UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  PAYNE'S GRAY-Interview

Date:  05.05.1993 (created), 31.07.2021 (revisited), 31.07.2021 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Wir erleben PAYNE'S GRAY hier im ├ťbergang von ┬╗Infinity┬ź zu ┬╗Kaddath Decoded┬ź, das 1995 erschien. Und gerade das macht die Story so interessant - allein schon weil es v├Âllig anders ist, als das heutige Promo-Credo: n├Ąmlich da├č Interview nur nach der Ver├Âffentlichung einer neuen Platte laufen. Ein Prinzip, das ich schon immer f├╝r kurzsichtig gehalten habe.

Da PAYNE'S GRAY eine au├čergew├Âhnliche Band waren, sollten sie auch eine besonders gestaltete Story erhalten. Daher hatte ich die Band um eine gro├če Kopie des ┬╗Infinity┬ź-Artworks gebeten, das dann auf der ersten Seite unter den Text gelegt wurde. Au├čerdem gesellte sich das Logo noch zweimal hinzu: oben in Wei├č, unten in Schwarz. Doch damit nicht genug, denn nach dem Umbl├Ąttern sah man auf der nachfolgenden Doppelseite erneut das Logo - diesmal farbig unter den Text gelegt - und zwar in jener gerasterten Form, die die Online-Version er├Âffnet. Den Abschlu├č der Story war jenes Bandphoto, das auch heute die Story beendet. Zus├Ątzlich haben wir heuer aber noch zwei weitere Photos dazugegeben.

Erfreulicherweise gibt es mittlerweile eine PAYNE'S GRAY-Fanseite auf Facebook, was verdeutlicht, da├č die Band nicht vergessen ist, so da├č wir den Link unter der Story angegeben haben.

P.S.: Meine Begeisterung f├╝r PAYNE'S GRAY f├╝hrte ├╝brigens daszu, da├č ich damals das komplette Werk von H.P. Lovecraft las, was ich bis heute nicht bereut habe.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

PAYNE'S GRAY-Logo

Irgendwie werde ich das Gef├╝hl nicht los, da├č UNDERGROUND EMPIRE sich auf Interviews spezialisiert hat, bei denen nichts absolut normal l├Ąuft. Im Falle PAYNE'S GRAY hatte ich mich mit der Band einige Stunden vor dem DREAM THEATER-Konzert an der Ludwigsburger "Rockfabrik" verabredet. Jedoch erschienen nur S├Ąnger Hagen und Basser Martin - warum, das wird im Laufe des Interviews gekl├Ąrt werden. Zum Ausgleich war Ex-Keyboarder Tomek anwesend und mischte beim Interview kr├Ąftig mit. Als ich entdeckte, da├č sich Mister GIANTS LORE Eddi Ambrozi erz├Ąhlenderweis' zu ihnen gesellt hatte, schlug ich ihm, als ebenfalls PAYNE'S GRAY-Kundigem, vor, sich auch in diesen speigelben Polo reinzuquetschen und das Interview mit einigen Zwischenfragen zu w├╝rzen, was er in seiner unnachahmlichen Art auch tat (Seine spezielle W├╝rzmischung findet Ihr anschlie├čend in Kursivdruck! - Red.). Zweifelsohne eine au├čergew├Âhnliche Interviewchemie, die verst├Ąndlicherweise ein ebensolches Reaktionsprodukt ergab.

PAYNE'S GRAY-Bandphoto 1

Im Info zu Eurem ┬╗Of Tyrants And Reflections┬ź-Demo habt Ihr erl├Ąutert, da├č Euer Bandname PAYNE'S GRAY aus dem Buch "The World Of Sex" von Henry Miller stammt. Wie aber kommt man auf die Idee, einen solchen Begriff als Bandnamen zu w├Ąhlen, mal abgesehen davon, da├č man Schweineb├╝cher liest...

