UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  MINISTRY-Interview

Date:  13.11.1992 (created), 31.07.2021 (revisited), 31.07.2021 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Es ist zweifelsohne eine unkonventionelle Story, was vor allem auf Panos Part zur├╝ckzuf├╝hren ist. ├ähnliche Dinge ereigneten sich damals mehr als einmal. Es war seinerzeit ein offenes Geheimnis, da├č Bandleader Al Jourgensen gewisse Probleme hatte - die er ├╝brigens teilweise auch in der Musik verarbeitete. Der damalige Singlesong ÔÇ║Just One FixÔÇ╣ spricht da B├Ąnde. Es kam dazu, da├č der Hype um MINISTRY wegen ihren Singles ÔÇ║Jesus Built My HotrodÔÇ╣ und ÔÇ║N.W.OÔÇ╣ ├╝berbordend war, so da├č es f├╝r die Musiker vielleicht auch nicht einfach war, mit der Gesamtsituation umzugehen. Erfreulicherweise hat Meister Jourgensen sich schon l├Ąngst wieder im Griff, so da├č MINISTRY bis heute aktiv sind.

Abschlie├čend noch ein Wort zu dem wunderbaren selbstentworfenen Logo. :-) Im Hintergrund liegt ein Symbol, das einer Fabrik ├Ąhnlich sieht. Denn: Industrial Metal wurde nun mal so benannt, weil vieles wie Ger├Ąusche aus einer Fabrik klingt. Dann wurden m├Âglichst chaotisch die Buchstaben des Bandnamens in verschiedenen Schriften und mit unterschiedlichen F├╝llungen dar├╝ber verstreut; Ehrensache, da├č f├╝r die beiden "i" das Symbol f├╝r einen ├ľlbohrturm genommen wurde. Au├čerdem wurde der Interviewtitel - in einer m├Âglich h├╝bsch-h├Ą├člichen Schrift in zwei Portionen verteilt auf den beiden Seiten hinter den Text gelegt.

Supervisor:  i.V. Stefan Glas

 
 

MINISTRY-Logo

Also - es wird mal wieder kompliziert, deshalb habe ich (ach so, Stefan hei├če ich, f├╝r alle, die mich noch nicht kennen) es mir erlaubt, eine gewisse Rahmenstory zu dem MINISTRY-Teil zu liefern, die etwas Klarheit schaffen soll, auch wenn ich mit der Story an sich nichts zu tun habe. Die erste Episode war ganz einfach: Holger f├╝hrte ein Interview mit MINISTRY. Deshalb will ich mir jede weitere Vorrede sparen und erteile hiermit das Wort dem Herrn Andrae!

MINISTRY-Headline

"Was machen MINISTRY in den geheiligten Seiten des UNDERGROUND EMPIRE", werden sich jetzt einige unter Euch berechtigterweise fragen (Merkt Ihr, da├č Andrae mal wieder ma├člos ├╝bertreibt? - Stefan Glas). Nun, ganz einfach, wir wollten uns von Beginn an nicht auf eine bestimmte Richtung limitieren, sondern offen sein f├╝r neue Einfl├╝sse, die auch au├čerhalb der Metalstandards liegen. Als ich MINISTRY vor etwa zwei Jahren das erste Mal h├Ârte, konnte ich es kaum glauben. Die Energie, die von einem Song wie ÔÇ║ThievesÔÇ╣ ausging, faszinierte mich sofort. Obwohl ich bis dahin grunds├Ątzlich gegen jede Art von computerisierter Musik eine Abneigung hatte, wu├čten MINISTRY mich mit ┬╗The Mind Is A Terrible Thing To Taste┬ź und vor allem dem alles vernichtenden Livealbum gnadenlos zu ├╝berzeugen. Willenlose Zerst├Ârung musikalischer Natur kombiniert mit Monotonie l├Ą├čt eigentlich keine Songs entstehen. Von Songs im herk├Âmmlichen Sinne will ich bei MINISTRY aber auch gar nicht sprechen. Vielmehr von apokalyptischen Soundtracks mit gelegentlichen Rockelementen. Mit ÔÇ║Jesus Built My HotrodÔÇ╣ landeten die beiden Noisyisten Al Jourgensen und Paul Barker einen Charterfolg, der auch meine Wenigkeit zum willenlosen Monster werden lie├č! Als sich nun die Chance bot, mit Paul Barker ├╝ber den neuen Rundumschlag ┬╗Psalm 69┬ź zu plaudern, nutzte ich die Gunst der Stunde. Es pr├Ąsentierte sich mir ein ├Ąu├čerst interessierter Gespr├Ąchspartner, der lieber erst ├╝ber etwas nachdachte, anstatt irgendwelchen D├╝nnsinn zu plappern.
Erst einmal wollte ich den Grund f├╝r die ewige Verz├Âgerung des Albums wissen. Es war die Rede von diversen Studioproblemen. Au├čerdem hie├č es, MINISTRY h├Ątten ihr eigenes Studio errichtet!

