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KAMELOT-Bandphoto 1

Als die amerikanisch-norwegische Kollaboration namens KAMELOT im Jahre 2003 mit einem »Epica« genannten Konzeptalbum, das auf Goethes Klassiker "Faust" ba­siert, den Brückenschlag zwischen klassischer Literatur und episch-symphonischen Metal perfekt intonierte, war die Begeisterung seitens Presse und Fans glei­cher­maßen groß. Selten zuvor hatte sich eine Metal-Band an ein solches Thema her­an­ge­wagt, doch KAMELOT schafften es scheinbar mühelos, das komplexe Thema stimmig in ihre Musik zu integrieren. Jetzt, gut zwei Jahre später, steht mit »The Black Halo« der Nachfolger in den Läden. Allerdings zeigen sich KAMELOT darauf wesentlich düsterer, was zum einen an der Thematik, zum anderen aber natürlich auch an der Umsetzung des Konzepts und nicht zuletzt an der höheren musikalischen Variabilität durch die umfangreiche Gästeliste liegt.
Ein bis in die Zehenspitzen motivierter Thom Youngblood, seines Zeichens Gitarrist und Mastermind bei KAMELOT, der trotz aller Düsternis bestens gelaunt war, hatte zum Thema »The Black Halo« folgendes zu berichten:

Uns war von Anfang an klar, daß das neue Album wohl unser bislang Dunkelstes werden würde. Da wir unser auf »Epica« begonnenes Konzept, basierend auf Johann Wolfgang von Goethes "Faust", stilvoll beenden wollten, hatten wir kaum eine andere Möglichkeit, denn auch "Faust" ist ja nicht gerade eine fröhliche Geschichte mit "Happy End". Dazu kommen auch noch die Umsetzung des Themas im Artwork und dem Cover. Darauf ist Helena zu sehen, als sie gerade ihrem Leben ein Ende setzt, indem sie sich selbst ertränkt.
Begonnen beim Opener ›March Of Mephisto‹ zieht sich das Thema quer durch das Album und endet mit ›Midnight - Twelve Tolls For A New Day‹. Lediglich das abschließende ›Serenade‹ ist nicht mehr als Teil des Konzeptes zu verstehen, sondern quasi bereits als Einstieg in weitere Projekte.

KAMELOT-Headline

Darüber zu sprechen wäre wohl noch zu früh, ist doch das Album eben erst erschienen. Wie kommt es eigentlich zu einer derart umfangreichen Gästeliste. War diese von Anfang an Teil des Konzeptes?

Wir hatten von Anfang an im Sinn, die unterschiedlichen Charaktere von verschiedenen Musikern darstellen zu lassen. Im Endeffekt war es fast ein Casting, das wir durchgezogen haben, um die optimale Besetzung zu finden. Gerade für den Mephisto schwebte uns eine richtig bösartig klingende Stimme vor, weshalb wir uns an Shagrath von DIMMU BORGIR wandten und um sein Interesse anfragten. Die Sache gestaltete sich im Endeffekt aber wesentlich einfacher als befürchtet, schließlich haben wir mit Khan (v) ja ebenfalls einen Norweger in der Band, der die Sache eingefädelt hat. Zudem kennen sich die beiden Herrschaften schon länger. Für mich war es ein besonderes Gefühl, mit dem derzeit wohl besten Sänger des Black Metal zusammenzuarbeiten zu können. Ich denke die Kooperation hat wohl allen Beteiligten Spaß gemacht, denn Musiker, die nur des Geldes wegen mitmachen wollten, hätten wir uns nicht als Gäste einladen.

Besonders Simone Simons von den holländischen EPICA dürfte sich geehrt gefühlt haben, an »The Black Halo« mitwirken zu dürfen, schließlich scheint ja ihre Band reichlich stark von KAMELOT beeinflußt zu sein?

Ich weiß, worauf du anspielst. Ehrlich gesagt, fühlen auch wir uns geehrt, daß eine Band einen unserer Albumtitel als Namen ausleiht. Noch dazu muß ich gestehen, daß ich EPICA persönlich sehr schätze und vor allem Simones Stimme schlicht und ergreifend überwältigend finde. Allerdings ist die Band diesbezüglich ja kein Einzelfall. Denk' zurück an ältere JUDAS PRIEST-Veröffentlichungen, da könnte man problemlos ein ganzes Heavy Metal-Festival zusammenstellen mit all jenen Bands, die sich den Bandnamen von Songtiteln ausgeliehen haben.

Mindestens ebenso wichtig wie KAMELOT und ihre Gäste waren für »The Black Halo« mit Sicherheit auch Sascha Paeth und Miro, jenes kongeniale Produzententeam, das wieder einmal für die Umsetzung des Ganzen verantwortlich zeichnet. Wie stark ist denn deren Einfluß tatsächlich?

Das Problem an den meisten Produzenten ist für mich, daß diese immer versuchen, in die Werke der Musiker "hineinzureden", was uns bei Sascha und Miro noch nie passiert ist. Desweiteren kommt ihre jahrelange Erfahrung als Musiker zum Tragen, die mich nicht einmal darüber nachdenken läßt, eventuell mit anderen Produzenten ein Album aufzunehmen. Außerdem kennen wir einander schon dermaßen lange, daß in der Zwischenzeit eine Freundschaft gewachsen ist, die ich nicht missen möchte. Schließlich war es auch Sascha, der uns mit Thomas Rettke, dem Sänger seiner ehemaligen Band HEAVEN'S GATE bekannt machte. Dieser hat einen nicht unerheblichen Beitrag zum geglückten Auftreten des "Kamelot Choir" auf der Scheibe geleistet.

"Never Change A Winning Team" ist also nach wie vor gefragt im Hause KAMELOT und wird wohl auch so bleiben, nicht wahr?

