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"Sweden Rock Festival" 2004

Sölvesborg (Schweden)

10.-12.06.2004

Sold out" - dieses Schild schwebte weithin sichtbar über dem diesjährigen "Sweden Rock Festival". Bereits lange vor Festivalbeginn mußten unsere schwedischen Freunde bekanntgeben, daß alle Tickets für ihr Happening ausverkauft seien. Zwar entschloß man sich, nochmal 2000 weitere Karten freizugeben, die jedoch ebenfalls in Windeseile vergriffen waren.
Doch glücklicherweise hatte das "Sweden Rock Festival" auch bei dieser deutlich größeren Besucherzahl nicht seinen Gemütlichkeitsfaktor eingebüßt, den das Festival auszeichnet. Das konnte auf jeden Fall meine Wenigkeit feststellen, als ich nach einer Anfahrt mit Zug, Auto und Schiff beim "Sweden Rock Festival" 2004 dabeisein durfte.

LUMSK-Liveshot

Hängen auf dem letzten Teil der Anfahrt noch graue Wolken am südschwedischen Himmel, strahlt die Sonne als die Norweger LUMSK die Ehre haben, das Festival zu eröffnen. Obgleich es erst kurz nach Highnoon an diesem Donnerstag ist, versammelt sich erstaunlich viel Publikum vor der Bühne, unter dem sich allerdings auch der eigens angereiste Fanclub befindet, der Flaggen mit dem LUMSK-Symbol schwenkt. Ansonsten hinterlassen LUMSK einen zwiespältigen Eindruck: Den oft zweistimmige weiblich-männlich Wechselgesang bewältigt man auch live gut. Doch im Gegensatz zu dem interessanten Gesangsarrangement fällt die instrumentale Seite der Songs leider ziemlich langweilig aus - was man leider auch über die relativ lahme Performance der Band sagen muß.

CRAZY LED-Liveshot

Hinter dem - wie sich schnell herausstellen sollte - äußerst passenden Etikett CRAZY LED verbirgt sich FIVE FIFTEEN-Frontmann Mika Järvinen, der zusammen mit Ex-HAVANA BLACK-Drummer Anssi Nykänen und SINERGY-Basser Lauri Porra alte LED ZEPPELIN-Nummern covert. Da Mika original wie Robert Plant vor dreißig Jahren aussieht, originalgetreu singt und die Musiker exzellent spielen, schindet man reichlich Eindruck, aber letzten Endes bleibt eine Coverband eben eine Coverband...

ASTRAL DOORS-Liveshot

Zurück zur "Spendrups Stage", die sich auch in diesem Jahr als eine äußerst interessante Bühne entpuppt, weil hier sich talentierte skandinavische Newcomer die Klinke in die Hand geben. Ein solcher Fall: ASTRAL DOORS, die auf ihrem Debut »Of The Son And The Father« eine "RAINBOW & DIO hoch zehn"-Orgie inszeniert hatten - völlig unoriginell aber mit guten Songs. Und der schlaksige Sänger Nils Patrik Johansson, der bekanntlich auch auf den aktuellen SPACE ODYSSEY- und WUTHERING HEIGHTS-Platte zu hören ist, bringt seine hervorragende Gesangsleistung von der Platte auch live rüber. Die restlichen ASTRALkörper spielen groovig und tight - benehmen sich aber auch wie DOORS und bewegen sich leider keinen Millimeter aus ihrem Rahmen.

THE HAUNTED-Liveshot

Von den DOORS zu den Ex-GATES: Erstmals werden Lautstärke und Härtegrad hochgefahren, denn die frischgekürten "Sweden Grammy"-Gewinner THE HAUNTED entern die - logo - "Sweden Stage". Und prompt versammeln sich etliche Thrashwillige, so daß die Menge richtig gut abgeht. Die Truppe um die Björler-Brothers spielt gnadenlos hart und tight und der neue, alte Sänger Peter Dolving kann nach Herzenslust über die Bühne toben. Überhaupt unterscheidet er sich kaum von seinem Vorgänger und/oder Nachfolger Marco Aro, da Peter ein ähnlich hardcoriges Auftreten an den Tag legt. Allerdings ist er im Verhältnis zum bullig wirkenden Marco sehr viel größerer und schlanker. Doch genug der "optischen Betrachtungen" - THE HAUNTED hatten als Ankündigung der Gilde der härteren Bands in jeder Hinsicht amtlich Sturm geläutet!

TNT [N]-Liveshot

Die norwegische Sprengstofftruppe hat aus dem Flop beim letztjährigen "Bang Your Head!!!" offensichtlich gelernt: Beim "Sweden Rock Festival" verteilen TNT ihre Hits geschickt über den Set verteilt, so daß wir sowohl in den Genuß von ›As Far As The Eye Can See‹, ›Seven Seas‹, ›Everyone's A Star‹ als auch ›10.000 Lovers In One‹ kommen. Zwar ist das Hippie-Outfit nach wie vor seltsam anzuschauen, aber die Band rockt toll los und zudem verdient sich Sänger Tony Harnell einige Gummipunkte, weil er - fast auf den Knien liegend - JUDAS PRIEST angepreist: Sie seien jene Band gewesen, die er in seinem Kellerzimmer gehört habe als er jung war und er könne es nicht erwarten, die Priester wenige Stunden später live zu sehen. Doch das ist gewiß nicht der einzige Grund für die guten Publikumsreaktionen, die TNT bis zum Ende ihres Sets - den sie übrigens mit Monty Pythons ›Always Look On The Bright Side Of Life‹ beschallen - ernten. Good show!

TRADING FATE-Liveshot

Beim diesjährigen SRF gibt es das sogenannte "Rockklassikertältet": Ein Zelt, das von dem Stockholmer Radiosender "106,7 Rock Klassiker" präsentiert wird, in dem auch einige Bands live zocken. Und den Anfang machen hier TRADING FATE eine blutjunge Band aus Stockholm, die vermutlich noch von Papi und Mami hergefahren werden mußte. Die Band ist noch - und die Betonung liegt auf "noch" - ohne Deal, doch mit ihrem klassischen, melodischen Heavy Metal werden sie zu einer der positiven Überraschungen des Festivals. Sänger Kenny Leckremo hopst aufgedreht über die Bühne, singt dermaßen gut, daß einem die Spucke wegbleibt und erinnert in seinen grauen Turnhosen an die Juniorausgabe von Bruce Dickinson, der vor zwei Jahren in einem ähnlichen Outfit hier gespielt hatte. Überhaupt sind TRADING FATE anscheinend darauf aus, ihren Vorbildern alle Ehre zu machen und tragen ebenfalls Kopftücher, obwohl diese Jungs sie gewiß nicht tragen müssen, um die Geheimratsecken zu kaschieren... Auf jeden Fall ist das Zelt brechend voll und für ihre ansteckende Spielfreude ernten TRADING FATE überwältigendes Feedback von den Zuschauern.