Wir waren mit dem Material, das wir geschrieben hatten, nicht zufrieden. Hinzu kamen die Arbeiten an unserem eigenen Studio, welches noch nicht fertiggestellt ist. Sicher ist nur, da├č wir die n├Ąchste Platte dort aufnehmen werden. Das Studio wird ausschlie├člich von uns genutzt werden. Wir wollen eine Situation schaffen, in der wir v├Âllig ohne Druck von au├čen aufnehmen k├Ânnen. Das bedeutet, wir k├Ânnen auch mal drei Tage nichts tun, was in einem ├Âffentlichen Studio nat├╝rlich Geld kosten w├╝rde. Es sollen reine MINISTRY-Alben entstehen, ohne Einflu├č von irgendwem sonst. Das ist der Hauptgedanke.

Nun pr├Ąsentiert mir Paul das Cover zu ┬╗Psalm 69┬ź. D├╝ster und depressiv sind die beiden ersten Vokabeln, die mir einfallen. Das sieht er allerdings v├Âllig anders. Mit einem Schmunzeln kl├Ąrt er mich auf!

Ja, es ist dunkel, aber es zeigt einen Engel. Ich denke, es ist ein optimistisches Cover. Wir sind ja auch eine optimistische Band, auch wenn wir gelegentlich nicht so klingen. Manchmal sind wir einfach w├╝tend ├╝ber Menschen, die nicht nachdenken. Das ist unsere Absicht. Wir wollen zum Nachdenken anregen, keine Predigt halten.

Mir scheint, Ihr steht mit der Kirche auf Kriegsfu├č. Das Cover mit dem Engel und dann der Albumtitel deuten dies schon an. Warum also dieser Albumtitel? Immerhin steht der Psalm 69 unter der Headline "Gebet in tiefstem Leiden". Ein Bandmotto?

Der Albumtitel ist ein Insiderjoke. In Amerika haben wir die King James-Bibel, in der es diesen Psalm gar nicht gibt (H├Ą??? - Red.). Ich denke, die Kirche ist eine total heuchlerische Organisation. Wir werden quasi gezwungen, mit ihr zu leben. Sie nimmt den Menschen die Individualit├Ąt, schaltet ihr Gehirn aus. Was wir mit unserer Musik erreichen wollen, ist diese Menschen wachzur├╝tteln, ihre Gehirne zu reaktivieren. (D├╝rfte mit dem L├Ąrm kein Problem sein. - Red.)

Nun konfrontierte ich Paul mit meinem anfangs schon erw├Ąhnten Grundgedanken, da├č Musik etwas mit Gef├╝hlen zu tun habe und deshalb nicht von Maschinen produziert werden k├Ânne!

Es h├Ąngt davon ab, wie Du die Ger├Ąte einsetzt. Es ist m├Âglich, mit einem Sequenzer Folkmusik zu spielen, aber auch Punkrock. Wir versuchen ganz einfach, so aggressiv und laut wie eben m├Âglich zu sein. Du kannst Deine Gef├╝hle auch durch einen Sequenzer wiedergeben, deshalb wird man nicht selbst zum Roboter.

Siehst Du Eure Musik als eine Kunstform, und wenn ja, wo st├Â├čt Kunst Deiner Meinung nach an ihre Grenzen?

