UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Underground Empire 7 → Interview-Übersicht → PAYNE'S GRAY-Interview last update: 20.11.2022, 22:24:48  

”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  PAYNE'S GRAY-Interview

Date:  05.05.1993 (created), 29.11.2021 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Wir erleben PAYNE'S GRAY hier im Übergang von »Infinity« zu »Kaddath Decoded«, das 1995 erschien. Und gerade das macht die Story so interessant - allein schon weil es völlig anders ist, als das heutige Promo-Credo: nämlich daß Interview nur nach der Veröffentlichung einer neuen Platte laufen. Ein Prinzip, das ich schon immer für kurzsichtig gehalten habe.

Da PAYNE'S GRAY eine außergewöhnliche Band waren, sollten sie auch eine besonders gestaltete Story erhalten. Daher hatte ich die Band um eine große Kopie des »Infinity«-Artworks gebeten, das dann auf der ersten Seite unter den Text gelegt wurde. Außerdem gesellte sich das Logo noch zweimal hinzu: oben in Weiß, unten in Schwarz. Doch damit nicht genug, denn nach dem Umblättern sah man auf der nachfolgenden Doppelseite erneut das Logo - diesmal farbig unter den Text gelegt - und zwar in jener gerasterten Form, die die Online-Version eröffnet. Den Abschluß der Story war jenes Bandphoto, das auch heute die Story beendet. Zusätzlich haben wir heuer aber noch zwei weitere Photos dazugegeben.

Erfreulicherweise gibt es mittlerweile eine PAYNE'S GRAY-Fanseite auf Facebook, was verdeutlicht, daß die Band nicht vergessen ist, so daß wir den Link unter der Story angegeben haben.

P.S.: Meine Begeisterung für PAYNE'S GRAY führte übrigens daszu, daß ich damals das komplette Werk von H.P. Lovecraft las, was ich bis heute nicht bereut habe.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

PAYNE'S GRAY-Logo

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß UNDERGROUND EMPIRE sich auf Interviews spezialisiert hat, bei denen nichts absolut normal läuft. Im Falle PAYNE'S GRAY hatte ich mich mit der Band einige Stunden vor dem DREAM THEATER-Konzert an der Ludwigsburger "Rockfabrik" verabredet. Jedoch erschienen nur Sänger Hagen und Basser Martin - warum, das wird im Laufe des Interviews geklärt werden. Zum Ausgleich war Ex-Keyboarder Tomek anwesend und mischte beim Interview kräftig mit. Als ich entdeckte, daß sich Mister GIANTS LORE Eddi Ambrozi erzählenderweis' zu ihnen gesellt hatte, schlug ich ihm, als ebenfalls PAYNE'S GRAY-Kundigem, vor, sich auch in diesen speigelben Polo reinzuquetschen und das Interview mit einigen Zwischenfragen zu würzen, was er in seiner unnachahmlichen Art auch tat (Seine spezielle Würzmischung findet Ihr anschließend in Kursivdruck! - Red.). Zweifelsohne eine außergewöhnliche Interviewchemie, die verständlicherweise ein ebensolches Reaktionsprodukt ergab.

PAYNE'S GRAY-Bandphoto 1

Im Info zu Eurem »Of Tyrants And Reflections«-Demo habt Ihr erläutert, daß Euer Bandname PAYNE'S GRAY aus dem Buch "The World Of Sex" von Henry Miller stammt. Wie aber kommt man auf die Idee, einen solchen Begriff als Bandnamen zu wählen, mal abgesehen davon, daß man Schweinebücher liest...

Hagen: Das ist eine Frage, die ich locker beantworten kann - das ist schon mal gut! Der Name existierte schon vor der Band. Es ist eine Idee meines Vaters, der ein großer Miller-Fan ist, und als ich nach einem Bandnamen suchte, schlug er diesen Begriff vor. "Payne's Gray" ist ein Grauton, und der Autor sagt, daß diese Farbe für ihn eine Vielfalt von Emotionen ausdrückt, die ihn dazu animiert und inspiriert zu schreiben.
Ich fand den Namen originell und er klang gut. Außerdem konnte man sicher sein, daß es den Namen kein zweites Mal geben würde. Als dann unsere Musik nach und nach origineller wurde, merkte ich daß er wunderbar zu uns paßt.

