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  UE-Home → History → Online Empire 6 → Interview-Übersicht → KALMAH-Interview last update: 20.11.2022, 22:24:48  

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KALMAH-Bandphoto 1

KALMAH überraschten in dieser Ausgabe mit einem sensationellen Debut: Ihr exzellenter melodischer und zugleich rasend schneller Death/Black gehörte zu den Highlights des letzten Jahres. Doch echte Newcomer sind KALMAH nicht, denn die History der Band begann bereits 1992 mit der Thrashband ANCESTOR, die sich jahrelang ohne nennenswerten Erfolg den Wolf spielten. Mehr Facts gibt's nun von Gitarrist Antti Kokko.

Warum haben es ANCESTOR trotz vier Demos nicht geschafft?

Ich selbst bin erst 1996 zu ANCESTOR gekommen, während mein Bruder Pekka die Band schon vier Jahre zuvor gegründet hatte. Die Musik war purer Thrash im Stil von SEPULTURAs »Arise« und ich glaube, daß wir damit nicht den Nerv der Plattenfirmen trafen, so daß wir nie ernsthafte Angebote erhielten.

Der große Umschwung kam 1998/'99: Ihr habt nur ein Demo als KALMAH gemacht, und schon hattet Ihr einen Deal.

Ich denke, unser wichtigster Schritt war, daß wir einen Keyboarder in die Band nahmen. Das hat eine neue Dimension in die Musik gebracht. Wir haben begonnen, anders über unsere Musik zu denken: Wir wollten mehr Melodie in die Songs bringen!

Warum habt ihr den Namen KALMAH gewählt? Das Wort ist nicht geläufig und keineswegs einfach zu merken.

Abgesehen von unserem Neuzugang an den Keyboards waren es die selben Musiker, aber wir wollten mit einem neuen Namen unseren musikalischen Neuanfang verdeutlichen. Außerdem gab es eine Black Meta-Band namens ANTESTOR, so daß die Verwechslungen vorprogrammiert gewesen wären. Das Wort "Kalmah" stammt aus einem kyrillischen Dialekt und bedeutet frei übersetzt "ins Grab". Der Dialekt wird von Menschen benutzt, die einsam in Rußland direkt an der russisch-finnischen Grenze leben. Einige dieser Menschen wurden während des 2. Weltkriegs nach Finnland vertrieben. Ein Teil meiner Verwandten spricht diesen Dialekt, der jedoch langsam ausstirbt. Wir haben diesen Namen gewählt, da er aggressiv klingt und weil wir mitzuhelfen wollen, diese Sprache am Leben zu erhalten.

Durch den Stilwechsel könnte man Euch vorwerfen, daß Ihr trendy geworden seid. Bekanntlich gibt es in Skandinavien viele Bands, die einen ähnlichen Stil spielen. Was unterscheidet Euch von ihnen?

Ich denke nicht, daß wir einen großen Stilwechsel vollzogen haben! Die Basics, die schnellen Gitarren und Pekkas Gesang, sind gleich geblieben. Es kamen lediglich die Keyboards hinzu, so daß wir unsere Musik melodischer gemacht haben. Ich weiß, daß andere Bands eine Melodie nehmen und den Song rundherum aufbauen. Wir gehen grundsätzlich den umgekehrten Weg: Für uns stehen die Gitarren im Vordergrund. Wir schreiben erst die Riffs und basteln dann die Melodien dazu, so daß unsere Songs sehr kompliziert und technisch sind. Wir stellen stets den Anspruch an uns, daß wir nicht wie eine andere Band klingen.

Ihr habt eine enge Beziehung zu ETERNAL TEARS OF SORROW: Euer Bassist Altti Veteläinen spielte zwei Jahre lang bei ETERNAL TEARS OF SORROW bevor er wieder zu Euch zurückkam und hat außerdem drei seiner ehemaligen Bandkollegen als Gastmusiker für Euer Debüt angeheuert.