PARAGON-Liveshot

Derweil geben nebenan PARAGON auf der "Spendrups Stage" Gas. Und auf dem Weg dorthin muß man aufpassen, daß man nicht von einem der vielen Quads, die übers Gelände brettern, über den Haufen gefahren wird. Mit diesen Gefährten ist ständig ein ganzes Schwadron Helfer unterwegs, um den Müll einzusammeln und so das Festival sauberzuhalten. Wohlbehalten bei PARAGON angekommen, kann man postwendend feststellen, daß es der erste deutsche Abgesandte mit einer routinierte Show, seinen bewährten Riffs, aber auch einer fast schmerzhaften Lautstärke schafft, das Publikum auf seine Seite zu ziehen, so daß die Hamburger bestimmt nicht enttäuscht von dannen ziehen müssen. Im Gegenteil: In den nächsten beiden Tagen stößt man immer wieder auf einen der PARAGONler, der mit bester Feierlaune ausgestattet ist.

D-A-D-Liveshot

Auf der "Rock Stage" kann Vanessa Warwick, die "Mistress of Ceremonies", auf dieser Bühne, dann die nächste Drei-Buchstaben-Band ansagen: D-A-D. Obgleich deren letztes Album »Soft Dogs« nicht gerade der Bringer war, haben die Dänen on stage das Rocken nicht verlernt und legen eine feurige Nummer aufs Parkett. Auffälligster Part ist natürlich der bassende Papi Stig Pedersen, für den eine verrückte Optik Pflicht ist: Er kommt in Captain America-Outfit auf die Bühne. So geht's eben nur in Disneyland After Dark zu...

Derweil gibt es auf der "Sweden Stage" deutlich lautere Kost, denn ENTOMBED grooven sich zu Tode, vergessen aber auch ihre alten Klassiker wie ›Left Hand Path‹ nicht. Das Publikum ist auf jeden Fall mit der Mischung zufrieden und spielt fröhlich mit - eigentlich sogar besser als die Band an sich. Vor allem die langen Pausen zwischen den Songs wirkten störend. Da sollte man von einer solch routinierten Band eigentlich mehr erwarten können.

Das muß frustrierend für die erfahrene Truppe SPEARFISH gewesen sein: Sie erhalten bei ihrer "Back For The Future"-Show weniger Feedback als die zuvor im Zelt umhergetobten Greenhorns von TRADING FATE - was sowohl auf ihre eigenen Nummern als auch für das Elvis-Cover ›In The Ghetto‹ (das übrigens Nicky Moore singt, der am nächsten Tag an gleicher Stelle selbst aktiv werden soll) zutrifft. Auch bleiben Zugaberufe aus (und ich wage zu bezweifeln, daß der komische Fummel des Drummers Johan Sterner der Grund war), so daß der Zeltmoderator die Band auf die Bühne zurückholen muß. Keine allzu rosigen Zukunftsaussichten für SPEARFISH...

MEMORY GARDEN-Liveshot

Der Anstand gebietet es, auch MEMORY GARDEN einen Besuch abzustatten. Doch die Etikette ist gewiß nicht der einzige Grund, da die Schweden bekanntlich eine hervorragende Power Doom-Band sind. Nachdem vor zwei Jahren an dieser Stelle die große CANDLEMASS-Reunion begonnen hatte, die mittlerweile so traurig geendet hat, können MEMORY GARDEN anno 2004 immerhin auch für einige gemächlichere Töne sorgen. Leider haben sich nur wenige Leute vor die Bühne verirrt, die dennoch für eine gute Stimmung sorgen und von Sänger Stefan Berglund mit einigen T-Shirts beworfen, äh beschenkt werden.

MONTROSE-Liveshot

Routinier Ronnie Montrose beendet den ersten Tag auf den beiden Nebenbühnen. Vom Opener ›Rock The Nation‹ an ist es faszinierend Ronnie zuzusehen, der wie hypnotisiert seine Klampfe bearbeitet, mit der er nun schon seit so vielen Jahren verheiratet ist. Gleichfalls ein Genuß: seine Mitmusiker Chuck Wright (b, IMPELLITTERI, HOUSE OF LORDS & Co.), Jimmy DeGrasso (d, einst bei MEGADETH, SUICIDAL TENDENCIES oder Y&T gesehen) und Sänger Keith St. John (BURNING RAIN, MEDICINE WHEEL). Jedoch ist es wohl notwendig, daß das Lebensalter die Zwanzigermarke deutlich überschritten hat, um bei der MONTROSE-Show seinen Spaß zu finden.

HELLOWEEN-Liveshot

Wenn man HELLOWEEN auf einer großen Festivalbühne sieht, kehren unausweichlich die Erinnerungen an den miserablen Wacken-Gig vor drei Jahren zurück. Doch in Schweden können die Kürbismänner vermitteln, daß sie ganz offensichtlich wieder Spaß beim Musikmachen haben. Zudem stößt das sehr old-schoolige Programm beim Publikum auf Begeisterung: ›Open Your Life‹, der erster Song vom neuen Album »Rabbit Don't Come Easy« kommt tatsächlich erst nach einer dreiviertel Stunde, während sich rundherum Klassiker wie ›Starlight‹, ›Future World‹, ›Eagle Fly Free‹ oder ›Murderer‹ tummeln. Offenkundig ist sich die Band ihrer Sache ziemlich sicher und zückt als dritten Song die Marathonnummer ›Keeper Of The Seven Keys‹. Doch alles geht gut und nach einem ewig langen Mitsingpart bei ›Power‹ geht eine erstaunlich geile Show zuende.

