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Es gibt Gruppen, die man auf Schritt und Tritt begleitet, deren Demos man sich bestellt, sich ├╝ber die Nachricht freut, da├č sie einen Deal unterschrieben haben, alsdann dem Debut entgegenfiebert und auch weiterhin ihre Karriere verfolgt. Gruppen, mit denen man gewisserma├čen zusammen aufw├Ąchst. Dies war f├╝r mich im Falle ELOY keinesfalls m├Âglich, denn schlie├člich gr├╝ndete Frank Bornemann jene Band als man im Hause Glas ganz stolz darauf war, da├č der Spr├Â├čling gerade "sauber" geworden war.
Die Geschichte von ELOY l├Ą├čt sich in drei Phasen aufteilen: die erste umfa├čt die Zeit von Bandgr├╝ndung bis zur ersten Aufl├Âsung nach dem Release der vier Alben ┬╗Eloy┬ź (1971), ┬╗Inside┬ź und ┬╗Floating┬ź (beide 1973), sowie ┬╗Power And The Passion┬ź (1975). Mit neuer, sich w├Ąhrend des zweiten Bandabschnitts ├Ąndernder Besetzung, wiederbelebt, ver├Âffentlichten ELOY zwischen 1976 und 1984 neun Alben [┬╗Dawn┬ź (1976), ┬╗Ocean┬ź (1977), das Doppel-Livealbum ┬╗Eloy Live┬ź (1978), ┬╗Silent Cries And Mighty Echoes┬ź (1979), ┬╗Colours┬ź (1980), das ┬╗Planets┬ź/┬╗Time To Turn┬ź-Konzeptwerk (1981 und 1982), ┬╗Performance┬ź (1983) und schlie├člich ┬╗Metromania┬ź (1984)]. Erneut trennten sich ELOY, um 1988 von Frank Bornemann zusammen mit dem Keyboarder Michael Gerlach in Duoformation ein weiteres Mal gestartet zu werden. Seither sind weitere vier Alben entstanden {┬╗Ra┬ź (1988), ┬╗Destination┬ź (1992), ┬╗The Tides Return Forever┬ź (1994) und ┬╗Ocean 2 - The Answer┬ź (1998) [ebenso sollen die beiden Compilations ┬╗Chronicles I & II┬ź nicht vergessen werden (die jedoch nicht nur eine "Best Of" darstellen, sondern die alten St├╝cke in neuen Einspielungen pr├Ąsentieren)]}.
Da├č Frank Bornemann, der schon ein Vierteljahrhundert mit der Musikszene verwachsen ist und dar├╝ber hinaus seit Jahren mit seinem eigenen Verlag neue Talente f├Ârdert, viel zu erz├Ąhlen hatte, versteht sich von selbst! So lernen wir ihn in der n├Ąchsten Minuten als einen echten Kenner der Szene, passionierten Musiker und dar├╝ber hinaus als phantasievollen, kreativen und zugleich tiefsinnigen Menschen kennen.

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Was sind f├╝r Dich die Highlights aus der "Fr├╝hphase" von ELOY?

Wenn Du unter Highlights die Zeiten verstehst, in der die Band den meisten Erfolg und die besten Plazierungen hatte, dann lagen sie zwischen 1976 und 1982. In diesem Zeitraum von sechs Jahren, was in unserer schnellebigen Zeit ganz betr├Ąchtlich ist, konnte sich die Band etablieren und damals war jedes Album in den Charts.
Das kam nat├╝rlich nicht von heute auf morgen, sondern wir hatten bereits 1969 als Nachspielband begonnen und Anfang der Siebziger probiert, unsere eigene musikalische Identit├Ąt aufzubauen. Mit den ersten Platten befanden wir uns auf dem Weg dorthin, wobei ich nicht sagen w├╝rde, da├č damals das Profil der Band schon stand. Aber man konnte schon h├Âren, da├č es sich um ELOY dreht. Wir machten jedes Jahr ein Album und gingen auf Tour, wodurch wir uns eine Basis und einen gewissen Fankreis erspielten.
Richtig aufgebrochen ist es 1976 mit dem Album ┬╗Dawn┬ź und es deutete sich an, da├č die Band es packen k├Ânnte, in Deutschland ganz nach vorne zu kommen. Genau das war immer mein Traum gewesen: Ich sagte immer, da├č es f├╝r eine Band m├Âglich sein mu├č, ohne den Blick auf England oder Amerika zu richten und dort Riesenerfolge zu feiern, es in Deutschland zu packen, was nat├╝rlich nur mit guter und eigenst├Ąndiger Musik zu schaffen ist. Das ist letztlich aufgegangen, denn wir waren die erste deutsche Band, die die Top 20 geschafft hatte. Diese musikalische Synthese aus atmosph├Ąrischen Collagen, symphonischen Elementen und rockigen Strukturen hatte damals eine enorm gro├če Akzeptanz. Man mu├č jedoch sagen, da├č die Siebziger von einer gewissen Aufbruchstimmung gepr├Ągt waren, die international schon etwas fr├╝her begonnen hatte. In England fand dieser kreative Ausbruch mit Bands wie GENESIS, JETHRO TULL, PINK FLOYD oder THE WHO schon Ende der Sechziger statt. Man machte Konzeptalben, bewegte sich weg von einfachen Rock'n'Roll Songs und versuchte, die Musik in ihren M├Âglichkeiten zu expandieren. Damals hatte der Markt und das Publikum die Toleranz und die Strukturen, um dies zuzulassen, was heute ├╝berhaupt nicht mehr m├Âglich ist, allein schon weil das Radio blockt. Man kann heute nicht versuchen, mit einer Zehnminutennummer ├╝ber die Medien eine musikalische Innovation durchzusetzen. Damals spielten die Radiostationen solche langen St├╝cke und begr├╝├čten sie als Innovation. Gruppen, die durch besondere Kreativit├Ąt und gro├čen Einfallsreichtum auffielen, wurden unterst├╝tzt. Dadurch konnte damals eine sehr kreative ├ära entstehen, von der wir, glaube ich, heute noch profitieren. Das Highlight f├╝r uns war sicher, da├č wir uns als deutsche Band, ohne international schon akzeptiert gewesen zu sein, in Deutschland durchgesetzt haben. Das war ein gro├čer Erfolg und damit haben wir, sag' ich mal, so etwas wie einen historischen Impact erworben, der uns heute gestattet, da├č wir weitermachen k├Ânnen, weil immer noch ein gro├čes Interesse existiert und es noch eine Menge Leute gibt, die uns einiges zutrauen. So haben wir die Freiheit, heute Dinge zu tun, die anderen vielleicht nicht m├Âglich sind.
In dieser Zeit von 1976 bis 1982 machten wir epische Konzeptwerke, die meist in Science Fiction- oder Fantasy-Geschichten umgesetzt wurden, die zugleich auf das aktuelle gesellschaftliche Weltgeschehen Bezug nahmen. Das hat uns damals ausgemacht und war der Kern unserer Aussage. Es gab in dieser Zeit mehrere Besetzungswechsel. Damit Du die Frage danach nicht stellen mu├čt, werde ich gleich den Grund daf├╝r erl├Ąutern. Wenn in einer Gruppe einer solch' starken kreativen Herausforderung Rechnung getragen werden soll, dann geht das nicht ohne Verschlei├č ab oder aber man entwickelt sich auseinander und geht verschiedene Wege. Wenn man nicht zu einer Zweckgemeinschaft werden soll, ist es sinnvoll, da├č man sich am geeigneten Punkt trennt. Das Weiterleben der Band h├Ąngt stark davon ab, da├č diejenigen, die die stilistische Identit├Ąt verk├Ârpern, in der Band bleiben. Bei uns war das stets so, da├č ich die Band immer weitergef├╝hrt habe, weil ich die musikalischen Akzente am st├Ąrksten gesetzt habe und zudem das Privileg hatte, der S├Ąnger der Band zu sein.

