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”UNDERGROUND EMPIRE 1”-Datasheet

Contents:  TYNATOR-Interview

Date:  August 1988 (created), 05.03.2002 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 1

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Es existierte damals ein engerer Kontakt meinerseits zu der Band, denn ich hatte auch mal - leider erfolglos - versucht, der Band hierzulande einen Deal zu besorgen, indem ich ihre Demos an Plattenfirmen verschickte. Daß das nicht die einzigen Dinge waren, die bei TYNATOR nicht hundertprozentig glattliefen, werden wir in den nächsten UNDERGROUND EMPIREs erfahren.

Aber immerhin gab es in unserem Archiv noch ein weiteres TYNATOR-Photo aus jenen Tagen, das einen gelungenen Kontrast zu dem anderen, arg braven Photo bildet.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

TYNATOR-Logo

Phoenix - diese Stadt scheint ein Garant für hochkarätige Acts zu sein - Namen wie FLOTSAM AND JETSAM und SACRED REICH belegen das. In den letzten Monaten scheint die Szene auch hier einige interessante Bands zutage zu fördern. Namen wie ATROPHY, die gerade Ihr fantastisches Debüt »Socialized Fear« bei ROADRUNNER veröffentlicht haben, NUCLEAR DEATH, SINICAL SAINT oder TYNATOR machen die Runde. Um dieser Bewegung auf den Grund zu kommen, klopften wir bei Aric Avina, dem Bassisten der Power Metal-Band TYNATOR, an.

TYNATOR-Bandphoto 1

Wieviele Demos habt bisher an den Mann/Frau bringen können und wieviele waren es in Deutschland?

Wir haben bisher etwa 300 Stück absetzen können - zum Teil in Plattenläden hier in der Stadt, zum Teil per Post in die ganze Welt verschickt. Aus Deutschland hatten wir ca. 30 Nachfragen wegen Demos.

Die Plattenfirma ENDANGERED war interessiert, zwei Euerer Demosongs auf einem Compilationalbum zu veröffentlichen. Sind diese Pläne verwirklicht worden?

ENDANGERED schickten uns einen Vertrag, in dem stand, daß sie die Rechte für unsere Songs für die Dauer von fünf Jahren wollten. Da wir nicht auf diesem Weg unsere Songs verlieren wollten, fügten wir eine Klausel hinzu, die besagte, daß wir die Rechte nicht an sie abtreten werden. Sie haben zugestimmt und wollten uns den abgeänderten Vertrag zurückschicken, aber seither haben wir nichts mehr von ihnen gehört. Wahrscheinlich werden wir noch diese Woche bei den Leuten anrufen, um zu erfahren, wie die Aktien stehen.

Welche anderen Plattenfirmen haben noch Interesse an TYNATOR geäußert?

GAMA RECORDS aus Deutschland sind sehr interessiert an uns und wir stehen mitten in Vertragsverhandlungen. Unsere Anwälte in Chicago überprüfen die Verträge und fügen Klauseln hinzu, etc. Auf der LP werden dann wohl ›Tinnitus‹ als Titelsong, ›Dead Strike‹ und ›Final Attack‹, das wir ein bißchen verändert haben, stehen, während ›What Am I Doing Here‹ unter den Tisch fallen wird. Dann werden wir noch ›Fear Inside‹, ›Something In Mind‹ und ›Twisted Faith‹ (alle drei stammen vom zweiten inoffiziellen Demo - Red.) einspielen. Außerdem arbeiten wir gerade an zwei weiteren neuen Titeln.

Alle Bands von Phoenix spielen Speed oder Thrash Metal. Worin liegt das Deiner Meinung nach begründet?

In Wirklichkeit macht der Großteil der Phoenix-Bands Glam-Musik. In der Untergrundszene gibt es nur drei oder vier Bands, die einen Schuß Pulver taugen. Die Auftrittsmöglichkeiten sind auch sehr beschränkt und das Alterslimit erschwert die Sache noch. Die besten Gelegenheiten bieten sich bei privaten Parties zu spielen, wo auch jeder hinkann, der will. (Als wir die Frage stellten dachten wir besonders an FLOTSAM & JETSAM, SACRED REICH, ATROPHY, NUCLEAR DEATH oder SINICAL SAINT. Daher kam die Antwort doch recht überraschend. - Red.)

Glaubt Ihr, daß die Beliebtheit der Phoenix-Bands FLOTSAM & JETSAM und SACRED REICH Euch helfen könnten, etwas bekannter zu werden?

Ja, dem ist ganz sicher so. In vielen Briefen steht, daß die Leute an TYNATOR interessiert sind, weil erstens die Review gut war und weil es sie zweitens interessieren würde, was sonst noch aus der Heimat von FLOTSAM & JETSAM kommt. Wenn das die Leute dazu bringt, uns mal "anzutesten", so ist das gut, denn im Endergebnis wird es unsere Musik sein, die sie beeindruckt.

Was sind Euere wichtigsten musikalischen Einflüsse?