Sicherlich ist MINISTRY f├╝r mich Kunst. Keine Frage! Die einzige Einschr├Ąnkung sehe ich darin, da├č Du die Leute nicht dazu bringen kannst, die Sache mit Deinen Augen zu sehen. Nimm zum Beispiel den Song ÔÇ║Nazi Punks Fuck OffÔÇ╣ bei einem DEAD KENNEDYS-Konzert. Du wirst nicht glauben, wieviele hirnlose Skinheads diesen Song gut finden, weil sie den Sinn nicht begreifen. Sie h├Âren nur, da├č der Song sich um Nazi-Punks dreht und finden es geil. Da w├╝rdest Du am liebsten von der B├╝hne springen und den Typen die Birne weichklopfen. Ich denke, hier st├Â├čt Kunst an ihre Grenzen. Nicht in ihrer Aussage, sondern in ihrer Interpretation. Deshalb drucken wir auch keine Lyrics ab.

Nun gibt es bei Euch aber auch Songs, die praktisch v├Âllig ohne Text auskommen und einfach nur Noise darstellen. Bestes Beispiel hierf├╝r ist der letzte Titel des Albums. Wie kommt man darauf, so einen Song mit ÔÇ║GraceÔÇ╣ zu titulieren?

Ganz einfach, wir lieben Noise!!! ÔÇ║GraceÔÇ╣ hat etwas mit innerem Frieden zu tun. Wir waren einfach froh, dieses Album endlich im Kasten zu haben, hahaha. Es dreht sich um ein endg├╝ltiges Ende, um Doomsday und die Apokalypse. Wer wei├č, vielleicht ist das eine endg├╝ltige Sch├Ânheit?

Auf der anderen Seite habt Ihr diesmal mehr Gitarren auf der Scheibe. In ÔÇ║HeroÔÇ╣ steht gar ein reiner Metaltrack mit Solo auf der Scheibe. MINISTRY goes Rock'n'Roll?

Yeah, maybe. Auch wenn ÔÇ║HeroÔÇ╣ sicherlich nicht der beste Metaltrack der Welt ist, war er eine Herausforderung f├╝r uns. Es hat einfach Spa├č gemacht, das Teil aufzunehmen. Live verzichten wir eh' auf den Noisekram und spielen nur die Gitarrensongs. Wir haben vier Gitarristen auf der B├╝hne, keine Sequenzer, halt totale Ekstase. Das kann man bei unserer Liveshow immer erleben!

Ekstase ist ein gutes Stichwort! Es gibt hier diese Tekkno-Parties, wo Dreizehn-, Vierzehnj├Ąhrige sich mit Drogen zukiffen und v├Âllig abdrehen. Hast Du nicht Angst, da├č Ihr mit Eurer Musik einen ├Ąhnlichen Effekt erreichen k├Ânntet?

Nein, absolut nicht! Diese Kids h├Âren nicht MINISTRY, dazu ist unsere Musik zu anstrengend. Sie wollen einfach nur diese Extase. Vor allem in England ist das ein riesiges Problem, da die Kids da vor allem Crack nehmen. Klar, seit einiger Zeit sprechen wir auch neue H├Ârer an, aber das sind vor allem Metalheads und MTV-Glotzer. F├╝r diese haben wir mit ÔÇ║N.W.O.ÔÇ╣ auch schon einen Clip in Planung. In den Staaten setzt sich unser Publikum aus Metals und Collegetypen zusammen, die uns von Beginn an kennen. Nein, diese Drogenfreaks sprechen wir nicht an, da bin ich ganz sicher!

Hier lief dann unsere Zeit leider ab, aber Paul konnte mir gl├╝cklicherweise noch versichern, da├č sie bereits mit den Arbeiten zu einem neuen LARD-Album begonnen haben. Wenn das Teil ├Ąhnlich intensiv ausf├Ąllt wie ┬╗Last Temptations Of Reid┬ź, steht uns ein Killer ins Haus. Mit DEAD KENNEDYS-Frontmann Jello Biafra hat man auch wieder einen Garant f├╝r explosive Textinhalte. Wer sich jetzt vielleicht mit MINISTRY anfreunden m├Âchte, dem seien die oben bereits erw├Ąhnten Scheiben, sowie die neue Scheibe ans Herz gelegt. ├älteres Material, mit der Ausnahme von ÔÇ║Milk & HoneyÔÇ╣, werden f├╝r Euch nicht interessant sein, da sehr poppig. ├ťbrigens, hat man mit ÔÇ║N.W.O.ÔÇ╣ eine weitere Auskopplung am Start, deren Flipside mit ÔÇ║FuckedÔÇ╣ wieder einen erstklassigen Noisetrack bietet!