JUDAS PRIEST-Liveshot

Es gibt viele Floskeln, die man auf die JUDAS PRIEST-Show beim "Sweden Rock" anwenden könnte; Floskeln, die von "den Umständen entsprechend" bis zu "Sicherheitsfußball auf dem höchst denkbaren Niveau" reichen. Denn: Überraschungen gibt es keine - ›One On One‹, der beste Song aus der Ripper-Ära wäre doch eine solche gewesen, oder..? Die Setlist ist vorhersehbar und die Show wirkt teilweise als sei jeder Schritt einstudiert. Unter den zu erwartenden Standards befinden sich natürlich auch die Harley sowie Floskeln von "Breaking a what?" bis zu "The priest is back!" - aber war das nicht eigentlich Rippers Spruch? Egal - letztendlich ist es gut so, denn die Fans wollen die Klassiker hören und PRIEST in "gewohnter Manier" erleben.
Und so beginnt Rob Halford, für den das SRF bekanntes Territorium darstellt, da er vor zwei Jahren auf der gleichen Bühne mit seiner Band HALFORD den Headliner markiert hatte, souverän: Er bewegt sich gut und kommuniziert mit den Fans, was er im Verlauf der Show leider immer mehr einschränkt. Gesanglich schlägt er sich allerdings relativ gut, wenngleich er gelegentlich neben dem Ton liegt und die spitzen Schreie natürlich umgehen muß.
Dennoch: Es ist routiniertes Entertainment - nicht mehr und nicht weniger als man von JUDAS PRIEST anno 2004 erwarten kann. Für Bestürzung sorgt die Band allerdings als sie nach nur 62 Minuten erstmals von der Bühne geht, so daß die Länge des Gigs nur mit Mühe und Not auf eineinhalb Stunden kommt - etwas mehr Einsatz wäre schon wünschenswert gewesen.

War der Donnerstag nur zum Warmwerden da, steppt ab heute der Bär. Leider jedoch hat man in diesem Jahr die Spielzeiten so gelegt, daß die Gruppen auf der "Rock Stage" und der "Sweden Stage" parallel spielen, so daß man zwischen den Bühnen hin- und herhopsen muß, wenn einem nicht die ein oder andere interessante Band durch die Lappen gehen soll.
Doch immerhin nutzen die "Sweden Rock"-Organisatoren die Vielzahl der Bühnen dahingehend, daß der Großteil der Bands über eine Stunde spielen kann und man trotzdem möglichst vielen Acts einen Besuch abstattet kann. Dennoch war es früher besser organisiert, als alle Bühnen zeitversetzt starteten. Starten wir also den Hürdenlauf:

PERSUADER-Liveshot

Obgleich es kurz zuvor noch geregnet hatte, verirren sich viele vor die "kleine" Bühne, um bei PERSUADER für gute Stimmung zu sorgen. Ohne den irreführenden Piet Sielck-Produktionsfingerabdruck, den man auf dem letzten Album »Evolution Purgatory« beklagen mußte, klingt die Band gewohnt eigenständig und kann auf ganzer Linie überzeugen. Folglich sind PERSUADER ein guter Start in den neuen Tag. Weshalb Gitarrist Emil Norberg allerdings solch neckige Rüschenhöschen über seine Jeans gezogen hat, soll wohl besser sein Geheimnis bleiben...

CONEY HATCH-Liveshot

Fast schon unbemerkt gehen die Kanadier CONEY HATCH auf die Bühne, da sich leider nur wenige Leute vor der Bühne eingefunden haben. Aber die Band hat bei ihrem ersten Europa-Abstecher - wie Sänger Carl Dixon stolz verkündet - offenkundig Spaß ohne Ende. Zum Glück gesellen sich im Laufe der Zeit immer mehr Fans hinzu, denn wer fernbleibt verpaßt eines der absoluten Highlights des Festivals.
Schon der Opener ›Don't Say Make Me‹ verdeutlicht, daß Carl Dixons Stimme nichts von ihrem magischen Flair verloren hat. Und Weltklasse-Melodicstoff wie ›Girl From Last Nights Dream‹ oder ›First Time For Everything‹ sorgt für Gänsehaut pur. Zudem kann man nahezu ausschließlich Original-CONEYs begrüßen und lediglich Basser Andy Curran konnte aus beruflichen Gründen nicht mitkommen, so daß KILLER DWARFS-Gitarrist Mike Hall in Sölvesborg die vier Saiten übernimmt.
Welch famose Leistung CONEY HATCH bieten, unterstreicht auch die Tatsache, daß die immer zahlreicher werdenden Getreuen von CONEY HATCH sich durch den erneut einsetzenden Regen nicht vertreiben lassen und die Band zu einer Zugabe auf die Bühne zurückholen - welcher Festivalopener schafft so etwas schon? So zückt die Band ›American Woman‹, doch ich glaube alle Anwesenden hätten lieber noch einen CONEY HATCH-Song gehört. Anyway - bevor die Coverversion zu Ende ist, hat Carl mit seinem energischen Spiel eine Saite seiner Klampfe zerfetzt und außerdem haben CONEY HATCH es geschafft, den Regen erfolgreich zu vertreiben.

BESEECH-Liveshot

Derweil werden nebenan schon kräftig die Samples getestet, da auf der "Spendrups Stage" nun BESEECH anstehen. Die Vorarbeit lohnt sich, denn der Sound während des Auftritts stimmt. Doch das ist das einzige Kompliment, das man den Gothic-Metallern machen kann. Der Auftritt ist stinklangweilig, weil keiner der Musiker sein "Planquadrat" verläßt. Wenn nicht Sängerin Lotta Höglin leichte tanzartige Bewegungen gemacht hätte und das Publikum zum Mitklatschen aufgefordert hätte, hätten BESEECH gute Chancen gehabt, die Auszeichnung "langweiligste Liveband der Welt" zu erhalten.

Y&T-Liveshot

Daher ist es Zeit, weiter zu Y&T zu tingeln, die die Action auf der "Festival Stage" eröffnen sollen. Und wer erinnert sich nicht gerne an die ergreifende Performance der Band beim letztjährigen "Bang Your Head!!!", wo sie der heimliche Headliner waren. Beim diesjährigen "Sweden Rock" wird die Truppe um Dave Meniketti kurzfristig nachnominiert als SKID ROW abgesprungen waren. Da die Band gerade ihr 30-jähriges Jubiläum begeht, läßt sie sich natürlich nicht zweimal bitten und tingelt wie schon im Vorjahr nach Schweden. Zwar wird der aktuelle Auftritt nicht so überwältigend wie Y&T 2003, aber dennoch erleben wir seine fabelhafte Show. Und die Setlist ›Lipstick & Leather‹, ›Eyes Of A Stranger‹, ›Dirty Girl‹, ›Meanstreak‹, ›25 Hours A Day‹, ›Wild If You Wanna‹, ›Hurricane‹, ›Summertime Girls‹, ›Black Tigers‹, ›I Believe In You‹, ›Rescue Me‹ und ›Forever‹ ist erneut großteils ein Auszug aus dem Buch "Verkannte Rockhistorie".