Ich habe natürlich wie immer mir meine eigenen wirren Gedanken gemacht, und mir kam dabei eine Interpretation, derzufolge der Namen auf das Grau unserer Gesellschaft anspielt. Darauf, daß in unserer Welt vieles grau und trist geworden ist!

Hagen: Das ist genau das, was Miller in diesem Absatz ausdrücken will. Er läuft in Paris herum, und alles um ihn ist grau, so daß es ihn an "Payne's Gray", welches ein Einheitsgrau ist, erinnert. Dennoch wirkt dieses Einheitsgrau auf ihn stimulierend, in dem Sinne, daß er dazu angetrieben wird, das Gegenteil zu tun.

Jetzt haben wir sehr hochgestochen begonnen. Also laßt' uns jetzt banal werden - Bandhistory, besonders unter dem Gesichtspunkt, daß Ihr viele Line-up-Wechsel zu verzeichnen hattet!

Hagen: Wir haben zu viert begonnen, und davon waren bis zu letzt noch drei übrig. In der Zwischenzeit waren ein Haufen Leute dabei, die alle wieder gingen. Pascal, der auf »Of Tyrants And Reflections« Gitarre gespielt hat, dann kam Tomek, der die Keyboards, und Axel, der die Drums zu »Infinity« beisteuerte, die uns beide wieder verließen. Wir fanden dann das Line-up, das bis zuletzt Bestand hatte. Vorgestern ist dann etwas passiert, weswegen momentan nur noch Martin und ich übrig sind. Es ist eine Sache, mit der wir schon immer zu kämpfen hatten. Die Musik, die wir machen, erfordert sehr viel Zeit, die freiwillig investiert werden muß. Wenn es nicht mehr geht, dann ist es besser, wenn man es nicht erzwingt. Das war damals schon mit Tomek der Fall, der nicht mehr genug Zeit für die Band hatte, und bei Jan ist es nun genau das Gleiche gewesen. Er ist seit einem halben Jahr in München auf dem Gitarreninstitut. Das hat ihn sehr beansprucht und verändert hat, was nicht negativ aufzufassen ist. Was er jetzt macht, ist sehr gut für ihn, weil es seinen Zielen entspricht. Er möchte sich nicht in einer Band verwirklichen, sondern möchte sich alles, was mit der Gitarre möglich ist, aneignen, um irgendwann jeden Stil spielen zu können. Meine Meinung dazu ist, daß das absolut in Ordnung ist, wenn er das machen will, aber ich finde, daß dadurch sein eigener Stil total flötengeht. Er hat früher Sachen gemacht, die heute plötzlich nicht mehr in Ordnung sind, nur weil er jetzt Schemen beigebracht kriegt, in die das nicht mehr hineinpaßt. Er büßt dabei seine musikalische Persönlichkeit und Kreativität total ein. Er bevorzugt aber das Gitarreninstitut, das viel Zeit von ihm abverlangt, zumal er nebenher noch Geld verdienen muß, so daß das Niveau seines Input bei PAYNE'S GRAY gesunken ist. Es war seine Entscheidung zu gehen, und Martin und ich haben das akzeptiert. Der zweite Gitarrist Christoph kam zu uns als Tomek gegangen war. Wir wollten ursprünglich wieder einen Keyboarder haben, aber einen Ersatz für Tomek zu finden, ist schlicht unmöglich. Wir haben zuerst versucht, das Keyboard selbst zu spielen, aber das Resultat war allerhöchstens ganz nett! Da bat sich Christoph an, konnte aber den Platz, den Tomek früher ausgefüllt hat, nicht ausfüllen. Er hat sich sehr an Jan geklammert und viel von ihm gelernt, da Jan ein fabelhafter Gitarrist ist. Christoph hatte allerdings nicht die kreative Persönlichkeit von Jan und Tomek. Als Jan ging, schloß sich Christoph ihm an. Bei Marco ist es noch in der Schwebe. Er ist ein sehr guter Schlagzeuger, aber er weiß nicht, wieviel man investieren muß, und er sieht alles zu locker. Er muß sich jetzt entscheiden, was er will. Martin und ich wollen die Sache durchziehen und das Ideal, das hinter PAYNE'S GRAY steht, verwirklichen. Derzeit suchen wir nach neuen Leuten, so daß wir die geplante CD zurückstellen müssen, bis wir eine neue Besetzung eingespielt haben.

