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  UE-Home → History → Online Empire 2 → Interview-Übersicht → Dan Swanö-Interview last update: 05.11.2020, 18:45:40  

Dan Swanö

Es ist nahezu undenkbar, daß ein Metaller noch nicht den Weg von Dan Swanö gekreuzt hat. Vielleicht wird er sich dieser Tatsache nicht unbedingt bewußt geworden sein, aber Dan hat im Alter von nur 25 Jahren schon mehr getan als andere Musiker bis sie die Muckerrente einstreichen können. Am meisten Aufmerksamkeit hat er sicherlich als Sänger der Gothic/Death-Formation EDGE OF SANITY erhalten, so daß dadurch auch seinem NIGHTINGALE-Projekt eine gewisse Beachtung geschenkt wurde. Informierte Zeitgenossen wissen zudem, daß er der Meisterfinger hinter dem UNISOUND-Studio war und das Studio binnen kürzester Zeit zu dem Death Metal-Studio überhaupt machte. Die Existenz der Band UNICORN und der zugehörigen zwei Platten »Ever Since« und »Emotional Wasteland« wird nur noch wenigen bekannt sein und damit sind wir noch keinesfalls am Ende der Aktivitäten des Dan Swanö angelangt. Das sympathische, auskunftsfreudige Multitalent wird nun noch einige Geheimnisse lüften.

Dan Swanö-Photo 1

Du wanderst schon seit etlichen Jahren durch die Szene. Wie kam es, daß Du der Musik verfallen bist?

Das fing bei mir sehr früh an, denn ich habe einen Bruder, der zehn Jahre älter ist, der sehr musikalisch ist. Er inspirierte mich von Kindesbeinen an, Musik zu machen. Wann immer ich sah, daß er sich an einem neuen Instrument probierte, wollte ich sofort ebenfalls mein Glück probieren. So bekam ich im Alter von fünf Jahren mein erstes Drumkit und seither habe ich mich von einem Instrument zum anderen weitergearbeitet. Als ich dreizehn, vierzehn war, begann ich, mich ernsthaft mit der Gitarre zu beschäftigen. Obwohl ich es mag Gitarre, Baß und Keyboards zu spielen, sehe ich mich selbst primär als Drummer. Diese Aussage mag überraschen, da ich bei EDGE OF SANITY bekanntlich der Sänger war. Dies kam allerdings nur zustande, weil es für EDGE OF SANITY einen geeigneteren Drummer gab. Ich verkörpere eher den Typus des normalen Rockdrummers. Daher war für mich UNICORN immer die wichtigste Band: UNICORN war die erste Band, die ich gegründet hatte und hat in irgendeiner Form immer existiert. Alle Musiker haben viele andere Projekte, aber wie bei einer Supergroup, die nur alle Jahre zusammenkommen, sind wir uns bewußt, daß wir irgendwann wieder miteinander aktiv sein werden. UNICORN ist quasi unser musikalisches Zuhause. Ich habe viel gelernt bei all meinen Bands, bin durch meine Flirts mit Death Metal, Thrash, Hardcore oder Punk als Musiker gewachsen und ich will von mir behaupten können, daß ich in der Musik alles ausprobiert habe, wenn ich mich mal zur Ruhe setze und nur noch meinen Progressive Rock mit UNICORN spielen werde.

»Moontower« ist ein echtes Soloalbum, bei dem Du alles selbst gebastelt hast.