Wir leben in einem Ort namens Pudasjärvi, der etwa 800 Kilometer nördlich von Helsinki liegt und etwa 80 Kilometer von Oulu entfernt ist. Pudasjärvi hat gerade mal 10.000 Einwohner, die zudem in einem großen Umkreis verstreut leben und es gibt fast keine Musiker. ETERNAL TEARS OF SORROW sind die einzige andere Band, die es hier gibt und daher haben wir einen guten Kontakt zu ihnen. Ich selbst kenne einige Bands aus Oulu, wie AFTERWORLD oder CATAMENIA, weil ich in Oulu Informatik studiere.

Warum ist Eure CD mit 38 Minuten so kurz geraten?

Unser Studiotermin war eigentlich um die Weihnachtszeit angesetzt, doch urplötzlich ergab sich die Möglichkeit, daß wir früher ins Studio gehen konnten. Daher hatten wir zu diesem Zeitpunkt nur sechs oder sieben Songs fertiggestellt. Wir mußten uns sputen, daß wir zumindest diese acht Songs aufnehmen konnten.
Daher denke ich, daß wir für die nächste Platte unseren eigenen Sound viel besser herausarbeiten können. Wir hatten diesmal keine Zeit, beispielsweise für jeden Song einen speziellen Gitarrensound zu entwickeln.

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Steckt eine bestimmte Geschichte hinter dem Titel »Swamplord«?

Die gesamte Umgebung unseres Heimatortes Pudasjärvi besteht zu mehr als 60 Prozent aus Sumpf. Wir wollten einen Titel, der eine Verbindung dazu herstellt, weil wir die Natur sehr mögen. Im Herbst gehen wir oft Hasen und Vögel jagen.

Ist das nicht ein Widerspruch? Die Liebe zur Natur und gleichzeitig das Töten von Tieren.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Pudasjärvi geht auf die Jagd. Wir sind damit aufgewachsen und wurden irgendwann einfach mitgenommen. Daher haben wir nie weiter darüber nachgedacht oder ethische Probleme damit. Jagen ist das populärste Hobby hier.

Der »Swamplord« auf dem Cover hält einen Dreizack in seiner Hand. Handelt es sich dabei um ein besonderes Symbol?

Eigentlich nicht. Wir hatten diese Idee, weil wir auch fischen gehen und die Fische mit einem solchen Dreizack harpunieren. Wir wollten ein Element haben, das wir auch auf dem nächsten Cover verwenden können, das quasi ein Symbol für KALMAH wird. Der Dreizack wird auch in unserem Video zu sehen sein, das wir demnächst drehen werden.

Ich habe allmählich das Gefühl, daß Du Deine aggressiven Riffs schreibst, während Du Tiere killst...

Nein – wirklich nicht. Es macht mir zum Beispiel nichts aus, wenn ich bei einer Jagd kein Tier erlegen kann. Für mich ist es viel wichtiger, daß mein Geist in der Natur Ruhe findet. Mein Bruder und ich laufen oft durch die Natur, wodurch wir viele Inspirationen bekommen.

Ist KALMAH eigentlich ein reines Kokko-Projekt? Schließlich haben Du und Sein Bruder Text- und Songwriting unter Euch und Ihr seid für die Gitarren und den Gesang verantwortlich. Sind die anderen Musiker nur Marionetten?

Jeder hat völlige Freiheit bei uns und hinterläßt seine Fingerabdrücke: Unser Drummer Petri Sankala geht ständig an die Grenzen seiner technischen Fähigkeiten und unser Basser Altti kann seinen Part eigenständig entwickeln. Natürlich kommt unserem Keyboarder Pasi Hiltula eine ganz besondere Rolle zu, da er den KALMAH-Sound stark prägt. Es ist lediglich so, daß ich die fertigen Riffs und Gitarrenparts bringe und die anderen erst anschließend aktiv werden.
Die Geschichte von ANCESTOR war durch ständige Besetzungswechsel geprägt, was das Arbeiten sehr schwer gemacht hat. Daher können wir unser stabiles Line-up gar nicht genug wertschätzen.

