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  UE-Home → Online Empire 91 → Interview-Übersicht → TREAT-Interview last update: 20.05.2022, 17:47:01  

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Seit sich die schwedischen Melodie-Lieferanten vor mittlerweile knapp mehr als 15 Jahren dazu entschlossen haben, ihr in den späten 80er Jahren erfolgreiches Unternehmen zu reanimieren, läuft es wie geschmiert. Mit »The Endgame« kredenzt der Fünfer demnächst sein viertes Studioalbum seit 2010, und dieses ist einmal mehr ein echtes Ohrwurm-Sammelsurium geworden. Von der Qualität der neuen Tracks ist logischerweise auch Gitarrist Anders Wikström überzeugt, der sich die Zeit nahm, uns Rede und Antwort zu stehen.

Ein klein wenig irritierend wirkt Titel schon. Es handelt sich doch nicht etwa tatsächlich um ein Abschiedswerk?

Nein, ganz und gar nicht! Eher ist das Gegenteil der Fall. Man muß den Titel mehr von einer sportlichen Seite betrachten. Wir sind der Meinung nach den letzten Scheiben sämtliche Qualifikationsrunden überstanden zu haben, und stehen jetzt unmittelbar vor dem Final-Einzug. Allerdings muß ich schon zugeben, daß es durchaus beabsichtigt war, den Zuhörer zum Denken zu animieren. Das scheint uns jedenfalls gelungen zu sein.

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Spätestens wenn der erste Durchlauf der Scheibe erledigt ist, sieht man die Sache ohnehin anders. Schließlich sprudelt einem Eure Spielfreude förmlich entgegen, und zudem gibt es sämtliche Schattierungen Eures Bandsounds zu vernehmen. War das Eure Intention?

Das ist immer so! Jede Band ist doch bestrebt, mit jedem Album besser zu werden, und versucht sämtliche Stärken noch mehr in den Fokus zu stellen und herauszuarbeiten. In gewisser Weise waren wir dieses Mal sogar noch motivierter, und sind als Band auch weiter zusammengewachsen. Und das, obwohl auch uns die Pandemie dazwischengekommen ist.

Das kompaktere Auftreten als geschlossene Einheit hört man den Songs an. Was war der Auslöser dafür?

Den Songs selbst hat, so komisch es auch klingen mag, die COVID-Geschichte gutgetan. Ich muß zugeben, daß ich nie zuvor dermaßen viel Zeit in Details und Kleinigkeiten investiert habe, wie für »The Endgame«. Andererseits hatte ich auch noch nie dermaßen wenig anderes zu tun. [lacht] Im Ernst, der Plan war eigentlich, das Album schon einige Monate früher an den Start bringen zu können, doch das war uns aus unterschiedlichen Gründen leider nicht möglich. Daher habe ich einige Passagen nachträglich eben noch weiterbearbeitet.

Hat sich denn auch der Personalwechsel am Baß auf das Album ausgewirkt?

Auf jeden Fall! Als Pontus Egberg beschlossen hat auszusteigen, war für mich klar, Nalle Pahlsson zu fragen, ob er für eine Rückkehr bereit wäre. Wir haben uns von Pontus in aller Freundschaft getrennt, doch er hat einfach viel zu viele andere Bands und Projekte am Start, um sich mit ähnlicher Hingabe bei uns einbringen zu können, wie wir anderen. Nalle war ja schon von 2006 bis 2012 bei uns, also an unserem Comeback beteiligt. Daher fühlte sich seine neuerliche Rückkehr an, als ob wir ein Familienmitglied mehr dabei hätten. Nichts gegen Pontus, er ist ein phantastischer Musiker und ein ganz feiner Kerl. Aber Nalle ist eben wie ein Bruder für uns.

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Wie darf man sich denn den Songwriting-Prozeß bei TREAT generell vorstellen?

Nicht sonderlich spektakulär, so ehrlich muß sich schon sein. [lacht] Zumeist ist da eine Idee für eine Melodie oder ein Riff. Daraus erarbeiten wir dann gemeinsam die Grundstruktur des Songs. Ab und zu kommt es auch vor, daß schon von Beginn an eine Gesangsmelodie vorhanden ist, das ist aber eher selten. Sehr häufig dagegen habe ich eine Idee für den Songtitel. Das wirkt vielleicht nicht unbedingt auf die musikalische Ausrichtung an sich, sehr wohl aber auf die Atmosphäre.

»The Endgame« erinnert wohl nicht zuletzt deshalb auch ein wenig an »Coup De Grace«. Oder täusche ich mich?

Das mag zwar sein, liegt aber wohl lediglich daran, daß die beiden Alben alle typischen Band-Trademarks beinhalten. Das trifft zwar auch auf die beiden Scheiben dazwischen zu, dermaßen intensiv war die Interaktion zwischen uns Musikern allerdings in der Tat seit unserem Comebackalbum nicht.

Dann hat eben diese die nunmehr wieder erhöhte Anzahl an auf Anhieb zündenden Melodien hervorgebracht.

Da bin ich ganz bei dir! Vielleicht war es aber auch nur unsere Einstellung. Wir waren nämlich während des gesamten Entstehungsprozesses überaus entspannt, und haben weder von außen noch von uns selbst, irgendwelchen Streß an uns herankommen lassen. Uns war wichtig, ein Album aus dem Boden zu stampfen, mit dem wir alle glücklich sind. Das hat zwar gut anderthalb Jahre in Anspruch genommen, mit dem Ergebnis sind aber schlußendlich alle Bandmitglieder rundum zufrieden.

Die Inspirationen für Eure Texte bezieht ihr ganz offenbar aus dem Alltag. Einzig, was es mit ›Jesus From Hollywood‹ auf sich hat, ist nicht klar. Leg' mal los!

Ich hab' ihn gesehen! Echt! Es muß irgendwann in den frühen 90er Jahren gewesen sein, da ist mir dieser Kerl, der sich wohl auch selbst für Jesus gehalten, in den Straßen von L.A. begegnet. Der gute Mann dürfte das auch eine ganze Zeit lang praktiziert haben. Ich weiß leider nicht, was aus ihm geworden ist, angeblich soll er so um 2005 herum gestorben sein. Mich wundert, daß man noch keinen Film über diesen Menschen gedreht hat. Mich hat er auf jeden Fall inspiriert, denn wer kann schon behaupten, Jesus in den Straßen von Los Angeles begegnet zu sein?

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Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Anders Fastader

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