Wir hören alle gern Bands wie SLAYER, METALLICA, EXODUS oder ANTHRAX. Wir versuchen uns den Kopf so frei wie möglich zu halten, wenn wir unsere Songs schreiben. Ich glaube, wir klingen wie keine andere Band und daher würde ich sagen, daß eigentlich niemand einen echten Einfluß auf uns genommen hat.

Wie oft beglückt Ihr das Publikum mit Liveauftritten und welche Bands haben dabei schon mitgeholfen?

Wir versuchen, wenigstens ein- bis zweimal pro Monat zu spielen, um unsere Stageshow und unsere neuen Songs auszuprobieren. Wir haben unter anderem schon mit FLOTSAM, SACRED REICH oder BLOODLUST gespielt, ebenso mit SINICAL SAINT und NUCLEAR DEATH, die die einzigen anderen unsigned Bands aus Phoenix sind. Wir ergreifen jede sich bietende Möglichkeit, miteinander zu spielen, Parties zu machen und eine gute Zeit zu haben (diese idiotische Redewendung scheint wohl ein Liebling aller Amerikaner zu sein und dementsprechend oft wird sie verwendet. - Red.)

Wie würdet Ihr Euch selbst charakterisieren und gibt es so etwas wie einen Boß bei TYNATOR?

Wir sind alle ziemlich verrückt und wollen immer eine gute Zeit haben (Ich glaube, nur das Wort "fuck" findet noch häufiger Verwendung. - Red.) Die Musik jedoch nehmen wir sehr ernst und wenn wir im Proberaum sind arbeiten wir sehr konzentriert. Auf der Bühne sind wir wie Verrückte, kommen nie aus der Bewegung und hören nie auf herumzuspringen und so weiter. Einen Boss gibt es bei uns nicht. Ich mache zwar den größten Teil der Managementarbeit und erledige alles was mit Magazinen und Plattenfirmen zu tun hat, aber wenn ich z.B. eine Idee habe, muß jeder zustimmen, bevor diese in die Tat umgesetzt wird. Es kann keiner irgendetwas über die Köpfe der anderen hinweg entscheiden.

TYNATOR-Bandphoto 2

Was kannst Du uns über die musikalische Entwicklung der einzelnen Musiker erzählen?

Als ich mich ganz zu Anfang dieser Band anschloß, war ich mir nicht allzu sicher, ob TYNATOR das war, was ich überhaupt wollte, aber es stellte sich schnell heraus, daß die Einstellung jedes Einzelnen genau die Richtige war. Sie wußten alle genau was sie wollten und waren bereit sich zu 110-prozentig dafür einzusetzen. Jeder ist pünktlich zur Probe oder keiner läßt mal eine Probe wegen der Freundin aus. Es lief von Beginn an alles sehr gut. Ich spiele schon seit vielen Jahre in Bands, die eigene Songs schreiben, daher hatte ich schon Erfahrung beim Schreiben eigener Songs, aber für Steve, Ryan und Andre ist dies die erste Band, die ausschließlich eigenes Material spielt. Trotzdem hat es deswegen nie Schwierigkeiten gegeben. Steve hat zunächst nicht im Traum daran gedacht, zu singen. Er hat halt einfach gesungen, weil wir keinen Sänger finden konnten, der zu uns gepasst hätte. Wir wollen eben so originell wie möglich klingen und dazu einen Sänger zu finden ist sehr schwer. Zu Anfang war sein Gesang ziemlich schwach, aber er hat sich sehr stark weiterentwickelt, was auch die neuen Songs deutlich belegen.

Auf den ersten Blick lassen Titel wie ›Dead Strike‹ oder ›Final Attack‹ dumme Klischeetexte vermuten, aber in Wirklichkeit sieht es ganz anders aus. Nenne uns doch bitte ein paar Textbeispiele!

Wir verwenden viel Zeit auf das Schreiben unserer Lyrics und halten uns fern von diesem Satan-Kram, etc. ›Fear Inside‹ z.B. handelt von einem Traum, der Dir so lebensnah vorkommt, daß Du meinst Du würdest sterben und daß Du nichts dagegen tun kannst.

Was ist Deiner Meinung nach der Unterschied zwischen TYNATOR und anderen Speedbands?

Ich weiß, daß das inzwischen viele andere Bands sagen, aber wir sind einfach origineller als die anderen (was im Falle TYNATOR auch wirklich stimmt. - Red.). Wir haben nicht die gleichen Riffs, nicht die gleichen Läufe und Breaks. Wir setzen andere Akkorde ein, etc. Höre Dir am besten die Musik an und Du wirst erkennen, daß es einfach etwas anderes ist.

Ich habe ohne Erfolg mehrere Wörterbücher durchstöbert; erkläre uns doch bitte, was der Name "TYNATOR" bedeutet!

Wir waren mal auf einem FLOTSAM & JETSAM-Konzert und ein Freund bekam einen Flyer, auf dem etwas über die Krankheit "Tinnitus", welche ein ständige Klingeln in den Ohren bedeutet, das nie wieder weggeht. Das kann hervorgerufen werden durch ständige überlaute Musik oder Fabriklärm, etc. Ryan wandelte "Tinnitus" dann zu "TYNATOR" ab. Daher haben wir dann auch das Demo »Tinnitus - Torture By Sound« betitelt, weil diese Krankheit wirklich eine Folter durch dieses Klingeln verursacht. Der gleichnamige Song enthält dann auch noch einige Gedanken zu diesem Thema.