Hagen: Das ist eine Frage, die ich locker beantworten kann - das ist schon mal gut! Der Name existierte schon vor der Band. Es ist eine Idee meines Vaters, der ein gro├čer Miller-Fan ist, und als ich nach einem Bandnamen suchte, schlug er diesen Begriff vor. "Payne's Gray" ist ein Grauton, und der Autor sagt, da├č diese Farbe f├╝r ihn eine Vielfalt von Emotionen ausdr├╝ckt, die ihn dazu animiert und inspiriert zu schreiben.
Ich fand den Namen originell und er klang gut. Au├čerdem konnte man sicher sein, da├č es den Namen kein zweites Mal geben w├╝rde. Als dann unsere Musik nach und nach origineller wurde, merkte ich da├č er wunderbar zu uns pa├čt.

Ich habe nat├╝rlich wie immer mir meine eigenen wirren Gedanken gemacht, und mir kam dabei eine Interpretation, derzufolge der Namen auf das Grau unserer Gesellschaft anspielt. Darauf, da├č in unserer Welt vieles grau und trist geworden ist!

Hagen: Das ist genau das, was Miller in diesem Absatz ausdr├╝cken will. Er l├Ąuft in Paris herum, und alles um ihn ist grau, so da├č es ihn an "Payne's Gray", welches ein Einheitsgrau ist, erinnert. Dennoch wirkt dieses Einheitsgrau auf ihn stimulierend, in dem Sinne, da├č er dazu angetrieben wird, das Gegenteil zu tun.

Jetzt haben wir sehr hochgestochen begonnen. Also la├čt' uns jetzt banal werden - Bandhistory, besonders unter dem Gesichtspunkt, da├č Ihr viele Line-up-Wechsel zu verzeichnen hattet!

Hagen: Wir haben zu viert begonnen, und davon waren bis zu letzt noch drei ├╝brig. In der Zwischenzeit waren ein Haufen Leute dabei, die alle wieder gingen. Pascal, der auf ┬╗Of Tyrants And Reflections┬ź Gitarre gespielt hat, dann kam Tomek, der die Keyboards, und Axel, der die Drums zu ┬╗Infinity┬ź beisteuerte, die uns beide wieder verlie├čen. Wir fanden dann das Line-up, das bis zuletzt Bestand hatte. Vorgestern ist dann etwas passiert, weswegen momentan nur noch Martin und ich ├╝brig sind. Es ist eine Sache, mit der wir schon immer zu k├Ąmpfen hatten. Die Musik, die wir machen, erfordert sehr viel Zeit, die freiwillig investiert werden mu├č. Wenn es nicht mehr geht, dann ist es besser, wenn man es nicht erzwingt. Das war damals schon mit Tomek der Fall, der nicht mehr genug Zeit f├╝r die Band hatte, und bei Jan ist es nun genau das Gleiche gewesen. Er ist seit einem halben Jahr in M├╝nchen auf dem Gitarreninstitut. Das hat ihn sehr beansprucht und ver├Ąndert hat, was nicht negativ aufzufassen ist. Was er jetzt macht, ist sehr gut f├╝r ihn, weil es seinen Zielen entspricht. Er m├Âchte sich nicht in einer Band verwirklichen, sondern m├Âchte sich alles, was mit der Gitarre m├Âglich ist, aneignen, um irgendwann jeden Stil spielen zu k├Ânnen. Meine Meinung dazu ist, da├č das absolut in Ordnung ist, wenn er das machen will, aber ich finde, da├č dadurch sein eigener Stil total fl├Âtengeht. Er hat fr├╝her Sachen gemacht, die heute pl├Âtzlich nicht mehr in Ordnung sind, nur weil er jetzt Schemen beigebracht kriegt, in die das nicht mehr hineinpa├čt. Er b├╝├čt dabei seine musikalische Pers├Ânlichkeit und Kreativit├Ąt total ein. Er bevorzugt aber das Gitarreninstitut, das viel Zeit von ihm abverlangt, zumal er nebenher noch Geld verdienen mu├č, so da├č das Niveau seines Input bei PAYNE'S GRAY gesunken ist. Es war seine Entscheidung zu gehen, und Martin und ich haben das akzeptiert. Der zweite Gitarrist Christoph kam zu uns als Tomek gegangen war. Wir wollten urspr├╝nglich wieder einen Keyboarder haben, aber einen Ersatz f├╝r Tomek zu finden, ist schlicht unm├Âglich. Wir haben zuerst versucht, das Keyboard selbst zu spielen, aber das Resultat war allerh├Âchstens ganz nett! Da bat sich Christoph an, konnte aber den Platz, den Tomek fr├╝her ausgef├╝llt hat, nicht ausf├╝llen. Er hat sich sehr an Jan geklammert und viel von ihm gelernt, da Jan ein fabelhafter Gitarrist ist. Christoph hatte allerdings nicht die kreative Pers├Ânlichkeit von Jan und Tomek. Als Jan ging, schlo├č sich Christoph ihm an. Bei Marco ist es noch in der Schwebe. Er ist ein sehr guter Schlagzeuger, aber er wei├č nicht, wieviel man investieren mu├č, und er sieht alles zu locker. Er mu├č sich jetzt entscheiden, was er will. Martin und ich wollen die Sache durchziehen und das Ideal, das hinter PAYNE'S GRAY steht, verwirklichen. Derzeit suchen wir nach neuen Leuten, so da├č wir die geplante CD zur├╝ckstellen m├╝ssen, bis wir eine neue Besetzung eingespielt haben.

