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  UE-Home → History → Online Empire 7 → Interview-├ťbersicht → Mem von Stein-Interview last update: 25.05.2019, 10:10:08  

Mem von Stein-Design

Er beginnt den Tag mit Dehnungs├╝bungen. Keine verkappten Luft­gi­tar­ren­├╝bungen. Er ern├Ąhrt sich vegetarisch und hat mit Drogen nichts mehr am Hut. Die Metamorphose eines Rockstars.

Die Metamorphose des Mem von Stein, der f├╝r uns seine Karriere revuepassieren lie├č und ├╝ber sein Leben nach der Musik erz├Ąhlte.

Mem von Stein-Photo 1

Ich habe EXUMER 1985 in Frankfurt zusammen mit Raimund (g, der sich bei EXUMER den K├╝nstlernamen "Ray Mensch" gegeben hatte - Red.) gegr├╝ndet. Wir haben verschiedene Besetzungen ausprobiert, bis wir das Line-up fanden, das die erste Platte ┬╗Possessed By Fire┬ź einspielte. Auf dem EXUMER-Debut, das wir in Berlin aufnahmen und Ende 1986 erschien, habe ich gesungen und Ba├č gespielt. Zuvor hatten wir das ┬╗A Mortal In Black┬ź-Demo aufgenommen, das Ende 1985 ver├Âffentlicht wurde und uns relativ schnell einen Plattenvertrag einbrachte.

Es gab damals ein Problem in Zusammenhang mit dem EXUMER-Demo: Ich war n├Ąmlich nicht der Einzige, der ein Demo bestellt hatte, ohne es jemals zu erhalten.

Die ganze Sache verhielt sich folgenderma├čen: Ein Kollege von mir, Ralf Ludwig, fragte bei uns an, ob er EXUMER managen und das Demo vertreiben k├Ânne. Er machte damals schon den CELTIC FROST-Fanclub "Necromantic Union", so da├č wir zusagten. Wir hatten also mit dem Versand der Demos nichts zu tun, da Ralf in Norddeutschland, etwa 800 Kilometer von uns entfernt wohnte. Irgendwann erhielten wir jedoch Beschwerden von Fans, da├č sie ihm Geld geschickt h├Ątten, aber das Demo nicht bekommen h├Ątten. Uns ging es allerdings nicht besser: Wir haben von den verkauften Demos nie einen Pfennig gesehen.

Den Deal unterzeichnetet Ihr bei A.M.-MUSIC, einer relativ kleinen Firma, das damals in der Szene keinen "lupenreinen" Ruf geno├č.

F├╝r uns waren A.M.-MUSIC allerdings recht gut, da sie neben uns mit ANGEL DUST nur einen weiteren Thrash Metal-Act unter Vertrag hatten. Daher hatten wir gen├╝gend Aufmerksamkeit seitens der Firma: Wir wollten beispielsweise mit Harris Johns aufnehmen, was sie uns ohne Widerrede genehmigten. Auch die von uns gew├╝nschte Aufnahmezeit von zwei Wochen haben uns A.M.-MUSIC zugestanden. Daher war die Firma f├╝r uns im Endeffekt okay, obwohl sie nicht die M├Âglichkeiten hatte wie eine gr├Â├čere Firma.

┬╗Possessed By Fire┬ź war Deine einzige Platte mit EXUMER. Warum bist Du ausgestiegen?

Wir waren damals 18 oder 19 Jahre alt - jung und hitzk├Âpfig. Wir hatten nur Party im Kopf - Alkohol, Drogen und so weiter - Teenager-Kram eben. Ich mu├č zugeben, da├č ich die Band damals nicht so wichtig nahm. Irgendwann haben wir uns miteinander ├╝berworfen und ich bin beleidigt ausgestiegen. Daraufhin zog ich 1987 nach Amerika.

Was hat Dich in die USA verschlagen?

Ein Teil meiner Familie lebt in Amerika. Au├čerdem hatte ich zwei sehr gute Freunde in New York, die beide Musiker waren und ich wollte einfach mal dort Musik machen. Doch unser Thrash-Projekt DIABOLOS ├╝berlebte nicht lange, da uns das Geld fehlte. Wir machten fulltime Musik, was wir finanziell nicht lange duchhalten konnten, so da├č wir nicht mal Aufnahmen machen konnten. Daher zog ich 1988 wieder zur├╝ck nach Deutschland, so da├č diese Episode in Amerika knapp eineinhalb Jahre dauerte.

Zur├╝ck im Hessenlande hast Du Deine n├Ąchste Band gegr├╝ndet.

