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In ihrer Heimat Finnland werden sie mit Pl├╝schtieren, Liebesbriefen und duf┬şten┬şden Slips beworfen. Schlie├člich haben sie gerade eine Pla┬ştin┬şaus┬şzeich┬şnung f├╝r ihre CD-Single ┬╗Hate Me!┬ź erhalten. Bei uns sind sie noch nicht ganz so weit, aber die Weichen sind gestellt: Im Januar erschien die dritte CHILDREN OF BODOM-CD ┬╗Follow The Reaper┬ź. Wir folgten jedoch zun├Ąchst Bandkopf Alexi Laiho, der sich als echtes Plaudert├Ąschchen entpuppte.

Wie war das Gef├╝hl, in den Charts zwischen Britney Spears und den BACKSTREET BOYS positioniert zu sein?

Es war cool zu sehen, da├č man mit extremem Metal genau so viel verkaufen kann wie mit Popschnulzen. Es war ein gro├čes "Fuck you!" an alle Tekknobands. ┬╗Hate Me!┬ź stand mehrere Wochen auf Platz 1 der Singlecharts. Allerdings mu├č ich hinzuf├╝gen, da├č Metal in Finnland sehr popul├Ąr ist: Andere finnische Metalbands wie STRATOVARIUS oder NIGHTWISH sind ebenso des├Âfteren in der offiziellen Verkaufscharts zu finden. Unsere Platte wurde in Finnland bereits vor einiger Zeit ver├Âffentlicht und kam ├Ąhnlich gut an: Sie erreichte Platz 3 in den Albumcharts.

Ergo k├Ânntet Ihr Britney Spears einladen, als Gasts├Ąngerin auf euem n├Ąchsten Album zu singen. W├╝rdest Du sie nehmen?

Britney Spears? Ich w├╝rde sie nehmen! Aber nicht als S├Ąngerin...

Hey! Dann w├Ąrest Du ja der Erste - zumindest, wenn Du Promokampagnen Glauben schenkst... Anyway - erkl├Ąr' mir bitte, warum ich Dich hassen soll, wie Du es mittels des Titel der Single forderst?

Der Text handelt davon, da├č es mir v├Âllig egal ist, was andere ├╝ber mich denken. Daher fordere ich sie auf, mich zu hassen, wenn es ihnen Spa├č macht. Ich habe den Song in einer Phase geschrieben, als alles den Bach runterzugehen zu schien und ich mich miserabel f├╝hlte. In ÔÇ║Hate Me!ÔÇ╣ schreie ich mir den ganzen Frust von der Seele.

Ein anderer Song hei├čt ÔÇ║Northern ComfortÔÇ╣. Er lie├č mich sofort an etwas Hochprozentiges denken: Southern Comfort. Wollt Ihr mit dem Song durch die Blume darauf hinweisen, da├č Ihr von Southern Comfort gesponsort werden wollt?

Das w├Ąre klasse, denn wir alle m├Âgen Southern Comfort... Allerdings hat ÔÇ║Northern ComfortÔÇ╣ vielmehr ein sehr ernstes Thema: Es geht um die negativen Seiten des Trinkens, die ich am eigenen Leib erfahren habe. Wenn man auf Tour nicht verr├╝ckt werden will, mu├č man die ganze Zeit ├╝ber Alkohol trinken. Zum Gl├╝ck wirkt sich das Trinken und Rauchen zwar nicht auf meine Stimme aus, so da├č ich mich nicht zur├╝ckhalten mu├č. Allerdings f├╝hlt man sich durch den vielen Alkohol permanent schlecht und hat st├Ąndig wirre Gedanken im Kopf. Wenn ich von einer Tour zur├╝ckkomme r├╝hre ich garantiert eine Woche lang keinen Tropfen Alkohol an.

Bei dem Song ÔÇ║Bodom After MidnightÔÇ╣ mu├čte ich sofort an ÔÇ║Living After MidnightÔÇ╣ von JUDAS PRIEST denken. Folglich m├╝├čtet Ihr auf der n├Ąchsten Platte einen Song namens ÔÇ║The Number Of The BodomÔÇ╣ haben, denn IRON MAIDEN sind in Sachen Gitarrenarbeit sicherlich ein Einflu├č f├╝r Dich. Richtig vermutet?