Ihr hattet vor ┬╗Of Tyrants And Reflections┬ź noch ein Demo aufgenommen, das ich allerdings nie in die Finger gekriegt habe!

Martin: Das wirst Du auch nie in die Finger kriegen. Wir hatten das Demo aufgenommen, um festzustellen, da├č es zu schlecht ist, um ver├Âffentlicht zu werden. Wenn es jemand in die H├Ąnde kriegt, dann geschah dies auf keinem legalen Weg, denn wir haben das Demo nie ver├Âffentlicht.

Hagen: Wir hatten damals au├čer einem Song unser Programm aufgenommen in einem dilletantischen Studio, das eigentlich kein Studio war, sondern ein Wohnzimmer und ein Kellerraum. Zwillinge, die beim S├╝dwestfunk arbeiteten, haben die Aufnahme geleitet, und es war absolut f├╝rchterlich, weil man nie wu├čte, mit wem man gerade arbeitet.

Ich finde das Cover von ┬╗Infinity┬ź sehr faszinierend, das auf mich so wirkt, als w├Ąren da im Vordergrund und im Hintergrund eine Welt, und dazwischen befindet sich das Unendlichkeitszeichen mit einem Plus und einem Minus-Zeichen!

Martin: Auf das Cover sind wir im Endeffekt alle gemeinsam gesto├čen. Der Name ┬╗Infinity┬ź stand bereits, und wir wollten ihn in einem Bild umsetzen. Durch Zufall stie├č Axel auf diese Photografie.
Hagen: Eigentlich sind es jedoch nicht zwei Welten, sondern eine Nebelspirale, die durch ein schwarzes Loch geteilt wird. In das schwarze Loch haben wir das Unendlichkeitszeichen reingepackt. Die Photografie wurde f├╝r unser Cover nachgezeichnet.

F├╝r die CD, die nun leider etwas auf sich warten lassen wird, habt Ihr Euch H.P. Lovecraft vorgenommen und zu seinem Buch "Dreamquest For Unknown Kadath" ein Konzept entwickelt!