Ihr hattet vor »Of Tyrants And Reflections« noch ein Demo aufgenommen, das ich allerdings nie in die Finger gekriegt habe!

Martin: Das wirst Du auch nie in die Finger kriegen. Wir hatten das Demo aufgenommen, um festzustellen, daß es zu schlecht ist, um veröffentlicht zu werden. Wenn es jemand in die Hände kriegt, dann geschah dies auf keinem legalen Weg, denn wir haben das Demo nie veröffentlicht.

Hagen: Wir hatten damals außer einem Song unser Programm aufgenommen in einem dilletantischen Studio, das eigentlich kein Studio war, sondern ein Wohnzimmer und ein Kellerraum. Zwillinge, die beim Südwestfunk arbeiteten, haben die Aufnahme geleitet, und es war absolut fürchterlich, weil man nie wußte, mit wem man gerade arbeitet.

Ich finde das Cover von »Infinity« sehr faszinierend, das auf mich so wirkt, als wären da im Vordergrund und im Hintergrund eine Welt, und dazwischen befindet sich das Unendlichkeitszeichen mit einem Plus und einem Minus-Zeichen!

Martin: Auf das Cover sind wir im Endeffekt alle gemeinsam gestoßen. Der Name »Infinity« stand bereits, und wir wollten ihn in einem Bild umsetzen. Durch Zufall stieß Axel auf diese Photografie.
Hagen: Eigentlich sind es jedoch nicht zwei Welten, sondern eine Nebelspirale, die durch ein schwarzes Loch geteilt wird. In das schwarze Loch haben wir das Unendlichkeitszeichen reingepackt. Die Photografie wurde für unser Cover nachgezeichnet.

Für die CD, die nun leider etwas auf sich warten lassen wird, habt Ihr Euch H.P. Lovecraft vorgenommen und zu seinem Buch "Dreamquest For Unknown Kadath" ein Konzept entwickelt!

Hagen: Lovecraft ist allgemein als Horrorautor bekannt, was meiner Meinung nach nicht den Punkt trifft, weil er viel mehr Tiefe in seinen Geschichten hat. Ich lese schon sehr lange Lovecraft und mein Vater auch. Es dauerte lange, bis mein Vater endlich überzeugt war, daß das, was ich in meiner Freizeit an Musik mache, doch vielleicht gar nicht mal so schlecht ist. Er hat die ganzen Jahre die Musik abschätzig beurteilt, bis er irgendwann auf den Film kam und das anerkannt hat. Irgendwann kam er mit kompletten Texten, die eine Interpretation dieses Buches von Lovecraft darstellen. In diesem Buch steckt eine Aussage, die ich bewußt zu meiner Lebensphilosophie gemacht habe: "Tue, was du willst, und du wirst es auch erreichen". Das Buch handelt von einem Menschen namens Randolph Carter. Er hat drei Träume von einer wunderschönen Stadt, und er versucht, in diese Stadt zu kommen, wird aber in seinen drei Träumen immer daran gehindert. Er geht auf die Wanderschaft, um die Götter zu befragen, warum er nicht in diese Stadt darf. Er schafft es, die Stätte der Götter zu finden, trifft aber die Götter nicht an, sondern nur den Botschafter der Götter. Dieser gibt ihm den Hinweis, daß er genau wissen muß, wann und was er tun muß, sich durchsetzen muß und es dann auch kriegen wird. Dann wird er ins Weltall geschickt auf Shantak, einer Art geflügelten Pferd, und wird in einen Wirbel hineingezogen. Er muß nur wissen, wann er abspringen muß, und dann fällt er nur noch bis er direkt in der Stadt landet. Er stellt fest, daß es die Stadt ist, in der er seine Jugend verbracht hatte und an die er sich nur noch sehr vage erinnern konnte.

Wobei noch wichtig ist, daß er auf seinem Flug durchs Weltall alles vom Urknall an bis zum Untergang von Universen erlebt. Ich fand außerdem interessant, daß Du das Buch der ganzen Band zum Lesen gegeben hast. Es stammt also nicht allein von Dir als Sänger, sondern die ganze Band hat sich in diese Stimmung hineinversetzt!