Ich hatte schon immer ein Faible daf├╝r, nach den Hintergr├╝nden eines Bandnamens zu suchen. Was ist der Background des Namens "Eloy"?

Der Name "Eloy" hat wirklich eine bestimmte Bedeutung: Er wurde aus dem Buch "Die Zeitmaschine" von H. G. Wells aufgegriffen. In dem Buch geht es darum, da├č die Hauptperson mit einer Zeitmaschine ins Jahr 802071 reist und dort eine zweigespaltene Gesellschaft antrifft. Eine Gruppe lebt nach einem nuklearen Disaster ├╝ber der Erde und die andere unter der Erde, wobei beide Gruppen auf ihre Weise degeneriert sind. Die Gruppe ├╝ber der Erde hat jegliche Alltagspflichten abgelegt und existiert einfach nur, w├Ąhrend die andere Gruppe zu Menschenfressern verkommen ist. Sie versorgen die oben lebende Gruppe, locken sie jedoch durch akustische Signale in ihre H├Âhlen und schlachten sie ab. Diese Situation trifft der Zeitreisende an und er gibt dem oben lebenden Volk, das "Eloi" hei├čt, sozusagen einen v├Âllig neuen Start. Er weckt deren Bewu├čtsein, gibt ihnen eine neue Identit├Ąt und aktiviert deren Gesellschaftsbewu├čtsein neu. "Eloi" verk├Ârpert f├╝r mich den Aufbruch vom Status Null in eine Zukunft, die einen Start f├╝r die gesamte Gesellschaft bedeuten soll. Hier genau liegt die Paralellit├Ąt, denn wir hatten damals eine schlafende deutsche Szene, in der Rockbands nur nachspielten, aber keine oder h├Âchstens sporadisch eigene Werke ver├Âffentlichten. Es mu├čte einfach etwas passieren! Ich konnte mich als Musiker nicht damit abfinden, da├č man als deutscher Musiker grunds├Ątzlich als Musiker zweiter Klasse agieren mu├čte und auch als solcher abgestempelt wurde. Ich wollte etwas bewegen, habe mich als Wegbereiter begriffen und wollte mich mit ELOY durchbei├čen. Ich habe bei dem Wort lediglich das "i" durch ein "y" getauscht, um es als Parabel zu Wells' Geschichte zu markieren.

ELOY-Bandphoto 2

Ihr habt ├╝ber 17 Jahre nach Ver├Âffentlichung, f├╝r ┬╗Ocean┬ź Gold verliehen bekommen. Wie ist es zu erkl├Ąren, da├č dies nach solch' einer langen Zeit noch passieren konnte?

Das h├Ąngt damit zusammen, da├č wir immer auf irgendeine Weise aktuell geblieben sind. Man sagt, da├č ELOY zeitlose Musik machen, was sich darin sicherlich best├Ątigt. Es gibt f├╝r einen Musiker keinen sch├Âneren Lohn, als wenn du eine Platte aufnimmst, die nicht schon nach einem halben Jahr out ist, sondern bei der man das Gef├╝hl hat, da├č die Musik ewig lebt. Man spricht bei ┬╗Ocean┬ź von einem Kultalbum. Unsere Musik ist nicht von der Stange, sondern es steckt mehr darin und so kann es auch nach vielen Jahren noch passieren, da├č man einen solchen Status erlangt. Und ich w├╝rde sogar so weit gehen, da├č ich prognostiziere, da├č ┬╗Ocean┬ź nicht das einzige vergoldete ELOY-Album bleiben wird, weil all' unsere Platten immer noch "laufen". Ich vermute aus dem Bauch heraus, da├č es ┬╗Silent Cries And Mighty Echoes┬ź als n├Ąchstes wird. Klar, sie sind soundlich in die Jahre gekommen, aber deswegen haben wir ┬╗Chronicles┬ź gemacht, weil ich die St├╝cke f├╝r tolles Material halte. Also haben wir die St├╝cke mit den Instrumenten und dem Equipment von damals neu eingespielt, aber mit den Aufnahmem├Âglichkeiten von heute. Damals gab es eben noch nicht die gigantischen soundlichen Mittel heutiger Tage, so da├č ein Kontrast entsteht wie zwischen einem Schwarz-Wei├č-Film gegen├╝ber einem Cinemascope. Auch wenn wir, was heute ungeheuer beliebt ist, die alten Aufnahmen auf CD remastert h├Ątten, dann h├Ątte z. B. die Snare immer noch geklungen, wie wenn ein Wellensittich kotzt. Und so besteht auch ein gewaltiger Unterschied zwischen ┬╗Chronicles┬ź und den Originalaufnahmen.

Ich war von der Geschichte zu ┬╗Planets┬ź/┬╗Time To Turn┬ź sehr beeindruckt. Es geht darin um einen paradisischen Planeten namens "Salta", dessen Bewohner, die Ikareer, im Goldenen Zeitalter leben. Der Prolog zu ┬╗Planets┬ź/┬╗Time To Turn┬ź beschreibt den Niedergang von Salta und seinen Bewohnern, die Kriege entfachen und den Planeten immer mehr ausbeuten und zerst├Âren. In diesem entstandenen Chaos wird Ion, die Hauptfigur von ┬╗Planets┬ź/┬╗Time To Turn┬ź, quasi als Hoffnungstr├Ąger geboren. Ihr zeichnet dabei ganz unzweifelhaft eine Parabel zur Geschichte der Erde!