Genau, das trifft den Nagel auf den Kopf. Außerdem beruht die Sache ja schon auf Gegenseitigkeit, Sascha hat mir bekanntlich seinerzeit das Mitwirken an AINA schmackhaft gemacht. So schließt sich quasi der Kreis. [lacht]

Miro steckt wohl auch hinter dem "Rodenburg Symphony Orchestra"?

Klar. Wir hatten von Beginn an im Sinn, zahlreiche orchestrale Passagen auf »The Black Halo« zu integrieren, weil es das Konzept geradezu verlangt hatte. Dabei wollten wir aber weder ausschließlich auf Samples zurückgreifen, noch uns um ein riesengroßes Orchester kümmern, das im Endeffekt wohl auch nicht finanzierbar gewesen wäre. Miro hatte deshalb diese glorreiche Idee, nur in einigen Passagen auf eine kleine Gruppe "natürlicher" Streicher zurückzugreifen, also quasi genau einen Mittelweg zu finden. Daher auch der Name dieses "Orchesters".

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Vom Konzept her wäre wohl eine Umsetzung als Film angebracht, gibt es denn diesbezüglich Pläne?

Da wir budgetmäßig leider ein wenig eingeschränkt sind, muß unser Fankreis wohl vorerst mit zwei Videoclips vorlieb nehmen. Doch diese Clips, die wir vor kurzer Zeit in Schweden für ›March Of Mephisto‹ und ›The Haunting‹ gedreht haben, sind wahrlich sehenswert.

Erfolgte der Dreh denn auch mit den bereits erwähnten Gästen?

Klar doch. Wir haben Shagrath und Simone extra einfliegen lassen und das Ergebnis hat uns recht gegeben. Hoffentlich werden die Clips demnächst auf den Musikkanälen zu sehen sein.

Auf der Tournee, die von Mitte März bis Anfang April stattfand, war die Sache wohl schwieriger umzusetzen sein? (Besagte Tournee fand von Mitte März bis Anfang April statt und führte KAMELOT durch Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, die Niederlande und Griechenland. )

Ja, leider. Da wir mit EPICA, die neben KOTIPELTO das Vorprogramm bestreiten, unterwegs sein werden, schaffen wir es wohl zumindest Simone für ihre Einsätze auf die Bühne zu bitten. Alles andere bleibt aber ein Problem, da Shagrath aus terminlichen Gründen nicht zur Verfügung stehen können wird. Allerdings besteht durchaus die Chance in Oslo, der Heimat von Khan und Shagrath, den "Mephisto" amtlich auf der Bühne sehen zu können.

Stehen denn noch weitere Tour-Aktivitäten auf dem Programm, oder war es das?

Nein, keineswegs. Nach dieser Tour geht es zunächst erst einmal nach Japan, wo auch bereits eine kurze Tournee gebucht ist. Wir haben auf jeden Fall vor noch in diesem Jahr in Südamerika zu gastieren und im Herbst abermals bei Euch in Europa zu gastieren. Da sollte dann nochmals Mitteleuropa auf dem Programm stehen, wobei ich diesbezüglich aber noch nichts Genaues sagen kann. Sicher ist, daß wir die Festivals im Sommer auslassen werden, denn wir wollen den Fans richtig intensive Gigs mit möglichst vielen Details bieten, damit sie auch etwas für ihr Geld erhalten. Auf großen Bühnen bei Tageslicht, bei dem wir wahrscheinlich auftreten müßten, kommen derlei Details einfach nicht zur Geltung kommt.

Aber Eure Heimat steht definitiv nicht auf dem Programm?

Nein, noch nicht. Es macht im Moment nicht wirklich Sinn, Unsummen zu investieren, wenn von Beginn an klar ist, daß durch Ticketverkäufe nur ein Bruchteil des Budgets wieder eingenommen werden kann. Vielleicht besteht die Chance, uns zuerst durch die Videos einen besseren Status zu erspielen, denn das amerikanische Publikum ist immer noch unterschiedlich zum europäischen. In den Staaten hilft es einer Band nicht, auf zahlreiche Veröffentlichungen zurückblicken zu können. Hier mußt du quasi alltäglich im Fernsehen präsent sein, anders sind die Leute nicht für Konzerte zu begeistern. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, daß du genauso schnell wieder in Vergessenheit geraten bist.

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Das wird Euch bei uns mit Sicherheit nicht passieren, schließlich haben KAMELOT schon seit der Veröffentlichung ihres Debuts »Eternity« im Jahre 1994 ausschließlich Qualitätsware abgeliefert. Die einzelnen Mitglieder haben zwar zwischenzeitlich an mehr oder weniger erfolgreichen, leider aber zumeist sträflich unterbewerteten Produktionen mitgewirkt, wie Thom am bereits erwähnten Projekt AINA, oder Drummer Casey Grillo bei CONSORTIUM PROJECT, bilden aber nach wie vor als KAMELOT eine kompakte Einheit. Von Sänger Khan waren zuletzt Gerüchte zu vernehmen, daß er wieder...

Ja, es stimmt. Khan und seine ehemaligen CONCEPTION-Mitstreiter haben sich zu einer Unterredung getroffen und ich darf sogar verraten, daß es bereits zur konkreten Planung einiger Gigs gekommen ist. Ich weiß aber auch, daß die Herrschaften ihren Kultstatus beibehalten möchten und keinesfalls im Schilde führen, ein neues Album aufzunehmen.

Schade eigentlich. Obwohl... Und wer weiß, was dann aus KAMELOT werden würde. Einen Khan in der derzeitigen Form wäre wohl recht schwierig für Thom Young­blood und seine Mitstreiter zu ersetzen.

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management@kamelot.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

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