Hagen: Ja, das war natürlich wichtig, daß jeder wußte, worum es in dem Buch geht! Wir haben eigentlich nur wenigen Leuten von dieser Idee erzählt, aber diejenigen, die davon wußten, haben sehr positiv drauf reagiert. Dadurch kamen wir auch mit Ralph Hubert ins Gespräch, der Interesse hat, die CD zu produzieren, und mit Michael Bähre, der an der Gestaltung des Booklets beteiligt sein wird (Jep - Ihr habt gut aufgepaßt! Michael hat auch das Cover des neuen UNDERGROUND EMPIRE gemalt! - Red.). Mein Vater wollte das gesamte Projekt bezahlen. Seine Idee sieht weiterhin so aus, daß das Projekt zu einem Allround-Kunstwerk wird. Mein Vater ist Galerist, und er wollte zu der Musik und dem Buch eine Mappe mit Originalkunstdrucken, die diese Geschichte interpretieren, zusammenstellen. Es werden dann also die CD, das Buch und die Mappe zusammen verkauft werden.

Wolltet Ihr die CD selbst vertreiben oder hattet Ihr eventuell drauf spekuliert, daß eine Firma das fertige Band übernimmt und die CD auf den Markt bringt?

Hagen: Das war noch nicht hundertprozentig ausgereift. Die Idee meines Vaters ist, das Package über den Kunsthandel zu vertreiben, so daß es in Buchhandlungen, Galerien, etc. erhältlich wäre. Er hat den Suhrkamp Verlag angeschrieben, bei dem die Lovecraft Sachen erscheinen und wollte da etwas aushandeln. Das wäre mir sehr recht, denn es würde diese Eingefahrenheit und Begrenztheit des Heavy Metals durchbrechen. Ich möchte aus diesem eingefahrenen Heavy Metal-Gedankengut ausbrechen und auch andere Leute erreichen. Ich bin der Überzeugung, daß FATES WARNING mit »Perfect Symmetry« ganz andere Leute hätten erreichen können und die Platte hätten wesentlich besser verkaufen können, wenn da nicht alles ausschließlich über Metal-Magazine gelaufen wäre.

Vom zweiten Demo zum dritten Demo hat sich Eure Musik vom konventionellen Metal hin zu progressiven Metal gewandelt. Was können wir auf der CD erwarten? Wird Eure Musik noch extremer oder werdet Ihr ein ähnliches Level behalten?

Hagen: Kann man momentan nur schwer sagen, aber ich gehe mal stark davon aus, daß der Stil von »Infinity« beibehalten wird und von da aus die Musik weiterentwickelt wird. Ich möchte diesen Stil beibehalten, weil er dem entspricht, was ich machen möchte.

Martin: Wir haben uns bei »Infinity« zur Voraussetzung gemacht, daß wir etwas machen wollen, das mit dem Begriff "Heavy Metal" nicht zu definieren ist. Von den Reaktionen her kann man sagen, daß wir das erreicht haben, was wir wollten, so daß wir diesen Weg weiterführen wollen.

Hagen: Man muß allerdings sagen, daß dieser Stil eher zufällig zustandekam. Wir haben nach »Of Tyrants And Reflections« konstant weitergearbeitet, und wahrscheinlich wäre das nächste Demo nicht so verschieden gewesen, wenn Tomek nicht ins Spiel gekommen wäre. Das Keyboard hat alles umgekrempelt, weil es einen ganz anderen Sound erzeugt hat und weil Tomek so gut spielen kann, ist er mehr in den Vordergrund getreten als bei anderen Gruppen. Außerdem haben Tomek und Jan sich gegenseitig so hochgespielt, daß es fast ein Konkurrenzkampf war, bei dem, meiner Meinung nach, unglaubliche Sachen entstanden. Ich habe zwar nie verstanden, wovon sie sprachen, aber ich war immer sehr fasziniert.

PAYNE'S GRAY-Bandphoto 2

Damit hast Du schon gut zu meiner nächsten Frage übergeleitet. Auf »Infinity« hatte das Keyboard ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Wie wird das nun aussehen, da Tomek nicht mehr in der Band ist?

Martin: Hagen und ich sind uns auf jeden Fall einig, daß es bei uns nur mit einem Keyboard weitergehen wird.

