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"Keep It True"-Festival

Lauda-Königshofen, Tauber-Franken-Halle

19.07.2003

Von Null auf Eins in der Kategorie "Kultfestival"! Was MAJESTY-Frontmann Tarek Maghary und Schreiberkollege Oliver Weinsheimer vom HEAVY, ODER WAS!? für ihr erstes "Keep It True"-Festival auf die Beine stellten, kann man nur als sensationell bezeichnen. Für lachhafte 13 Euro boten sie ihren Gästen ein Programm wie es atemberaubender kaum hätte sein können. Selbst die relativ kurzfristigen Absagen zweier Bands konnten man durch die Verpflichtung zweier nahezu gleichwertiger Bands abfangen, so daß zwölf hochkarätige Acts auf die Metaller warteten. Auch die Preise in der Halle waren mehr als fair und die während der gesamten Veranstaltung geöffnete Metalbörse war gleich ganz kostenlos. Perfekte Voraussetzungen für ein amtliches metallisches Stelldichein! Einzig die Hitze, die sich aufgrund der gnadenlosen Sonne am Firmament in der Tauber-Franken-Halle ausbreitete, machte allen Anwesenden zu schaffen.

ETERNAL REIGN-Liveshot

Das mußten ETERNAL REIGN am eigenen Leib erfahren, als sie eine Stunde nach High Noon auf die Bühne gingen: Angesichts der frühen Uhrzeit und der erwähnten Saunaatmosphäre blieb das Publikum während des Gigs der Bremer relativ passiv. Zwar tat vor allem Sänger Dirk Stühmer sein möglichstes, um die Menge zu animieren, doch sein Erfolg war eher mäßig. An dem Auftritt der ehemaligen PERFACT beziehungsweise PERFECT CRIME kann es nicht gelegen haben, denn die Band rockte sich nach allen Regeln der Kunst den Allerwertesten auf, um die Songs des aktuellen Silberlings »Crimes Of Passion« im besten Licht erscheinen zu lassen. Einzig der extrem matschige Sound half bei diesem Unterfangen nicht mit.

BLOODSTAINED [GR]-Liveshot

BLOODSTAINED stellten den letzten Zugang im Billing des "Keep It True" dar, da sowohl IRON CROSS als auch DAMIEN THORNE absagen mußten (und besonders für letztere gibt es von mir ein tieftrauriges "Schnüff!"). So waren kurzfristig KILLERS und eben jene Griechen verpflichtet worden. Da die Band völlig unbekannt ist und ihre erste Platte für den September geplant ist, wurden BLOODSTAINED zum Überraschungsact des Festivals. Zwar war anfangs noch weitgehend Stand-Metal angesagt, doch der Vierer konnte sich schnell lockerspielen und vor allem der noch sehr junge Sänger (Alterangaben von siebzehn bis dreiundzwanzig gingen um, wobei die Wahrheit wohl etwa in der goldenen Mitte zu suchen ist) sorgte für einige offenstehende Mäuler. Der junge Bursche ist mit einer grandiosen Stimme gesegnet, die verflixt an den tyrannischen Harry Conklin erinnert. Er war nicht zuletzt der Grund, weshalb BLOODSTAINED mit frühen JAG PANZER verglichen werden konnten. Dank des starken eigenen Materials wirkte es fast schon deplaziert, daß die Griechen SACRED STEELs ›Wargods Of Metal‹ coverten. Auf jeden Fall ernteten BLOODSTAINED weitaus mehr Reaktionen beim Publikum als ihre Vorgänger, wenngleich nicht zu übersehen war, daß die ersten Reihen hauptsächlich vom mitgebrachten griechischen Fanclub bevölkert wurden.

GUNFIRE-Liveshot

Für den Nicht-Insider folgte nun die vermeintlich unbekannteste Truppe: GUNFIRE. Da es sich bei den Anwesenden aber ausschließlich um echte metallische Fachfrauen und -männer handelte, wurden die Italiener dennoch mit einem großen Applaus begrüßt. Der Kenner weiß nämlich, daß GUNFIRE zu den Oldtimern der italienischen Szene zählen, die ihre Aktivitätsphase in der ersten Hälfte der Achtziger hatten. Damals veröffentlichte man eine EP und löste sich kurz danach auf. Seit etwa eineinhalb Jahren sind die Musiker allerdings wieder aktiv. Als Routiniers schafften es GUNFIRE trotz weicherer, will heißen normalmetallischer Mucke die Stimmung aufrechtzuerhalten. Vor allem das agile Stageacting der Italos wußte zu gefallen.

