, der kann auch heute immer noch viele interessante neue Bands entdecken. Denn mal ganz ehrlich: Auch die Old Schooler werden zugeben m├╝ssen, da├č die Lieblinge aus fr├╝heren Tagen, die mittlerweile zu Legenden geworden sind, mit ihren aktuellen Ver├Âffentlichungen - wenn sie denn mal solche zustandbringen... - nicht im Geringsten gegen ihre Klassiker anstinken k├Ânnen und dies nicht allein daran liegt, da├č mit den alten Perlen nat├╝rlich auch viele Emotionen untrennbar verbunden sind. Allerdings gibt es einige wenige erfreuliche Ausnahmen von dieser Regel: IRON MAIDEN sind mit ihrem aktuellen Silberling ┬╗A Matter Of Life And Death┬ź ein perfektes Beispiel daf├╝r, da├č man sehr wohl nach fast 30 Jahren Bandgeschichte eines seiner besten Alben ver├Âffentlichen kann - ohne dabei zum Selbstplagiat zu werden oder sich irgendwelchen Trends anzubiedern. Oder dann w├Ąren da noch wie immer RUSH, doch diese Truppe l├Ąuft seit jeher au├čer Konkurrenz, spielt sich in einer Liga, in der sie seit jeher im Grunde ganz alleine sind. Dennoch - nochmal ganz ehrlich - neue Stilrichtungen wie der G├Âteborg-Sound, Metalcore, Gothic oder Folk-Metal haben in den letzten zehn Jahren weitaus faszinierendere H├Ârerlebnisse zutagegef├Ârdert als irgendwelche betagte Acts mit ihren neuen Songs.

Doch ich kann mit dieser Situation gut leben: die alten Klassiker in Ehren halten und - sofern noch m├Âglich - live genie├čen, doch bei jungen Bands nach neuen Kicks suchen. Die richtige Mischung aus Old und New School macht's eben! Es bleibt nat├╝rlich die Problematik, da├č sich angesichts des eingangs erw├Ąhnten ├ťberflusses die Suche ein wenig anstrengend gestaltet, doch so manche Neuentdeckung ist diese M├╝hen rundum wert!

Never enough...

Stefan Glas

P.S.: "Umseitig" k├Ânnt Ihr ein Kunstwerk von Mike Hrubovcak bewundern. Der Musiker, der unter anderem bei MONSTROSITY oder DIVINE RAPTURE spielt, hat in der Vergangenheit bereits Cover f├╝r Bands wie GRAVE, MORTICIAN, CATTLE DECAPITATION oder SINISTER entworfen. Auf seiner Homepage findet Ihr etliche Beispiele seiner Arbeit.

 
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