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"Dutch Metal Attack" 2003
mit

VORTEX
EMERALD (NL, Hardenberg)
FUTURE TENSE
KRÜGER

Aschaffenburg, Jukuz

19.09.2003

Zum dritten Mal ging der "Dutch Metal Attack" im Jukuz in Aschaffenburg an den Start, doch leider war dieses Mal ein geringerer Zuschauerzuspruch zu verzeichnen. Das lag jedoch bestimmt nicht daran, daß man erstmals gegen das Reinheitsgebot verstoßen hatte und neben drei niederländischen Bands die russische Formation KRÜGER eingeladen hatte, die sich just zu diesem Zeitpunkt auf einer selbstorganisierten Tour durch Deutschland befand.

KRÜGER-Liveshot

KRÜGER konnten die Veranstaltung nämlich um ein weiteres exotisches Element bereichern und zudem mit einem guten Auftritt glänzen. Leider jedoch mußte das Trio schon sehr früh ran, so daß die Hälfte ihrer Spielzeit bereits verstrichen war, als meine Wenigkeit eintrudelte. Doch beim Anblick der Bühne schoß einem umgehend der Gedanke an die Schöne und das Biest in den Kopf, denn Gitarrist Hamer fauchte recht wild das Mikro an, während seine hübsche Baßkollegin Gina sich eher sanft über die Bretter bewegte. Doch da sie auch einen Teil des Gesangs übernehmen durfte, bewies sie, daß sie dem Mikro ebenfalls die Zähne zeigen kann. Leider waren die wenigen Minuten, die noch verblieben waren, viel zu schnell verstrichen, so daß es zu wünschen ist, daß man die Band eventuell mal wieder live beim thrashen begutachten kann.

FUTURE TENSE-Liveshot

Die Abkürzung "Jukuz" steht für Jugend- und Kulturzentrum und es war festzustellen, daß die Location auch entsprechend genutzt wird: So strömte der Eingangstür auf der rechten Seite des Gebäudes die Jugend von Aschaffenburg zu, während an der linken Eingangstür heute die Langhaarigen für den kulturellen Part zuständig waren. Doch es hätte nichts ausgemacht, wenn einige sich in der Tür geirrt hätten, denn es hätte schon etlicher Teenies bedurft, um den Altersdurchschnitt auf und vor der Bühne entscheidend unter Dreißig zu drücken. So enterten nun in Form von FUTURE TENSE die ersten Holländer die Bühne, die es in ihrer früheren Karriere lediglich zu einer EP und einem Beitrag zur "Metal Massacre"-Samplerreihe gebracht hatten. Die Truppe machte dabei optisch einen äußerst uneinheitlichen Eindruck: So brachte einer der Gitarristen durchaus Todesblei-Credibility mit, während sein sechssaitiger Kollege aussah, als sei er einem SM-Studio entsprungen und hätte sich auf dem Weg zur Bühne schnell eine "Turbo"-geile PRIEST-Gitarre geklaut. Schwerwiegender war jedoch die Tatsache, daß die Performance des Sängers ein wenig wie Altherren-Fußball ohne Lederkugel anmutete. Dies trug dazu bei, daß FUTURE TENSE die langweiligste Performance des Abends boten und folgerichtig den wenigsten Zuspruch ernteten.

EMERALD [NL, Hardenberg]-Liveshot

Ganz anders war das bei EMERALD, bei denen zwar die beiden Herren mit den Langhölzern in der Hand nie ihre Ecke der Bühne verließen, wohingegen Sänger Bert Kieviets deutlich agiler war und eine fannahe Performance abliefert, in dem er sich stets auf der Rampe aufhielt, die ins Publikum hineinragte, und sogar zu diesem Zweck die Monitorboxen neu plazierte, um an seinem selbstgewählten Arbeitsplatz bessere Hörbedingungen vorzufinden. Diese Welle der Lebhaftigkeit muß wohl bis nach außen geschwappt sein, denn plötzlich war es passiert: Nachdem die Kasse geschlossen war, strömte eine Menge Aschaffenburger Teenies herbei, um den "Dutch Metal Attack" zu begutachten. Nimmt man die Tatsache, daß einige bis zum Ende der Show geblieben war, als Maßstab, darf man hoffen, daß der traditionelle Metal sie nicht komplett abgeschreckt hat.

VORTEX-Liveshot

Der festgebuchte Headliner des "Dutch Metal Attack" heißt VORTEX: Sie waren sowohl 2001 bei der Feuertaufe mit SAD IRON und HAMMERHAWK als auch 2002 zusammen mit ALIEN FORCE und ANGUS von der Partie. Doch zunächst hatte der Headliner sich mal mit handfesten technischen Problemen auseinanderzusetzen, denn schon nach dem ersten Song fiel eine komplette Gitarre aus und während des Nachfolgers verabschiedete sich eine Baßsaite, so daß man sich anschließend erst mal einigen Basteleien am Equipment widmen mußte. Diese Wartepause überbrückte der mittlerweile 53-jährige Sänger Jurjen "Thunderfox" Tichelaar geschickt, jedoch war anschließend jedermann froh, regulär weitermachen zu können. VORTEX waren optisch die auffällige Band des Abends: Nicht nur weil ihr Sänger wie immer wie der Schamane eines schwarzafrikanischen Eingeborenenstammes aussah und sich im Laufe der Show zunächst skalpierte und dann seine Verkleidung im Blutrausch vom Leib riß, sondern vor allem weil die gesamte Band stets auf das Publikum zurockte und den Kontakt suchte. Zudem hatte man einige pyrotechnische Extras mitgebracht, die sogar so weit gingen, daß die analog zu Bomber und Eagle unheilvoll über der Bühne schwebende VORTEX-Fledermaus, die schließlich gemütlich einen qualmen durfte... Kurz: VORTEX hatten sowohl musikalisch als auch optisch eine Familienpackung Spaß offeriert, wofür sie mit einer Menge Jubel bedacht wurden, so daß die Holländer als Zugabe JUDAS PRIESTs ›Freewheel Burning‹ coverten.
Obgleich das Statement "The Bat Has Landed" nicht zutraf, war ein gelungenes Festival über die Bühne gegangen, so daß zu hoffen ist, daß sich bei der vierten Auflage wieder mehr Publikum einfinden wird.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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Unser Coverkünstler von Ausgabe 62 war Robert Rice. Die zugehörige Homepage findet Ihr
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