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Einmal mehr erfreut uns die Szene rund um Göteborg mit einem weiteren Glanzlicht. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Acts dieser Provenienz, haben wir es im vorliegenden Fall jedoch nicht mit melodiösem Death Metal zu tun. Melodien sind zwar schier endlos vorhanden, diese sind allerdings in ein fein gesponnenes Geflecht aus progressiven Elementen und melodischem Power Metal eingearbeitet. Die Rede ist von EVERGREY, einem Quintett, das im Line-up Tom S. Englund (v, g), Henrik Danhage (g), Michael Hakansson (b), Rikard Zander (k) und Patrick Carlsson (d) ihr mittlerweile viertes Album in die Läden stellt. In Anbetracht der Tatsache, daß die Schweden mit »Recreation Day« ein Hammeralbum der Sonderklasse abgeliefert haben, war es Ehrensache, den Herrschaften einige Fragen diesbezüglich zu stellen.
Mangels einer funktionierenden Telefonleitung, war Bassist Michael Hakansson so nett und beantwortete die an ihn schriftlich übermittelten Fragen.

EVERGREY bestehen seit mehreren Jahren, was waren denn bislang die Highlights Eurer Karriere?

Auf der einen Seite würde ich die Veröffentlichungen unsere bisherigen Alben unbedingt als Highlights betrachten. Da wären demnach »The Dark Discovery« (1998), »Solitude, Dominance, Tragedy« (2000) und »In Search Of Truth« (2001). Außerdem sind auf jedem Fall unsere Europa-Tournee mit CRIMSON GLORY und KAMELOT im Jahr 2000 zu nennen, sowie jene mit THERION 2001. Aber auch die Festival-Gigs müssen angeführt werden. Fantastisch liefen BYH 2000, Graspop 2001 und Wacken 2002. Wir waren ebenfalls auf den amerikanischen ProgPower-Festivals 1.0 sowie 2.0 vertreten. Ich bin der Meinung, daß jeder erfolgreich absolvierte Gig ein wichtiger Schritt für eine Band sein sollte. Es ist nicht jedem die Chance gegeben, seine Musik vor versammelter Menge preis zu geben.

Ich denke, daß Euch »Recreation Day« einen ordentlichen Schritt nach vorne bringen wird. Positive Kritiken sind euch ohnehin sicher, aber auch neue Fans sollten gewonnen werden können, da besagtes neues Werk zugänglicher scheint als die Vorgänger. Wie betrachtet Ihr denn eure Entwicklung?

Die musikalische Entwicklung der Band kann als natürlicher Prozeß betrachtet werden. Zu Beginn unserer Karriere waren wir stilistisch, wie musikalisch, noch nicht so gefestigt wie heute. Betrachte unsere ersten CDs schlicht als "Experimentierphase". Durch die ständigen Line-up-Wechsel, die es im Laufe der Zeit immer wieder gegeben hat, (und immer noch gibt: Seit der Veröffentlichung des aktuellen Albums ist mit Jonas Ekdahl ein neuer Drummer in den Reihen der Band - der Verf.) veränderte sich auch der Stil der Band. Da bei uns jeder Musiker aktiv am Songwriting teilnimmt, ist diese Tatsache auch keine Besonderheit. Aufgefallen ist uns im Rahmen der zahlreichen Konzerte, daß speziell das Material von »In Search Of Truth« live nicht die benötigte Energie entwickeln konnte. Aus diesem Grund haben wir uns beim Songwriting für das neue Album speziell in diese Richtung versucht weiterzuentwickeln. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.

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EVERGREY können stilistisch nicht so ganz einfach zugeordnet werden. Ich persönlich würde Euch das Etikett "dunkelgefärbter Progressiver Power Metal" aufdrücken. Wie ist Eure Meinung diesbezüglich?

Ich würde schlicht und ergreifend Melodic Metal sagen. Wobei natürlich zahlreiche Prog-Elemente vorkommen und eine Menge Emotionen verarbeitet wurden. Ich sehe uns aber keineswegs in dem Genre Power Metal, in das für mich Bands wie BLIND GUARDIAN oder HAMMERFALL gehören. Mit Bands wie diesen haben wir ja so gut wie nichts gemeinsam.
(Hier merkte ich so richtig den Vorteil einer direkten "Konfrontation" im Sinne eines Telephon-Interviews, denn ich meinte mit "Power Metal", bei aller Liebe zu den von Michael genannten Bands, diese mit Sicherheit nicht, sondern hätte eher beispielsweise ICED EARTH ins Spiel gebracht. - ws)

Rückblickend läßt sich »Recreation Day« aber als bisher am wenigsten "dunkel" gefärbtes Stück eurer Historie betrachten, oder seht Ihr das anders?

Ich habe keine Ahnung. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Vielleicht wirkt das Album deshalb weniger dunkel gefärbt, da die Songs direkter auf den Zuhörer losgehen. Von der lyrischen Seite her ist immer noch jede Menge an sogenannter "Dunkelheit" mit im Spiel, diese kommt allerdings nicht so sehr zum Vorschein wie auf den anderen Alben.

Ich hoffe, ich habe »Recreation Day« richtig verstanden. Es scheint sich dabei um kein Konzeptalbum zu handeln, oder etwa doch?

Nö, keineswegs. Wir hatten zwar kurz im Sinn, ein Konzeptalbum zum Thema des Kindesmißbrauchs innerhalb der katholischen Kirche abzuliefern, da uns dieses Thema sehr betroffen macht. Da wir allerdings nicht die nötige Zeit hatten, die dafür notwendigen Fakten zu recherchieren, um keinen Humbug zu verzapfen, wurde dieses Thema nicht als Gesamtkonzept ausgearbeitet. Lediglich ›Unforgivable‹ handelt von dieser, unserer Meinung nach, schrecklichsten aller Sünden. Allein diese Form des Kindesmißbrauchs zeigt die Scheinheiligkeit der katholischen Kirche.
Als "roter Faden" für das gesamte Album sind die Themen Tod beziehungsweise Verlust eines Lebens anzugeben. Es wird allerdings auch beschrieben, wie es nach dem Tod wieder weitergehen kann. Daher auch der Titel »Recreation Day«.

So, jetzt wieder zu einem etwas positiverem Thema. Werdet Ihr das Album auch im Zuge einer amtlichen Tour vorstellen?

Es sieht für das erste Halbjahr 2003 absolut nicht danach aus. (Und so war es auch - ws) Wir haben immer noch vor, als Support-Act einer bekannteren Band zu touren, allerdings ergab sich bisher noch kein konkretes, brauchbares Angebot diesbezüglich. Wir werden zunächst einmal Nordamerika abgrasen und für Europa den Herbst im Auge behalten. In welcher Form bzw. mit wem kann ich allerdings noch nicht bekanntgeben, da dies lediglich unsere Vorstellung des Ganzen ist.

Für Schweden gehört es ja fast schon zum guten Ton, nicht nur in einer Band aktiv zu sein. Wie sieht es denn bei Euch diesbezüglich aus?

Im Moment ist kein Mitglied von EVERGREY in andere Bands oder Projekte involviert. (Da das Interview bereits einige Zeit auf dem Buckel hat, gehe ich davon aus, daß das Mitwirken von Sänger Tom Englund auf dem NIGHTRAGE-Debut »Sweet Vengeance« zum damaligen Zeitpunkt noch nicht aktuell war. - ws). Wir können uns somit besser auf EVERGREY konzentrieren. Diese Band benötigt einfach hundertprozentigen Einsatz sämtlicher Mitglieder.

http://www.evergrey.net/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

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