UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Y-Files »UE« → Interview-Übersicht → EVEREVE-Interview last update: 18.06.2022, 10:01:29  

”Y-Files”-Datasheet

Contents:  EVEREVE-Interview

Date:  26.06.2001 (created), 23.06.2022 (revisited), 23.06.2022 (updated)

Origin:  post-UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  unreleased

Reason:  medium missing

Task:  revitalize

Comment:

Mittlerweile ist UNDERGROUND EMPIRE 7 komplett online, so daß wir uns nun den Beiträgen zuwenden, die bereits für die Nachfolgeausgabe entstanden waren. Da diese nie erscheinen sollte, blieben diese Texte bislang unveröffentlicht; lediglich einige wurden für die frühen Online-Ausgaben verwendet. Daß aber wir auch nach UNDERGROUND EMPIRE 7 fleißig waren, zeigen diese Artikel, die nun auf diesem Weg veröffentlicht werden; darunter befinden sich allerdings auch einige Fragmente, die in ihrem unvollständigen Zustand wiederbelebt werden, um einen möglichst genauen Eindruck davon zu vermitteln, wie UNDERGROUND EMPIRE 8 hätte aussehen sollen.

 


 

Dieser Text von Ralf (und einige andere) sind entstanden, als die Online-Version von UNDERGROUND EMPIRE schon aktiv war. Somit stellt sich auch die Frage, ob obige Betrachtung zu UNDERGROUND EMPIRE 8 hier überhaupt paßt; aber völlig falsch ist sie auch nicht, denn es gab nie einen Punkt, an dem meinereiner offiziell beschloß, daß es eine weitere Printausgabe des UNDERGROUND EMPIRE nicht geben würde. Doch zurück zu Ralfs Text: Warum wurde es nicht veröffentlicht? Ich kann das heute nicht mehr sagen, aber ich vermute, daß es vor allem damit zu tun hatte, daß ich damals beruflich stark eingespannt war. Zudem war die Neuprogrammierung des Content Management-Systems sehr zeitaufwendig. Also vermutlich fehlte mir einfach die Zeit, um dieses Review einzubinden. Sorry, Ralf! Doch nun soll es zumindest in den "Y-Files" ein Plätzchen finden.

Bei diesen Texten war es auch schwer, den Zeitpunkt, an dem sie entstanden sind, festzulegen. Ich konnte lediglich auf das Datum zurückgreifen, an dem die entsprechende Textdatei zum letzten Mal abgespeichert worden war.

Supervisor:  i.V. Stefan Glas

 
 

EVEREVE-Logo

Das bereits vierte Album der Ausnahmeband EVEREVE nennt sich »E-Mania« und bietet eine ausgewogene Mischung aus fetten Metalriffs, düsterer Atmosphäre und fast tanzbaren Elektro-Sounds! Diese Mischung klingt dermaßen mitreißend, so daß ein Interview her mußte. Ich nervte Bassist SMart Basstard mit meinen Fragen.

EVEREVE-Bandphoto 1

Früher auf den ersten beiden Alben hattet Ihr noch deutlich Black Metal-Einflüsse dabei, die sind jetzt völlig gewichen! Könnt Ihr mit dieser Art Musik nichts mehr anfangen?

Wir denken als Musiker nicht in Kategorien, so nach dem Motto: Kommt, jetzt laßt uns mal einen richtigen Klopper auf die Beine stellen. Musik ist eine Gefühlsangelegenheit, und die meisten unserer Entscheidungen fällen wir aus dem Bauch heraus. Als Außenstehender bleibt einem meist - das geht mir nicht anders, wenn ich die Mucke von anderen Combos höre - nichts anderes übrig, als ständig Vergleiche zu ziehen. Der Song klingt wie Band XY, aber der Mittelteil erinnert wiederum an etwas völlig anderes. Du weißt, was ich meine. Die heutige Gesellschaft wird so zugeschissen mit Bildern, Eindrücken und auch Musik, daß wir meinen, alles irgendwo schon einmal gesehen oder gehört zu haben. Wenn Du sagst, auf den ersten beiden Alben seien Black Metal-Einflüsse vorhanden gewesen, die auf »E-Mania« nicht mehr zu finden sind, dann ist das Dein ganz persönlicher Eindruck! Für mich war es nie wichtig zu wissen, daß wir irgendwie auch Schwarzmetall machen. Wir sind EVEREVE, und das sind wir nun seit acht Jahren. Wenn ich mir »Seasons«, »Stormbirds« oder »E-Mania« anhöre, erkenne ich die gleiche Band, da die Seele der Stücke nach wie vor von den gleichen
Musikern Leben eingehaucht bekommt. Privat höre ich mir gerne Musik an, die man dem Genre Black Metal zuordnen könnte. Hörgewohnheiten spielen allerdings keine Rolle, wenn es darum geht, im Kollektiv Kunst zu erschaffen.