Richtig, "Salta" ist einfach das Wort "Atlas" r├╝ckw├Ąrts gelesen. Die Geschichte von ┬╗Planets┬ź/┬╗Time To Turn┬ź ist mittlerweile ├╝ber eineinhalb Jahrzehnte alt und damals sah die Welt noch etwas anders aus als heute. Jedoch denke ich, da├č wir mit dieser Beschreibung der aktuellen Realit├Ąt sehr nahe gekommen sind. Es zeichnete sich schon damals ab, da├č wir einmal in einem ├Âkologischen Gau oder einer gesellschaftlichen Sackgasse enden w├╝rden und es gab gewisse Endzeitgef├╝hle. Damals waren sicher die Chancen, den Lenker rumzurei├čen, noch besser, weshalb die Geschichte gegen Ende einen positiven Unterton und eine ebensolche Aufl├Âsung erh├Ąlt. Heute wird vielerorts bezweifelt, ob diese Wendung ├╝berhaupt noch m├Âglich ist, selbst wenn wir es wollten. ┬╗Planets┬ź/┬╗Time To Turn┬ź war f├╝r mich damals ein Album, das gemacht werden mu├čte, weil die Band immer den Zeitgeist reflektieren wollte. Ich war der Meinung, da├č dazu eine ganz konsequente Aussage n├Âtig sei. Jedoch kann man als Band nicht nur ├╝ber Katastrophen und gesellschaftliche Disaster sprechen, sondern man mu├č auch unterhalten. Daher war mein Ansatz gewesen, eine m├Âglichst interessante Geschichte zu bringen, die aber f├╝r jeden sofort dahingehend identifizierbar ist, da├č wir dabei ├╝ber jene Dinge sprachen, die zur damaligen Zeit auf unserem Planeten passierten. Diese Geschichte sollte musikalisch umgesetzt werden und so ist ┬╗Planets┬ź/┬╗Time To Turn┬ź entstanden, ein Album, welches heute noch G├╝ltigkeit hat.

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Kommen wir nun zur "Neuzeit" von ELOY! Wie kam es 1988 zur zweiten ELOY-Reunion?

Solche Splits sind mir in bezeichnender Weise mehrfach passiert. Zum ersten Mal passierte es Ende 1975, als sich die Band, wie ich bereits erl├Ąutert habe, eine gewisse Akzeptanz erspielt hatte und kurz vor dem Durchbruch stand, wie ich es damals empfunden hatte. Um es richtig zu packen, wollten wir uns einen Manager nehmen, aber dieser Manager hat genau das Gegenteil bewirkt: Er hat die Band auseinandergenommen. Ich hatte pers├Ânlich einen Disput mit dem Manager. Er hatte sich die Band unter den Nagel gerissen und weil er viel Geld hatte, konnte er es sich leisten, sich sozusagen "ein paar Musiker zu halten". Ich wollte mir jedoch meine ├ťberzeugung, meine Ideale nicht abkaufen lassen, zumal ich derjenige war, der die musikalische Vision von ELOY hatte. Der Gesch├Ąftsf├╝hrer unserer damaligen Plattenfirma setzte gro├čes Vertrauen in mich und gab mir die Chance, die Band neu aufzubauen, obwohl er ebenso die anderen vier Musiker mit dem Manager h├Ątte nehmen k├Ânnen.
Also kam ich mit einer neuen Band wieder, die sich immerhin bis Ende 1979 gehalten hat. Zu diesem Zeitpunkt stellte ich zusammen mit Matze (der Spitzname von Basser Klaus-Peter Matziol - Red.), der heute wieder mit uns auf der B├╝hne steht, ein neues Line-up zusammen. Wir hatten damals zwei ganz gro├če Positionen zu besetzen, denn Drummer J├╝rgen Rosenthal war immerhin auch unser Texter, der sowohl ┬╗Ocean┬ź als auch ┬╗Silent Cries And Mighty Echoes┬ź getextet hatte. Au├čerdem hatten wir mit Detlev Schmidtchen einen Keyboarder zu ersetzen, der in der Musikszene verdammt starke Aktien hatte. Daher war ein Neustart f├╝r uns sehr anstrengend gewesen, so da├č wir uns mit drei statt mit zwei Leuten verst├Ąrkten. Dadurch wurde ELOY zum Quintett, was mir gr├Â├čere Freiheiten bescherte. Auch dieses Quintett war sehr erfolgreich, brach aber Ende 1984 komplett auseinander, nicht etwa weil wir uns zerstritten hatten, sondern weil wir einfach verschlissen waren. Wenn man sich ewig unter einen solchen Druck setzt, sich solche Ziele steckt und sich so fordert, wie das bei ELOY immer der Fall gewesen war, dann l├Ą├čt man Federn. Hinzu kam noch, da├č die Band in ihrem Konzept durch mich definiert wurde und daher f├╝r die anderen Musiker nur ein gewisser Spielraum ├╝brig blieb, der sich mit dem Konzept vertragen mu├čte. Au├čerdem hatten wir einen Plattenvertrag, der uns dazu verpflichtete, jedes Jahr eine neue Platte zu ver├Âffentlichen und zu touren, so da├č starke Musikerpers├Ânlichkeiten irgendwann auf die Idee kommen, da├č sie auch mal etwas anderes probieren wollten. Das ist genau 1984 eingetreten; also gingen wir lieber rechtzeitig in Frieden auseinander, statt uns zu streiten. Da zudem gerade der Plattenvertrag ausgelaufen war, wollte ich ELOY beenden, zumal ich die Idee hatte, mein eigenes Studio, das HORUS STUDIO aufzubauen und mich als Produzent verdingen wollte.
Dennoch hatte ich noch ein paar Songs rumliegen und irgendwann traf ich Michael Gerlach, mit dem ich derma├čen gut harmonierte, da├č ich ihm vorschlug, zusammen Musik zu machen, ohne zu diesem Zeitpunkt schon an ELOY zu denken. Also haben wir zusammen experimentiert - ohne Band, was nat├╝rlich nur durch die moderne Technologie m├Âglich gewesen war. Der Grund, da├č ELOY ├╝berleben konnte, lag darin, da├č wir unsere Song-Lay-outs ohne andere Musiker machen konnten. Wir waren beide Produzenten und 1988 erschien ┬╗Ra┬ź eigentlich nur aus Spa├č. Pl├Âtzlich ging das Album in die Charts und wir konnten auf diesen Erfolg nicht reagieren. Wir konnten nicht live spielen, wir konnten keine ├ľffentlichkeitsarbeit betreiben, weil wir in unseren anderen Aktivit├Ąten gebunden waren.
Diese Akzeptanz hat uns derma├čen motiviert, da├č wir beschlossen weiterzumachen, weil uns die Sache nat├╝rlich auch gro├čen Spa├č machte. Jedoch konnten wir nicht so schnell einsteigen, weil wir sackweise andere Verpflichtungen hatten, so da├č es bis 1992 dauerte, bis wir wieder ein Album zusammen hatten. Also erschien ┬╗Destination┬ź, das aufzeigte, da├č ich in diesen vier Jahren viel Heavy Metal und Hard Rock gemacht hatte, was sich auf das Album reflektierte, so da├č wir vergleichsweise sehr modern wurden. Dann folgte das ┬╗Chronicles┬ź-Projekt, das uns wieder an das erinnerte, was wir mal gemacht hatte. Obwohl ┬╗Destination┬ź ein gutes Album ist, waren wir auf halbem Wege, uns zu verlaufen, weil auf ┬╗Destination┬ź vieles, was ELOY fr├╝her ausgemacht hatte, ein wenig aufgegeben wurde, etwas versandete. Durch ┬╗Chronicles┬ź trat auch Matze wieder in unser Blickfeld und es hat derma├čen Bock gemacht, mit dem Mann zu arbeiten, da├č wir uns fragten, wie wir jemals mit einem anderen Bassisten arbeiten konnten. Wir fragten ihn, ob er wieder fest einsteigen wolle und Matze sagte zu. Da Matze stark im Konzertgesch├Ąft involviert ist, brachte er die Idee auf, da├č wir zum Jubil├Ąum wieder auf die B├╝hne gehen sollten und nahm die ganze Organisation in seine H├Ąnde. Zu dritt konnten wir zwar im Studio problemlos arbeiten, aber f├╝r die Konzerte brauchten wir nat├╝rlich ein komplettes Line-up. Deswegen hatte ich zun├Ąchst unseren alten Drummer Fritz Randow angerufen, weil ich dachte, da├č ihm der Stuhl zusteht, aber er hatte gerade bei dem Schlagzeughersteller PEARL einen Job angenommen, so da├č er verhindert war. Nun ja, ich hatte schon immer eine Riesenlust versp├╝rt, mit Bodo Schopf zusammenzuspielen, was sich bis dato aber noch nicht ergeben hatte. Er f├╝hlte sich f├╝r die Aufgabe herausgefordert, weil er wu├čte, da├č er sich bei uns kreativ ausleben kann und so haben wir einen fantastischen Schlagzeuger bekommen. Wir h├Ątten nat├╝rlich auch zu viert die Sache anpacken k├Ânnen, aber nur mit Abstrichen. Also ben├Âtigten wir jemanden, der Gitarre und Keyboards spielt und vielleicht sogar noch ein wenig singt. So kamen wir auf Steve Mann, den ich durch die Studioarbeit kannte und der zugleich zu M.S.G.-Zeiten ein Kollege von Bodo gewesen war. Er war sowohl musikalisch als auch menschlich genau der Mann, den wir in der Band haben wollten. Beim Gesang mu├čten wir dann feststellen, da├č wir auf den letzten Alben mit Stimmenoverdubs ohne Ende gearbeitet hatten, weil ich nicht im Traum daran gedacht h├Ątte, die Sache nochmal live umsetzen zu m├╝ssen. Da kam uns die Idee, Backings├Ąngerinnen zu nehmen und so traten Susanne Sch├Ątzle und Bettina Lux in unser Leben. Die beiden klangen zusammen so toll, da├č wir die anf├Ąnglichen Versuche, mich zusammen mit den anderen m├Ąnnlichen Musikern singen zu lassen, sofort aufgaben, da ich erstaunlicherweise mit den beiden M├Ądels zusammen besser klang.