MALEDICTION [F]-Liveshot

Dann machten sich bei meinereiner Hoffnungen breit: Hatten mich die bisherigen MALEDICTION-Auftritte zwar allesamt begeistert, bei den Ansagen aber stets heftiges Kopfkratzen ausgelöst, bestand nun die Chance, Sänger Sylvain Mollard in einer etwas vertrauteren Sprache hören zu können. Doch Pustekuchen - seine Englischkenntnisse sind offensichtlich noch beschränkter als meine Beherrschung der französischen Sprache, so daß sich seine Ansagen auf ein "Merci" beschränkten. Doch das störte offenkundig niemand, denn vor der Bühne tobte der Metalmob wie einst im Mai. Folglich erntete der Vierer nach dem Gig Zugaberufe en masse, so daß sich für MALEDICTION ihr Deutschlandabstecher mit Sicherheit gelohnt hatte.

KILLER [B]-Liveshot

Die belgischen KILLER hatten schon vor einer Woche beim "Headbangers Open Air" nur mit Abstichen gefallen können und sollten auch beim "Keep It True" zu den schwächsten Acts des Tages zählen. Zwar wirkte der Auftritt nicht so pomadig wie es noch im hohen Norden der Fall gewesen war, doch man spielte den gleichen Set, der eine überflüssige Solo/Instrumental-Einlage enthielt und zu sehr auf die aktuelle Platte »Broken Silence« zugeschnitten war, was man mittels "No Keyboards"-Rufen quittiert bekam. Erst beim Schlußsong, der ein Medley der Titelsongs der drei alten Alben »Ready For Hell«, »Wall Of Sound« und »Shockwaves« darstellte, wollte echte Stimmung im Publikum aufkommen. Wenn KILLER sich wieder etablieren wollen, dann müssen sie - Keyboards hin oder her - wieder zum Biß früherer Tage zurückfinden!

KILLERS [F]-Liveshot

Nach KILLER kamen KILLERS und KILLERS killten KILLER - ehrlich! Und Frontmann Bruno Dolheguy wurde von den überschwenglichen Rektionen anscheinend derart übermannt, daß er vor lauter Begeisterung gleich zweimal sein Mikro vom Ständer kickte. Wenngleich die Band bei einem regulären Set noch einige zusätzliche Klassiker auf der Latte hat, spielte man einen lupenreinen, energiegeladenen Auftritt, der die Tobsuchtsepidemie des Publikums nur noch verstärkte! Und schon bevor KILLERS ihren Set mit einem Medley aus MANOWARs ›Black Wind, Fire And Steel‹ und MOTÖRHEADs ›Overkill‹ beendeten, das Sänger Bruno kultigerweise auf Französisch vortrug, lag Frankreich in der Länderwertung uneinholbar weit vorne!
Bleibt natürlich die Frage, ob beim nächsten KIT Paul DiAnno mit seinen KILLERS anrücken wird und sich KILLER (aus der Schweiz natürlich) sich selbst wieder ausbuddeln werden. Doch jetzt genug gekillt...

SOLITAIRE-Liveshot

SOLITAIRE hatte man ihren Flug im wahrsten Sinne des Wortes unterm Hintern weggestrichen, so daß die Band noch durch die Luft gondelte, während sie planmäßig auf der KIT-Bühne hätten stehen sollen. Doch dank einer Umstellung im Zeitplan konnten die Finnen wie schon beim "Headbangers Open Air" ihren Speed Fucking Metal ein weiteres Mal an den Mann zu bringen. Man sprintete aus dem Auto mit einem kurzen Umweg über die Umkleide direkt auf die Bühne, aber leider reichte es nur für ein verkürztes Set, das man dafür um so schneller runterriß.

DOOMSWORD-Liveshot

Bei DOOMSWORD sollte es bedächtiger und doch überwältigend zugehen; und um die Anwesenden in Stimmung zu bringen, schüttelte Frontgott Deathmaster gleich zu Anfang ein beeindruckendes Gesangssolo von ›Sacred Metal‹ aus dem Ärmel seines ärmellosen BATHORY-Shirts. Vermutlich hätte er auch "Hänschen klein" zum besten geben können und er wäre vergöttert worden, denn die KIT-Gänger lagen der italienischen Kulttruppe völlig zu Füßen; stürzten sich in den Treibsand der epischen Monstersymphonien der Italiener. Dies war auch der Grund, weshalb der DOOMSWORD-Auftritt um Längen standesgemäßer rüberkam als eine Woche zuvor beim "Headbangers Open Air". Deathmaster konnte sich also sehr wohl immer wieder einen selbstzufriedenen Schluck aus seinem Trinkhorn gönnen.

