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  UE-Home → History → Online Empire 47 → Editorial last update: 18.06.2022, 10:01:29  

ByeSpace!

Meine Herren, ich bin stinksauer! Da hatten wir uns nach Jahren endlich an diese Plage, diese Pestbeule namens MySpace gewöhnt und sogar gewisse kleine Vorzüge schätzengelernt (Tributeseiten für längst aufgelöste Bands, worauf wir immer ausgiebig in den News hingeweisen haben, oder die Tatsache, daß hier von neuen Projekten sehr schnell Informationen zugänglich gemacht werden konnten, um mal zwei Beispiele zu nennen); für uns hatte dieser Prozeß allerspätestens mit dem Editorial der unserer 28. Ausgabe begonnen. Nein, geliebt haben wir MySpace nach all' den Jahren immer noch nicht, aber wir haben gelernt, es in seiner enormen Unvollkommenheit anzunehmen und seine positiven Seiten zu sehen - und jetzt das! Jetzt schießen sich die MS-Herren einfach selbst aus dem Rennen...

Ende letzten Jahres stellten die Macher ein neues Design vor, das derart jeglicher Beschreibung spottet und eine programmiertechnische Katastrophe von apokalyptischen Ausmaßen darstellt, daß man seither auf unglaublich vielen Seiten überdeutliche Unmutsäußerungen findet - oder zumeist gleich den Hinweis, daß man mit dem "neuen" MySpace nix mehr am Hut haben möchte und die Seite ab sofort nicht mehr gepflegt wird. Wohl jenen Bands, die clever genug waren, ihre eigene Webseite zu behalten - und sei es, daß sie sie heute nur als Schaltzentrale für die diversen Web 2.0-Seiten wie Twitter, YouTube & Co. zu nutzen. Hatte MySpace schon immer Performanceprobleme, so daß selbst mit einer dicken Leitung beim Betreten einer MySpace-Seite normalerweise auch noch nach Minuten der Browser uns mitteilen konnte, auf welche Seite er jetzt wartet, um noch Daten geliefert zu bekommen, muß die einstige Situation heute als pardiesischer Zustand angepriesen werden. Statt diesem Wahnsinn der endlosen Ladezeiten ein Ende zu setzen, wurde das gesamte MySpace-Konstrukt mit Javascript und Flash weiter hochgeblasen, bei dem wirklich jeder Furz animiert werden mußte (wobei auch Monate nach dem Launch der neuen Version manche Elemente immer noch nicht komplett funktionieren!), so daß MySpace mittlerweile völlig unbennutzbar ist.

Anstatt zu erkennen, daß MySpace gerade auf dem Musiksektor ein sehr nützliches Werkzeug ist, und die Community auf die entsprechenden Bedürfnisse zuzuschneiden und an dieser Stelle auch mitzuverdienen, hat man es sich gerade mit den Bands verscherzt, doch Medienmogul Rupert Murdoch mit seinem NEWS CORPORATION-Imperium, der MySpace im Juli 2005 für 580 Millionen US-Dollar gekauft hat, gab offensichtlich eine andere Marschrichtung aus, die wohl mehr auf Filme abzielt, weil man dort wohl noch mehr Geld vermutet als bei der am Hungertuch nagenden Musikindustrie. Deshalb wird man auf MySpace nun permanent mit Trailern von irgendwelchen uninteressanten Streifen zugespammt, so daß man schon Unbehagen in der Magengrube verspürt, bevor man den Link zu einer MySpace-Seite anklickt.

Auf alle Fälle ist seit einigen Monaten eine digitale Völkerwanderungen sondergleichen von MySpace zu Facebook zu beobachten, der sich der überwiegende Großteil von Bands angeschlossen hat, während die MySpace-Seite allenfalls noch stiefmütterlich behandelt wird. Da Facebook spätestens im Jahr 2010 auch in Deutschland seinen Siegeszug vollenden konnte, wird diese Umorientierung auch hierzulande kaum Konsequenzen haben, außer daß die im Browser erscheinende Adresse im Anfangsteil auf "www.facebook.com" statt auf "www.myspace.com" lautet. Denn Facebook haben es just zum richtigen Zeitpunkt geschafft, für Bands eine halbwegs klare Adresse im Stile "www.facebook.com plus Bandname" anzubieten, statt jener monströsen Endlos-URLs, die man zuvor noch angeben mußte. Auch die Einbindung von Musik auf Facebook wurde vorangetrieben, so daß die "dümmliche Übernahme" quasi reibungslos vonstatten ging...

Jetzt dürfen wir uns also mit neuen Web 2.0-Problemen rumärgern. Über die sehr seltsamen Auffassungen zum Thema Datenschutz im Hause Facebook beispielsweise wurde in den letzten Monaten in allen nur erdenklichen Medien ja schon ausgiebig - von reißerisch bis zu konstruktiv - diskutiert. Aber auch andere Probleme sind schon abzusehen, so wie es beispielsweise unmöglich ist, aus dem Wust an der Pinnwand einer Band, wo wirklich jeder belanglose Dünnschuß dokumentiert wird, die wirklich wichtigen News rauszufiltern, während man auf MySpace immerhin noch ab und zu in den Blog schauen konnte, um dort nach Einträgen zu forschen. Abgesehen davon konnte auf MySpace auch ein nicht angemeldeter Surfer auf alle Infos zugreifen, während auf Facebook ohne vorherige Anmeldung kaum etwas geht. Und - juhu! - jetzt können wir das schöne Spiel namens "Freundewerben" wieder ganz neu spielen, während wir parallel bei Farmville Kohlköppe züchten und einen entlaufenen Geißbock suchen...

Na ja, aber wir werden uns auch an diese neue Plage gewöhnen, wie wir es einst mit MySpace getan hatten. Schließlich ist der Mensch anpaßungsfähig...

...und jetzt ausgespaced...

Stefan Glas

P.S.: Als Coverkünstlerin können wir heuer eine Debutantin ankündigen, die hier ihre erste Veröffentlichung feiert: Josefine "Josi" Hoffmann. Ich durfte Josi kennenlernen, da sie beim HEAVY-Magazin ein Praktikum absolvierte. Schnell stellte sich heraus, daß Josi nicht nur bildhübsch, intelligent und charmant ist, sondern zu allem Überfluß auch noch eine talentierte Künstlerin in ihr steckt. Zwar handelt es sich hier um das erste Werk von Josi, das an die Öffentlichkeit gelangt, doch sie stellt ihre Künste gerne auch Bands für Coverartworks zur Verfügung. Leider hat Josi noch keine Homepage für ihre Werke, doch Interessenten können sie per E-Mail kontaktieren.

 
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