Tomek: Es ist noch nicht mal so sehr eine Frage des Keyboards allein, sondern eine Frage, wie man das Keyboard einsetzt. Ich war kein Keyboarder wie andere, die nur Teppich legen wollen, sondern ich wollte die Dinge, die ich auf der Musikhochschule gelernt habe, in der Band verwirklichen. PAYNE'S GRAY haben mir diese Möglichkeit gegeben, und so hat es sich entwickelt.

Wäre es nicht eine Möglichkeit, daß Du weiterhin nebenher mitwirken würdest, man dann live beispielsweise auf Samples zurückgreifen würde?

Hagen: Diese Sache haben wir durchgesprochen, weil wir gemerkt haben, daß unsere Versuche, das Keyboard selbst zu bewältigen, nicht dem entsprachen, was wir wollen. Damals hatten wir darüber gesprochen, ob er eventuell zurückkommt, aber Tomek hat momentan einfach keine Zeit zur Verfügung, die er einer Band widmen kann.

Ich glaube, aus Euren Worten lesen zu können, daß diese Besetzung von »Infinity« so etwas wie eine Idealbesetzung war. Wie groß sind Eure Hoffnungen, daß Ihr das wieder erreichen könnt?

Hagen: Ich habe da eine Wunschvorstellung und habe außerdem viel Energie. Ich habe den Willen, so lange zu suchen, bis wir das Richtige gefunden haben. Zweite Wahl bringt einfach nichts!

Martin: Wenn wir diese Hoffnung nicht hätten, könnten wir es auch gleich bleiben lassen!

Meine nächste Frage hat sich seit vorgestern praktisch erledigt, denn ich wollte auf die Klassik von »Unison« eingehen, für die eben Tomek und Jan verantwortlich waren, die nun aber beide nicht mehr in der Band sind. Laß es mich daher so formulieren, daß ich frage, ob Ihr vorhabt, weiterhin solche klassischen Elemente in Eurer Musik zu verarbeiten!

Hagen: Ich bin offen dafür. Das muß noch nicht mal von den neuen Musikern abhängen. Wer sollte uns verbieten, daß Jan irgendwann mal als Gast mit seiner Flöte bei uns mitspielt. Schließlich sind wir nicht im Streit voneinander gegangen.

Ich habe mittlerweile öfter mit Deinem Vater telephoniert als mit Dir, der mir irgendwann mal gesagt hat, daß Du eigentlich im Proberaum leben würdest. Wie reagiert Euer Anhang, sei es nun Familie oder Freundin, auf dieses exzessive Proben, bei der nahezu Eure ganze Freizeit draufgeht?

Hagen: Meine Beziehung ist daran zerbrochen. Das Problem kennt sicher jeder Musiker, denn jede Probe ist für die Freundin sicherlich eine überflüssige. Man muß Zeit in die Musik investieren, aber muß sich andererseits auch der Freundin widmen, weil man sonst eine Beziehung vergessen kann.

Martin: Es gibt sicher privat Streß, aber ich will etwas verwirklichen, und daher interessiert es mich nicht, wieviel Freizeit ich hineinstecken muß. Ich bin nicht bereit, Kompromisse einzugehen. Wir proben so oft und so lange wie es sein muß!

Du hast gesagt, daß Du die Energie, immer weiter Musik zu machen, weiterhin in Dir spürst. Was treibt Dich, angesichts des ganzen Ärgers, den Du mit der Musik hast, vorwärts? Ist es göttliche Inspiration, die Du in Dir spürst, daß Du Musik machen mußt?

Hagen: Für mich ist die Musik ein Medium, meine Gedanken auszudrücken! Das war bei mir ganz stark bei ›The Duellists‹ der Fall, in das ich mich so sehr hineinversetzen konnte, daß ich das Lied mit geschlossenen Augen singen mußte. Es ist für mich ein Drang, Musik zu machen!

Tomek: Wir haben gesehen, daß man sich mit Hilfe der Musik entlasten kann. Man kann Probleme verarbeiten und in konzentrierter Form wieder von sich geben. Es stecken unheimlich viele Emotionen in der Musik. Musik ist eine Sprache! Als ich nach Deutschland kam, konnte ich die deutsche Sprache nicht. Also habe ich mich durch die Musik mit den Leuten verständigt. Ich habe mit deutschen Bands zusammengespielt, ohne daß ich ein Wort Deutsch sprechen konnte!