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Holger Andrae

Damit aber nicht genug, (ach so, ich bin's mal wieder - Stefan, wie Ihr vielleicht noch wi├čt), denn es begab sich an einer Universit├Ąt zu Mainz, da├č sich Pano Christodulopulos, seines Zeichens Schreiberling beim REVELATION, und meine Wenigkeit kennenlernten, da man von der gleichen Uni, wenn auch von verschiedenen Fakult├Ąten, leidgepr├╝ft wird. Eines Tages kam also Pano mit der Idee, da├č er gerne ein MINISTRY-Interview machen w├╝rde. Beim REVELATION bestand jedoch kein gesteigertes Interesse an diesem Thema, so da├č er sich mit dem Gedanken des vor├╝bergehenden Fremdgehens trug. Also kam man ├╝berein, da├č er doch das Interview von Holger noch etwas ausbauen sollte. Also machte ich mich dran, alles zu organisieren, Panos Interviewtermin, sowie eine Lizenz zu Photografieren f├╝r mich selbst. Das schien auch alles easy zu klappen, bis zu dem Zeitpunkt, als mich eine ziemliche Grippe packte und ins Bett zerrte, so da├č ein Photopa├č an jenem Abend verwaist an der Kasse liegenblieb. Wie Pano sich fast auch eine Grippe geholt h├Ątte, das schildert er nun selbst. Von einem, der auszog, ein MINISTRY-Interview zu machen...

