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  UE-Home → History → Online Empire 24 → Interview-Übersicht → RAPID FIRE (I)-Interview last update: 05.11.2020, 18:45:40  

RAPID FIRE (I)-Logo

Aus der schier endlosen Liste hochwertiger Scheiben, die ĂŒber das ital­ienische Label STEELHEART/ADRENALINE RECORDS veröffentlicht wer­den, stach in den letzten Monaten vor allem eine Band hervor: RAPID FIRE, ein ebenfalls aus Italien stammendes Quintett, das mit seinem Debut »Scream!« den Fans traditioneller Metal-KlĂ€nge wohl ebensolche Schreie, wie im Titel befohlen, entlocken konnte. Kraftvoll und mit Schmackes, gleichzeitig aber auch mit einem geradezu grandiosen GespĂŒr fĂŒr Melodien ausgestattet, lassen die Italiener auf den insgesamt zehn Songs nichts anbrennen und zeigen auch was Coverversionen betrifft den richtigen Riecher: â€șCrazy Doctorâ€č von der japanischen Legende LOUDNESS haben sie dies­be­zĂŒg­lich auserkoren. Der Song wird noch dazu in Originalsprache wiedergegeben, viel mehr an Kult kann wohl gar nicht mehr sein. Wenn das kein Grund fĂŒr ein Interview ist, was bitte dann?
Marco Poliani, seines Zeichens Gitarrist der Band war so freundlich, die an ihn ĂŒbermittelten Fragen zu beantworten:

Die musikalischen Inspirationen fĂŒr »Scream!« liegen geradezu auf der Hand. Nennen wir die Sache schlicht und ergreifend Heavy Metal. Wie und wann seid Ihr denn mit Bands wie IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST oder RUNNING WILD in Kontakt gekommen?

Ich bin ebenfalls der Meinung, daß fĂŒr unsere Musik kein anderer Ausdruck verwendet werden sollte als Heavy Metal. Allerdings tragen wir keine Scheuklappen und sind auch fĂŒr andere EinflĂŒsse offen, solange sich diese mit unserem, eher an die "alte Schule" angelehnten, Stil vereinbaren lassen.
Hör' Dir nur unseren Opener â€șMirageâ€č oder â€șComing Hopeâ€č an. Beide Songs kombinieren melodiöse Passagen und GesĂ€nge mit schwer aggressiven Gitarrenriffs. Das ist es, was ich damit meine. Der Heavy Metal behĂ€lt trotz aller Feinheiten die Oberhand. Klar wurden wir von Bands wie IRON MAIDEN, RUNNING WILD oder JUDAS PRIEST beeinflußt, aber welche Band wird das denn nicht von sich behaupten? Als RAPID FIRE im Jahre 1998 anfingen, hatte die Band jede Menge Spaß daran, â€șUnder Jolly Rogerâ€č, â€șJawbreakerâ€č oder Ă€hnliche Klassiker zu covern. Im Prinzip liest sich unsere Geschichte wie jene von unzĂ€hligen anderen Bands auch. Zuerst waren es Coverversionen der einschlĂ€gigen Helden und spĂ€ter entschlossen wir uns, eigene Songs zu schreiben.

Ich hoffe, Ihr nehmt es mir nicht ĂŒbel, aber manchmal erinnert mich Eure Musik auch ein wenig an HAMMERFALL. Muß denn auch diese Formation erwĂ€hnt werden, wenn wir von weiteren Einflußquellen sprechen?

Obwohl ich HAMMERFALL, und zwar besonders »Renegade«, sehr schĂ€tze und sie verdammt gute Musik machen, denke ich nicht so! Ich betrachte unseren Stil ein wenig differenzierter. Wenn ich andere Bands und Musiker erwĂ€hnen muß, wĂŒrde ich eher RAGE, SYMPHONY X, Ronnie James Dio oder Yngwie Malmsteen nennen. Wir wollen aber keinesfalls ein Klon irgendeiner anderen Band sein. Ich hoffe, daß unsere Musik als jene von RADID FIRE identifiziert werden kann. Vergleiche sind zwar speziell fĂŒr die Presse geradezu notwendig, ein gesunde Dosis EigenstĂ€ndigkeit im Sinne einer gewissen Distanz zu den erwĂ€hnten Acts lassen wir uns aber nicht absprechen. Um auf den HAMMERFALL-Vergleich zurĂŒckzukommen, liegt es wahrscheinlich daran, daß auch sie traditionellen Heavy Metal mit jeder Menge Melodien verbinden.

