Drachen haben seit jeher Tradition in der Metalszene. Egal, ob in Form von Texten, mit denen so mancher Verfasser den possierlichen Fantasietierchen wahlweise huldigte, oder aber ihnen den Kampf ansagte, wenn nicht gar bestrebt war, sie zu töten. Nicht minder häufig sind auch Bandnamen zu finden, die sich auf diese echsenartigen Fabelwesen beziehen, die zumeist mit Flügeln dargestellt werden.
Beispiele dafür gibt es wie Sand am Meer, eines der momentan angesagtesten stammt aus Österreich und existiert seit mittlerweile 17 Jahren. Es war im Sommer 2007 als sich ein paar junge Heavy Metal-Liebhaber in Wien unter dem Banner THE DRAGONSLAYER PROJECT zusammentaten, um fortan exakt jene Musik darzubieten, für die sie sich hellauf begeistern konnten. Das tun einige von ihnen immer noch, angeführt von einem jungen Mann, der auf den Namen Siegfried Samer hört und seit den Anfängen die Geschicke der in weiterer Folge zu DRAGONY umbenannten Band lenkt.
DRAGONY sind mittlerweile längst auch weit über unsere Staatsgrenzen hinaus bekanntgeworden. Kein Wunder, schließlich verfügt Siegfried über eine markante Stimme, ein gutes Gespür für zwingende Melodien und hat obendrein auch immer wieder jede Menge an Ideen parat, wie er die Band vorantreiben kann. Daß der gute Mann zudem auch verdammt viel vom Musikbusiness an sich versteht, dürfte ebensowenig ein Nachteil für DRAGONY sein, wie die Tatsache, daß Siegfried als promovierter Jurist der Formation auch in rechtlichen Dingen weiterhelfen kann, sollte es nötig sein. Da mit »Hic svnt dracones« in Kürze das mittlerweile fünfte Album seiner Band zur Veröffentlichung ansteht, war es uns eine Ehre, den guten Mann zum Interview zu bitten.
Im direkten Vergleich wirkt Euer brandaktueller Dreher "old schooliger" als die Vorgängeralben. War das Absicht?
Nicht wirklich. Auch wenn wir im Laufe der Zeit bemerkt haben, wie sehr wir unseren Stil über die Jahre hinweg verändert haben und uns mittlerweile ein gehöriges Stück weit davon entfernt haben, wie wir am Anfang geklungen haben. So gesehen kann man durchaus sagen, wir würden wieder klingen wie auf unseren frühen Veröffentlichungen. Abgesehen davon ist es für mich in der Retrospektive betrachtet, gar nicht mehr so einfach zu erkennen, wann wir wie geklungen haben.
Kein Problem. Den Fans wird es ohnehin mehr um das neue Album gehen als um derlei Angelegenheiten. Gibt es denn schon erste Reaktionen auf »Hic svnt dracones« zu vermelden?
Viele zwar noch nicht, die Rückmeldungen waren bislang aber sehr, sehr positiv und lassen uns entsprechend entspannt in die Zukunft blicken. Ich war mir zwar ziemlich sicher, daß es so sein wird, muß aber zugeben, daß die Situation nicht die einfachste gewesen ist, zumal sich seit »Viribus unitis« doch einiges geändert hat.
Du meinst vermutlich die Tatsache, daß Ihr zwei neue Bandmitglieder im Line-up habt, oder?
Unter anderem. Wobei es bei uns wohl vergleichsweise brüderlich abgelaufen ist, als uns Frederic und Andreas verlassen haben. Frederic, der seit den Anfängen als Schlagzeuger mit dabei war, hat uns aus rein privaten Gründen verlassen. Seine familiäre Situation hat es ihm nicht mehr möglich gemacht, sich ausreichend Zeit für die Band zu nehmen. Auch bei Andreas lief es vor knapp zwei Jahren ähnlich. Auch er hat uns damals wissen lassen, daß er es nicht mehr schaffen wird, sich voll auf die Band zu konzentrieren. Zum Glück haben wir nach Neuzugängen aber nicht lange suchen müssen. Mit Matvei Plekhanov, dem Gitarristen, sind wir schon lange in Kontakt. Er war im Prinzip auch die erste Wahl. Wir haben ihn schon seit längerer Zeit als kollegialen Musiker kennengelernt, und von daher war es fast logisch, ihn mit ins Boot zu holen. Neu ist mit Christoph Auckenthaler aber auch der Schlagzeuger, der auf unserem neuen Album seinen offiziellen Stuidoeinstand bei uns feiert. Er hat in der Vergangenheit jedoch schon live bei uns ausgeholfen, und hat seine Sache dabei sehr gut gemacht.
