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"Storm Of Steel '99"-Festival
mit

DESASTER (D)
WARRANT (D)
DESTILLERY
PERSONAL WAR
SPECTRAL (D)

Prüm, Stadthalle

27.02.1999

Das Städtchen Prüm in der Eifel liegt nur einen Steinwurf weit von der belgischen Grenze entfernt. Die Anfahrt dorthin ist in etwa so anspruchsvoll wie alle Bergetappen der Tour De France zusammen - und mein einziges Dopingmittel war eine Packung "1. FCK Fan's Friend" (ein schlicht kongenialer "Fisherman's Friend"-Clone), und es gab dort mehr Schnee als in Miami im Hochsommer. Um diesen Ungemach auf sich zu nehmen, mußte es schon einen guten Grund geben - und den gab es wahrlich: Beim "Storm Of Steel '99"-Festival, organisiert von Kai Wollwert, Herausgeber des UNITED FORCES-Fanzines, hatte die Düsseldorfer Speedlegende WARRANT angekündigt, sich 13 Jahre nach ihrem Ableben kurzerhand exhumieren und anschließend wieder zwei Meter tieferlegen zu lassen.

Darüberhinaus waren noch einige interessante Acts angesagt, von denen die ortsansässige Combo SPECTRAL den Anfang machte. Die Bühne glich einem Flammenmeer, denn die Schwarzmetaller hatten jeden freien Quadratzentimeter genutzt, um Kerzen, Fackeln oder sonstige brennbare Utensilien aufzubauen. Musikalisch boten SPECTRAL Black Metal, der zu nahezu gleichen Teilen von Atmosphäre und Knüppel geprägt wurde.

SPECTRAL-Liveshot

Etwas "gesitteter" ging es bei PERSONAL WAR zu: Das Quartett spielte guten melodischen Stoff zwischen Thrash und Speed, der stilistisch nicht zu weit von dem entfernt war, was METALLICA zu jenen Zeiten machten, als sie noch nicht Grammies in Serie absahnten, sondern absolut Grammy-unkompatiblen Metal spielten. Dementsprechend coverten PERSONAL WAR zum Abschluß ihres regulären Sets ›For Whom The Bells Toll‹ bevor sie nochmal zur verdienten Zugabe auf die Bühne gejubelt wurden. Bleibt zu hoffen, daß einige Plattenfirmen PERSONAL WARs in Eigenproduktion fertiggestellte »The Inside«-CD mal genauer unter die Lupe nehmen!

PERSONAL WAR-Liveshot

Die softeste Band des Abends waren DESTILLERY, doch die ließen sich nicht davon abhalten, einen galanten Powerdrive zu inszenieren. Der Fünfer verlieh den Songs seiner hervorragenden ersten CD »Immortal Sun« noch mehr Druck und konnten auch showtechnisch einen guten Eindruck hinterlassen: Die Gitarren sangen wie einst im (jungfräulichen) Mai, Sänger Florian Reimann dominierte die Nummern mit seiner klaren, prägnanten Stimme und gemeinsam sorgte man für viel Bewegung auf der Bühne. Wenn Steve Harris nicht vor wenigen Wochen Blaze B. gefeuert hätte und IRON MAIDEN wieder ein lebensfähiges Line-up beschert hätte, hätte man ihm diese Show durchaus als Anschauungsunterricht empfehlen können.

DESTILLERY-Liveshot

Dann war es endlich soweit - WARRANT - live. Und ich war gut gerüstet: extra für dieses Ereignis ein paar Kilo abgespeckt, um wieder dem jugendlichen Adoniskörper nahezukommen und die alte Kutte, die schon seit zehn Jahren im Schrank verstaubt, wieder hervorgekramt (warum zur Hölle ist das Ding dennoch so eng?); ja sogar einen peinlichen Oberlippenbart, der anno 1985 zum Inventar gehörte, wachsen lassen und zum Ausgleich die Schamhaare auf pubertätskonforme Länge gestutzt. Ja, ich war bereit!

WARRANT [D]-Liveshot 1

Das Intro ertönt und das fleischgewordene Covermotiv der beiden WARRANT-Vinyls »First Strike« und »The Enforcer«, der Kapuzenmann persönlich, ist zu uns herabgestiegen, um fleißig die Axt zu schwingen - und anschließend das Feld zu räumen für eine Stunde Speed Metal wie er einfacher, aber auch effektiver kaum sein kann: Schnelle, knackige Gitarrenriffs, schnurgerade, machtvolle Basslines, zielstrebiges, energiegeladenes Drumming und ein Jörg Juraschek, an dessen Stimme die Jahre völlig spurlos vorbeigegangen zu sein scheinen. Das Trio hat offenkundig einen ungemeinen Spaß und ist mehr als einmal sichtlich überrascht ob der euphorischen Reaktion des Publikums. Nachdem alle WARRANT-Perlen abgefeiert sind, bleiben nur zwei Dinge übrig: ein erschöpftes Publikum und drei überglückliche Musiker - und natürlich die allesüberschattende Erkenntnis "nuns have no fun, they are always on the run!"

WARRANT [D]-Liveshot 2

Bleibt zu hoffen, daß mehr draus wird: Daß NOISE die beiden WARRANT-Rundlinge, die damals bei der Berliner Company erschienen, endlich auf CD veröffentlicht und daß WARRANT sich breitschlagen lassen, zumindest einige weitere Reunionshows zu spielen oder vielleicht sogar...

WARRANT [D]-Liveshot 3

Minuten (bzw. Jahre) später sah die Bühne ein weiteres Mal so aus, als hätte man zum Candlelight-Dinner geladen. Doch mitnichten: DESASTER aus Deutschlands Schwarzkopf-Eliteliga waren gekommen, um die schwarzen Seelen zu füttern. Mit seinem aggressivem Sound, der von einer exzellenten Gitarre dominiert wurde, hatte der Vierer das wild bangende Publikum zu später Stunde schnell auf seiner Seite. Mit den beiden Coverversionen, SLAYERs ›Black Magic‹ und ›Swing Of The Axe‹ von POSSESSED, bewiesen DESASTER, daß ihnen die Wurzeln ihrer Musik nicht unbekannt sind. Vielleicht hätten DESASTER AREA, die Plutonium-Rockband aus den Geistzonen von Gagrakacka, für noch mehr Sprengkraft gesorgt, aber die Koblenzer DESASTER konnten mit ihrer kraftvollen Show gleichfalls überzeugen.

DESASTER-Liveshot

So - und jetzt nix wie nach Hause dieses Gemüse aus dem Gesicht rupfen!


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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