GRAND MAGUS-Liveshot

Schon zu Anfang der GRAND MAGUS-Show herrscht vor der Bühne leider gähnende Leere, was sich im Verlauf der nächsten 40 Minuten kaum ändert - schade, denn das Trio aus Stockholm präsentiert mit exquisiter waldschratiger Optik eine Mischung aus Stoner und TROUBLEigem Doom, der gnadenlos drückt! Selbiges gilt auch für die Sonne, die inzwischen mal wieder monströs vom Himmel herunterballert. Doch in dieser Hinsicht gibt es beim "Sweden Rock" einen erfreulichen Service: An allen Bühnen stehen Kisten mit Wasserflaschen bereit, die die Security immer wieder ins Publikum reicht.

PAT TRAVERS BAND-Liveshot

Wie schon im Falle MONTROSE folgt nun ein weiterer Act, der eher für die älteren Semester geeignet ist: die PAT TRAVERS BAND. Der Namensgeber überrascht/entsetzt zwar mit seinen schicken blauen Schühchen, doch glücklicherweise benutzt er die andere Extremität, um mit seiner Klampfe anständig blueszurocken oder aber seinen Ohrwurm ›Eliah‹ anzubringen. Doch auch Pats Mitmusiker dürfen sich ins Rampenlicht stellen: So darf sowohl Drummer Eric Frates als auch Basser Rick Navarro ein Solo spielen, wobei Letzterer in seinen Singleflight ›Norwegian Wood‹ von den BEATLES einbaut - obgleich er doch eigentlich in Schweden weilt - egal...

Bei OPETH findet ein unglaublicher Ansturm an der "Sweden Stage" statt. Doch Petrus haßt anscheinend abgefahrene Klänge, denn gegen Ende des OPETH-Sets beginnt es wieder zu regnen und die Schlußnummer ›Demon Of The Fall‹ wird gar von sintflutartigen Niederschlägen begleitet. Doch davon lassen sich Mikael Åkerfeldt und seine Kumpanen, die beim SRF generell die härteren Nummern spielen, nicht abschrecken. Denn: Irgendwie paßt dieses trostlose Wetter zum Flair der OPETH-Klänge. Zugleich spricht es für das Flair des "Sweden Rock Festivals": Obgleich jeder während der drei Tage mehrfach durchnäßt wurde, ließ sich niemand die Laune vermiesen. Bei welchem anderen Festival wäre das denkbar?

CARNAL FORGE-Liveshot

Ein geiles Brett zimmern CARNAL FORGE im Anschluß auf der kleinen Bühne - meistens: Denn auch live muß man wie schon auf den Studioaufnahmen beobachten, daß die langsameren Parts der Band am besten zu Gesicht stehen, während wenn man das Tempo in Hyperregionen anzieht, jegliche Struktur verlorengeht. Doch die Thrasher vor der Bühne sind anpassungsfähig und werfen wahlweise den Banger oder den Propeller an.

HAWKWIND-Liveshot

Für die bis dato die feuchteste Veranstaltung des Tages sind HAWKWIND zuständig. Nicht etwa, weil man wieder wie in den Siebzigern vollbusige Gespielinnen in Farbe plantschen ließ, sondern weil sich die Schleusen des Himmels immer noch nicht geschlossen haben. Und obgleich die Show auch garantiert Lemmy-frei ist, bringt HAWKWIND-Kopf Dave Brock sein Mikro in "Überkopf-Position", verzieht sich hinter eine Keyboardburg, um alle notwendigen Sounds abrufen zu können, und HAWKWIND heben gen Space ab. Doch nachdem man einige Minuten mitgeflogen ist, wird es höchste Zeit ins Zelt zu flüchten, um einen Windelwechsel vorzunehmen.

RITUAL [S]-Liveshot

Die schwedische ProgRock-Formation RITUAL hat zweifelsohne einen guten Ruf in der Szene und Sänger Patrik Lundström ist dank seiner früheren Mitarbeit bei KAIPA bei Proggern bekannt wie ein bunter Hund, doch beim "Sweden Rock Festival" interessiert sich niemand für die Band: Bestenfalls 50 Zuschauer verirren sich vor die Bühne. Sie sehen eine superb aufspielende Band sowie die revolutionären Hosen von Patrik, die eine Kombination von Siebzigern und Achtzigern darstellten: Spandexhosen mit Schlag...

SLADE-Liveshot

Die Altrocker SLADE beginnen ihren Set mit ›Cum On Feel The Noize‹, fahren jedoch nicht mit einem ›Metal Health‹-Cover fort... Doch ansonsten ist bei den Engländern eine kleine Chartreise angesagt und ›Run, Run Away‹ fehlt ebenso wenig wie ›Mama, We're All Crazee Now‹. Die clowneske Aufmachung von Gitarrist Dave Hill ist zwar nicht gerade metal und zudem ist er so hochgeschminkt, daß er, wenn er auf einem der Podeste steht, die für SLADE aufgebaut werden, in der Sonne glänzt wie eine Speckschwarte, doch Sänger Steve Whalley, seit 1993 Nachfolger von Noddy Holder, hat ein Reibeisen, das seines Vorgängers würdig ist. Zum Schmunzeln regt angesichts der anderen Bands, die sich auf dem Festival austoben, auch die Ansage "SLADE is back in town, you better lock up your daughters" an - manche Gags sind irgendwann zwangsläufig out of time... Gleichgültig - SLADE boten geilstes Entertainment, so daß sogar True Metaller wie Andy Preissig und unser Martin Brandt die alten Herren von SLADE den etwas weniger alten Herren von TESTAMENT vorzogen, die gleichzeitig auf der "Rock Stage" rockten, nein thrashten.