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War der Titel ┬╗The Tides Return Forever┬ź eine Metapher f├╝r die stetig wiederkehrende Band ELOY?

In gewisser Weise schon, wobei ich dies mehr auf die Musik bezogen hatte. Als ich h├Ârte, wie die Musik ausfallen w├╝rde, hatte ich das Gef├╝hl, da├č wir wieder da sind, wo wir einmal gestanden haben - mit den erw├Ąhnten zeitlichen Updates. Weil ich das so empfand, sollte ein Titel gefunden werden, der dazu Bezug nimmt!

Auf ┬╗The Tides Return Forever┬ź befinden sich mit ÔÇ║Fatal IllusionsÔÇ╣ und ÔÇ║The Last In LineÔÇ╣ bedr├╝ckende zeitkritische Statements. Sind wir wirklich am Ende des Stammbaums angelangt oder wird es doch noch eine ÔÇ║Generation Of InnocenceÔÇ╣ geben, die eine bessere Lebensauffassung haben wird, auf die Natur R├╝cksicht nehmen wird, so da├č ein neues Goldenes Zeitalter erm├Âglicht wird?

Ich denke, da├č es eine einzige Chance g├Ąbe, wenn eine zuk├╝nftige Generation es schafft, dieses ganze Erbe, diesen ganzen M├╝ll konsequent abzulegen und einen neuen Schritt zu machen. Ob es diese Chance wirklich gibt, wei├č' ich nicht; dran glauben m├Âchte ich gerne. Man ist immer zwischen Wunschdenken und Wahrscheinlichkeitsrechnung hin und her gerissen. Das schwingt sicher in meinen Texten mit. In ÔÇ║Generation Of InnocenceÔÇ╣ spreche ich die Generation an, die jetzt kommt, die nichts f├╝r die aktuelle Situation kann und der ich nur zurufen m├Âchte, "Um Gottes Willen! Packt's an, denn wir kriegen's nicht mehr aus dem Quark. Dazu ist meine Generation viel zu verfilzt, viel zu infiziert von diesen alten Werten."

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Was fasziniert Dich so sehr an Jeanne d'Arc? Schlie├člich drehen sich zwei Deiner aufwendigsten Werke der ELOY-Neuzeit ÔÇ║Jeanne d'ArcÔÇ╣ und ÔÇ║Company Of AngelsÔÇ╣ komplett um ihre Person.