Nicht neu, sondern mittlerweile fast schon ein Markenzeichen von Euch, ist der lateinische Titel. Wer ist denn der "Lateiner" bei DRAGONY?
Das bin ich! Mich hat Latein schon in der Schule fasziniert, das ist geblieben. [lacht] Da ich Latein auch später für mein Studium benötigt habe, ist die Sprache eigentlich immer präsent gewesen. Was die Titel der Alben betrifft, haben wir damit - hoffentlich zumindest - ein weiteres Erkennungsmerkmal erschaffen.
Für mich etwas überraschend kam die Tatsache, daß »Hic svnt dracones« bei STEAMHAMMER erscheint. Zuletzt habt Ihr doch durchaus erfolgreich, wie ich annehme, mit NAPALM RECORDS kooperiert. Weshalb der Labelwechsel?
Wechsel klingt vielleicht etwas übertrieben. Da NAPALM schon vor einiger Zeit SPV, und damit auch STEAMHAMMER übernommen hat, ist die geschäftliche Situation für uns gar nicht großartig verändert worden. Man hat uns allerdings mitgeteilt, wir würden stilistisch besser zu STEAMHAMMER passen und wurden deshalb dort untergebracht. Ansonsten hat sich für uns nichts ge- oder verändert.
Doch! Nicht nur im Titel, auch auf dem Cover findet man zum ersten Mal in Eurer Bandgeschichte einen Drachen.
Unglaublich, was? Das war definitiv Absicht, und was wohl viele unserer Fans bestätigen werden, es wurde auch Zeit, einen Drachen in unser Artwork zu integrieren. Irgendwie sind wir diesbezüglich wahrscheinlich eine der wenigen gewesen, die zwar "dragon" im Bandnamen, aber einen solchen noch nie auf einem Cover hatten.
Paßt. Auch zur Musik. Meiner Meinung nach könntet Ihr mit dem neuen Dreher sogar amtlich durchstarten. Viel besser standen die Chancen für Klänge wie Eure wohl noch nie.
Danke. Ich hoffe, du hast recht. Ich weiß auch genau, was du meinst. Aktuell sieht es für mich auch danach aus, als ob die Fans vermehrt wieder auf Bands abfahren, die melodiöse Songs, die sich völlig unabhängig vom Härtegrad, auf Anhieb einprägen, abfahren. Daß für die Fans aber auch das Showelement einen erheblichen Bestandteil des Gesamtkonzepts ausmacht, darf nicht unerwähnt bleiben. Beispiele dafür gibt es viele, die Nummer eins auf diesem Gebiet sind sicher POWERWOLF.
Das sehe ich auch so. Schon unglaublich, wie die ihren "Schmäh" mit Konsequenz seit Jahren durchziehen, und plötzlich zu den erfolgreichsten Formationen überhaupt zählen. Hast Du eine Erklärung dafür?
Schon. Zum einen, weil sie eben nicht einfach nur etwas ausprobiert haben, sondern schon seit den ersten Auftritten auf die Show gesetzt haben, und diese mittlerweile auf absolutem Topniveau ist. Und zum anderen, weil sie ihre Fans im Prinzip seit den Anfängen auch mit ins Geschehen einbezogen haben. Man kann bei einer POWERWOLF-Show gar nicht anders, als sich als Teil der Action zu fühlen. Egal, was da auf der Bühne abgeht, als Fan ist man mitten drinnen. Es gibt aber auch noch diverse andere Bands, die mit ihrem Showkonzept mehr als nur auf sich aufmerksam machen. Nimm WARKINGS als weiteres Beispiel. Auch ihr Konzept mit den unterschiedlichen Charakteren kommt verdammt gut an, aber natürlich handelt es sich auch bei ihnen um begnadete Musiker, und daß Georg (Neuhauser, auch bei SERENITY am Mikro - ws) einer der wohl besten Sänger in diesem Genre ist, brauchen wir auch nicht zu diskutieren.