Hagen: Lovecraft ist allgemein als Horrorautor bekannt, was meiner Meinung nach nicht den Punkt trifft, weil er viel mehr Tiefe in seinen Geschichten hat. Ich lese schon sehr lange Lovecraft und mein Vater auch. Es dauerte lange, bis mein Vater endlich ├╝berzeugt war, da├č das, was ich in meiner Freizeit an Musik mache, doch vielleicht gar nicht mal so schlecht ist. Er hat die ganzen Jahre die Musik absch├Ątzig beurteilt, bis er irgendwann auf den Film kam und das anerkannt hat. Irgendwann kam er mit kompletten Texten, die eine Interpretation dieses Buches von Lovecraft darstellen. In diesem Buch steckt eine Aussage, die ich bewu├čt zu meiner Lebensphilosophie gemacht habe: "Tue, was du willst, und du wirst es auch erreichen". Das Buch handelt von einem Menschen namens Randolph Carter. Er hat drei Tr├Ąume von einer wundersch├Ânen Stadt, und er versucht, in diese Stadt zu kommen, wird aber in seinen drei Tr├Ąumen immer daran gehindert. Er geht auf die Wanderschaft, um die G├Âtter zu befragen, warum er nicht in diese Stadt darf. Er schafft es, die St├Ątte der G├Âtter zu finden, trifft aber die G├Âtter nicht an, sondern nur den Botschafter der G├Âtter. Dieser gibt ihm den Hinweis, da├č er genau wissen mu├č, wann und was er tun mu├č, sich durchsetzen mu├č und es dann auch kriegen wird. Dann wird er ins Weltall geschickt auf Shantak, einer Art gefl├╝gelten Pferd, und wird in einen Wirbel hineingezogen. Er mu├č nur wissen, wann er abspringen mu├č, und dann f├Ąllt er nur noch bis er direkt in der Stadt landet. Er stellt fest, da├č es die Stadt ist, in der er seine Jugend verbracht hatte und an die er sich nur noch sehr vage erinnern konnte.

Wobei noch wichtig ist, da├č er auf seinem Flug durchs Weltall alles vom Urknall an bis zum Untergang von Universen erlebt. Ich fand au├čerdem interessant, da├č Du das Buch der ganzen Band zum Lesen gegeben hast. Es stammt also nicht allein von Dir als S├Ąnger, sondern die ganze Band hat sich in diese Stimmung hineinversetzt!

Hagen: Ja, das war nat├╝rlich wichtig, da├č jeder wu├čte, worum es in dem Buch geht! Wir haben eigentlich nur wenigen Leuten von dieser Idee erz├Ąhlt, aber diejenigen, die davon wu├čten, haben sehr positiv drauf reagiert. Dadurch kamen wir auch mit Ralph Hubert ins Gespr├Ąch, der Interesse hat, die CD zu produzieren, und mit Michael B├Ąhre, der an der Gestaltung des Booklets beteiligt sein wird (Jep - Ihr habt gut aufgepa├čt! Michael hat auch das Cover des neuen UNDERGROUND EMPIRE gemalt! - Red.). Mein Vater wollte das gesamte Projekt bezahlen. Seine Idee sieht weiterhin so aus, da├č das Projekt zu einem Allround-Kunstwerk wird. Mein Vater ist Galerist, und er wollte zu der Musik und dem Buch eine Mappe mit Originalkunstdrucken, die diese Geschichte interpretieren, zusammenstellen. Es werden dann also die CD, das Buch und die Mappe zusammen verkauft werden.

Wolltet Ihr die CD selbst vertreiben oder hattet Ihr eventuell drauf spekuliert, da├č eine Firma das fertige Band ├╝bernimmt und die CD auf den Markt bringt?

Hagen: Das war noch nicht hundertprozentig ausgereift. Die Idee meines Vaters ist, das Package ├╝ber den Kunsthandel zu vertreiben, so da├č es in Buchhandlungen, Galerien, etc. erh├Ąltlich w├Ąre. Er hat den Suhrkamp Verlag angeschrieben, bei dem die Lovecraft Sachen erscheinen und wollte da etwas aushandeln. Das w├Ąre mir sehr recht, denn es w├╝rde diese Eingefahrenheit und Begrenztheit des Heavy Metals durchbrechen. Ich m├Âchte aus diesem eingefahrenen Heavy Metal-Gedankengut ausbrechen und auch andere Leute erreichen. Ich bin der ├ťberzeugung, da├č FATES WARNING mit ┬╗Perfect Symmetry┬ź ganz andere Leute h├Ątten erreichen k├Ânnen und die Platte h├Ątten wesentlich besser verkaufen k├Ânnen, wenn da nicht alles ausschlie├člich ├╝ber Metal-Magazine gelaufen w├Ąre.

Vom zweiten Demo zum dritten Demo hat sich Eure Musik vom konventionellen Metal hin zu progressiven Metal gewandelt. Was k├Ânnen wir auf der CD erwarten? Wird Eure Musik noch extremer oder werdet Ihr ein ├Ąhnliches Level behalten?