Doch sie verpassen eine glänzend aufgelegte Bay Area-Combo, die loslegt als würde es um ihr Leben gehen. Vielleicht ahnt Eric Peterson ja, daß für ihn schon bald eine Zwangspause anstehen würde: Wie wir alle wissen, stürzt Eric einige Tage später in einem Club so schwer, daß er sich das Bein zweimal bricht und die Band auf die Schnelle ihren Ex-Klampfer Steve Smyth an Land ziehen muß, der ohnehin gerade mit seiner neuen Band NEVERMORE in Europa weilt, um den "Bang Your Head!!!"-Auftritt zu retten. Doch in Schweden haben TESTAMENT noch eine weitere Spezialität anzubieten: EXODUS-Sänger Steve "Zetro" Souza, der bekanntlich zu den frühzeitlichen LEGACY-Tagen zur Band gehörte, kommt auf die Bühne, um ›Burnt Offerings‹ mit TESTAMENT zu schmettern. Ansonsten gibt es das derzeit gewohnte TESTAMENT-Bild: Chuck Billy, Eric Peterson, Ex-HALFORD-Gitarrist Metal Mike, Steve DiGiorgio sowie Ex-SLAYER-Drummer Paul Bostaph und einen tierischen Gig.

LAKE OF TEARS [S]-Liveshot

Bei LAKE OF TEARS wird schnell klar: Die Comebacker haben nichts von ihrer Verrücktheit eingebüßt, denn Sänger und Gitarrist Daniel Brennare erscheint mit Fliegenpilzkappe auf der Bühne. Dementsprechend eröffnen LAKE OF TEARS ihren Set mit ›Boogie Bubble‹ und ›Cosmic Weed‹, deren spacige Sounds mangels eines Keyboarders vom Band kommen müssen. Und obgleich man der Band einen fetten Minuspunkt eintragen muß, da sie ihre Hitnummer ›Devil's Diner‹ außen vor lassen, steht zu hoffen, daß die Band bei ihrem Comeback mehr Erfolg haben wird als zuvor.

MONSTER MAGNET-Liveshot

Ey, Mann, ey! Dat hat jerockt wie Sau. Und prollich wars auch noch! Jau - MONSTER MAGNET lassen wahrlich die Kuh fliegen und rocken die "Festival Stage" in Grund und Boden. Zusätzlich erfreut sich Sänger Dave Wyndorf an unzweideutigen Posen und Beckenbewegungen, so daß er in Amerika für die dadurch erzeugte sexuell aufgeladene Atmosphäre bestimmt hätte verklagt werden können... MONSTER MAGNET fetzen so heftig, daß es selbst im Innern eines Dixie (die in Schweden "Baja Maja" heißen - klingt irgendwie nach Biene Maja, riecht aber anders...) ordentlich bollert! Ähem - und jetzt erinnern wir uns wieder unserer guten Erziehung...

BRAINSTORM [D, Stuttgart]-Liveshot

Als Headliner auf der "Spendrups Stage" spielen BRAINSTORM ihre in den letzten Jahren gesammelte Liveerfahrung aus und Sänger Andy B. Franck schafft es im Handumdrehen, sich auch das schwedische Publikum untertan zu machen. Und so erntet die bis dato beste deutsche Band auf dem Festival sogar etliche Zugaberufe. Swedish mission accomplished!

EXODUS [US, CA]-Liveshot

Nun findet Chuck Billy Gelegenheit, sich für sich für die Gastrolle, die Zetro bei der TESTAMENT-Show übernommen hatte, zu revanchieren: Der Hüne marschierte auf die Bühne, um mit seiner sonoren Stimme EXODUS anzusagen. Und dann geht alles seinen erwünschten Gang: Ein riesiger Menschenauflauf vor der Bühne erlebt eine geniale EXODUS-Show, die um Längen besser ist als der Auftritt beim "Rock Hard Open Air", der ja wahrlich nicht von schlechten Eltern gewesen war. Die Riffs des Holt/Hunolt-Gespanns kommen so schneidend, daß sie fast körperliche Schmerzen verursachen. So geil kann Bay Area-Thrash sein!

SCORPIONS-Liveshot

Wußtet Ihr, daß Schweden ein Säugling ist? Auf jeden Fall begrüßt Klaus Meine das SRF-Publikum mit: "It's great to be back in Sweden, baby!" Aber vielleicht sollte man diese Aussage nicht überbewerten, da er nahezu jeden weiteren Satz des Abends mit einem gejodelten "Bayaybyyy" beendet. Doch mal abgesehen von der "auffälligen" Bühnensprache, die Klaus Meine mittlerweile pflegt, spielen die SCORPIONS eine überraschend guten Show. Zwar hat mit der neuen Platte »Unbreakable« die Achterbahnfahrt der Katastrophen aus den Neunzigern hinter sich gelassen und sich seiner rockigen Tage erinnert, doch dabei leider vergessen, brauchbares Songmaterial zu schreiben. In Schweden gibt's jedoch nichts zu meckern und die Herren mit dem Stachel packen viele der alten Gassenhauer wie ›Lovedrive‹, ›The Zoo‹, ›Bad Boys Running Wild‹ oder ›Blackout‹ aus. Einzig von Matthias Jabs hätte man etwas mehr Begeisterung erwarten können, der sich kaum bewegt. Dafür ist Rudolph Schenker ohne Verschnaufpause kaugummiknatschend unterwegs und wenn er mal stehenbleibt federt er permanent von einem Bein aufs andere. Erstaunlicherweise darf Neubasser Pawel Maciwoda, der bekanntlich in seiner polnischen Heimat bei den Oldtimern TSA gespielt hatte, ein Solo beisteuern, das letztendlich ziemlich überflüssig ist, aber dennoch sind die SCORPIONS auf dem richtigen Weg: Sie haben den Spaß an ihrer Musik wiederentdeckt und das überträgt sich bekanntlich immer aufs Publikum.

Wenn man nach dem Aufbau des Zeltes feststellen muß, daß die mitgebrachte Luftmatratze undicht ist, gelangt man verdammt schnell zur Erkenntnis, daß auch der schwedische Boden verdammt hart ist. Zumindest ist dies das erste Signal, das mir mein Körper jeden Morgen vermittelt, doch die Vorfreude auf einen weiteren Tag voller Highlights vertreibt schnell die Schmerzen aus den morschen Knochen.