An dieser Stelle sollte urspr├╝nglich mein MINISTRY-Interview stehen, das ich mit der Band am 4. November 1992 vor ihrem Konzert in der Frankfurter "Music Hall" f├╝hren sollte. Warum nichts daraus wurde, ist dem folgenden Stundenprotokoll zu entnehmen.
17.00 Uhr: Kurz vor dem vereinbarten Termin treffe ich in der "Music Hall", oder besser gesagt davor, ein, und Joachim Fink von der zust├Ąndigen Promoagentur NTT MEDIEN gibt meiner guten Laune gleich einen ersten D├Ąmpfer. Die Band sei zwar am Vormittag aus Berlin losgefahren, aber noch nicht anwesend. Es d├╝rfte aber nicht mehr lange dauern und ├╝brigens, "...wei├čt Du schon, da├č Du mit drei anderen zusammen das Interview machen wirst?". Grund: Der Andrang sei gro├č, und die Band wolle sowieso nicht viele Interviews auf der Tour geben. Diese Nachricht kam v├Âllig ├╝berraschend, und mir bleibt nichts ├╝brig, als zusammen mit sechs anderen Interviewwilligen vor der Halle auf die Band zu warten.
18.00 Uhr: Nachdem sich in der Zwischenzeit nicht viel getan hatte, von einem angeregten Gespr├Ąch mit zwei Mitarbeitern eines Fanzines namens PUMP mal abgesehen, h├Ąlt pl├Âtzlich ein Ford Transit vor der Halle. Es steigen aus: vier Musiker (die Vorband HELMET), zwei Roadies und jede Menge Equipment, darunter auch ein Schlagzeug. Logische Schlu├čfolgerung: Wenn HELMET mit diesem vergleichsweise kleinen Gef├Ąhrt relativ p├╝nktlich sind, d├╝rften MINISTRY, die mit einem gro├čen Bus fahren, auch gleich aufkreuzen. Inzwischen ist es n├Ąmlich dunkel und ziemlich kalt geworden, und auch das sich immer witziger gestaltende Gespr├Ąch mit den PUMP-Leuten kann nicht dar├╝ber hinwegt├Ąuschen, da├č wir alle ziemlich frieren. Aber wo HELMET sind, k├Ânnen MINISTRY nicht mehr weit sein, oder?
18.30 Uhr: Ein Taxi h├Ąlt vor der Halle, drei Gestalten mit Taschen steigen aus, schauen sich ein Mal kr├Ąftig um und verschwinden schlie├člich, ohne da├č sie aufgehalten werden, in der Halle. Sp├Ąter stellt sich heraus, da├č diese Menschen eine Schl├╝sselrolle in der Story spielen. Es handelt sich n├Ąmlich um drei extra aus England eingeflogene Journalisten, die hier ebenfalls ein MINISTRY-Interview machen sollen. Grund dieser Aktion: Wenn die Band einige Zeit sp├Ąter die Tour in England fortsetzt, erscheinen parallel zum Tourstart Stories in drei gro├čen Heften. Genialer Schachzug der Plattenfirma! Inzwischen hat mein Gespr├Ąch mit Denis vom PUMP eine ungeahnte humoristische Dimension erreicht (es geht um Nachtschichten bei Kalle und Hoechst), was f├╝r einige Lacher sorgt. Trotzdem ist es weiterhin kalt, und die ersten Bef├╝rchtungen werden laut, da├č aus den Interviews wohl nichts mehr wird.
19.00 Uhr: Es tut sich weiterhin nicht viel. Mein Gespr├Ąchspartner ist mal kurz zur Tankstelle gegangen, um sich was zum Essen zu besorgen, als pl├Âtzlich aus dem Nichts ungef├Ąhr 15 uniformierte Ordner auftauchen, darunter eine Frau, die mit entschlossenem Blick und in milit├Ąrischer Formation in die Halle stapfen. Vor dem Eingang hat sich mittlerweile schon eine gro├če Menschentraube gebildet. Obwohl das Konzert ausverkauft ist, versuchen einige Unentwegte, irgendwo noch eine Karte aufzutreiben. Einer ist angeblich bereit bis zu 150,- DM zu bezahlen. Ich ├╝berlege mir schon, ob ich nicht auf dieses Bombengesch├Ąft eingehen soll, aber mein Pflichtbewu├čtsein gewinnt bei diesem intraindividuellen Gepl├Ąnkel die Oberhand, und ich bleibe weiterhin in der K├Ąlte stehen und warte bis die Zeit vergeht.
19.30 Uhr: Mein Lieblings-PUMP-Mitarbeiter ist auch wieder da und wundert sich kein bi├čchen, da├č w├Ąhrend seiner Abwesenheit fast nichts passiert ist. Aber da war doch noch was? Richtig, Joachim Fink von NTT, der anfangs meinte, es w├╝rde nicht mehr lange dauern. Nachdem er sich in den letzten 60 Minuten ziemlich rargemacht hatte, kuckt er mal wieder kurz raus, und ich ergreife die M├Âglichkeit, ihn zu fragen, ob denn heute noch was passieren w├╝rde. Er bleibt weiterhin optimistisch und meint, da├č wir sofort anfangen k├Ânnten, wenn die Band da ist, weil die Musiker keinen Soundcheck zu machen brauchen. Na gut, frieren wir halt weiter. Inzwischen haben alle andern aufgegeben, nur Denis und ich bleiben hartn├Ąckig. Das Einzige, was mich aufmuntert, ist das pl├Âtzliche Auftauchen von G├Âtz Adler von den leider nicht mehr existenten SYSTEM DECAY.