Ich mu├č gestehen, da├č ich MAIDEN nicht besonders gut kenne. Ich habe zwar ein paar Alben von ihnen, aber ich habe viel wichtigere Einfl├╝sse, die man nicht sofort raush├Ârt: Neben Black Metal-Bands sind es besonders Acts aus den Achtzigern wie Ozzy Osbourne, MANOWAR oder eben PRIEST.

Ihr seid f├╝r ┬╗Follow The Reaper┬ź ins ABYSS-Studio gegangen und habt mit Peter T├Ągtgren gearbeitet. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm, zumal Peter ebenfalls Musiker ist?

Im ASTIA-Studio, in dem wir die beiden ersten CDs aufgenommen haben, hatte alles gut funktioniert. Der Grund f├╝r den Wechsel war also nicht, da├č wir unzufrieden waren. Wir wollten einfach einen neuen Input, so da├č wir mit anderen Leuten gearbeitet haben und es hat sich ausgezahlt, denn Peter hat viele neue Ideen eingebracht. Wir haben zum Beispiel Keyboardsounds verwendet, an die wir nie im Leben gedacht h├Ątten. Da Peter ebenfalls S├Ąnger ist hat er mir ebenfalls viele Impulse gegeben, wie ich meinen Gesang gestalten oder effektiver einsetzen kann. Ich frage mich manchmal, wie Peter seine ganzen Bands und das Studio unter einen Hut bekommt. Darin lag letztendlich das einzige Problem in der Zusammenarbeit, denn Peter mu├čte h├Ąufig am Telephon h├Ąngen oder Interviews geben. Dadurch gab es Phasen, in denen er sich nicht richtig auf die Recordings konzentrieren konnte. Aber es arbeiten etliche andere f├Ąhige Tontechniker im ABYSS-Studio, so da├č im Endergebnis dort wirklich gute Arbeit geleistet wurde. Wir mu├čten lediglich den Endmix in gro├čer Eile durchziehen, so da├č wir nicht damit zufrieden waren, weil wir einige Dinge ├╝berh├Ârt hatten. Also haben wir ┬╗Follow The Reaper┬ź nochmal im FINNVOX-Studio remixt und anschlie├čend wurde das Album dort gemastert.

Alle drei CHILDREN OF BODOM-Scheiben haben eine Spielzeit von weniger als 40 Minuten. Das ist sehr wenig, wenn man sich die heutigen CD-Preise vor Augen f├╝hrt. Hattet Ihr nicht gen├╝gend gute Ideen?

Wir wollten nie, da├č die Alben l├Ąnger sind, da sie nicht langweilig werden sollen. Wenn ein Album nur 25 Minuten dauern w├╝rde, dann w├Ąre es ein Rip-Off, aber 40 Minuten sind genug f├╝r ein Album. Schlie├člich sollten keine durchschnittlichen Songs auf dem Album stehen. Und wer nach 40 Minuten nicht genug hat, kann die CD nochmal h├Âren.

┬╗Follow The Reaper┬ź erscheint stilistisch wie eine Mischung aus den beiden ersten CDs. Hat bei CHILDREN OF BODOM keine Weiterentwicklung stattgefunden oder wolltet Ihr kein Risiko eingehen?

┬╗Follow The Reaper┬ź ist unser bestes Album: Auf ┬╗Something Wild┬ź war eine Menge Mist zu h├Âren. Da es jedoch unsere Deb├╝tplatte war, k├Ânnen wir es uns verzeihen. Auch auf ┬╗Hatebreeder┬ź gab es einige Sachen, mit denen ich nicht zufrieden war. ┬╗Follow The Reaper┬ź ist straighter als ┬╗Hatebreeder┬ź ausgefallen und ist sowohl von den Songs her als auch vom Sound perfekt. Ich bin sehr wohl der Meinung, da├č wir uns weiterentwickelt haben und da├č es ├ťberraschungen auf ┬╗Follow The Reaper┬ź gibt.

Wenn man Euch b├Âse will, k├Ânnte man behaupten, da├č CHILDREN OF BODOM eine schnelle Melodic Metal-Band sind, deren S├Ąnger nicht singen kann...