Daß Ihr jetzt elektronischer geworden seid, finde ich eher eine normale Entwicklung. Dafür seid Ihr aber auch poppiger geworden. Gewollt?

Wenn sich ein Stück bereits nach einmaligem Hören als Ohrwurm entpuppt und trotzdem auch nach zig Durchläufen Neues zu entdecken ist, dann steckt da schon Absicht dahinter. Aber ansonsten gilt: Jegliche Entwicklung geht, wie bereits erwähnt, völlig natürlich vonstatten. Für mich hat Glaubwürdigkeit nichts damit zu tun, wenn ein paar greise Mucker nach frustigen Jahren feststellen, daß ihre alte Combo doch immer noch gefragt ist und sie sich dazu entschließen, den Geist ihrer Jugend wieder aufleben zu lassen. Das stinkt gehörig nach Geldgier. Es ist nur normal, daß sich ein Mensch weiterentwickelt. Man lernt so viel dazu, und es wäre traurig, wenn Lebenserfahrungen nicht in das eigene Handeln mit einfließen. Als Musiker ist das nicht viel anders. Ich bevorzuge Künstler, die dazu bereit sind, sich und ihr Schaffen auf produktive Weise zu hinterfragen. Ich nenne an dieser Stelle nur einmal David Bowie, der seit über 30 Jahren im Geschäft ist und der sich immer wieder neu erfindet, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Stört es Euch, wenn ich behaupte, daß EVEREVE Musik für Mädels machen?

Wir freuen uns über jeden Metaller, der zu unserer Musik die Haare schüttelt und Luftgitarre spielt. Aber sind wir doch einmal ehrlich: Gegen ein paar hübsche Frauen, die galant im Takt die Hüften wiegen, wirken die Jungs meist ein wenig unbeholfen.. .(genau - lechz - Ralf)

Ihr hattet auf »Regret« einen Gastsänger, nun hat Euer Keyboarder die Vocals übernommen. Ich finde seinen Gesang sehr gelungen, vom Metal hat er allerdings kaum noch was! Seht Ihr Euch eigentlich noch in erster Linie als Metal-Act?

Langsam wird es aber langweilig. Ich habe in meiner CD-Sammlung von melodischem Hard Rock, über Power und Thrash Metal bis zum absoluten Gebolze so ziemlich alles im Regal stehen. Wie ich bereits sagte: Für mich hat Glaubwürdigkeit in erster Linie nichts mit der Erfüllung von Erwartungshaltungen zu tun, sondern ganz banal mit Ehrlichkeit. Wir ziehen unser Ding von Beginn an durch, und wenn jemand außerhalb von EVEREVE
versucht hat, das Rückgrat der Band zu beugen, ist er immer badengegangen. »E-Mania« steht für Cyber-Gothic-Metal, und da steckt das Wörtchen "Metal" immer noch drin. Außerdem braten die Gitarren, das Schlagzeug drückt auch ganz ordentlich... Alles klar?

EVEREVE-Bandphoto 2

Wie war das eigentlich? Ihr seid von NUCLEAR BLAST zu MASSACRE RECORDS gewandert. Ich hatte immer das Gefühl, daß Ihr bei NUCLEAR BLAST nach dem zweiten Album nur noch mitgezogen wurdet, während sie die Kohle eher in DIMMU BORGIR oder HAMMERFALL, etc. butterten. Bei MASSACRE seid Ihr sicherlich Schwerpunkthema, oder?

Für uns ist eigentlich nicht unbedingt wichtig, mit wem wir zusammenarbeiten, sondern vielmehr, daß unsere Partner verstehen, worum es bei EVEREVE geht. Bei NUCLEAR BLAST konnte oder wollte man uns am Ende niemand mehr verstehen. Deswegen ist es nur verständlich, daß wir uns nach einem neuen Label umgeschaut haben. MASSACRE haben uns vom Beginn unserer Kooperation an absolut freie Hand gelassen. Ich denke, wir haben sie bisher nicht enttäuscht. Plattenfirmen bilden immer die Schnittstelle zwischen Kunst und Kommerz. Bisher haben wir keinerlei Grund, uns in dieser Hinsicht über MASSACRE zu beschweren. Ein besseres Kompliment kann man einem Label als Musiker im Grunde nicht machen.

Wer hatte die Idee für das S/M-Cover von »E-Mania«? Steht Ihr auch privat auf diese Schiene?