Ich versp├╝re ein sehr starkes Gef├╝hl f├╝r die historische Person Jeanne d'Arc, denn ich denke, da├č sie in der Weltgeschichte einmalig ist. Wenn man bedenkt, da├č sie nur 19 Jahre alt geworden ist und mit welcher ├ťberzeugung und konsequenten Haltung sie ihren Weg gegangen ist, dann ist das f├╝r unsere heutige Generation ein unvorstellbarer Vorgang, den man sich von einem modernen Menschen nicht vorstellen kann. Einen solchen Weg kann man nur gehen, wenn man durch und durch von etwas ├╝berzeugt ist, wenn man eine sehr, sehr spirituelle und religi├Âse Einstellung hat. Man kann mit allem pokern, aber nicht mit dem eigenen Leben und da├č ihr Einsatz so weit gegangen ist, hat mich v├Âllig fasziniert. So sehr, da├č ich nach dem Song ÔÇ║Jeanne d'ArcÔÇ╣ das Gef├╝hl hatte, meine Hausaufgaben noch nicht anst├Ąndig gemacht zu haben. Daher mu├čte ÔÇ║Company Of AngelsÔÇ╣ entstehen, weil die Sache f├╝r mich noch nicht erledigt war. Ich wollte ein richtiges Requiem f├╝r Jeanne d'Arc schreiben und hatte mir ├╝berlegt, die Story nicht aus der Sicht eines Erz├Ąhlers zu schildern, sondern ihre Gef├Ąhrten und ihre Armeen in den Mittelpunkt zu stellen. Ich mu├čte dieses Werk einfach schreiben und machte mir selbst die Auflage, dieses St├╝ck in einer angemessenen Weise umzusetzen. Daher stellte ich es in den Mittelpunkt meiner Arbeit f├╝r ┬╗The Tides Return Forever┬ź. Jetzt habe ich das Gef├╝hl, als sei die Arbeit so einigerma├čen bew├Ąltigt und da├č ich meiner selbstgestellten Aufgabe ein bi├čchen gerecht geworden bin. Wenn ich ein wenig dazu beigetragen habe, wieder an Jeanne d'Arc zu erinnern, dann hat sich diese Anstrengung auch von der moralischen Seite her gelohnt. In diesem Fall kann man die musikalische und die ideelle Herausforderung nicht voneinander trennen, denn dieses Werk geht ein ganzes St├╝ck weiter als die Musik, die ich sonst mache, bedeutet eine v├Âllig andere Dimension f├╝r mich.

Woher kriegst Du die genialen Gastmusiker, die auf Euren Platten mitwirken? Allen voran m├Âchte ich da nach Miriam Stockley fragen, die in ÔÇ║Company Of AngelsÔÇ╣ Jeanne d'Arc singt. Wenn ein Engel eine Stimme hat, dann mu├č sie so klingen wie die von Miriam!

Ich fang' mal mit Jocely B. Smith an, die den ÔÇ║The Tides Return ForeverÔÇ╣-Inferno singt. Ich hatte ein Vision davon, wie dieser Part klingen sollte und ich sprach Jocely an, weil ich wu├čte, da├č sie das singen kann. Bei ÔÇ║Company Of AngelsÔÇ╣ war es viel anstrengender. Ich wollte dieser 19j├Ąhrigen Jeanne d'Arc eine Stimme verleihen, ohne da├č man heute wei├č, wie sie ausgesehen hat, da es nicht mal ein Gem├Ąlde gibt, das sie zeigt. Wir hatten viele S├Ąngerinnen im Studio, die fantastisch singen konnten, aber eine klang zu alt, die andere zu ausgebildet, die n├Ąchste hatte nicht diesen jugendlichen, naiven Charme; wenn sie die Spiritualit├Ąt hatten, dann waren sie zu theatralisch. Ich bin schier verr├╝ckt geworden! Da kam Peter Beckett zu mir und sagte mir, da├č es in London eine S├Ąngerin gibt, die das singen kann, was ich mir vorstelle: Miriam Stockley. Leider Gottes war sie zur der Zeit die gefragteste S├Ąngerin in ganz London und so war es unglaublich schwer, ├╝berhaupt Kontakt zu ihr zu kn├╝pfen. Peter hat den Part mit Miriam aufgenommen und hat sie regelrecht darauf getrimmt, so zu klingen, wie man sie in ÔÇ║Company Of AngelsÔÇ╣ h├Âren kann, denn Miriam ist eine S├Ąngerin, die superb in eine Rolle reinschl├╝pfen kann. Wir hatten mit wirklich gro├čen S├Ąngerinnen gearbeitet, aber sie waren's einfach nicht. Ich suchte nach dieser einzigen Frau auf diesem Planeten, die Jeanne d'Arc f├╝r einige Sekunden wieder eine Stimme gibt. Ich konnte da nicht eine beliebige Stimme reinklatschen. Damit h├Ątte ich meinen ganzen Anspruch ad absurdum gef├╝hrt. Ich h├Ątte ein Sakrileg begangen, wenn ich Jeanne d'Arcs Stimme nicht angemessen umgesetzt h├Ątte! Lieber h├Ątte ich den ganzen Part gestrichen!

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H├Ąttest Du Dir bei Bandgr├╝ndung tr├Ąumen lassen, da├č Du 25 Jahre sp├Ąter immer noch mit ELOY aktiv sein w├╝rdest?

Ich h├Ątte mir das in keinster Weise vorgestellt! Ich hatte eher gedacht, da├č ich ein paar Jahre Musik machen w├╝rde und dann der Traum vorbei w├Ąre und f├╝r mich das Erwachsenenleben beginnen w├╝rde. Doch ich wurde von der Wirklichkeit eingeholt. Ich mu├čte feststellen, da├č man Musik nicht zeitlich begrenzen kann. Man kann nicht aufh├Âren, kreativ zu sein! Vor allem dann, wenn Du Dich immer wieder an Deinen eigenen Ideen berauschst. Wenn Du eine tolle Idee hast, dann kannst Du sie nicht einfach in die Ecke schmei├čen, sondern Du wirst darauf zugehen, auch wenn es Arbeit bedeutet, auch wenn es Kraft kostet!

Kreativit├Ąt ist also eine Droge f├╝r Dich!

Ja, kann man sagen. Wenn ich mal eine Pause mache, dann nur, weil mir der ganze Alltagsstre├č ├╝ber den Hut geht, so da├č ich mich mal davon l├Âsen mu├č. Aber ich komme immer wieder zu dem Punkt zur├╝ck, da├č ich wieder aktiv werden mu├č!

Es gibt rein anatomisch gesehen das Problem, da├č der Stimmapparat mit zunehmendem Alter immer weniger flexibel wird. Ebenso hast Du in den letzten Jahren sicher nicht wie ein junger Musiker jeden Tag stundenlang mit der Gitarre ge├╝bt. Gibt es f├╝r Dich stimmliche Probleme oder aber sind hier und da Deine Fingerfertigkeiten etwas eingerostet gewesen?

Gott sei Dank nie! Dazu mu├č man auch sagen, da├č ich kein solcher Gesangsvirtuose bin, der st├Ąndig in h├Âchsten H├Âhen rumkreischt und seine Stimme bis zum ├äu├čersten strapaziert. Dann m├╝├čte ich nat├╝rlich h├Âllisch trainiert sein. F├╝r die Sachen, die ich singe, brauche ich das nicht. Im Gegenteil, manchmal habe ich nach Phasen, in denen ich l├Ąnger nicht gesungen hatte, festgestellt, da├č es dann sogar viel besser l├Ąuft. Zum Teil ist es sogar der Fall, da├č ich heute Sachen schaffe, die ich fr├╝her nie konnte. Gitarre spiele ich zu Hause immer wieder. Zwar sicher nicht so ernsthaft, aber doch gen├╝gend, um nicht einzurosten.