Das ist nat├╝rlich denkbar, aber es ist f├╝r mich wichtig, da├č unsere Musik gleichzeitig heavy, aggressiv und melodisch ist. Daher ist es notwendig, da├č ich so singe. Viele melodische Metalbands benutzen einen hohen Cleangesang und ich finde, da├č das einfach l├Ącherlich klingt. Ich spreche bei unserer Musik gerne von melodischem Speed Metal mit Death Metal-Vocals. Und wenn jemand denkt, da├č ich nicht singen kann, steht es ihm frei, einen gro├čen Bogen um uns zu machen.

Mittlerweile gibt es in Skandinavien etliche Bands, die sich offensichtlich an eurem Stil orientieren. Wie f├╝hlt man sich, wenn man im Alter von 21 Jahren einen solch nachhaltigen Einflu├č auf die Szene hatte?

Es ist ein tolles Gef├╝hl! Ich wei├č, da├č es Bands gibt, die sich tierisch dar├╝ber aufregen, wenn sie kopiert werden. Das kann ich nicht verstehen, denn jede Band hat Einfl├╝sse - auch diejenigen, die wiederum als Vorbild f├╝r andere fungieren. Ich habe damit absolut keine Probleme, sondern ich bin vielmehr stolz darauf - sofern die betreffende Band uns nicht hundertprozentig kopiert, sondern sich zumindest ein wenig um eine eigene Identit├Ąt bem├╝ht.

Du hast neben CHILDREN OF BODOM schon immer andere Projekte gehabt: Du hast fr├╝her bei THY SERPENT Gitarre gespielt und bist heute bei SINERGY involviert, bei denen Du nicht nur mitspielst, sondern auch Songs komponiert hast. Wie schaffst Du das zeitlich?

Mein Hauptaugenmerk gilt eindeutig CHILDREN OF BODOM und die anderen Bands sind immer nur nebenher gelaufen. Daher spiele ich momentan nur bei SINERGY mit und werde mich mit Sicherheit keiner weiteren Band anschlie├čen.

CHILDREN OF BODOM standen immer in dem Ruf, deine One-Man-Show zu sein, w├Ąhrend die anderen Musiker nur eine Backingband sind. Dennoch habt Ihr von Anfang an ein stabiles Line-up.

Nat├╝rlich bin ich sehr wichtig, da ich die Songs schreibe und singe, aber CHILDREN OF BODOM w├Ąre nicht mehr die gleiche Band, wenn einer der Mitmusiker aussteigen w├╝rde. Schlie├člich kennen wir uns schon seit vielen Jahren und sind dicke Freunde. Wir verbringen auch eine Menge Zeit miteinander, wenn wir nicht mit CHILDREN OF BODOM eingespannt sind.

Wird der Reaper Euch auf allen CD-Covers verfolgen?

Ja, ich bin mir ziemlich sicher, da├č wir ihm treu bleiben werden. Wir haben Pl├Ąne, den Reaper auch auf die B├╝hne zu holen. Wir haben nat├╝rlich nicht das Budget wie IRON MAIDEN, so da├č wir ihn nicht wie Eddie ├╝berdimensional auf die B├╝hne stellen k├Ânnen, aber wir werden klein anfangen und ihn ins B├╝hnenbild einbauen.

Ihr werdet zusammen mit PRIMAL FEAR auf Tour gehen. Denkst Du, da├č beide Bands miteinander harmonieren k├Ânnen?

Ich bin mir sicher, da├č es gut funktionieren wird und da├č beide Bands ihre Vorteile dabei haben werden: W├Ąhrend PRIMAL FEAR eher normale Metaller anlocken k├Ânnen wir Death Metaller ziehen. Dadurch wird jede Band viele neue Zuschauer bekommen und mit Sicherheit werden einige neue Fans h├Ąngenbleiben.

CHILDREN OF BODOM waren in Japan auf Tour. Das mu├č sehr erfolgreich gewesen sein, da dabei die Live-CD ┬╗Tokyo Warhearts┬ź entstand.

Wir hatten uns sehr intensiv auf den Japanabstecher vorbereitet und es hat sich wirklich gelohnt: Wir haben an zwei aufeinanderfolgenden Abenden in Tokyo vor 1.500 Fans gespielt, die v├Âllig verr├╝ckt gespielt haben. Da die Show mitgeschnitten wurde kam anschlie├čend der Vorschlag, eine Live-CD zu ver├Âffentlichen haben und es ist uns nicht schwergefallen zuzustimmen. Doch Japan war nicht nur musikalisch super: Wir wurden wie K├Ânige behandelt und hatten s├╝ndhaft teure Luxushotels.