Hey, mein Rücken sieht heute wieder echt saumäßig aus. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie das brennt, wenn man unter der Dusche steht. Spaß beiseite. Der sexuelle Aspekt steht bei diesem Artwork eigentlich gar nicht so sehr im Vordergrund. EVEREVE sind inzwischen zu
einer richtig kleinen Künstlergemeinschaft herangewachsen. Zu dieser Community, dem "E-Team", gehört neben unserem Sounddesigner Jörg Hüttner (u.a. RELATIVES MENSCHSEIN - Ralf) auch der Grafiker A. Zivanov aus Kroatien. Er bekam von uns Texte und Demos. Seine Eindrücke unserer Emotionen setzte er in Bilder um. Das Cover ist vollgepackt mit Symbolik: Blut tropft von den Wänden, das Gesicht der Dame ist nicht zu sehen, sie kniet in einem großen "E" und so weiter.

Wieso benutzt ihr jetzt diese (albernen?) Pseudonyme?

Das Konzept von »E-Mania« bedeutet eine Abkehr von der Realität. Das unterstreichen die vielen Zahlen- und Wortspiele, die Grafiken im Booklet und unsere Pseudonyme. Unsere wirklichen Namen haben nichts mit der Welt zu tun, die auf »E-Mania« erschaffen wird. Wir beschreiben die Realität als etwas Künstliches. Wir alle sind rein äußerlich sehr glückliche
Menschen, die gerne lachen. In unserem tiefsten Inneren verbindet uns eine finstere Grundstimmung, die sich auf abstrakte Weise in den Texten wiederfindet. Jeder trägt seine persönlichen Ur-Ängste, Dämonen oder sinistre Gedanken mit sich herum. Diese tauchen unmittelbar auf, lassen einen nicht mehr los.

Ihr habt es gewagt, ›Fade To Grey‹ zu covern, welches in Gruft-Kreisen ja schon fast als "Heiligtum" gilt. Wie waren die Reaktionen bisher?

Man kann die Reaktionen in zwei Kategorien einteilen: Die einen lieben es, die anderen hassen es. Die Herausforderung für uns war, daß wir uns an einem "Heiligtum" vergehen wollen. Aber die Tatsache, das es immer noch positive Reaktionen gibt, zeigt, daß man einen guten Song noch so sehr schänden kann. Es bleibt weiterhin ein guter Song.

Wie sieht es tourmäßig aus? Ein solch beeindruckendes Album will ja auch auf der Bühne aufgeführt werden. Habt Ihr da eine Bühnenshow?

Derzeit sind wir bei einigen Festivals aktiv, genauere Infos kann sich jeder über unsere Homepage besorgen. Im Herbst wird eine ausführliche Tournee folgen. Wann und mit wem, läßt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Bei unserer Bühnenshow werden wir uns auf die Veranschaulichung diverser symbolischer Handlungen beschränken. Bombastische Lichtshow und sonstige Entertainment-Elemente sind ja schön und gut, aber am
Ende zählt doch die Musik. Die Fans werden eine nahezu unglaublich präzise Performance geboten bekommen. Bezüglich des Unterhaltungswerts braucht Ihr Euch übrigens keine Sorge zu machen, es wird schon genug zu sehen geben...

Welche Frage würdet Ihr gerne mal gestellt bekommen?

Wollt Ihr einen Dukatenesel geschenkt bekommen? Es gibt für mich keine guten oder schlechten Fragen, sondern nur gute beziehungsweise schlechte Antworten. (Gut! - Ralf)

Deine letzten Worte und Eure Zukunftspläne?

Wir sind immer ehrlich zu uns selbst gewesen, und das wollen wir auch in Zukunft sein. Zukunftspläne? Weiter kontinuierlich an unserer Karriere basteln, unser aller Herz hängt daran...

http://www.facebook.com/pages/evereve/98101405296

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Ralf Henn

EVEREVE im Überblick:
EVEREVE – E-Mania (Rundling-Review von 2001)
EVEREVE – Seasons (Rundling-Review von 1997)
EVEREVE – Y-FILES »UE«-Interview
EVEREVE – News vom 30.12.2010
andere Projekte des beteiligten Musikers Benjamin "Ben" Richter:
PHOSPHOR – [raum/zeit] (Rundling-Review von 2016)
PHOSPHOR – News vom 08.10.2015
PHOSPHOR – News vom 13.09.2018
THANATEROS – Circle Of Life (Rundling-Review von 2003)
THANATEROS – Into The Otherworld (Rundling-Review von 2005)
THANATEROS – Liber Lux (Rundling-Review von 2009)
THANATEROS – The First Rite (Rundling-Review von 2002)
THANATEROS – News vom 05.02.2010
THANATEROS – News vom 28.11.2018
THANATEROS – News vom 12.04.2019
THANATEROS – News vom 12.04.2019
THE CASCADES (D) – News vom 20.11.2007
THE CASCADES (D) – News vom 17.03.2009
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