Es war quasi mein zwanzigjähriges Jubiläum als Musiker: Ich habe 1978 zum ersten Mal zu einem Instrument gegriffen, also war 20 Jahre später der richtige Zeitpunkt, ein Soloalbum aufzunehmen. Eigentlich war »Moontower« etwas, das ich mir selbst beweisen mußte; daß ich fähig bin, ein Album von Anfang bis Ende völlig allein zu verwirklichen. Daher sah ich »Moontower« als ein sehr egozentrisches Album an und es wäre mir völlig gleichgültig gewesen, wenn die Plattenfirma sich geweigert hätten, es zu veröffentlichen, weil sie es grauenhaft finden. Viele EDGE OF SANITY-Alben entstanden unter der Leitlinie, was die Fans erwarten würden; bei »Moontower« hingegen dachte ich nur an mich und verwirklichte ausschließlich meine Ideen. Es war mir wichtiger, 50 Leute zu erreichen, die »Moontower« aus ganzem Herzen lieben, als 5000 Fans ein normales oder durchschnittliches Hörerlebnis zu bescheren. Es gibt sicher viele EDGE OF SANITY-Fans, die »Moontower« hassen, aber zum einen denke ich, daß EDGE OF SANITY diese Fans in Zukunft befriedigen sollen und zum anderen gibt es mittlerweile viele hochklassige Bands, die einen ähnlichen Stil spielen. Warum also sollte ich stur diesem Pfad folgen? Mit »Moontower« habe ich die Kombination von Progressive Rock und Death Metal erforscht; ich möchte gar sagen, daß »Moontower« meine Vorstellung repräsentiert, wie moderner Death Metal heutzutage klingen soll. Dies habe ich bis zum Äußersten betrieben und bin mir daher sicher, daß es von mir kein Album mehr geben wird, das wie »Moontower« klingen wird. Aber mein nächstes "brutales" Album ist noch so fern, daß ich keine Ahnung habe, wie es ausfallen wird. Momentan konzentriere ich mich auf das nächste NIGHTINGALE- und UNICORN-Album. Ich möchte, daß die Leute mich als Death Metal-Musiker in Erinnerung behalten werden, der auf der Spitze aufgehört hat: Ich habe EDGE OF SANITY verlassen bevor eine Stagnation eintreten konnte und vielleicht ist »Moontower« gar mein endgültiges Abschiedsalbum von dieser Stilrichtung. Ich weiß es wirklich noch nicht!
Als ich zu EDGE OF SANITY stieß hatte ich die Vision, dieses Genre zu verändern und zu bereichern: Ich wollte verschiedene Harmonien, Keyboards, Cleangesang, Celli, Akustikgitarren, abgedrehte Drumparts, etc., etc. einbauen. Aber bei EDGE OF SANITY war das aus zuvor genannten Gründen nur zu einem geringen Prozentsatz möglich. Also habe ich bei »Moontower« all meine Ideen zusammengefaßt und bis zum Extrem betrieben, so daß ich mich ernsthaft frage, ob es noch Sinn macht, mich diesem Genre nochmal zu widmen. Ich bin diesbezüglich sehr stimmungsabhängig und verarbeite in meiner Musik die Elemente, auf die ich gerade stehe. Doch war es früher so, daß ich diese Songs auf alle Projekte verteilte. Ich hatte beispielsweise ein großes Faible für Goth Rock: Ich schrieb eine Song für EDGE OF SANITY und er klang nach Goth, als nächstes schrieb ich einen Song für UNICORN und er klang nach Goth. Das habe ich abgestellt, indem ich mit dem ersten NIGHTINGALE-Album ein ausgesprochenes Gothic-Album gemacht habe und damit diesen Trieb befriedigt hatte. Also war mein Geist wieder frei, sich auf andere Elemente zu konzentrieren.

Für die Zukunft stehen für Dich nur Studioprojekte an. Wirst Du das Touren und die Livegigs nicht vermissen?

Um ehrlich zu sein, habe ich mich bei EDGE OF SANITY nie sehr wohl auf der Bühne gefühlt: Ich war ein Drummer, der plötzlich in die Rolle eines Frontmannes hineingedrängt wurde und ich bin eigentlich kein besonders guter Entertainer, der das ganze Publikum in seinen Bann ziehen kann. Daher arteten die Shows mit EDGE OF SANITY für mich eher in Streß aus. Doch auch die wenigen Shows mit UNICORN haben mir nur wenig Spaß bereitet, weil die Musik sehr komplex ist und wir sie mit nur drei Mann auf der Bühne umsetzen wollten. Daher kämpften wir mehr mit Sequenzern, Synthies und anderer Technik als, daß wir uns auf die Liveatmosphäre konzentrieren konnten. Eigentlich haben mir nur die Shows mit meiner Hardcoreband WOUNDED KNEE gefallen: Es war simple, aggressive Musik und ich saß hinter meinen geliebten Drums und konnte mich bis zum Umfallen austoben.

Es gibt ein weiteres Dan Swanö-Projekt, über das kaum jemand Bescheid weiß: STEEL.

Oh ja, STEEL ... das ist echt lange her. Ich hatte ein paar Songs geschrieben, die man heutzutage als hundertprozentigen True Metal bezeichnen würde. Allerdings war dies lange bevor die True Metal-Welle begonnen hatte und für mich war es eher ein Requiem an diese Musik, die ich persönlich sehr mag. Da diese Musik damals völlig out war, dachte ich nicht im Traum daran, die Songs, die ich mit einigen Freunden eingespielt hatte, einer Plattenfirma anzubieten und die Bänder fristeten ihr Dasein in meinem Archiv. Ich wollte mir die Nummern einfach von der Seele spielen und damit war das Kapitel STEEL für mich beendet. Doch irgendwie bekam das kleinen skandinavischen Label DREAMWEAVER (haben sich mittlerweile in NEAR DARK umbenannt - Red.) Wind von den Aufnahmen und begann mich zu bestürmen, sie ihm zur Veröffentlichung freizugeben. Zunächst wollte ich nicht, weil ich nicht den Eindruck erwecken wollte, daß ich Kapital aus der True Metal-Welle schlagen wolle. Doch dann kamen sie mit dem Vorschlag, eine limitierte Anzahl von Picture-Singles zu pressen und damit hatte er mich festgenagelt: Als alter Vinylfan konnte ich mich einfach nicht dagegen wehren, der Mitvater eines solchen Sammlerstücks zu sein. (Die Single ist höchstwahrscheinlich schon ausverkauft; dennoch die Adresse der Firma: NEAR DARK PRODUCTIONS, P.O. Box 6047, S - 85006 Sundsvall, Schweden - Red.)