Wohin wird uns der Reaper f├╝hren, wenn wir Eurer Aufforderung ┬╗Follow The Reaper┬ź nachkommen?

Wir m├Âchten zus├Ątzlich zur Tour mit PRIMAL FEAR m├Âglichst viel spielen. Wir werden noch vor Weihnachten in Finnland touren und im Januar im restlichen Skandinavien weitermachen. Nach der Tour mit PRIMAL FEAR freuen wir uns darauf, da├č wir wieder nach Japan gehen werden. Anschlie├čend hoffen wir, da├č wir auch in Amerika spielen k├Ânnen. Wir sind also f├╝r die n├Ąchsten Monate ausgebucht. Was die Zukunft betrifft wollen wir nicht gro├čartig Pl├Ąne schmieden, sondern wir lassen uns ├╝berraschen, was passiert und werden dann darauf reagieren.

Wieviele CDs hofft Ihr, von ┬╗Follow The Reaper┬ź zu verkaufen?

Ich habe keine Ahnung, denn ich habe mir ├╝ber Verkaufszahlen noch nie den Kopf zerbrochen. Daher war ich v├Âllig ├╝berrascht, als ich die Verkaufszahlen unseres Deb├╝talbums sah. Mit ┬╗Hatebreeder┬ź ist uns verkaufstechnisch eine Steigerung gelungen. Also hoffe ich, da├č uns das mit ┬╗Follow The Reaper┬ź ebenfalls gelingen wird. Ich sehe es als wichtig an, da├č man sich mit jeder Platte steigert. Ich bin mir sicher, da├č wir uns aufl├Âsen werden, wenn wir verkaufstechnisch stagnieren oder die Verkaufszahlen sogar r├╝ckl├Ąufig sind. Wir m├Âchten nicht zu jenen Bands geh├Âren, f├╝r die sich immer weniger Leute interessieren, die aber trotzdem ein Schrottalbum nach dem anderen machen.

Wie ist das Leben als Rockstar in deiner Heimat? Kannst Du noch ├╝ber die Stra├če gehen, ohne Autogramme geben zu m├╝ssen?

Manchmal kommt es vor, da├č Fans mich auf der Stra├če erkennen und mich um ein Autogramm bitten. Wenn ich in meiner Stammkneipe bin, kommt es allerdings ├Âfter vor, da├č ich angesprochen werde. Allerdings waren die Fans bislang allesamt sehr h├Âflich, so da├č es mich wirklich nicht gest├Ârt hat.

Du hast Dir den Beinamen "Wildchild" gegeben. Gibt es irgendwelche Skandalgeschichten, die wir wissen sollten?

Der Name beschreibt am besten meine Pers├Ânlichkeit - sowohl menschlich als auch musikalisch. Ich bin ein "Wildchild" und mag es, verr├╝ckte Sachen zu tun. Ich lebe sehr intensiv und investiere viel Energie in die Musik.

Zum Thema "Wildchild" f├Ąllt mir das Stichwort "Sex, Drugs & Rock'n'Roll" ein. Anders formuliert: In Finnland ist es extrem kalt. Sind die M├Ądels Dir gegen├╝ber auch frostig?

Ja und nein. Manchmal schon, aber nicht immer... Mehr m├Âchte ich dazu nicht sagen.

Das ist allerdings nicht sehr viel... Los, komm' schon! Man hat Dir immer nachgesagt, da├č Du in Interviews nichts zu sagen h├Ąttest. Jetzt hast Du die ultimative Chance, mit diesem Vorurteil aufzur├Ąumen!

Es ist richtig, da├č die meisten Finnen nicht sehr viel reden. Das ist wohl unsere Mentalit├Ąt. Bei mir ist es jedoch so, da├č ich extrem gespr├Ąchig werde, wenn ich betrunken bin. Ich sitze allerdings gerade im Proberaum: Die Probe mit CHILDREN OF BODOM ist gerade vorbei und nach dem Interview werde ich mit SINERGY proben, so da├č ich nat├╝rlich nichts trinken kann.

Okay, ich werde Dich auf der Tour mit einer Pulle Southern Comfort aufsuchen, und dann werden wir das Interview an dieser Stelle fortsetzen...

http://www.cobhc.com/

webcrew@cobhc.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

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┬ę 1989-2020 Underground Empire


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