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Glenn Hughes
THE LIZARDS

Frankental, Krone Music Club

06.03.2005

Eigentlich liegt der Austragungsort des Konzertes ja nur knapp 70 Kilometer von unserem Wohnort entfernt - aber uneigentlich hatten wir an diesem Tag fast 600 Kilometer Anreiseweg, da wir uns auf dem Rückweg von einer Familienfeier in Hamburg befanden. Ergo waren wir dank des befürchteten Schneechaos (bzw. dem, was gewisse Autofahrer beispielsweise in den Kasseler Bergen aus einem bißchen Schnee machten) recht zeitig losgefahren - und da das Chaos ausblieb, sehr rechtzeitig in Frankenthal. Also blieb genug Zeit zum Essen in einem fragwürdigen chinesischen Restaurant. Dort wiederum lagen Flyer des "Krone Music Clubs" herum - und zu unserer Schande stellten wir fest, daß wir uns vielleicht etwas früher um Infos über die Vorband THE LIZARDS hätten bemühen können. Am Schlagzeug würden wir also unseren absoluten "Liebling" Bobby Rondinelli, wahrscheinlich immer noch breiter als lang, mit schlechter Perücke und auf Zahnstocher kauend bewundern können. Wie schön.

THE LIZARDS-Liveshot: Bobby Rondinelli

Und, was soll man sagen? Alle Vorurteile hatten sich schon vor der Ansage bestätigt. Da ich die Band nicht kannte, konnte ich zwar Roadies und Musiker beim Aufbau nicht auseinander halten - aber Bobby kam zahnstocherkauend auf die Bühne getapst. Immerhin legte er seine Sonnenbrille nach kurzer Zeit ab. Der Mann mag ja fachlich zu den Besseren gehört (seine Vergangenheit bei BLACK SABBATH, BLUE ÖYSTER CULT und RAINBOW wurde auch brav vom Sänger erwähnt), aber optisch ist er eine Katastrophe. Überhaupt hat mich die Vorband optisch mehr beschäftig als akustisch... Am meisten beeindruckt hat mich der Baß - der Baß, nicht der Bassist oder gar die Baßlinien: ein elfenbeinfarbener Sechssaiter mit riesigem Perlmutt-Inlay in Form einer Friedenstaube! Beim Gitarristen dachte ich eine ganze Weile, "die Nase kenne ich doch" (Des Rätsels Lösung: Es ist die selbe Nase wie bei Schauspieler Owen Wilson...) und der Bassist stellt eine Mischung aus Nick Simper (war 1968/69 der erste Bassist von DEEP PURPLE und somit der Vor-Vorgänger von Glenn Hughes) anno 1968 (Frisur und Klamotten), Mick Jagger (Figur) und Bill Wyman (Fluchtverhalten auf der Bühne) dar. Nur der Sänger (simple schwarze Lederhose, schwarzes Hemd und keine Frisur, da keine Haare) stellte einen angenehmen Ruhepol dar. Akustisch waren THE LIZARDS übrigens eindeutig in die Katagorie "Ausnahmsweise mal zum Hauptact passend und nicht zum Weglaufen" einzuordnen, was das Publikum durch verhältnismäßig viel Applaus kundtat. Da sich die Merchandise-Produkte im einem preislich erträglichen Rahmen bewegten, wurde am Stand hinterher auch gut was umgesetzt.
Umbaupause: Da es neben der Bühne sehr eng war (und ein "hinter der Bühne" nicht existierte), wurde das Schlagzeug in das Publikum abgebaut. Ein bewundernswerter Mensch durfte sich dann im Halbdunkeln damit beschäftigen, es zu verpacken und zum Lastenaufzug zu transportieren. Alles in allem war der Umbau inklusive Soundcheck (ein erstaunlich junger Mann durfte alle Instrumente im Alleingang einstöpseln und testen) in weniger als einer halben Stunde getan - aber der Meister lies dann noch ein Viertelstündchen auf sich warten...