Haben diese Sprachschwierigkeiten Deine Bemühungen am Keyboard noch mehr vorangetrieben?

Tomek: Ja, natürlich! Das hat meine Entwicklung und meine Ausdrucksfähigkeit auf meinem Instrument weiter vorangetrieben.

Ich komme mir gerade eben vor, als säße ich in einem Kino und es liefe ein Film, in dem sich zwei Menschen wie verrückt lieben und doch nicht zueinander kommen. Auf mich wirkt es einfach so, daß Tomek der optimale Keyboarder für PAYNE'S GRAY ist und Ihr trotzdem nicht zusammen spielen könnt!

Hagen: Er ist schon immer der optimale Keyboarder für uns gewesen, auch seit er nicht mehr dabei ist. Es ist eine Sache, die ich manchmal einfach nicht verstehe... Ich war letztens bei Tomek, und wir haben stundenlang ohne Resutat über diesen Punkt gesprochen. Es läßt sich momentan wohl nicht ändern!

Wie wichtig ist Euch die musikalische Perfektion?

Hagen: Sehr wichtig! Nur leider ist nie etwas wirklich perfekt gewesen. Aber im großen und ganzen kam es dem, was ich mir vorgestellt habe, sehr nah. Das bedeutet für mich Perfektion. Es hat für mich nichts damit zu tun, daß alles 100 Prozent fehlerfrei ist, sondern daß das, was ich mir am Anfang vorgestellt habe, auch rüberkommt. Dazu muß man an den Instrumenten ein gewisses Level haben, um es umsetzen zu können.

Die Livepräsentation war Euch aber nicht so wichtig gewesen, sondern eher die Perfektion im Studio?

Hagen: Am Tag nachdem Tomek die Band verlassen hatte, haben wir live gespielt - ohne Keyboards. Das war teilweise etwas seltsam, weil da manchmal Lücken waren, weil Tomek fehlte. Es war also alles andere als perfekt, aber es kam trotzdem rüber. Beim Publikum, das übrigens absolut nicht-metallisch war, ist es angekommen, und sie haben die Stimmungen eingefangen. Es war wahrscheinlich das beste Konzert, das ich je gegeben habe! Im Studio hat man tausende Möglichkeiten, die man voll auskosten kann. Ich finde es auch in Ordnung, wenn man das macht. Live sollten wenigstens die Basics selbst gespielt werden. Das, was nicht mehr zu machen ist, sollte man weglassen und nicht künstlich machen. Im Studio habe ich alle Chöre eingesungen, was live natürlich nicht machbar ist. Das müssen dann einfach die anderen übernehmen, aber man sollte nicht Sequenzer oder Sampler einsetzen. Wenn die Chöre dann etwas falsch sind, macht das nichts. Von daher ist live für mich die Perfektion nicht so wichtig, sondern eher die Stimmung.

Ich hoffe, daß mir die Extraktion des Wesentlichen unseres Gespräches gelungen ist. Im Wirklichkeit war da noch sehr viel mehr, das während dieser Stunde über das Mikrophon in den Walkman geflossen ist.
Doch damit nicht genug. Seit dem Interview sind einige Tage vergangen und die Uhr ist auch für PAYNE'S GRAY nicht stehengeblieben. Grund genug, bei Sänger Hagen nochmal telefonisch nachzuhaken!

Ihr habt mittlerweile wieder ein komplettes Line-up, erneut absolut international besetzt. Erzähl'!

Zunächst ist Tomek wieder fest bei uns, da sich seine zeitlichen Probleme gelöst haben. Außerdem gibt es bei PAYNE'S GRAY nun zwei Sänger. Neben mir wird von nun ab auch Haluk Balikci singen. Die Drummerfrage ist ebenfalls geklärt, denn wir haben in Daniel Hermann einen neuen Drummer. Auch Jan ist wieder dabei, so daß PAYNE'S GRAY nun aus 4/5 der »Infinity«-Besetzung plus zwei neuen Leuten bestehen. Wie es der Zufall wollte tummeln sich nun ein Türke, ein Koreaner, ein Pole, ein Franzose und zwei Deutsche bei PAYNE'S GRAY.

Ich vermute, daß Ihr inzwischen auch musikalisch einige Schritte nach vorn getan habt!