Ich stelle mir gerade bildlich vor, wie ein Frank Bornemann, der nach zehn Jahren wieder auf die B├╝hne gehen will, seine Plattensammlung durchst├Âbert und sich seinen eigenen Part wieder von seinen alten Platten raush├Âren mu├č. Was f├╝r ein Gef├╝hl ist das?

Das ist ein verr├╝cktes Gef├╝hl! Man wei├č zwar im Grunde noch, wie der Song ging, aber pl├Âtzlich stellt man fest, da├č man L├╝cken hat. Das gilt besonders f├╝r die Soli. Gerade z. B. bei ÔÇ║Poseidon's CreationÔÇ╣, das ich wirklich unglaublich oft gespielt habe, mu├čte ich mir das Solo wieder raush├Âren. Das ist in der Tat eine putzige Geschichte! Auf der anderen Seite habe ich mir schon ├╝berlegt, hier und da ein anderes Solo zu entwickeln, das vielleicht sogar besser w├Ąre als das Original. Dennoch habe ich das unterlassen, weil ich glaube, da├č die Leute das gar nicht wollen. Man sollte einen Song in seiner Authentizit├Ąt belassen und daher haue ich mir die Sachen wieder drauf, wie sie damals waren. Was ich Neues zu sagen habe, setze ich in neuen Songs um!

Mit Deinem Verlag METROMANIA und mit Deiner Arbeit als Produzent hattest Du Dich nach dem ELOY-Split von 1984 ganz eindeutig auf Hard Rock- und Heavy Metal-Bands spezialisiert, obwohl ELOY sicherlich nie als eine solche zu bezeichnen waren.

Es ging mir einfach um handgemachte Musik. Es war auch damals schon ein Trend zu erkennen, da├č viel mit Computern gearbeitet wurde, da├č vieles aus der Retorte stammte. Die letzte Bastion des Rock'n'Roll war Heavy Metal und Hard Rock. Also habe ich mich dort am ehesten zu Hause gef├╝hlt und mich dort engagiert. Zudem hatte ich gewisse Ber├╝hrungspunkte mit dieser Musik, da ich fr├╝her schon die SCORPIONS und FARGO, aus denen dann VICTORY wurden, produziert hatte.

Wenn man heute ├╝ber die Rockszene der Siebziger spricht, so kommt grunds├Ątzlich das Stichwort "Drogen" auf's Tablett. Was kannst Du als Musiker, der selbst schon in den Siebzigern aktiv war, zu diesem Thema sagen?

Ich m├Âchte mal den Musiker aus den Siebzigern sehen, der keine Drogenerfahrung hatte... Die Siebziger-Jahre-Droge kennt jeder: Damals hat jeder Haschisch geraucht und wir nat├╝rlich auch. Jede Zeit hat ihre Begleiterscheinungen und r├╝ckblickend mu├č ich sagen, da├č "unsere" Droge sicher unbedenklicher war, als jene Mittel, die heute aktuell sind. Jedoch mu├č ich betonen, da├č ich selbst kein gutes Verh├Ąltnis zu Drogen habe. Ich lehne Drogen ab, weil sie dich ver├Ąndern und davon halte ich nichts. Ich denke, man kommt seinem eigenen Kern am n├Ąchsten, wenn man sich von solchen Dingen komplett l├Âst. Man wird reifer und wir gehen heute andere Wege! Wobei ich sagen mu├č, da├č eine der schlimmsten Drogen ohne Frage der Alkohol ist - und zwar auch in der Musikbranche. Man redet vom Haschischrauchen und wei├č der Teufel was noch, aber den Alkohol hat man immer ignoriert und untersch├Ątzt. Das Zeug hat einen Joe Cocker fast ruiniert; bei Janis Joplin hat man vom Fixen gesprochen, aber da├č sie Alkoholikerin war, davon hat man nie geredet. Alkohol ist eine wirklich kreuzgef├Ąhrliche Drogen; meiner Erfahrung nach die gef├Ąhrlichste, mit der ich je konfrontiert wurde. Ich bin seit ├╝ber zwanzig Jahren im Musikbusiness und habe nie einen Musiker kennengelernt, der an der Nadel hing, aber ich kenne ungeheuer viele, die Alkoholprobleme haben.

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Auf ┬╗Ocean 2 - The Answer┬ź habt Ihr einen kleinen Wink in die Siebziger-Kiffer-Richtung getan: Auf dem Sticker mit den Tourdates auf der CD-Box schimmert ein Hanfsymbol durch...

Die Idee stammte von der Plattenfirma und mir war's recht gewesen, den Gag f├╝r eine CD-Auflage zu bringen, obwohl meine Kiffertage schon sehr lange vorbei sind.

Was hat Dich dazu bewogen, f├╝r ein solches Kultalbum wie ┬╗Ocean┬ź einen zweiten Teil in Angriff zu nehmen?

