Es mag eventuell ein wenig befremdend anmuten, daß ausgerechnet die Bay Area-Legende TESTAMENT für ihr aktuelles Album einen lateinischen Titel gewählt hat. Noch dazu einen, der lediglich einen Teil eines Sprichworts darstellt. Doch »Para bellum«, das von "Si vis pacem, para bellum" ("Wenn Du Frieden willst, bereite Dich auf Krieg vor") abgeleitet ist, war ursprünglich gar nicht als Titel für das mittlerweile 14. Studioalbum der Thrash-Institution vorgesehen.
Wie es dazu kam, und welche Neuigkeiten es darüber hinaus noch aus dem Lager der Band zu vermelden gibt, erzählte es uns ein bestens gelaunter Chuck Billy, den wir zum Zoom-Call geladen hatten.
Steht der Titel denn für Eure Einstellung, oder bezieht er sich eher auf die aktuelle Situation unseres Planeten?
Zunächst einmal muß ich festhalten, daß ich beide Arten der Interpretation gut nachvollziehen kann. Allerdings muß ich hinzufügen, daß dieser Titel erst zum Schluß unserer Arbeiten ausgewählt worden ist. Wir hatten ursprünglich vor, die Scheibe "Infanticide A.I." zu nennen. Nicht zuletzt deshalb, weil wir davon das erste Video gedreht und es auch schon vorab veröffentlicht hatten. Doch als wir das Artwork zu sehen bekommen haben, waren wir uns ebenso schnell einig, daß »Para bellum« einfach der passendere Titel ist.
Und immerhin gibt es ja auch so einen Titelsong. War das mit ein Grund?
Nein, nicht unbedingt. Auch wenn wir keinen Song mit diesem Titel gehabt hätten, wären wir bei »Para bellum« geblieben. Themen und Texte haben bei uns schon immer ein harmonisches Bild ergeben.
Laß mich noch einmal kurz auf die erste Frage zurückzukommen: Leider kommt man momentan nicht daran vorbei, sich kritisch zum aktuellen Weltgeschehen zu äußern. Von daher paßt der Titel des Albums auch perfekt in die Gegenwart. Hat sich denn bei Euch etwas an der Art des Komponierens verändert?
Grundsätzlich nicht. Es sind immer noch Eric Peterson und ich, die sich um die Strukturen und die stilistische Ausführung kümmern. Eric ist schlicht ein Genie! Der gute Mann hat nahezu ständig Ideen für Songs auf Lager. Und auch wenn seit »Titans Of Creation« gut fünf Jahre vergangen sind, heißt das nicht, daß Eric und ich untätig gewesen wären. Völlig auf uns allein gestellt waren wir dieses Mal allerdings nicht. Im Vergleich zu früher haben sich nämlich auch die anderen Jungs eingebracht. Unser Drummer Chris Dovas hat sich sogar erstmals als Texter versucht.
Habt Ihr Chris inzwischen als fixes Bandmitglied aufgenommen?
Ja! Wer so lange konstant gute Arbeit verrichtet und zur TESTAMENT-Familie gehören möchte, hat es definitiv verdient! Schon als er uns damals ausgeholfen hat, als Dave Lombardo nicht ganz sicher war, ob er auch längerfristig bei uns einsteigen könnte, war er Feuer und Flamme für den Job. Es gab also absolut nichts, das dagegen gesprochen hätte.
Noch nicht einmal sein Alter? Er ist doch im Vergleich zu den anderen Bandmitgliedern deutlich jünger...
Das stimmt. Aber da wir allesamt mittlerweile reif genug sind, um mit der jüngeren Generation umgehen zu können, wird das kein Problem darstellen. [lacht] Wir sehen ihn im Prinzip als unseren Ziehsohn an. Ich denke, auch er mag diese Situation. Wer kann schließlich von sich behaupten, auf vier Ziehväter vertrauen zu können. [lacht] Völlig unabhängig davon, ist der Kerl ein echter Tausendsassa hinter dem Schlagzeug. Selbst Granden wie Dave Lomborado oder Gene Hoglan sind von seinem Spiel beeindruckt. Darüber hinaus hatte er von Anfang einen verdammt guten Draht zu Eric und mir. Eric meinte, er hätte schon lange nicht mehr mit einem so verständnisvollen Schlagzeuger gearbeitet. Dadurch klappten die Aufnahmen wie am Schnürchen. Im Endeffekt haben wir keine zwölf Monate benötigt, ehe das Album komplett fertig gewesen ist.
Du hast vorhin auch sein Engagement bei den Texten erwähnt. Das ist aber nach wie vor Dein Metier, oder?
Ja, das schon. Ich erarbeite die Texte nach wie vor mit Del James, der mich seit Jahren dabei unterstützt. Chris hat aber tatsächlich für den Opener ›For The Love Of Pain‹ den Großteil des Textes beigesteuert.
Die zehn Songs des Albums enthalten abermals sämtliche Facetten des Bandsounds. Eine Nummer muß aber doch gesondert hervorgehoben werden. Nicht zuletzt, weil es schon sehr lange keine Ballade von Euch gegeben hat.
Das ist korrekt. Wir haben schon sehr lange keinen Song wie ›Ment To Be‹ geschrieben. Nach dem überraschenden Erfolg von ›The Ballad‹, die auf unserem 1989er Album »Practice What You Preach« verewigt war, hätte das zwar unsere Plattenfirma gerne gehabt, wir sahen uns aber nie als "Balladen-Band". Doch als Eric damit ankam, war uns sofort klar, daß wir den Track unbedingt mit auf dem Album haben müssen. Auch, weil sich Eric zum ersten Mal als Arrangeur von Cellopassagen, die Dave Eggar für uns eingespielt hat, etablieren konnte.
http://www.testamentlegions.com/
Photo: Fred Kowalo