Richtig: PHOBIC INSTINCT. Die Musik war sehr hardcore-lastig mit harten Hip-Hop-Einfl├╝ssen. Wir haben eine Platte f├╝r Charly Rinne und seine Firma NO REMORSE RECORDS aufgenommen, die allerdings nie erschien, da die Company pleite ging. Zudem gab es keine M├Âglichkeit, die fertigen B├Ąnder an eine andere Firma zu verdealen, da die Kosten f├╝r den Studioaufenthalt noch nicht bezahlt waren. Daher verblieben die Masterb├Ąnder im "Vielklang Studio" in Berlin. Das bedeutete zugleich das Ende von PHOBIC INSTINCT. Anschlie├čend rief ich Mitte 1990 OF RYTES ins Leben, bei denen ich nur noch gesungen hatte. Den Ba├č habe ich w├Ąhrend der PHOBIC INSTINCT-Phase an den Nagel geh├Ąngt. Mit OF RYTES haben wir unsere Platte selbstproduziert und ┬╗Without...┬ź erschien im Fr├╝hjahr 1991. Stilistisch hatten wir uns mit OF RYTES progressivem Hardcore verschrieben.

Doch OF RYTES sollte nur bis 1991/'92 existieren. Stattdessen stand 1993 eine Fast-EXUMER-Reunion unter dem Namen HUMUNGOUS FUNGUS an.

Bei HUMUNGOUS FUNGUS waren Raimund und Bernie vom ┬╗Possessed By Fire┬ź-Line-up aktiv. Es fehlte nur der ehemalige Schlagzeuger Syke Bornetto (Syke formierte sp├Ąter Q-SQUAD, bei denen er als S├Ąnger agierte. Aus Q-SQUAD entwickelte sich schlie├člich ZE:US, ├╝ber die wir in dieser Ausgabe ebenfalls berichten. Allerdings ist Syke bei dieser Combo nicht mehr involviert. - Red.) Da bei HUMUNGOUS FUNGUS in Brandon ein schwarzer Rapper involviert war unsere Musik zweifelsohne Crossover, der allerdings sehr hardcore-lastig war. Von HUMUNGOUS FUNGUS erschienen zwei Platten und die dritte Platte hatten wir ebenfalls schon aufgenommen, die jedoch nicht erschien, da die Band im Laufe des Jahres 1998 langsam auseinanderfiel und ich schlie├člich wieder nach Amerika ging. Seither lebe ich in New York und hatte mit Musik nichts mehr am Hut.
Erst als ich letzten Sommer Urlaub in Deutschland machte, traf ich die beiden ehemaligen EXUMER-Gitarristen wieder, die mittlerweile eine Rockband namens SEPTEMBER haben. Wir haben gemeinsam ein paar alte EXUMER-Sachen gespielt und einige neue St├╝cke im traditionellen EXUMER-Stil ausprobiert.

Steht uns folglich eine EXUMER-Reunion bevor?

Ich h├Ątte auf jeden Fall Bock drauf, aber ich lebe nun mal in New York und komme nur in den Semesterferien r├╝ber, um meine Eltern zu besuchen. Daher werden wir in diesem Jahr in Wacken als einmalige Aktion eine Reunion-Show spielen.
Ich habe jedoch mittlerweile in New York eine neue Band, die sich SHALLOW nennt. Wir sind derzeit ein Threepiece, sind stilistisch im Thrashbereich angesiedelt und ich spiele Ba├č und singe.

Mem von Stein-Photo 2

Du hast mit Speed Metal begonnen, bist dann immer mehr zum Hardcore ├╝bergegangen und hast schlie├člich sogar mit Hip-Hop und Rap experimentiert. War und ist Mem von Stein trendy?

F├╝r mich ist Musik etwas, das sich st├Ąndig ver├Ąndert - genauso wie ich mich als Mensch ver├Ąndert habe. Ich war immer ehrlich zu mir selbst und meine Musik hat das reflektiert, was ich selbst gerne geh├Ârt habe. Seit eineinhalb Jahren h├Âre ich fast nur noch Achtziger Jahre-Metal: Ich stehe wieder auf die Gruppen, die ich damals schon gut fand, wie SLAYER oder EXODUS.

Zu welchen Platten, die Du in Deiner Karriere gemacht hast, stehst Du heute noch uneingeschr├Ąnkt?

Drei meiner Platten gefallen mir auch heute noch sehr, sehr gut: ┬╗Possessed By Fire┬ź von EXUMER, die unver├Âffentlichte PHOBIC INSTINCT-Platte und die zweite HOMUNGUS FUNGUS-Scheibe, die einfach superkrass war.

Was studierst Du in New York?

Das Fach nennt sich "Forensic Psychology". Man widmet sich w├Ąhrend des Studiums pathologischen psychischen Ph├Ąnomenen und arbeitet nach der Ausbildung mit der Polizei zusammen: Man erstellt beispielsweise Verhaltensprofile von Verbrechern. Ich denke, da├č dies ein interessantes T├Ątigkeitsfeld ist, weil mich die Zusammenh├Ąnge interessieren, warum Menschen bestimmte Dinge tun.

Mem von Stein ist sicherlich nicht Dein Geburtsname.