DANGER DANGER-Liveshot

Los geht der letzte SRF-Tag mit einer Erinnerung an die Tage als das Leben noch aufregend und garantiert nicht haarsprayfrei war: Die doppelte Gefahr ist los! Da die DANGER DANGER-Mucker endlich ihre Differenzen ausräumen konnten, wie Sänger Ted Poley verkündet, beweisen sie beim "Sweden Rock Festival", daß sie auch wieder anständig miteinander rocken können: Denn - soviel vorweg - bei diesem Auftritt kommt die Band besser rüber als das jemals auf Platte der Fall war. Voller Übermut macht sich der gefährlich-gefährliche Ted einen Spaß daraus, immer wieder den Mikroständer umzukicken, so daß umgehend ein Roadie auf die Bühne geflitzt kommt, um das malträtierte Teil wieder aufzurichten - woraufhin das Spiel wieder von vorne beginnt. Weitere Poley-Besonderheiten: Der blondgelockte Nicht-Mehr-Jüngling bewegt sich entweder beschwingten Schrittes über die Bühne oder aber beweist sich als sehr erdverbundener Mensch, der ständig auf dem Boden kniet. Genauso auffällig: die makellosen Backing-Chöre - ein Schelm, wer Böses dabei denkt... Was soll's: Waren richtig gut, diese alten Poserschwuchteln. Ach, und bevor ich's vergesse: Liebe Mädels, die Ihr so zahlreich Mister Poley angeschmachtet habt: Der gute Mann gibt in seinem Steckbrief auf der DANGER DANGER-Homepage an, daß er glücklich verheiratet sei. Sorry.

SUN CAGED-Liveshot

Wer anschließend zur "Spendrups Stage" pilgert, kann den am höchsten hängenden Baß des Festivals bewundern, der zugleich noch mit sieben Saiten rumprotzt - wat 'n Prügel... Da der Träger darüber hinaus noch wie ein Wilder bangt, ist dies in jeder Hinsicht ein beachtlicher Anblick. Da auch die Band an sich, nämlich SUN CAGED, sowohl mit tightem Spiel, starkem Songmaterial und einer sehenswerten Performance werben kann, entpuppen sich die Holländer eindeutig als beste Progressive Band des "Sweden Rock". Hoffentlich kommen die Band möglichst bald wieder in die Gänge und kann ihr Line-up wieder zusammenkitten: Es war nämlich schon in Vorfeld des SRF-Auftritts klar, daß Fronter André Vuurboom und Tastenmann Joost van den Broek nach diesen Gig ihren Hut von SUN CAGED-Garderobenständer nehmen würde, so daß die Schlußnummer, EUROPEs ›The Final Countdown‹, hoffentlich nicht allzu doppeldeutig ist.

Axel Rudi Pell-Liveshot

Der nächste Teutonen-Legionär, Axel Rudi Pell, der natürlich auch in Schweden mit seiner bewährten deutsch-amerikanischen Truppe Ferdy Doernberg (k), Volker Krawczak (b) und Mike Terrana (d), Johnny Gioeli (v) anrückt, benutzt Mike Oldfiels Instrumental ›Arrival‹ als Intro - beziehungsweise in diesem Fall handelt es sich wohl um die ABBA-Version des gleichen Stückes... Und danach lassen es die ARPs krachen: Mike wütet, Ferdie läßt leichtsinnigerweise sein Keyboard ständig auf dem Ständer wippen und Johnny beweist sich als starker Frontmann. Einzige der Maitre himself läßt die richtige Leidenschaft vermissen und bewegt sich relativ wenig, verwöhnt uns aber mit einer äußerst gefühlvoll gespielten ›Greensleeves‹-Einlage zum Abgang. Versöhnung gelungen!

PATHOS-Liveshot

Was war nur mit PATHOS los? Nach endlos scheinender Pause weilt die Band nach dem Release von »Katharsis« endlich wieder unter den Lebenden. Und diese mehr als gelungene Platte hätte eine solide Basis für einen mitreißenden Gig sein können. Doch leider stimmt die ganze Angelegenheit nur zur Hälfte: Die Truppe spielt ihren Power Metal schön tight, doch in Sachen Stageacting war absolute Ebbe angesagt, was den Eindruck von PATHOS leider kräftig schmälerte.

APRIL WINE-Liveshot

APRIL WINE waren sicherlich eine der Bands, denen etliche SRF-Gänger entgegengefiebert hatten; schließlich haben die Ahornrocker sich seit - grob geschätzt - mehreren Jahrmillionen nicht mehr nach Europa verirrt. Na ja - genauer gesagt war die Band seit 20 Jahren nicht mehr in der alten Welt und ist nun gar zum ersten Mal in Schweden zu sehen. Und dann gibt es noch ein verdammt originales Line-up: Bandeader, Gitarrist und Sänger Myles Goodwyn, Drummer Jerry Mercer und Bassist Jim Clench spielen bereits seit den frühen Siebzigern zusammen, wobei Letzterer sich allerdings 1975 ein "kleine" Auszeit nahm und erst wieder 1992 zu APRIL WINE stieß. Gitarrist Brian Greenway kann sich ebenfalls schon seit 1977 APRIL WINE-Mitglied nennen. Das fehlende Puzzleteilchen beim SRF-Auftritt von APRIL WINE ist Carl Dixon: Der CONEY HATCH-Mann greift den kanadischen Altrockern an Keyboards, Gitarre und Backinggesang bereitwillig unter die Arme - außerdem ist er derjenige, der am meisten für Stimmung sorgt: Immer wenn er seine Position hinterm Keyboard verläßt und mit seiner Klampfe nach vorne stößt, animiert er die anderen Mucker zu einigen Formationsflügen. Auf jeden Fall sind Nümmerchen wie ›Sign Of The Gypsy Queen‹ oder ›I Like To Rock‹, bei dem man ›Day Tripper‹ von den BEATLES einbaut, genau das richtige um die schwedische Nachmittagssonne zu genießen.

Auf der "Spendrups Stage" kann man anschließend beobachten, wie LOST HORIZON "degradiert" werden: Immerhin hatte die Band vor zwei Jahren noch den Headliner auf dieser Bühne markiert und heuer müssen sie noch drei Bands nach sich "dulden". Die Schweden lassen dennoch nichts anbrennen, jedoch muß ich mich schon bald auf ihre Gastfreundschaft verzichten, da am anderen Ende des Geländes wieder ein echtes Special ansteht.