Es war die f├╝r mich sehr ├╝berraschende, starke Resonanz auf die Band auch heute noch: Nach der Anniversary-Tour beschlossen wir, die Band im Internet zu pr├Ąsentieren. Vor dem Internet-Zeitalter war es f├╝r mich ├╝berhaupt nicht erkennbar, was beispielsweise im Ausland in Sachen ELOY-Anh├Ąngerschaft passiert ist. Ich fand pl├Âtzlich heraus, da├č es beispielsweise in Los Angeles einen ELOY-Fanclub gibt - obwohl unsere Platten in Amerika niemals ver├Âffentlicht wurden. Von dieser weltweiten Anerkennung war ich sehr ber├╝hrt.
Der Wunsch ┬╗Ocean┬ź fortzusetzen, existiert schon sehr lange, doch die konkrete Idee, es wirklich zu probieren, kam zum ersten Mal bei einem Besuch in Frankreich auf: Ich war mehrfach in Orleans, da ich von der Stadt den Auftrag erhalten hatte, eine Jeanne d'Arc-Hymne zu komponieren.
Damals traf ich mit dem dortigen franz├Âsischen ELOY-Fanclub zusammen, die erneut den Wunsch nach einer ┬╗Ocean┬ź-Fortsetzung an mich herantrugen. Eigentlich wollte ich mich an ┬╗Ocean┬ź nicht rantrauen, weil es ein sehr spezielles und kultiges Album ist. Zudem ist es gef├Ąhrlich, ein Follow-up zu machen, wenn man nicht eine spezielle Vision hat. Ich mu├č ganz offen sagen, da├č ich immer einen Bogen um das Album gemacht habe. Das ┬╗Ocean┬ź-Textkonzept stammte von unserem Trommler J├╝rgen Rosenthal und wir hatten damals eine handfeste Kontroverse deswegen, weil ich prinzipiell gegen d├╝stere Szenarien war.
Also habe ich mich in diese Materie vertieft und dabei gemerkt, da├č ich inhaltlich zu dem Thema etwas neues beitragen kann. Der eigentliche Reiz lag f├╝r mich darin, da├č die Zeit 20 Jahre weitergegangen war, so da├č ich mit einem ganz anderen Blickwinkel und Lebenserfahrung auf die Thematik zur├╝ckkommen konnte. Es sollte auf keinen Fall esoterisch-spinnert ausfallen, sondern eine ganz pers├Ânliche Aussage haben. Daher habe ich ├╝ber vier Monate an den Texte gearbeitet und f├╝r ┬╗Ocean 2 - The Answer┬ź ein positives Konzept entwickelt, das sich ebenfalls mit den Fragen der Gesellschaft und des Seins auseinandersetzt, habe aber eine v├Âllig andere Aufl├Âsung gefunden: W├Ąhrend J├╝rgens Konzept in der Apokalypse, dem totalen Untergang gipfelt, endet mein Konzept mit der Textzeile "The Day Of Revelation", einem positiven Finale.
Au├čerdem wollte ich musikalisch einen deutlichen Akzent setzen: ┬╗Ocean 2 - The Answer┬ź sollte zwar produktionstechnisch modern ausfallen, jedoch aufgrund der epischen, konzertanten Songstrukturen nicht besonders modern sein. Es sollte einfach zug├Ąnglicher arrangiert werden, so da├č man schneller in dem Film drin sein w├╝rde.
Wichtig war zudem, da├č ich mit Matze einen starken Partner an der Seite hatte, der die erste ┬╗Ocean┬ź mitgemacht hatte. Au├čerdem hatten wir eine Band zusammen, mit der es m├Âglich war, den gleichen kreativen Spirit zu erlangen wie damals. ┬╗Ocean 2 - The Answer┬ź war ein Experiment und eine unheimliche Herausforderung.
Beide Alben unterscheiden sich also deutlich; trotzdem passen beide ┬╗Oceans┬ź zusammen - sie sind wie Yin und Yang.

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Dennoch ist ┬╗Ocean 2 - The Answer┬ź nicht so eing├Ąngig ausgefallen wie ┬╗The Tides Return Forever┬ź.

┬╗The Tides Return Forever┬ź ist zweifelsohne das leichtere Album und strenggenommen auch das modernere. F├╝r einen Nicht-ELOY-Fan ist es selbstverst├Ąndlich das einfacher zug├Ąngliche Album. ┬╗Ocean 2 - The Answer┬ź ist das speziellere Album der beiden, aber das w├Ąre schlimm, wenn dies nicht so w├Ąre. Schlie├člich stach auch ┬╗Ocean┬ź mit nur vier Nummern und dem extrem komplexen Konzept aus unserer Discographie heraus.

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Die Tour zu ┬╗Ocean 2 - The Answer┬ź habt Ihr gigantisch aufgezogen, aber dennoch kein Livealbum bzw. -video dazu ver├Âffentlicht.

Eine Tour in diesem Stil kostet immer ein Verm├Âgen und man kann froh sein, wenn man mit einen blauen Auge rauskommt. Zudem wu├čten wir nicht, wie die Tour laufen w├╝rde und wir hatten erwartungsgem├Ą├č viele technische Schwierigkeiten. Ich mache ein Livealbum gerne, wenn ich wei├č, da├č die Band gut eingespielt ist und alles rundherum funktioniert. Ich hatte im Hinterkopf, einen ├ť-Wagen zu bestellen, aber wir sind davon ausgegangen, da├č es einen zweiten Teil der Tour geben w├╝rde, was leider nicht geklappt hat. Au├čerdem h├Ątte ich gerne einige Gastmusiker wie Steve Mann dabeigehabt.

ELOY-Bandphoto 10

Der Boxweltmeister Torsten May hat den Chor aus ÔÇ║The AnswerÔÇ╣ als Einmarschhymne verwendet.

Das kam ├╝ber Klaus Grundmann, den Marketingbetreuer von Thorsten May zustande: Klaus Grundmann leitet IP MULTIMEDIA, die Marketingfirma von BERTELSMANN und RTL, und betreut somit die Box-Events oder auch die Formel 1-Rennen. Au├čerdem ist er ein alter ELOY-Fan und so kam die Sache ins Rollen.

EMI hat gerade ┬╗Inside┬ź, ┬╗Floating┬ź und ┬╗Power And The Passion┬ź wiederver├Âffentlicht.

Das sind jetzt endlich mal amtliche Re-Releases. Sie klingen relativ gut und die Booklets sind liebevoll gemacht. Von ┬╗Power And The Passion┬ź habe ich selbst ÔÇ║The Bells Of Notre DameÔÇ╣ neu gemischt - das hat richtig Spa├č gemacht, die alten B├Ąnder durchzuh├Âren und endlich klingt der Song so, wie ich ihn immer wollte.

Etwas obskurer war hingegen die "M├╝lleimer-Verpackung", in der die erste ELOY-Scheibe vor einigen Jahren erschien...

Von dieser Wiederver├Âffentlichung wu├čte ich nichts. Ich mag das Album ohnehin nicht und denke, da├č es f├╝r ELOY nicht relevant ist. Wenn der M├╝lleimer einigen Leuten Freude bereitet hat - bitte sch├Ân. Musikalisch war das erste Album Kraut und R├╝ben und es gab keine klare Linie. F├╝r mich f├Ąngt die Band mit der n├Ąchsten Besetzung und ┬╗Inside┬ź an.

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Wie wird es nun in Sachen ELOY weitergehen?