RAPID FIRE (I)-Headline

Wie wir nun wissen, wurde die Band 1998 gegrĂŒndet. Bis zur Veröffentlichung der aktuellen Scheiblette sind aber einige JĂ€hrchen vergangen. Könntest Du uns einen Überblick ĂŒber die Geschichte der Band geben:

Die Band wurde 1998 von Yuri Fiorani (g), Rino Migliozzi (d) und Paolo Pontiggia (b) ins Leben gerufen. Sie spielten zunĂ€chst nur aus Jux zusammen, erst als ich dem Trio im November 2000 beigetreten bin, wurde die Sache ernster. Wir spielten, wie bereits erwĂ€hnt Standards, allerdings nur solche, die wir wirklich mochten. Kurze Zeit spĂ€ter verließ Rino die Band und mit einem Aushlifsdrummer spielten wir unser erstes, selbstbetiteltes Demo ein. Allerdings kam Rino nicht recht los von der Band und kehrte wieder zurĂŒck. Im Dezember 2002 kam Antonio Pecere, unser SĂ€nger, von SIGMA zu uns. Nach einigen Monaten harter Arbeit zusammen mit Antonio wurde unsere zweite Veröffentlichung Wirklichkeit: »Promo 2003«. Diese CD erntete phantastische Reviews und schon im Herbst des selben Jahres zeigten ADRENALINE/STEELHEART RECORDS Interesse. Jetzt ist es also geschehen, unser Album »Scream!« ist draußen und wir sind sehr glĂŒcklich damit.

Hat sich Eure Musik seit den AnfÀngen geÀndert?

Ja, aber die Wurzeln von RAPID FIRE, also der traditionelle, ursprĂŒngliche Heavy Metal war schon damals - und wird es auch auf ewige Zeiten bleiben - Hauptbestandteil unserer Musik. Wie schon erwĂ€hnt, fĂŒgen wir zwar ab und an neue Elemente zu unserer Grundstruktur hinzu, Metal muß es aber bleiben.

Wie seid Ihr damals, als Euer SĂ€ngerposten frei war, an Antonio geraten?

Wir trafen Antonio wĂ€hrend der Aufnahmesessions zu SIGMAs »Win Or Lose«. Wir waren auf der Suche nach einem neuen SĂ€nger; nach jemand, der uns neue Impulse geben sollte. Ich bin davon ĂŒberzeugt, den richtigen Mann dafĂŒr getroffen zu haben.

Hatte er SIGMA Euretwegen verlassen, oder war er in beiden Bands aktiv?

Er hatte sich kurz nach den Aufnahmen bei SIGMA aus persönlichen GrĂŒnden verabschiedet. Zu uns ist er aber erst einige Zeit spĂ€ter gestoßen. Es trifft uns also keine Schuld, was das Ende seiner Liaison mit SIGMA betrifft, haha.

»Scream!« enthÀlt jede Menge Metal. Nicht nur die Musik, auch das Cover und das Artwork sind eindeutig Metal. Gehe ich recht in der Annahme, es mit "Vollzeit-Metallern" zu tun zu haben?

Heavy Metal ist viel mehr als nur Musik. Es ist eine Lebenseinstellung. Muß ich noch mehr sagen?
Wenn du so richtig mit Metal infiziert wirst, denkst du zunÀchst nur an die Musik an sich. SpÀter wird der Metal ein Teil von dir. Viele Fans beginnen dann wahrscheinlich, selbst ein Instrument zu spielen. Bei uns war das nicht anders.

RAPID FIRE (I)-Bandphoto 1

Wie darf ich mir denn das Songwriting vorstellen? Ist es die Musik, die zuerst fertiggestellt wird, oder sind es die Texte?

Das hĂ€ngt immer von der jeweiligen Situation ab. Im Normalfall schwirrt mir ein Riff durch den Kopf, aus dem dann eine Songidee wird. Zum Schluß kommen meistens eventuelle Chorpassagen, aber wir haben kein bestimmtes Schema, nach dem wir unsere Songs kreieren. Wenn wir ein neues Lied schreiben, kommt es gerade aus dem Herzen heraus und ich denke in jener Zeit an fast nichts anderes als an die Akkorde, der es bedarf, um die richtige Melodie zu spielen. Wichtig sind mir in diesem Zusammenhang auch immer jene Emotionen, die ich mit dem Song ausdrĂŒcken möchte. Jede Nummer, die ich schreibe, soll beim Zuhörer GefĂŒhle und Stimmungen, welcher Art auch immer, auslösen. Wenn mir das gelingt, ist die Sache fĂŒr mich positiv beendet.

Womit wir beim Thema "Texte" angelangt wÀren. Welche Stimmungen und Emotionen liegen »Scream!« zugrunde?