Nein, den habe ich etwa 1984 von einem Freund bekommen. Ich hatte fr├╝her sehr lange Haare und er begr├╝├čte mich auf Parties immer mit dem Satz: "Ah, da kommt F├╝rst von Stein!" Keine Ahnung, wie er auf diese Idee kam... Mem ist die Kurzform meines eigentlichen Vornamens Mehmet. Mein Freund bedr├Ąngte mich st├Ąndig, ich solle mich Mem von Stein nennen. Anfangs war das eher ein Gag, aber es hat sich so eingeb├╝rgert.

In welchem Alter bist Du nach Deutschland gekommen?

Ich bin in der T├╝rkei geboren, bin aber in einem kulturellen Dreieck aufgewachsen: Ein gro├čer Teil meiner Familie lebt in Amerika, der Rest in der T├╝rkei und in Deutschland. Daher wurde ich dreisprachig erzogen: Mein Vater und meine Mutter haben T├╝rkisch mit mir gesprochen, ich habe Deutsch gelernt, da ich in Deutschland aufgewachsen bin und der Rest der Familie hat f├╝r meine Englischkenntnisse gesorgt. Ich bin stets zwischen den drei Kulturen hin- und hergewandert, so da├č ich mich weder in Amerika noch in Deutschland fremd f├╝hle. Ein wenig komisch ist es lediglich in der T├╝rkei, da ich dort noch nie gelebt habe: Mein Eltern zogen nach Wiesbaden als ich zwei Jahre alt war. Zun├Ąchst wollten sie nur zwei Jahre bleiben, aber mittlerweile sind mehr als 30 draus geworden.

Du hast ganz freim├╝tig dar├╝ber gesprochen, da├č zu EXUMER-Zeiten Alkohol und Drogen f├╝r Dich an der Tagesordnung waren. Nicht nur diesbez├╝glich hat sich eine Menge in Deinem Leben ge├Ąndert.

In meinen wilden Teenagerjahren habe ich mir eine Menge reingezogen, aber mit 21 Jahren habe ich mit allem Schlu├č gemacht: Zigaretten, Alkohol, Drogen. Zudem wurde ich strikter Vegetarier. Es gab keinen konkreten Anla├č, sondern ich wollte einfach einen Schlu├čstrich ziehen, um einen anderen Blick f├╝r die Welt zu bekommen. Ich war daraufhin mehrere Jahre straight edge. Mittlerweile sehe ich alles etwas lockerer und esse beispielsweise wieder Fisch oder trinke ab und zu ein Glas Wein.

Die Ern├Ąhrungsgewohnheiten von T├╝rken, Deutschen und Amerikanern liegen meilenweit auseinander. Wie kannst Du da Deine eigene Linie durchziehen?

Amerikanisches Essen und Fast Food meide ich v├Âllig. In Amerika esse ich sehr viel asiatisches Essen, was wahrscheinlich auch damit zusammenh├Ąngt, da├č meine Freundin Chinesin ist. Wenn ich bei meinen Eltern in Deutschland zu Besuch bin kann ich mich gl├╝cklich sch├Ątzen, da├č meine Mutter die vegetarische t├╝rkische K├╝che bevorzugt.
Aber das beschr├Ąnkt sich nicht nur aufs Essen, sondern ich versuche, in jeder Hinsicht gesund zu leben: Ich habe 15 Jahre lang Musik gemacht, so da├č es ein krasser Einschnitt war, einfach damit aufzuh├Âren. Daher mache ich seit zweieinhalb Jahren chinesisches Kung-Fu als Ausgleich. Au├čerdem habe ich mich mehr und mehr f├╝r spirituelle Dinge interessiert, da ich gemerkt habe, da├č ich mit fortschreitendem Alter andere Anspr├╝che an mein Leben stelle. Daher habe ich mich intensiv mit fern├Âstlicher Philosophie besch├Ąftigt, die mittlerweile mein Denken stark pr├Ągt.

Welche anderen Interessen hast Du? Die M├Âglichkeiten sollten in New York nahezu grenzenlos sein.

Das Faszinierendste an New York ist die Tatsache, da├č dort auf relativ kleinem Raum Menschen von allen L├Ąndern der Welt zusammenleben. Es hat sicherlich einige Zeit gedauert, bis ich mich mit New York arrangieren konnte, aber das ist wohl immer so, wenn man an einen neuen Ort zieht.
Ansonsten gehe ich gerne ins Kino - vor allem in Independentfilme - oder in Museen jeglicher Art. In New York hat man diesbez├╝glich den Vorteil, da├č es viele Museen gibt, bei denen der Eintritt frei ist. Ich versuche also nach wie vor, mich mit dem k├╝nstlerischen Bereich auseinanderzusetzen, auch wenn ich zur Zeit nicht selbst aktiv bin. Die Kunst wird immer ein fester Bestandteil meines Lebens sein.

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photo: Buffo Schn├Ądelbach [Photo 2]

P.S.: Herzlichen Dank an unseren ROCK HARD-Kollegen Buffo, der uns das aktuelle Photo von Mem zur Verf├╝gung gestellt hat!

Mem von Stein im ├ťberblick:
Mem von Stein – ONLINE EMPIRE 7-Interview
┬ę 1989-2019 Underground Empire


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