Du und Dein Bruder werden die "Bonfire Bros." genannt. Warum?

In Finnland feiern wir das Mittsommernachtsfest: Es findet an jenem Tag statt, an dem die Sonne nicht untergeht. Dann werden immer große Freudenfeuer abgebrannt und die Menschen versammeln sich rundherum und betrinken sich. Diese Feuer tragen auf finnisch den Namen "kokko" und daher hat man uns den Beinamen "Bonfire" gegeben.

In Skandinavien ist Alkohol allerdings sehr teuer!

Deswegen trinken die meisten Menschen selbstgebrannten Stoff, der sehr stark ist. Daher gibt es in Finnland viele Menschen, die mit fortschreitendem Alter ein Alkoholproblem haben. Wir freuen uns auf jeden Fall, zu euch auf Tour zu kommen, um endlich Alkohol zu zivilen Preisen bekommen zu können.

Das heißt, wir können damit rechnen, daß Ihr abgefüllt auf der Bühne herumfallen werdet?

Nein, wir sind professionell genug, daß es sich im vertretbaren Rahmen halten wird. Selbstverständlich wollen wir den Fans eine gute Show bieten!

Auf dem Bandphoto seht Ihr nicht sonderlich alt aus. Wie kommt es, daß Ihr dennoch sehr fit auf euren Instrumenten seid?

Unser Drummer ist mit 29 Jahren der älteste und unser Keyboarder mit 18 das Nesthäkchen. Ich bin jetzt 22 Jahre alt und habe vor 12 Jahren begonnen, Gitarre zu spielen. Ich hatte damals einige Jahre klassischen Gitarrenunterricht und ich denke, daß dadurch die wichtigen Grundlagen gelegt wurden. Zudem habe ich immer sehr viel Gitarre gespielt.

ANCESTOR lagen eine ganze Zeitlang auf Eis, als Dein Bruder bei der Armee war. Was denkst Du über die Armee?

Alle Mitglieder von KALMAH - außer unserem Keyboarder - haben bereits ihren Wehrdienst abgeleistet. Für mich war die Armee eine zwiespältige Sache: Ich habe es gehaßt, ständig von jemand herumkommandiert zu werden. Aber andererseits habe ich einen anderen Blick für mein Leben bekommen, weil man bei den Übungen an seine Limits getrieben wird. Ich habe damals gelernt, meine innere Stimme wahrzunehmen. Es kam für mich nie in Frage, den Wehrdienst zu verweigern: Für meine Familie ist es eine Ehrensache, in der Armee gedient zu haben, da meine beiden Großväter im 2. Weltkrieg waren.

http://www.kalmah.com/

swamplord@kalmah.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

KALMAH im Überblick:
KALMAH – Swamplord (Rundling-Review von 2001)
KALMAH – The Black Waltz (Rundling-Review von 2006)
KALMAH – HEAVY, ODER WAS!? 56-Interview
KALMAH – ONLINE EMPIRE 6-Interview
KALMAH – ONLINE EMPIRE 12-"Living Underground"-Artikel
KALMAH – News vom 23.10.2003
KALMAH – News vom 17.05.2004
KALMAH – News vom 14.09.2011
KALMAH – News vom 16.02.2012
Soundcheck: KALMAH-Album »Swamplord« im "Soundcheck Heavy, oder was!? 55" auf Platz 13
Playlist: KALMAH-Album »Swamplord« in "Jahrescharts 2000" auf Platz 6 von Stefan Glas
Playlist: KALMAH-Album »Swamplord« in "Playlist Heavy, oder was!? 55" auf Platz 1 bei den aktuellen Faves von Stefan Glas
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