Hagen: Kann man momentan nur schwer sagen, aber ich gehe mal stark davon aus, da├č der Stil von ┬╗Infinity┬ź beibehalten wird und von da aus die Musik weiterentwickelt wird. Ich m├Âchte diesen Stil beibehalten, weil er dem entspricht, was ich machen m├Âchte.

Martin: Wir haben uns bei ┬╗Infinity┬ź zur Voraussetzung gemacht, da├č wir etwas machen wollen, das mit dem Begriff "Heavy Metal" nicht zu definieren ist. Von den Reaktionen her kann man sagen, da├č wir das erreicht haben, was wir wollten, so da├č wir diesen Weg weiterf├╝hren wollen.

Hagen: Man mu├č allerdings sagen, da├č dieser Stil eher zuf├Ąllig zustandekam. Wir haben nach ┬╗Of Tyrants And Reflections┬ź konstant weitergearbeitet, und wahrscheinlich w├Ąre das n├Ąchste Demo nicht so verschieden gewesen, wenn Tomek nicht ins Spiel gekommen w├Ąre. Das Keyboard hat alles umgekrempelt, weil es einen ganz anderen Sound erzeugt hat und weil Tomek so gut spielen kann, ist er mehr in den Vordergrund getreten als bei anderen Gruppen. Au├čerdem haben Tomek und Jan sich gegenseitig so hochgespielt, da├č es fast ein Konkurrenzkampf war, bei dem, meiner Meinung nach, unglaubliche Sachen entstanden. Ich habe zwar nie verstanden, wovon sie sprachen, aber ich war immer sehr fasziniert.

PAYNE'S GRAY-Bandphoto 2

Damit hast Du schon gut zu meiner n├Ąchsten Frage ├╝bergeleitet. Auf ┬╗Infinity┬ź hatte das Keyboard ein geh├Âriges W├Ârtchen mitzureden. Wie wird das nun aussehen, da Tomek nicht mehr in der Band ist?

Martin: Hagen und ich sind uns auf jeden Fall einig, da├č es bei uns nur mit einem Keyboard weitergehen wird.

Tomek: Es ist noch nicht mal so sehr eine Frage des Keyboards allein, sondern eine Frage, wie man das Keyboard einsetzt. Ich war kein Keyboarder wie andere, die nur Teppich legen wollen, sondern ich wollte die Dinge, die ich auf der Musikhochschule gelernt habe, in der Band verwirklichen. PAYNE'S GRAY haben mir diese M├Âglichkeit gegeben, und so hat es sich entwickelt.

W├Ąre es nicht eine M├Âglichkeit, da├č Du weiterhin nebenher mitwirken w├╝rdest, man dann live beispielsweise auf Samples zur├╝ckgreifen w├╝rde?

Hagen: Diese Sache haben wir durchgesprochen, weil wir gemerkt haben, da├č unsere Versuche, das Keyboard selbst zu bew├Ąltigen, nicht dem entsprachen, was wir wollen. Damals hatten wir dar├╝ber gesprochen, ob er eventuell zur├╝ckkommt, aber Tomek hat momentan einfach keine Zeit zur Verf├╝gung, die er einer Band widmen kann.

Ich glaube, aus Euren Worten lesen zu k├Ânnen, da├č diese Besetzung von ┬╗Infinity┬ź so etwas wie eine Idealbesetzung war. Wie gro├č sind Eure Hoffnungen, da├č Ihr das wieder erreichen k├Ânnt?

Hagen: Ich habe da eine Wunschvorstellung und habe au├čerdem viel Energie. Ich habe den Willen, so lange zu suchen, bis wir das Richtige gefunden haben. Zweite Wahl bringt einfach nichts!

Martin: Wenn wir diese Hoffnung nicht h├Ątten, k├Ânnten wir es auch gleich bleiben lassen!

Meine n├Ąchste Frage hat sich seit vorgestern praktisch erledigt, denn ich wollte auf die Klassik von ┬╗Unison┬ź eingehen, f├╝r die eben Tomek und Jan verantwortlich waren, die nun aber beide nicht mehr in der Band sind. La├č es mich daher so formulieren, da├č ich frage, ob Ihr vorhabt, weiterhin solche klassischen Elemente in Eurer Musik zu verarbeiten!