Ja! Wir haben die Vertonung von "Dreamquest For Unknown Kadath" abgeschlossen. Die einzelnen Titel lauten ›Dream Sequence‹, ›Sunset City‹, ›The Cavern Of Flame‹, ›Captured (Moonlight Waters)‹, ›A Hymn To The Cats‹, ›The Way To Ngranek‹, ›In The Vault‹, ›Reaching Kadath‹, ›Nyarlathoteps Reception‹, ›Riding The Shantak‹, ›Finale: Sunset City Part II‹. Wir wollten eigentlich im Rahmen einer Eigenproduktion zu Ralf Hubert, der uns auch produziert hätte, ins Studio gehen. Urplötzlich jedoch bekamen wir vor etwa drei Monaten, zwei Jahre nach Veröffentlichung von »Infinity«, Dealangebote von verschiedenen Firmen. So haben wir zunächst im Proberaum ein neues Promotape eingespielt, mit dem sich nun entscheiden wird, ob wir einen Vertrag unterschreiben werden oder nicht. Sollte keine Firma uns haben wollen, werden wir auf jeden Fall »Kadath Decoded«, so wird der endgültige Titel der CD sein, in Eigenregie realisieren. Ob sich das Package aus CD, Buch und Kunstdrucken verwirklichen lassen wird, wissen wir noch nicht, da sich die Sache schwieriger gestaltet als erwartet.
Wir haben uns noch ein wenig mehr vom Schwermetall entfernt, um uns noch intensiver der Klassik zu widmen. Es ist alles beruhigter. Damit meine ich, daß nicht ganz so viele Instrumentalteile in den Songs selbst sind. Dafür haben wir zwischen den Stücken und in zwei Instrumentalnummern genug Platz gelassen.
Im gesanglichen Bereich hat sich auch einiges getan. Es stehen jetzt zwei Sänger zur Verfügung, und so ist im Grunde einiges zweistimmig, zum Teil abwechselnd, klassisch gehalten. Haluk bringt aus seiner Kultur einige orientalische Einflüsse mit.
Ach ja, die Flöte. Sie wird dreimal, unter anderem bei ›Dream Sequence‹ und im Finale zu hören sein.

PAYNE'S GRAY-Bandphoto 3

Das klingt alles mehr als interessant! Ich kann auf jeden Fall von mir behaupten, daß ich extrem auf das CD-Projekt gespannt bin, ganz gleich, ob eine Firma genügend Durchblick hat, die Veröffentlichung unter ihrer Flagge laufen zu lassen oder ob die Band zu einer Einzelkämpfermanier gezwungen sein wird. Ich kann mir gut vorstellen, daß auch bei Euch Interesse aufgekeimt ist. Da ich die fünf Stücke des angesprochenen Promotapes vorliegen habe, kann ich Euch nun noch den Mund etwas wässrig machen, denn ich bin höchst begeistert bis euphorisch im Anblick dieser fabelhaften Musik. Es würde sicher zu weit führen, alle Stücke anzusprechen, zumal sie wahrscheinlich auch erst durch ihre Eingliederung in das Gesamtkunstwerk ihre vollständige Wirkung entfalten können. Jedoch komme ich nicht umhin, wenigstens kurz ›Captured (Moonlight Waters)‹ zu erwähnen, da man zu einem solchen Meisterwerk einfach nicht schweigen kann. Eine Ballade mit einem prickelnden Spannungsaufbau, einer Dynamik, die ihresgleichen sucht, die einen Widerstreit und eine gleichzeitige Kooperation zwischen Keyboard und Gitarre präsentiert, bei der sich der Reiz zweier unterschiedlicher Leadgesänge voll entfaltet. Aber abgesehen von dieser Andeutungen haben wir derzeit keine Wahl, als der Dinge zu harren, die die Zukunft noch vor uns verborgen hält. Einzig und allein diejenigen, die PAYNE'S GRAYs »Infinity« noch nicht kennen, können für 14,- DM das exzellente Tape bestellen, so daß sie eine Idee davon erhalten, was man von PAYNE'S GRAY erwarten darf.

https://www.facebook.com/Paynes-Gray-German-prog-metal-band-302874472623/

Vorbereitung:
Stefan Glas

Interview:
Eddi Ambrozi + Stefan Glas

Bearbeitung:
Stefan Glas

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PAYNE'S GRAY – Infinity (Demo-Review von 1992)
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