Viele Leute fragten sich, ob Dan Swanö völlig ausgeflippt sei, alles wegzuwerfen, was er sich aufgebaut hatte: Gleichzeitig bei einer solch erfolgreichen Band wie EDGE OF SANITY auszusteigen und das "Unisound"-Studio zu schließen, das sich über die Jahre zu dem Szenestudio entwickelt hatte, schien einem karrieretechnischem Selbstmord gleichzukommen.

Ich weiß, daß viele Leute so gedacht haben, aber das war mir egal. Ich spürte einfach, daß beide Dinge für mich ausgereizt waren. Bei EDGE OF SANITY konnte ich keine kreativen Fortschritte mehr erwarten und mit dem "Unisound"-Studio hatte ich mich in eine Sackgasse manövriert. Die Anfänge des "Unisound" lagen an dem Punkt, als wir mit EDGE OF SANITY unsere ersten Songs aufnehmen wollten. Also entschloß ich mich, ein 4-Spur-Gerät zu kaufen, so daß wir in unserem Proberaum ein Demo fabrizieren konnten. Geschäftstechnisch war das der beste Schachzug den ich je gemacht habe: Das Resultat klang nämlich für diese Verhältnisse wirklich gut und so fragten uns andere Bands, ob ich mit ihnen ein Tape produzieren wolle - "Unisound" war geboren. Dabei kam ein bißchen Geld zusammen, so daß ich eine 8-Spur-Ausrüstung kaufen konnte. Nach und nach merzte ich die kleinen Schwachstellen wie Mikrophone und ähnliches aus und hatte irgendwann ein richtig gutes Studio. Dies war die beste Version von "Unisound", die es jemals gab und ich war von den Resultaten wirklich überzeugt. Der Ruf sprach sich herum und ich konnte es irgendwann riskieren, meinen Job aufzugeben und als Produzent zu arbeiten. Doch mein Problem war, daß ich wie ein kleines Kind die Finger nicht von neuen Spielsachen lassen konnte: Das "Unisound" zog um in größere Räumlichkeiten und natürlich mußte es dazu passend ein 16-Spur-Studio installiert werden. Die Sache wurde zu einem Selbstläufer: Es sprach sich herum, daß die technischen Möglichkeiten des "Unisound" immer besser wurden und immer mehr Bands liefen mir die Tür ein. Ich verdiente immer mehr Geld und kaufte immer neues Equipment: Ich mußte immer den letzten Schrei haben. Alle Welt war begeistert, aber niemand merkte, daß die Resultate immer schlechter klangen. Die Erklärung ist ganz einfach: Den alten 8-Spur-Rekorder kannte ich bis auf die letzte Schraube in und auswendig und konnte immer aus den Aufnahmen alles rauskitzeln. Ich hatte mich jedoch noch nicht recht in das neue Equipment eingearbeitet und schon war ein neues Element installiert, das ich noch weniger kannte. Dennoch standen die Bands Schlange und es artete mehr und mehr in Fließbandarbeit aus. Natürlich hatte ich mittlerweile genügend Routine, um stets ein halbwegs akzeptables Resultat zu zaubern. Doch als ich mich mal in einige Aufnahmen hineinvertiefte, mußte ich feststellen, daß meine frühen Arbeiten am besten waren. Ich mußte die Konsequenzen ziehen und entschloß mich, das Studio ganz zu schließen. Ich weiß, daß einige Bands deswegen stinksauer auf mich waren, weil sie dachten, ich hätte sie im Stich gelassen. Dennoch war es die richtige Entscheidung: Für mich steckte keine kreative Herausforderung mehr in der Studioarbeit und auch für die Bands war es gut - OPETH hatten bei mir aufgenommen und es klang irgendwie nur okay; sie gingen in "Abyss"-Studio und siehe da jetzt haben sie den Sound, der perfekt zu ihnen paßt. Ich bin froh, daß ich heute einen Job in einem Plattenladen habe, der mir viel Spaß macht, daß ich viel Zeit mit meiner Frau und meinem Sohn verbringen kann und daß ich mich auf meine eigenen musikalischen Projekte konzentrieren kann. Ich habe mir mit dem restlichen UNISOUND-Geld ein wirklich gutes, perfekt abgestimmtes Studio gekauft und mir die Zeit genommen, es bis in kleinste kennenzulernen. So konnte ich »Moontower« exakt nach meinen Vorstellungen realisieren und werde dies auch bei meinen weiteren Projekten tun können.

http://www.swano.com/

swano@swipnet.se

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

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