20.00 Uhr: Nachdem wir nun ├╝ber drei Stunden in der K├Ąlte stehen und der Einla├č begonnen hat, kommen auch endlich MINISTRY. Wer h├Ątte das gedacht?! Die martialischen Ordner kommen wieder aus der Halle und bilden ein Spalier vom Bus, der auf der gegen├╝berliegenden Stra├čenseite gehalten hat, bis zum Eingang. Sogar den Verkehr stoppen diese Typen, damit die Rockstars sicher reinkommen. "Sind die zu bl├Âd, alleine ├╝ber die Stra├če zu gehen?", frage ich Denis, als ich sehe, da├č die Security mit dieser Aktion gar nicht mal so unrecht hatte. Als letzter steigt n├Ąmlich Alain Jourgensen aus dem Bus, vielmehr er stolpert raus. Der Typ ist so derma├čen hackedicht, da├č sein Manager ihn regelrecht ├╝ber die Stra├če schleifen mu├č. In diesem Zustand soll der ein Konzert geben? Nett!
20.10 Uhr: Jetzt geht pl├Âtzlich alles ganz schnell. Joachim Fink kommt und sagt, da├č wir uns alle um ca. halb neun in der Halle am B├╝hnenausgang treffen, damit wir endlich zur Tat schreiten k├Ânnen. Wir m├╝ssen allerdings erst zum Haupteingang rein, weil die anderen noch ihre Photop├Ąsse, u.├Ą. brauchen, die am Eingang bereit liegen. Da sieht es wie in der Fankurve eines Bundesligavereins aus. Und in zwanzig Minuten m├╝ssen wir uns da durchgek├Ąmpft haben!
20.25 Uhr: Unter Einsatz aller uns zur Verf├╝gung stehenden Ellenbogen und Spr├╝chen wie, "Da vorne stehen meine Leute!", haben wir uns erstaunlich schnell durchgek├Ąmpft. Jetzt gilt es, die n├Ąchste H├╝rde zu nehmen: den Ordner am Eingang. Als ich mit Filzen dran bin, halte ich diesem Gorilla meine Tasche unter die Nase und sage ihm, da├č sich dort drin mein Diktierger├Ąt befindet, weil ich gleich ein Interview machen soll. Er kuckt es sich an und meint nur noch: "Geht nicht!". Dieses Diktierger├Ąt ist, wie der Name schon sagt, f├╝r Musikaufnahmen v├Âllig ungeeignet. Alle Versuche, ihm das verst├Ąndlich zu machen, schlagen allerdings fehl. Auch die Erw├Ąhnung des Namens Joachim Fink l├Ą├čt ihn kalt. Ich soll mein Ger├Ąt an der Kasse abgeben und mit einem Verantwortlichen zur├╝ckkommen. Also gut, dann versuche ich halt mein Gl├╝ck bei dem Typ an der Kasse, dem ich mein Ger├Ąt ├╝bergeben soll. Der ist genauso bl├Âd und besteht darauf, da├č ich mit diesem Fink aufkreuze, damit dieser ihm best├Ątigen kann, was ich sage. Da ich keine Lust habe, mich mit vertrottelten Ordnern zu streiten, gehe ich also ohne Ger├Ąt rein und mu├č mich durch den schon vollen Laden qu├Ąlen, um zum Treffpunkt zu kommen. Dort erz├Ąhle ich Denis, was passiert ist und dieser gibt mir geistesgegenw├Ąrtig und ohne zu z├Âgern seinen Photopa├č, mit dem ich mich wieder durch die Massen zum Eingang quetsche. Dort angekommen, zeige ich den Pa├č diesem Hirni und frage ihn, ob das denn Legitimation genug sei. Antwort dieser kartoffelgesichtigen Doppelnull: "Es ist zwar nur ein Photopa├č, aber ich gebe Dir Dein Ger├Ąt trotzdem wieder!". Danke Meister! Soviel Wohlwollen habe ich nicht verdient! Also diesesmal mit dem Ger├Ąt wieder zur├╝ck zum Treffpunkt.
20.45 Uhr: Am B├╝hnenausgang herrscht ein hektisches Kommen und Gehen. Fink, der an diesem Abend die undankbare Rolle des Vermittlers zwischen den Parteien spielt, taucht auch immer wieder mal auf, murmelt was von, "Wir m├╝ssen noch einen geeigneten Raum finden, dann kann es losgehen." und verschwindet wieder. Das womit niemand mehr so richtig gerechnet hat, soll jetzt doch noch passieren? Ich kann es kaum glauben!
20.59 Uhr: Nachdem wir mal wieder nichts anderes tun k├Ânnen, als zu warten, kommt Fink wieder raus, und diesmal l├Ą├čt er die Bombe platzen: "Es ist alles abgesagt worden. Die Band macht noch ein 30-min├╝tiges Gespr├Ąch mit den englischen Journalisten und sonst nichts!" Toll! Klasse!! SUPER!! Geradezu G.E.N.I.A.L.!!! Deswegen bin ich fr├╝her aus einem wichtigen Seminar gegangen, deswegen habe ich drei Stunden in der K├Ąlte gestanden und deswegen mu├čte ich mich mit oberd├Ąmlichen Ordnern rumplagen? F├╝r nichts und wieder nichts? Mit einer tierischen Wut im Bauch kucke ich mir HELMET, die wirklich stark waren. Der Vollst├Ąndigkeit halber sehe ich mir auch noch MINISTRY an. Unabh├Ąngig vom ganzen Hick-Hack am Nachmittag fand ich sie ziemlich ├Âde. Alain Jourgensen und die f├╝nf anderen Musiker spielten v├Âllig gelangweilt ihren Set runter, und das einzige, was mich davor bewahrte einzuschlafen, waren die Videos, die auf eine Leinwand projiziert wurden. Ich gehe anschlie├čend nach Hause und lege mich mit dem Gef├╝hl, nach Strich und Faden verarscht worden zu sein, ins Bett. Ende der ├ťbertragung!