ZunĂ€chst einmal muß ich sagen, daß nicht alle Texte von mir stammen. Antonio ist ebenfalls ein hervorragender Texter, deswegen teilen wir uns diese Arbeit. Die Lyrics stehen uns sehr nahe, sie kommen ebenfalls direkt aus unseren Herzen. Songtexte sind nichts anderes als Kurzgeschichten, deren Titel man eben musikalisch umsetzt und zugleich mit den passenden Worten auskleidet.
Die Themen, die wir in â€șWild Obsessionâ€č, â€șRestless Soulâ€č, â€șWake Up!â€č, â€șComing Hopeâ€č und â€șPerfect Worldâ€č aufgegriffen haben sind im Prinzip einander Ă€hnlich. Wir reflektieren die Welt, in der wir leben und entdecken jede Menge Übel. Genau von jenem Übel handeln diese Texte. Allerdings vermeiden wir es, zu sehr ins Depressive abzudriften, das ĂŒberlassen wir lieber anderen Bands. Der Opener â€șMirageâ€č ist bisher unser einziges Liebeslied geworden, obwohl es musikalisch eher zu den heftigeren Songs gehört. â€șStrangerâ€č handelt von einem ruhelos herumirrenden Typen, der keine Heimat finden kann und somit ĂŒberall als Fremder gesehen wird.

Als Band seid Ihr in der italienischen Metal-Szene sicher keine Fremdlinge. Wo seht Ihr Euch den selbst in dieser Szene? Gibt es bestimmte Beziehungen zu anderen Formationen?

Ich habe keine Ahnung, wo wir uns einordnen sollten. Wir möchten nur eines Tages so berĂŒhmt werden wie IRON MAIDEN. [lacht] Beziehungen zu anderen Bands gibt es schon. Schließlich trifft man sich immer wieder bei Konzerten, wir sind ja nicht die einzigen Metal-Fans hier in Italien.

In unserer Region gibt es nach wie vor jede Menge Kritikerstimmen, die italienische Metal-Bands generell als RHAPSODY und Co.-Klon abstempeln. Seid Ihr solchen Vorurteilen auch in Eurer Heimat ausgeliefert?

Überhaupt nicht! Klar, RHAPSODY zĂ€hlen mit zu den bekanntesten Bands unserer Heimat und sie haben sicherlich den Weg fĂŒr andere Bands geebnet, aber so viele Bands gibt es in Italien gar nicht, die ihnen nacheifern. Ich denke, da gibt es in anderen LĂ€ndern wesentlich mehr Formationen, die diese Art von Musik spielen. RAPID FIRE wĂŒrde ich eher fĂŒr eine Metal-Band aus Deutschland halten, als uns typisch italienisch zu nennen. Aber das ist Ansichtssache.

Soviel zur Gegenwart von RAPID FIRE. Was wird denn die Zukunft bringen?

Wir arbeiten hart daran, um gutes Feedback fĂŒr unser Debut zu erhalten. Im Moment bereisen wir Italien, um eine Menge an Konzerten zu geben. Wir wĂŒrden gerne ĂŒber die Grenzen hinaus auftreten, aber es wird sich erst zeigen, ob da etwas möglich ist. Eine coole Idee wĂ€re auch ein ADRENALINE/STEELHEART-Festival, aber auch das ist nicht so einfach zu finanzieren.
Wir sind uns der Sache bewußt, daß der Markt fĂŒr Heavy Metal nicht besonders groß ist, hoffen aber dennoch einiges bewegen zu können. Ob es gar fĂŒr Konzerte bei Euch im deutschsprachigen Raum reichen wird, wage ich nicht zu sagen, obwohl trĂ€umen darf man ja, oder?

Klar doch, trĂ€umen ist erlaubt. Mit einer starken Scheibe wie »Scream!« in der Hinterhand sollten sich diese TrĂ€ume aber zumindest teilweise erfĂŒllen lassen.

http://www.rapid-fire.it/

rapidfire@rapid-fire.it

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

RAPID FIRE (I) im Überblick:
RAPID FIRE (I) – Scream! (Rundling)
RAPID FIRE (I) – ONLINE EMPIRE 24-Interview
RAPID FIRE (I) – News vom 10.05.2005
RAPID FIRE (I) – News vom 06.06.2007
RAPID FIRE (I) – News vom 10.01.2008
RAPID FIRE (I) – News vom 10.11.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Antonio "Anthony" Pecere:
BETOKEN – Venom Empire (Rundling)
BETOKEN – News vom 26.04.2008
CRIMSON DAWN (I) – News vom 20.12.2009
CRIMSON DAWN (I) – News vom 12.12.2011
CRIMSON DAWN (I) – News vom 12.12.2011
KOMADAY – Ghost And The Wiseman (Rundling)
SIGMA (I) – News vom 19.07.2002
SIGMA (I) – News vom 06.12.2004
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