Hagen: Ich bin offen daf├╝r. Das mu├č noch nicht mal von den neuen Musikern abh├Ąngen. Wer sollte uns verbieten, da├č Jan irgendwann mal als Gast mit seiner Fl├Âte bei uns mitspielt. Schlie├člich sind wir nicht im Streit voneinander gegangen.

Ich habe mittlerweile ├Âfter mit Deinem Vater telephoniert als mit Dir, der mir irgendwann mal gesagt hat, da├č Du eigentlich im Proberaum leben w├╝rdest. Wie reagiert Euer Anhang, sei es nun Familie oder Freundin, auf dieses exzessive Proben, bei der nahezu Eure ganze Freizeit draufgeht?

Hagen: Meine Beziehung ist daran zerbrochen. Das Problem kennt sicher jeder Musiker, denn jede Probe ist f├╝r die Freundin sicherlich eine ├╝berfl├╝ssige. Man mu├č Zeit in die Musik investieren, aber mu├č sich andererseits auch der Freundin widmen, weil man sonst eine Beziehung vergessen kann.

Martin: Es gibt sicher privat Stre├č, aber ich will etwas verwirklichen, und daher interessiert es mich nicht, wieviel Freizeit ich hineinstecken mu├č. Ich bin nicht bereit, Kompromisse einzugehen. Wir proben so oft und so lange wie es sein mu├č!

Du hast gesagt, da├č Du die Energie, immer weiter Musik zu machen, weiterhin in Dir sp├╝rst. Was treibt Dich, angesichts des ganzen ├ärgers, den Du mit der Musik hast, vorw├Ąrts? Ist es g├Âttliche Inspiration, die Du in Dir sp├╝rst, da├č Du Musik machen mu├čt?

Hagen: F├╝r mich ist die Musik ein Medium, meine Gedanken auszudr├╝cken! Das war bei mir ganz stark bei ÔÇ║The DuellistsÔÇ╣ der Fall, in das ich mich so sehr hineinversetzen konnte, da├č ich das Lied mit geschlossenen Augen singen mu├čte. Es ist f├╝r mich ein Drang, Musik zu machen!

Tomek: Wir haben gesehen, da├č man sich mit Hilfe der Musik entlasten kann. Man kann Probleme verarbeiten und in konzentrierter Form wieder von sich geben. Es stecken unheimlich viele Emotionen in der Musik. Musik ist eine Sprache! Als ich nach Deutschland kam, konnte ich die deutsche Sprache nicht. Also habe ich mich durch die Musik mit den Leuten verst├Ąndigt. Ich habe mit deutschen Bands zusammengespielt, ohne da├č ich ein Wort Deutsch sprechen konnte!

Haben diese Sprachschwierigkeiten Deine Bem├╝hungen am Keyboard noch mehr vorangetrieben?

Tomek: Ja, nat├╝rlich! Das hat meine Entwicklung und meine Ausdrucksf├Ąhigkeit auf meinem Instrument weiter vorangetrieben.

Ich komme mir gerade eben vor, als s├Ą├če ich in einem Kino und es liefe ein Film, in dem sich zwei Menschen wie verr├╝ckt lieben und doch nicht zueinander kommen. Auf mich wirkt es einfach so, da├č Tomek der optimale Keyboarder f├╝r PAYNE'S GRAY ist und Ihr trotzdem nicht zusammen spielen k├Ânnt!

Hagen: Er ist schon immer der optimale Keyboarder f├╝r uns gewesen, auch seit er nicht mehr dabei ist. Es ist eine Sache, die ich manchmal einfach nicht verstehe... Ich war letztens bei Tomek, und wir haben stundenlang ohne Resutat ├╝ber diesen Punkt gesprochen. Es l├Ą├čt sich momentan wohl nicht ├Ąndern!

Wie wichtig ist Euch die musikalische Perfektion?