MAJESTY [D, Lauda]-Liveshot

Dann gesellten sich zur Bühnendeko, die man extra für das "Keep It True" angefertigt hatte, aus dem MAJESTY-Fundus die Schilder mit dem "M"-förmigen-Wappen, was klar machte, daß nun der Lokalmatador folgen sollte. Hatte Tarek beim "Bang Your Head!!!-Revisted", wo man den ersten Gig mit dem neuen Gitarristen Rolf Munkes gespielt hatte, noch nicht so recht gewußt, was er mit der neu hinzugewonnenen Freiheit anfangen sollte, so bewegte er sich hier souverän über die Bühne. Das Publikum machte ihm dies auch denkbar einfach, denn vor der Bühne hatte sich der völlig ergebene Fanclub eingefunden, der ihro Majestät eine Stunde lang hochleben ließ. Sie verziehen auch, als Tarek bedeutungsschwanger einen falschen Song ankündigte und sich anschließend etwas irritiert bis beschämt selbst verbessern mußte. Da dank der neuen Besetzung und des Keyboards die Band auf der Bühne echten Druck entwickelt, was auf der »Sword & Sorcery«-Platte noch nicht der Fall war, kann man MAJESTY nun perfektes Entertainment bescheinigen, das garantiert keinen Metaller enttäuschen wird.
Zwar verlangten die Fans nach einer Zugabe, doch da man ohnehin schon deutlich dem Zeitplan hinterherhinkte, steuerte man nun straight auf die beiden klangvollsten Namen des "Keep It True" zu.

BROCAS HELM-Liveshot

Zunächst stand dabei die Deutschlandpremiere von BROCAS HELM an. Vor allem Basser Jim Schumacher hatte schon den ganzen Nachmittag dank seines verrückten Outfits für Aufsehen gesorgt und so ging es auf der Bühne weiter: Obgleich sich Sänger und Gitarrist Bobbie Wright aus Temperaturgründen recht schnell seines hübschen lilafarbenen Oberteils entledigte waren BROCAS HELM sowohl musikalisch als auch optisch durch und durch kauzig bis schratig. Die Band kam auch auf der Bühne - zum Glück - genauso rüber wie man sie von ihren höchst ungewöhnlichen Alben »Into Battle« oder »Black Death« in Erinnerung. Perfekter Durch-den-Wind-Metal eben!

OMEN-Liveshot

Man konnte die Spannung, die nun in der Luft lag, förmlich greifen. Der erste Abgang von OMEN vor vielen vielen Jahren war gewiß unrühmlich, der STEP CHILD-Versuch mißlungen und das »Re-Opening The Gates«-Comeback entwürdigend, so daß OMEN hier mit Sicherheit ihre letzte Chance zugestanden bekommen. Doch die Amis gedachten diese zu nutzen! OMEN spielten tight und der neue Sänger Kevin Goocher brachte das alte Material problemlos rüber. Er konnte zudem als Frontmann gefallen, so daß es erstaunlich ist, daß er bislang nur bei Coverbands tätig war. Zwar zwang eine technische Panne im zweiten Teil der Show OMEN zu einer Pause und nach anfänglichen Versuchen seitens Kevin keiner der Musiker sah sich imstande, die dadurch eintretende Stille zu überbrücken. Doch das ist der einzige Kritikpunkt, den man bei OMEN anbringen kann. Da man vom neuen Material die richtigen Songs ausgewählt hatte, kann man, wenn man von der unglücklichen Schlußnummer ›Make Me Your King‹ absieht, OMEN einen perfekten Gig bescheinigen kann. In dieser Form haben OMEN endlich wieder eine Perspektive!

SOLEMNITY-Liveshot

Während auf dem benachbarten, längst geschlossenen Verkehrübungsplatz die Ampeln immer noch sinnlos durch die sternenklare Nacht blinkten, sollten in der Halle nun etwas feurigere Effekte aufgefahren werden: SOLEMNITY hatten zum Abschluß des KIT 2003 einen gewohnt pyroschwangeren Auftritt versprochen. Erfreulicherweise schafften es selbst zu dieser vorgerückten Stunde etwa 150 Unverwüstliche, den kompletten Gig mitzumachen, so daß SOLEMNITY in jeder Hinsicht eine Erfolgsmeldung ausgeben konnten: Musikalisch hatte man überzeugt, in Form von ›Chalice Of Blood‹ die einzige Ballade des Festivals gespielt und mehr als 50 Prozent der Pyroeffekte waren erfolgreich gezündet worden. Trotzdem mußte der nette Mann von der Feuerwehr mit seiner unmetallischen orangefarbenen Kutte nur einmal ausrücken, um mittels eines Bechers Wasser ein kleines Flämmchen zu löschen.

So fiel zu äußerst später Stunde der Schußakkord für diese metallische Veranstaltung der Extraklasse. Zwar knirschte das ein oder andere unbedeutende Sandkörnchen im organisatorischen Getriebe, so daß sich kleine Verzögerungen im Laufe des Tages zu einer Verspätung von 45 Minuten aufaddierten. Das kann jedoch nicht den Eindruck trüben, daß Tarek und Oli ein Festival erster Güte gezaubert hatten, so daß wir uns auf die nächste Auflage am 10. April 2004 freuen!


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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