Ihr habt auch ein sehr ungewöhnliches Logo. Wer ist der Vater dieser Idee?

Wir hatten zwei oder drei Künstler verpflichtet, um uns ein Logo zu entwerfen. Alles was sie uns vorlegten, waren typische Metal-Logos, was wir aber nicht wollten. Ron, ein Freund von uns, kam eines Tages mit sechs Logos und als wir den Entwurf sahen, den wir jetzt verwenden, wußten wir sofort, daß dieses das Richtige ist. Wir haben zwar kleine Veränderungen vorgenommen, aber es ähnelt dem ersten Entwurf von Ron immer noch sehr. Wir wollen ihm an dieser Stelle nochmals danken, daß er als sehr guter Künstler uns umsonst geholfen hat.

Auf dem Demo dankt Ihr besonders Eric A.K. von FLOTSAM & JETSAM. Was hat er so spezielles für Euch getan?

Eric von FLOTSAM und Jason von METALLICA sind schon seit langem gute Freunde von uns. Eric kannte jemand, der ein Heimstudio hat und wir hatten schon im dritten Studio versucht, unser Demo zusammenzubasteln. Eric vermittelte dann und half uns das Demo zu produzieren. Der Typ kam dann in einige Probleme, verkaufte das Heimstudio und wir mußten alles wieder abbrechen. Trotz allem sind wir natürlich Eric sehr dankbar, daß er uns soviel Freizeit geopfert hat. Letztendlich haben wir dann ›Torture By Sound‹ in einem professionellen Studio fertiggestellt und das Ergebnis klang dann besser als alles zuvor.

Da dies Euer erstes Interview mit einem deutschen Fanzine ist, wäre es auch ganz interessant zu erfahren, wie es eigentlich bei Euch angefangen hat.

Andre und ich spielten schon vor langer Zeit zusammen in einer Coverband und es gefiel uns dort nicht zu sehr. Ich mußte damals nach LA umziehen und er schaute sich nach anderen Musikern um. Durch eine Anzeige in der Zeitung traf er dann Steve, der ein idealer Mann war, um eigene Songs zu schreiben, da er auch keine Lust mehr hatte Sachen nachzuspielen. Andre und Steve begannen dann langsam etwas auf die Beine zu stellen, als sie von Ryan hörten, der nur einige Häuser von Andre entfernt wohnte. Zunächst wollte Ryan nicht, da er Angst hatte ein Thrashdrummer zu werden und es sich nicht zutraute, damit zurechtzukommen. Die anderen beiden ermunterten ihn und heute ist er für mich einer der besten Thrashdrummer, die es gibt. Andre rief mich dann über Monate hinweg immer wieder an, erzählte mir von der Band und wollte mich als Bassisten engagieren. Schließlich ging ich auf sein Angebot ein, da die Einstellung zu stimmen schien. Seither läuft eigentlich alles super. Es wäre eigentlich nur noch hinzuzufügen, daß wir eine Managementcompany suchen, weil wir bisher in dieser Richtung alles selbst gemacht haben. Wenn uns da jemand weiterhelfen kann, wären wir ihm dankbar, wenn er uns schreiben würde.

Soweit also Aric. Es war uns wirklich ein Bedürfnis diese Band Euch vorzustellen, da sie sich wirklich angenehm heraushebt aus dem Wust der neuen Bands. Wer das sehr gute »Torture By Sound«, das leider inzwischen ausverkauft ist, kennt, wird meine Begeisterung verstehen. Das zweite Demo, das Aric mir überspielt hat, geht musikalisch etwas mehr in die Richtung Thrash, aber man kann noch deutlich den eigenständigen Stil der Band erkennen. Ich wünsche der Band möglichst bald eine gute Plattenfirma und viel Fanpost.

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

TYNATOR im Überblick:
TYNATOR – 1990 Sampler (Demo-Review von 1990)
TYNATOR – Living In Pain (Demo-Review von 1990)
TYNATOR – Living In Pain (Rundling-Review von 1991)
TYNATOR – UNDERGROUND EMPIRE 1-Interview
TYNATOR – METAL HAMMER 15-16/90-Special
TYNATOR – US METAL VOL. 3-Special
TYNATOR – US METAL VOL. 3-Special
TYNATOR – ONLINE EMPIRE 1-"Shirt Story"-Artikel
TYNATOR – News vom 11.01.1991
TYNATOR – News vom 03.01.2009
TYNATOR – News vom 22.07.2009
andere Projekte des beteiligten Musikers Aric Avina:
BENEDICTUM – Obey (Rundling-Review von 2013)
BENEDICTUM – News vom 12.12.2012
RANDY RHOADS TRIBUTE – ONLINE EMPIRE 64-"Living Underground"-Artikel
THE V – Now Or Never (Rundling-Review von 2015)
siehe auch: Aric Avina als Aushilfsbassist beim JAG PANZER-Auftritt beim "Bang Your Head!!!"-Festival 2015
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