Ich mu├č gestehen, da├č ich momentan einen kleinen Burn-out-Effekt haben, was nach einem solchen Album wie ┬╗Ocean 2 - The Answer┬ź wahrscheinlich normal ist. Au├čerdem sind wir alle mit unseren anderen Projekten stark besch├Ąftigt. Wenn es nochmal ein ELOY-Album geben wird, dann wird es sicherlich anders sein als alle anderen - und ich sage dieses "wenn" ganz bewu├čt, da ich wirklich nicht wei├č, ob von ELOY nochmal etwas kommen wird.
Ich werde mich in n├Ąchster Zeit auf das Business konzentrieren. Ich habe in letzter Zeit viel im Studio gemacht und mu├č mich nat├╝rlich um GUANO APES und EAT NO FISH k├╝mmern, die bei uns einen Verlagsdeal haben. Ich habe einen Produzentenverband gegr├╝ndet und m├Âchte in Zukunft die Musikszene etwas beleben. Daher will ich unser Artists-Development verst├Ąrken und m├Âchte in dieser Musikszene, in der es nur noch darum geht, schnell erfolgreich zu sein, etwas positives bewirken. Business und Musikmachen sollte sich einfach wieder besser miteinander vertragen, denn dieses Verh├Ąltnis ist in letzter Zeit immer schlimmer geworden.
Die Industrie braucht sich nicht zu wundern und zu jammern, da├č der Markt immer rezessiver wird und dann schlie├čen sich wieder zwei Giganten aus Angst, ihnen k├Ânnte zu viel Repertoire wegbrechen, zusammen, nur damit sie wenigstens kosmetisch ihre Majorit├Ąt behalten. Die sollten sich stattdessen Gedanken machen, warum das so ist! Ich glaube, man denkt viel zu wenig dr├╝ber nach, was man den Leuten vorsetzt. Wenn man den Musikgeschmack des Konsumenten durch gezielte schlechte Repertoirepolitik und furchtbares Signing so degeneriert, da├č er sich nicht mehr ernsthaft f├╝r Musik interessiert, darf man sich nicht wundern, da├č er sich irgendwann mit seichtem Gepl├Ątschere zufriedengibt.
Wir m├╝ssen wieder charismatische Profilk├╝nstler kriegen, die eine langfristige Perspektive haben. Und im Moment geht alles ex und hopp - oder glaubst Du ernsthaft, da├č eine der heutigen Eintagsw├╝rste in zehn Jahren ein Stadion f├╝llen wird? Wenn die Dinosaurier mal abdanken, wenn Phil Collins aufh├Ârt und die mittlerweile sechszigj├Ąhrige Tina Turner keine Platten mehr serviert - na dann Halleluja, dann k├Ânnen wir einpacken. Wer soll sie denn f├╝llen? Puff Daddy etwa? Das kann man sich doch aus dem Kopf schlagen! Aber auf solches Rap- und Hip-Hop-Geblubber st├╝rzt sich die Industrie. Damit kann ich ├╝berhaupt nichts anfangen, weil es in meinen Augen nichts mit Musik zu tun hat. Im Hintergrund rasseln irgendwelche Maschinen und Computer und alles h├Ârt sich gleich an. Sowas pusht die Industrie bis der Arzt kommt - glauben die ernsthaft, da├č sich in f├╝nf Jahren irgendjemand das noch anh├Ârt? Da bleiben vielleicht FANTA 4 als Kultclub ├╝brig und die Myriaden von Eintagsfliegen werden verschwunden sein.
Aber Profilk├╝nstler m├╝ssen nachwachsen und gef├Ârdert werden und man darf nicht rumkreischen, wo die erste Single ist und welches Video auf VIVA gespielt werden kann. Wenn ich mir dieses Bettn├Ąsser-Programm auf VIVA anschaue, diese Hohlrotation... Und VIVA 2 wird auch immer schlechter! Da mu├č etwas passieren, da mu├č gearbeitet und dagegengehalten werden! Das d├╝rfen wir nicht so hinnehmen. Wenn die Bands sich n├Ąmlich gefrustet in ihren b├╝rgerlichen Beruf zur├╝ckziehen, verlieren wir alle Talente, die wir haben. Dann k├Ânnen wir Stefan Raab machen lassen und sind endg├╝ltig auf dem "wattehattedudennda"-Niveau.

http://www.eloy.de/

eloy@bigfoot.de

Vorbereitung:
Thomas Mitschang + Stefan Glas

Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Stefan Glas

ELOY im ├ťberblick:
ELOY – The Tides Return Forever (Re-Release)
ELOY – Timeless Passages (Rundling)
ELOY – Visionary (Rundling)
ELOY – ONLINE EMPIRE 3-Interview
ELOY – ONLINE EMPIRE 46-"Eye 2 I"-Artikel: ┬╗The Legacy Box┬ź
ELOY – ONLINE EMPIRE 48-"Living Underground"-Artikel
ELOY – News vom 09.09.2009
ELOY – News vom 08.02.2011
Playlist: ELOY-Liveshow St. Goarshausen, "Night Of The Prog"-Festival 08.07.2011 in "Jahrescharts 2011" auf Platz 2 von Stefan Glas
siehe auch: Musik von ELOY in den Filmen "Geheimcode: Wildg├Ąnse" und "Der Commander"
andere Projekte des beteiligten Musikers Steve Mann:
IGNORE THE SIGN – News vom 10.02.2017
LIONHEART (GB) – Hot Tonight (Re-Release)
LIONHEART (GB) – Second Nature (Rundling)
LIONHEART (GB) – News vom 22.01.1999
LIONHEART (GB) – News vom 11.01.2008
LIONHEART (GB) – News vom 22.06.2017
Osssy – Serum (Rundling)
MICHAEL SCHENKER FEST – A Decade Of The Mad Axeman (Rundling)
MICHAEL SCHENKER FEST – Resurrection (Rundling)
MICHAEL SCHENKER FEST – ONLINE EMPIRE 68-Interview
MICHAEL SCHENKER FEST – News vom 14.02.2019
MICHAEL SCHENKER FEST – News vom 14.02.2019
Andy Scott's SWEET – Alive & Giggin' (Rundling)
Andy Scott's SWEET – News vom 06.05.2008
THE SIGN (D) – News vom 16.11.2016
THE SIGN (D) – News vom 10.02.2017
TYTAN – Rough Justice (Re-Release)
TYTAN – News vom 25.12.2010
TYTAN – News vom 07.03.2012
TYTAN – News vom 13.06.2013
TYTAN – News vom 09.06.2015
andere Projekte des beteiligten Musikers Klaus-Peter "Matze" Matziol:
ECHOPARK (D) – Pretty Lies (Rundling)
andere Projekte des beteiligten Musikers Bodo Schopf:
BBB – News vom 23.09.2008
F.B.I. (D) – News vom 16.05.2008
HARTMANN – Out In The Cold (Rundling)
JUICY LUCY (D) – News vom 06.01.2008
PENDULUM OF FORTUNE – Return To Eden (Rundling)
PENDULUM OF FORTUNE – News vom 06.10.2017
MICHAEL SCHENKER FEST – News vom 14.02.2019
MICHAEL SCHENKER GROUP – News vom 14.01.2007
MICHAEL SCHENKER GROUP – News vom 06.04.2007
MICHAEL SCHENKER GROUP – News vom 06.04.2007
Bodo Schopf – News vom 11.01.2008
Andy Scott's SWEET – Alive & Giggin' (Rundling)
Andy Scott's SWEET – News vom 06.05.2008
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