HEART-Liveshot

Man braucht wohl kaum zu betonen, daß HEART sich in den letzten Jahren in jeder Hinsicht verdammt rar gemacht haben. Daher finden sich verdammt viele "Sweden Rock"-Besucher vor der Bühne als die Wilson-Schwestern loslegten. Gemäß der Ankündigung "Hello Sweden, we are here to rock!" konzentriert man sich auf die rockigeren Nummern, unter denen sich auch drei neue Stücke befinden, wobei besonders ›Make Me‹ einen guten Eindruck hinterläßt. Apropos guter Eindruck: Den kann auch Nancy Wilson schinden. Sie rockt los, daß man ihr absolut nicht anmerkt, daß sie die Fünfzigermarke schon längst überschritten hat. Ihre Schwester Ann ist dagegen kaum in Bewegung, hat aber ihre Stimmbänder verdammt gut geölt. Lediglich ihre Ansagen sind lahm - da darf man bei einer ehemaligen Arenaband doch etwas mehr erwarten...
Die Herzchen finden auf jeden Fall so viel Freude am rocken und rollen, daß erst nach 40 Minuten die ersten (Pop-)Hitsingles auf Tablett kommen: ›These Dreams‹ und ›Alone‹. Eher überflüssig sind hingegen die vielen Coverversionen: Neben der TEMPTATIONS-Nummer ›Papa Was A Rolling Stones‹ besteht der komplette Zugabeblock aus den beiden LED ZEPPELIN-Nummern ›Rock'n'Roll‹ und ›Misty Mountain Hop‹. Ehrlich: Da wären uns ein paar weitere HEART-Stücke lieber gewesen. Und zwar gern auch von den poppigen Nummern. Denn: Auch dafür lieben wir HEART!

Nicky Moore-Liveshot

Eines der absoluten Bonbons des diesjährigen SRF findet im "Rockklassikertältet" unter dem Banner "Nicky Moore Sings SAMSON" statt: Der ehemalige SAMSON-Sänger Nicky Moore schmettert, durch die Musiker von LOCOMOTIVE BREATH verstärkt, alte Klassiker der NWoBHM-Gruppe. So fungieren ›Danger Zone‹, ›Stealing Away‹ oder ›Losing My Grip‹ natürlich zugleich als Tribut an den vor knapp zwei Jahren verstorbenen Paul Samson war, mit dem Nicky noch vor vier Jahren in Wacken zusammengespielt hatte. Erfreulicherweise erinnern sich wohl noch viele Fans dieser längst vergangenen Tage, so daß das Zelt gut gefüllt ist und sich eine tolle Stimmung verbreitet. Und falls irgend jemand beim Anblick von Nickys Glitzerhütchen und seinen roten Gymnastikschuhen Zweifel bekommen haben sollte - Nicky zerstreut alle Bedenken mit seiner immer noch machtvollen Stimme! Eine gute Methode, das Andenken an einen der Großen des NWoBHM zu bewahren.

NARNIA [S]-Liveshot

Für kurze Zeit solle das "Sweden Rock Festival" nun gutgläubig werden, äh ich meine natürlich, daß auf der "Spendrups Stage" nun die White Metaller NARNIA anstanden. Im Vordergrund steht dabei mehr als je zuvor Sänger Christian Rivel, der das Publikum hervorragend animiert und mitzureißen versteht. Er erinnert nicht nur optisch an Halford, sondern vor allem bei seinen hohen Schreien, vor denen der Priester himself mittlerweile kneifen muß. Der große Durchbruch wird NARNIA nach so vielen Jahren wohl nicht mehr gelingen, aber live sind sie auf jeden Fall immer ein Gewinn.

FOGHAT-Liveshot

Netter Kontrast: Während auf der "Sweden Stage" die jungen Wilden von CHILDREN OF BODOM mal wieder eine mitreißende Show abfackeln, geht gleichzeitig auf der "Rock Stage" die letzte Oldtimer-Parade des diesjährigen "Sweden Rock Festivals" über die Bühne. FOGHAT, denen mittlerweile schon seit einigen Jahren Ex-VICTORY-Sänger Charlie Huhn vorsteht, lassen dem Boogie freien Lauf. Optisch fällt natürlich die unvermeidliche "Batschkapp" von Gitarrist Bryan Bassett auf, doch vor allem das Outfit von Basser Tony Stevens brennt förmlich auf der Netzhaut: ganz in Leder gehüllt sieht er nach PRIEST pur aus. FOGHATs wohlfein inszenierte Show ist aber vor allem hörenswert, auch wenn sich vor der Bühne nicht viel rührt.

NIGHTWISH-Liveshot

Schon lange bevor der NIGHTWISH-Gig startet, findet eine unglaubliche Völkerwanderung in Richtung "Festival Stage" statt. Niemand will sich die absoluten Shooting Stars des Sommers entgehen lassen. Und auch meine Wenigkeit wird schon einige Zeit vor Ende des HIRAX-Gigs wie von Zauberhand in Richtung Tuomas, Tarja & Co. gezogen.
Zur besten Sendezeit entern NIGHTWISH die Bühne und machen sich 90 Minuten lang das Festival untertan. Man merkt einfach, daß die Band momentan von der Welle des Erfolgs zu immer neuen Höchstleistungen getragen wird. Die Band spielt punktgenau und Tarja agiert souverän wie nie zuvor: Das verschüchterte Pflänzchen, das man früher häufig antreffen konnte, scheint endgültig der Vergangenheit anzugehören. Diese Veränderung symbolisiert das Farbspiel, das Tarja treibt: Analog zu ihrem Mantel hat man der Frontlady ein knallrotes Mikro plus zugehörigem Ständer verpaßt - rot wie die Sünde, rot wie die Gefahr... Und gefährlich ist der NIGHTWISH-Auftritt wahrhaftig, denn die Band hat offensichtlich ein komplettes pyrotechnisches Lager aufgekauft, so daß kein Song ohne einen Knall oder einen Feuerschweif auskommt. Auch der sintflutartige Regen, der nach etwas 30 Minuten einsetzt, ist da als Feuerwehrmann überfordert. Erstaunlicherweise beginnt der Niederschlag während NIGHTWISH ihren aktuellen Chartbewohner ›Nemo‹ spielen - vielleicht handelt der Song ja doch von dem Disneyfisch oder aber dem gleichnamigen Kapitän des Unterseeschiffs Nautilus aus Jules Vernes "20.000 Meilen unter dem Meer", und die Band weiß nichts davon... Oder wie wollt Ihr das ganze Wasser erklären..?