Hagen: Sehr wichtig! Nur leider ist nie etwas wirklich perfekt gewesen. Aber im gro├čen und ganzen kam es dem, was ich mir vorgestellt habe, sehr nah. Das bedeutet f├╝r mich Perfektion. Es hat f├╝r mich nichts damit zu tun, da├č alles 100 Prozent fehlerfrei ist, sondern da├č das, was ich mir am Anfang vorgestellt habe, auch r├╝berkommt. Dazu mu├č man an den Instrumenten ein gewisses Level haben, um es umsetzen zu k├Ânnen.

Die Livepr├Ąsentation war Euch aber nicht so wichtig gewesen, sondern eher die Perfektion im Studio?

Hagen: Am Tag nachdem Tomek die Band verlassen hatte, haben wir live gespielt - ohne Keyboards. Das war teilweise etwas seltsam, weil da manchmal L├╝cken waren, weil Tomek fehlte. Es war also alles andere als perfekt, aber es kam trotzdem r├╝ber. Beim Publikum, das ├╝brigens absolut nicht-metallisch war, ist es angekommen, und sie haben die Stimmungen eingefangen. Es war wahrscheinlich das beste Konzert, das ich je gegeben habe! Im Studio hat man tausende M├Âglichkeiten, die man voll auskosten kann. Ich finde es auch in Ordnung, wenn man das macht. Live sollten wenigstens die Basics selbst gespielt werden. Das, was nicht mehr zu machen ist, sollte man weglassen und nicht k├╝nstlich machen. Im Studio habe ich alle Ch├Âre eingesungen, was live nat├╝rlich nicht machbar ist. Das m├╝ssen dann einfach die anderen ├╝bernehmen, aber man sollte nicht Sequenzer oder Sampler einsetzen. Wenn die Ch├Âre dann etwas falsch sind, macht das nichts. Von daher ist live f├╝r mich die Perfektion nicht so wichtig, sondern eher die Stimmung.

Ich hoffe, da├č mir die Extraktion des Wesentlichen unseres Gespr├Ąches gelungen ist. Im Wirklichkeit war da noch sehr viel mehr, das w├Ąhrend dieser Stunde ├╝ber das Mikrophon in den Walkman geflossen ist.
Doch damit nicht genug. Seit dem Interview sind einige Tage vergangen und die Uhr ist auch f├╝r PAYNE'S GRAY nicht stehengeblieben. Grund genug, bei S├Ąnger Hagen nochmal telefonisch nachzuhaken!

Ihr habt mittlerweile wieder ein komplettes Line-up, erneut absolut international besetzt. Erz├Ąhl'!

Zun├Ąchst ist Tomek wieder fest bei uns, da sich seine zeitlichen Probleme gel├Âst haben. Au├čerdem gibt es bei PAYNE'S GRAY nun zwei S├Ąnger. Neben mir wird von nun ab auch Haluk Balikci singen. Die Drummerfrage ist ebenfalls gekl├Ąrt, denn wir haben in Daniel Hermann einen neuen Drummer. Auch Jan ist wieder dabei, so da├č PAYNE'S GRAY nun aus 4/5 der ┬╗Infinity┬ź-Besetzung plus zwei neuen Leuten bestehen. Wie es der Zufall wollte tummeln sich nun ein T├╝rke, ein Koreaner, ein Pole, ein Franzose und zwei Deutsche bei PAYNE'S GRAY.

Ich vermute, da├č Ihr inzwischen auch musikalisch einige Schritte nach vorn getan habt!