Glenn Hughes-Liveshot 1

Da die Tour nach dem aktuellen Album benannt ist, habe ich ziemlich viel Material von »Soul Mover« erwartet - und das bekam ich auch geliefert. Viele der älteren Stücke wurden als "erhältlich auf der aktuellen Live-Scheibe" (»Soulfully Live In The City Of Angels«, 2004) angesagt und Seitenhiebe auf die Menschen im Auditorium verteilt, die den guten Glenn nur aus den zweieinhalb Jahren zwischen Herbst 1973 und Frühjahr 1976 (ergo: seiner Zeit bei DEEP PURPLE) kannten, inklusive: "Ja, es gibt ein Leben vor DEEP PURPLE - und danach!". Insgesamt muß man aber sagen, daß auch bei den Songs aus seiner Solo-Karriere ein beachtlicher Teil des Publikums zumindest im Refrain textsicher war. Da bieten sich ja leider bei vielen Protagonisten der "Alte-Herren-Liga" ganz andere Szenarien... Die Setlist bot als dritten Song den ersten DEEP PURPLE-Song: ›Mistreated‹ (von »Burn«, 1974) - warum, weiß ich nicht so genau. Geschrieben und getextet wurde der Song schließlich von (Ritchie Blackmore und) David Coverdale, der ihn auch als einer der wenigen "Mark III"-Songs allein gesungen hat. Auch wenn ich zugeben muß, daß meiner Meinung nach Glenns Version wesentlich authentischer ist, als das, was bei Ronnie James Dio (anno 1976 als Sänger von Ritchie Blackmore's RAINBOW) bei diesem Song rüberkommt (nämlich nichts!), so mag ich doch das, was bei David (egal mit welchen Gitaristen) dabei rauskommt, wesentlich lieber. Der quietscht auch nach dem eigentlichen Song-Ende nicht noch minutenlang rum... Den zweiten Nicht-Solo-Song im Set stellt übrigens »Medusa« vom gleichnamigen TRAPEZE-Album (1971, Prä-PURPLE) dar.

Glenn Hughes-Liveshot 2

Insgesamt ist es schon erstaunlich, was der Mann in seinem Alter und mit seiner mehrfach erwähnten Drogenvergangenheit ("Eigentlich müßte ich ja längst tot sein. Es gibt da zehn Jahre, in denen ich mich an nichts erinnere!") noch mit seiner Stimme anstellen kann. Manchmal übertreibt er es nur ein bißchen... Sehr angenehm fand ich wiederum, daß er seine Mitmusiker klar und deutlich vorstellt, seinen Teddy-Bär am Keyboard (Ed Roth), seine Geheimwaffe seit neun Jahren an der Gitarre (J.J. Marsh) und den Schlagzeuger (Thomas Broman), der es nun auch schon ein paar Jahre mit ihm auf Tour aushält. Sich selbst bezeichnet er als "Big Daddy", seinen Namen nannte er aber wie üblich erst nach der Zugabe. Ach ja, "Zugabe": zu meinem immer größer werdenden Mißfallen hat es sich ja leider in den letzten Jahren immer mehr verbreitet, daß schon nach 60 Minuten die Bühne pseudo-verlassen wird. Das Licht bleibt an, bzw. das in der Halle aus, die größten Hits sind noch nicht gespielt. Wenn nun auch noch, wie in diesem Fall, ein großer Teil des Publikums sieht, daß die Musiker direkt in der Tür stehenbleiben, wird es mega-albern! Die Zugabe bestand aus ›Seventh Star‹ (von dem gleichnamigen 1987er BLACK SABBATH-Album, das meiner Meinung nach das Beste ist, was wahlweise Hughes oder Iommi jemals fabriziert haben - es hätte nur nicht BLACK SABBATH heißen sollen), der schwer umjubelt wurde, und ›Burn‹ (allseits bekannter Titelsong des ersten von drei DEEP PURPLE-Alben mit Glenn) - ein aus einem einzigen Wort bestehender "Refrain" läßt sich halt hervorragend auch noch von benebelter oder sonst wie umnachteter Zuhörerschar mitgrölen... ;-)
Fazit: Wer weiß, daß der Mann schwer einen an der Waffel und eine Vorliebe für Funk hat, und daß es die Tour zum aktuellen Album ist, der hat sich gut unterhalten. Wer darauf besteht, daß der Mann nur durch seine Zeit bei DEEP PURPLE zum Star wurde, und deswegen deren Songs hören wollte, der hatte ein Problem - und hinterher jede Menge zu meckern...


Catrin Thul

Photos: Andreas Thul

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siehe auch: Autobiographie von Glenn Hughes erschienen
siehe auch: Glenn Hughes als neuer Bassist auf der kommenden Platte der MICHAEL SCHENKER GROUP bekanntgegeben, doch dieser streitet kurze Zeit später eine Beteiligung bei MSG ab.
siehe auch: Glenn Hughes arbeitet an der Musik zum Film "Highlander II" mit
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