Ehrlich gesagt hat es mich überrascht, wie angesagt viele dieser "Showbands" momentan sind. Hältst Du es für möglich, daß dieser Trend in Zukunft anhält?
Ganz sicher. Die Fans wollen nicht nur Musik hören und konsumieren, sie wollen auch etwas zu sehen bekommen. Das ist jetzt zwar nicht neu, wenn wir über KISS und Konsorten sprechen, scheint aber momentan tatsächlich wieder schwer angesagt zu ein. Deshalb bin ich auch überzeugt, daß auch noch weitere Formationen wie etwa VISIONS OF ATLANTIS mit ihrem Piratenkonzept, gehörig an Popularität gewinnen werden.
Apropos VISIONS OF ATLANTIS: Eine Zeitlang konnte man den Eindruck gewinnen, Ihr wärt so etwas wie eine "Zweigstelle" geworden.
Ich weiß, was Du meinst, aber ich bin schon länger nicht mehr bei VISIONS aktiv, weil mir schlicht die Zeit dafür fehlte. Aber es stimmt, daß ich insgesamt fünf Jahre mit von der Partie war und unser Bassist Herbert Glos seit 2017 auch bei dieser Kollegenschaft für die tiefen Töne sorgt. Zum Glück sind wir uns als Bands noch nie in die Quere gekommen. Eher im Gegenteil, man versucht, sich immer wieder zu unterstützen wo es geht. Es gibt wohl nichts schlimmeres als Bands, die sich gegenseitig boykottieren, weil man dem anderen den Erfolg nicht gönnt. Viel besser wäre es doch, wenn sich Musiker untereinander so gut nur irgendwie möglich unterstützen. Ich denke da auch an diverse Festivals, wenn beispielsweise irgendein Teil des Equipments kaputtgegangen ist. Für uns wäre es kein Thema, da auszuhelfen. Ich denke, auch das ist etwas, womit man Fans für sich gewinnen und womöglich sogar begeistern kann.
Gute Einstellung. Wobei es bei Euch auch ohne irgendwelche "Randerscheinungen" wie den eben erwähnten, auch live ganz gut zu laufen scheint. Erfahrung habt Ihr ja ohnehin schon reichlich machen können.
Das stimmt. Wir sind auch mit unserer bisherigen Karriere ganz zufrieden. Großartige Bühnenkonzepte, wie wir vorhin besprochen haben, gibt es bei uns aber leider noch immer nicht. Dafür ist noch immer zu wenig Geld in der Bandkasse. Mit »Hic svnt dracones«, das übrigens auch ein Konzeptalbum geworden ist, und von den auf mysteriöse Weise verschwundenen Siedlern der britischen Kolonie auf der Insel Roanoke vor der Ostküste der Vereinigten Staaten handelt, hoffen wir zunächst einmal unsere Anhängerschaft vollends begeistern zu können. Und außerdem wäre es natürlich sehr fein, wenn sich so mancher Musikliebhaber ab sofort auch als Fan von uns bekennen würde. Was Konzerte betrifft, haben wir bisher in der Tat schon viel mehr erreicht, als sich so mancher Musiker erträumen darf. Dafür sind wir natürlich auch sehr dankbar. Schließlich sind Auftritte beim "Master Of Rock", dem "Nova Rock" oder in Wacken keine Selbstverständlichkeit. Daß wir zudem auch schon die Chance hatten, bei der "70000 Tons Of Metal"-Kreuzfahrt mit dabei zu sein, bleibt wohl auf ewig ein sensationelles Erlebnis für jeden uns. Doch auch unsere Tourneen mit GAMMA RAY, SERENTIY oder den WARKINGS waren erfolgreich und haben uns weiterhin motiviert. Eine Headlinertournee in Europa ist zwar noch nicht auf dem Plan, zumindest haben wir einige Festivals bestritten, zum Beispiel das "Power Quest Fest" in Birmingham, und danach noch einige Gigs zusammen mit FREEDOM CALL sowie am 7. Dezember unsere Release-Show in der "Szene" in Wien.
Photos: Nikolai Hasenhütl [Photo 1], Tamás Künsztler [Photo 2]
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| Link zur Übersichtsbox für den beteiligten Musiker:Herbert Glos | |||
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