NIFELHEIM-Liveshot

Endspurtstimmung: noch eine Band pro Bühne! Kurz zuvor durften HIRAX den ersten von mehreren europäischen Festivalauftritten in diesem Sommer absolvieren (so stehen noch das "Headbangers Open Air" sowie das "Metal Bash"-Festival auf dem Plan), und nun stellt die "Spendrups Stage" mit einem echt exotischen Erlebnis ihren Betrieb ein: NIFELHEIM. Die durchgeknallte Truppe hat eine ihrer seltenen Einladungen ins Reich des Eises und der Toten verschickt.
Und natürlich bieten die Schwarzkittel alles auf, was ihr Repertoire hergibt: eine Parade der Geheimratsecken ergänzt durch den gesamten Nagelvorrat aller Baumärkte einer ganzen Region. Apropos - kennt Ihr den: Warum haben die NIFELHEIM-Musiker einen Cowboy bei ihren Shows dabei? Ganz klar: Der Cowboy muß die ganze Zeit mit gezückter Knarre hinter den NIFELHEIMs stehen, damit sie die Arme nicht zu weit senken und sich selbst durchbohren. Hua-hua, da lacht nicht nur der Chirurg...
Doch Spott beiseite: Geiles Geballere und ein tierisch abgehendes Publikum. So macht Black Metal Spaß.

IN FLAMES-Liveshot

Hatten zuvor schon CHILDREN OF BODOM an der "Sweden Stage" für massiven Verkehrsstau und euphorische Fanreaktionen gesorgt, soll dies bei IN FLAMES nochmals gesteigert werden. Und die sind gewiß nicht gekommen, um den doppelten Regenbogen zu bewundern, der sich malerisch über dem FOH-Turm aufspannt. Vielmehr waren es die Pyroeffekte von IN FLAMES und die zugehörige noch viel explosivere Show der Goten, äh Göteborger, die übrigens allesamt mit dem gleichen Shirt aufgetreten. Die Dekodierung der Message, die IN FLAMES damit transportieren wollen, bleibt jedoch jenen vorbehalten, die Schwedisch sprechen. Mit Nummern wie ›Cloud Connected‹, ›Only For The Weak‹ (Alter, war das geil!), ›Behind Space‹, ›The Quiet Place‹, ›Colony‹ (Alter, das war ja noch geiler!) oder ›Trigger‹ bringen IN FLAMES den gesamten Hügel zum erzittern. Zum Glück bin ich kein Maulwurf, sondern zähle mich zu den hüpfenden und abwärts gebeugten, bangenden Unruhestiftern im Untergrund.

U.D.O.-Liveshot

Angesichts dieser phänomenalen IN FLAMES-Show müssen sich Udo und die U.D.O.s mit einer kurzen Stippvisite zufriedengeben. Schließlich kann man die Band in diesem Sommer noch auf einigen anderen Festivals begutachten. Und auch ein kurzer Abstecher reicht, um beim Headliner auf der "Rock Stage" zu dem standardmäßigen Resumee zu gelangen: Egal wo auf der Welt, egal welches Festival - die Hitparade à la U.D.O. funktioniert immer!

Carl Dixon-Liveshot

CONEY HATCH-Fronter Carl Dixon ist vom "Sweden Rock Festival" offensichtlich derart angetan, daß er nach der Signingsession spontan seine Akustikklampfe schultert, um - räumlich gesprochen - zwischen IN FLAMES auf der "Sweden Stage" und U.D.O. auf der "Rock Stage" im "Rockklassikertältet" eine Jam-Session einzulegen - was nach den Gigs mit CONEY HATCH und APRIL WINE sein dritter Auftritt im Rahmen des Festivals darstellt und ihm dickste Sympathie-Pluspunkte einbringt. Seine Mixtur aus CONEY HATCH-Songs, Solonummern und Rockklassikern wie ›Have You Ever Seen The Rain‹ von CCR lockt erstaunlich viele Fans ins Zelt - kein Wunder, wer einfach mal so vorbeikam, wurde von Carls sagenhafter Stimme magisch angezogen und konnte sich einfach nicht mehr losreißen.

EUROPE-Liveshot

EUROPE - alles war möglich. Gemischte Gefühle waren wohl das mindeste, was man angesichts des Comeback der einstigen Heavy-Pop-Heroen haben mußte. Und nicht wenige wollten schon im Vorfeld ein Fiasko herbeiunken.
Um die Spannung noch weiter zu steigern, lassen EUROPE als einzige Band des gesamten Festivals einen schwarzen Vorhang vor der Bühne aufhängen. Doch dann fällt der Vorhang und nun zählen nur noch Taten. Doch EUROPE brauchen nicht lange, um alle Kritiker zu überzeugen: spielfreudig und energiegeladen legt die Truppe los und Joey Tempest singt grandios - und zwar alle Songs aus jeglichen Phasen der Bandgeschichte. Richtig gehört: EUROPE wollen keineswegs nur schell mit ihren poppigen Hits beeindrucken, sondern spielen auch viele Stücke ihres Meisterwerks »Wings Of Tomorrow«, die immer noch zu den besten melodischen Metalplatten aller Zeiten zählt.
EUROPE schaffen also das, was eigentlich jeder für unmöglich gehalten: Sie können alle Fans zufriedenstellen. Nach Beendigung der Show, deren Setlist sich ›Seven Doors Hotel‹, ›Wings Of Tomorrow‹, ›Superstitious‹, ›Time Has Come‹, ›Ready Or Not‹, ›Heart Of Stone‹, ›King Will Return‹, ›Scream Of Anger‹, ›Sign Of The Times‹, ›Stormwind‹, ›Carrie‹, ›Open Your Heart‹, ›Let The Good Times Rock‹, ›Yesterdays News‹, ›Cherokee‹, ›Rock The Night‹, ›Start From The Dark‹ sowie ›The Final Countdown‹ liest, kann wirklich jeder zufrieden von dannen ziehen.
EUROPE: eine gelungene Reunion und der unbestrittene, rundum würdige Head-Headliner des "Sweden Rock Festival" 2004!

Mit ihrer letzten Zugabe hatten die Herren Tempest, Norum & Co. das richtige Stichwort gegeben: Leider war es Zeit, Abschied von Schweden zu nehmen und die 15-stündige Rückreise anzutreten, doch der Trip hatte sich voll und ganz gelohnt.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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