Ja! Wir haben die Vertonung von "Dreamquest For Unknown Kadath" abgeschlossen. Die einzelnen Titel lauten ÔÇ║Dream SequenceÔÇ╣, ÔÇ║Sunset CityÔÇ╣, ÔÇ║The Cavern Of FlameÔÇ╣, ÔÇ║Captured (Moonlight Waters)ÔÇ╣, ÔÇ║A Hymn To The CatsÔÇ╣, ÔÇ║The Way To NgranekÔÇ╣, ÔÇ║In The VaultÔÇ╣, ÔÇ║Reaching KadathÔÇ╣, ÔÇ║Nyarlathoteps ReceptionÔÇ╣, ÔÇ║Riding The ShantakÔÇ╣, ÔÇ║Finale: Sunset City Part IIÔÇ╣. Wir wollten eigentlich im Rahmen einer Eigenproduktion zu Ralf Hubert, der uns auch produziert h├Ątte, ins Studio gehen. Urpl├Âtzlich jedoch bekamen wir vor etwa drei Monaten, zwei Jahre nach Ver├Âffentlichung von ┬╗Infinity┬ź, Dealangebote von verschiedenen Firmen. So haben wir zun├Ąchst im Proberaum ein neues Promotape eingespielt, mit dem sich nun entscheiden wird, ob wir einen Vertrag unterschreiben werden oder nicht. Sollte keine Firma uns haben wollen, werden wir auf jeden Fall ┬╗Kadath Decoded┬ź, so wird der endg├╝ltige Titel der CD sein, in Eigenregie realisieren. Ob sich das Package aus CD, Buch und Kunstdrucken verwirklichen lassen wird, wissen wir noch nicht, da sich die Sache schwieriger gestaltet als erwartet.
Wir haben uns noch ein wenig mehr vom Schwermetall entfernt, um uns noch intensiver der Klassik zu widmen. Es ist alles beruhigter. Damit meine ich, da├č nicht ganz so viele Instrumentalteile in den Songs selbst sind. Daf├╝r haben wir zwischen den St├╝cken und in zwei Instrumentalnummern genug Platz gelassen.
Im gesanglichen Bereich hat sich auch einiges getan. Es stehen jetzt zwei S├Ąnger zur Verf├╝gung, und so ist im Grunde einiges zweistimmig, zum Teil abwechselnd, klassisch gehalten. Haluk bringt aus seiner Kultur einige orientalische Einfl├╝sse mit.
Ach ja, die Fl├Âte. Sie wird dreimal, unter anderem bei ÔÇ║Dream SequenceÔÇ╣ und im Finale zu h├Âren sein.

PAYNE'S GRAY-Bandphoto 3

Das klingt alles mehr als interessant! Ich kann auf jeden Fall von mir behaupten, da├č ich extrem auf das CD-Projekt gespannt bin, ganz gleich, ob eine Firma gen├╝gend Durchblick hat, die Ver├Âffentlichung unter ihrer Flagge laufen zu lassen oder ob die Band zu einer Einzelk├Ąmpfermanier gezwungen sein wird. Ich kann mir gut vorstellen, da├č auch bei Euch Interesse aufgekeimt ist. Da ich die f├╝nf St├╝cke des angesprochenen Promotapes vorliegen habe, kann ich Euch nun noch den Mund etwas w├Ąssrig machen, denn ich bin h├Âchst begeistert bis euphorisch im Anblick dieser fabelhaften Musik. Es w├╝rde sicher zu weit f├╝hren, alle St├╝cke anzusprechen, zumal sie wahrscheinlich auch erst durch ihre Eingliederung in das Gesamtkunstwerk ihre vollst├Ąndige Wirkung entfalten k├Ânnen. Jedoch komme ich nicht umhin, wenigstens kurz ÔÇ║Captured (Moonlight Waters)ÔÇ╣ zu erw├Ąhnen, da man zu einem solchen Meisterwerk einfach nicht schweigen kann. Eine Ballade mit einem prickelnden Spannungsaufbau, einer Dynamik, die ihresgleichen sucht, die einen Widerstreit und eine gleichzeitige Kooperation zwischen Keyboard und Gitarre pr├Ąsentiert, bei der sich der Reiz zweier unterschiedlicher Leadges├Ąnge voll entfaltet. Aber abgesehen von dieser Andeutungen haben wir derzeit keine Wahl, als der Dinge zu harren, die die Zukunft noch vor uns verborgen h├Ąlt. Einzig und allein diejenigen, die PAYNE'S GRAYs ┬╗Infinity┬ź noch nicht kennen, k├Ânnen f├╝r 14,- DM das exzellente Tape bestellen, so da├č sie eine Idee davon erhalten, was man von PAYNE'S GRAY erwarten darf.

https://www.facebook.com/Paynes-Gray-German-prog-metal-band-302874472623/

Vorbereitung:
Stefan Glas

Interview:
Eddi Ambrozi + Stefan Glas

Bearbeitung:
Stefan Glas

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┬ę 1989-2021 Underground Empire


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