Pano Christodulopulos

Um nun die Sache zu einem Abschlu├č zu bringen, m├Âchte ich einfach noch die Frage beantworten, weshalb dieser Bericht von Pano im Anschlu├č an Holgers Interview zu lesen ist. Und weshalb dieser Artikel ├╝berhaupt in der neuen Ausgabe steht, obwohl er schon ├╝ber ein Jahr alt ist. Nun, ich denke einfach, da├č gewisse Wahrheiten nicht verschwiegen werden sollten, und dann spielt es auch keine Geige, ob sie sich schon etwas weiter zur├╝ck in der Vergangenheit abgespielt haben. Eure Meinung dazu d├╝rft Ihr Euch nun selbst bilden.

http://www.facebook.com/weareministry/


Stefan Glas

MINISTRY im ├ťberblick:
MINISTRY – UNDERGROUND EMPIRE 7-Interview
MINISTRY – UNDERGROUND EMPIRE 7-Special
MINISTRY – ONLINE EMPIRE 16-"Living Underground"-Artikel
MINISTRY – ONLINE EMPIRE 52-"Living Underground"-Artikel
MINISTRY – ONLINE EMPIRE 56-"Eye 2 I"-Artikel: ┬╗Enjoy The Quiet - Live At Wacken 2012┬ź
MINISTRY – News vom 29.01.2003
MINISTRY – News vom 24.03.2006
MINISTRY – News vom 13.08.2007
MINISTRY – News vom 15.04.2008
MINISTRY – News vom 10.02.2009
MINISTRY – News vom 01.02.2010
MINISTRY – News vom 08.08.2011
MINISTRY – News vom 02.03.2012
MINISTRY – News vom 13.11.2014
MINISTRY – News vom 01.05.2015
MINISTRY – News vom 27.05.2017
MINISTRY – News vom 13.02.2018
MINISTRY – News vom 22.03.2018
MINISTRY – News vom 30.05.2019
MINISTRY – News vom 11.05.2021
MINISTRY – News vom 11.06.2021
siehe auch: Auff├╝hrung des MINISTRY-Films angek├╝ndigt
siehe auch: MINISTRY-Film demn├Ąchst auf DVD
siehe auch: MINSTRY treten im Film "A.I. - K├╝nstliche Intelligenz" auf
siehe auch: Musik von MINISTRY im Film "Hatchet II"
siehe auch: Musik von MINISTRY im Film "Underworld: Awakening" als Remix von Danny Lohner alias Renhold├źr
siehe auch: Musik von MINISTRY in einer Episode der f├╝nften Staffel der TV-Serie "Miami Vice"
andere Projekte des beteiligten Musikers Paul Barker:
Soundcheck: LARD-Album »Last Temptation Of Reid« im "Soundcheck Metal Hammer 21-22/90" auf Platz 7
andere Projekte des beteiligten Musikers Al Jourgensen:
BEAUTY IN CHAOS – News vom 28.09.2018
DUBWISER (US) – News vom 08.07.2014
Soundcheck: LARD-Album »Last Temptation Of Reid« im "Soundcheck Metal Hammer 21-22/90" auf Platz 7
REVOLTING COCKS – Cocked And Loaded (Rundling)
SURGICAL METH MACHINE – News vom 26.02.2015
andere Projekte des beteiligten Musikers William "Bill" Rieflin:
R.E.M. – Original Album Series (Re-Release)
R.E.M. – News vom 22.02.2009
siehe auch: Musik von R.E.M. in einer Episode der dritten Staffel der TV-Serie "Alias - Die Agentin"
siehe auch: Musik von R.E.M. in einer Episode der dritten Staffel der TV-Serie "Smallville"
siehe auch: R.E.M. als Bestandteil der Storyline einer Episode der dreizehnten Staffel der TV-Serie "Die Simpsons"
SLOW MUSIC – News vom 16.08.2007
siehe auch: Bill Rieflin verstirbt am 24. M├Ąrz 2020
andere Projekte des beteiligten Musikers Michael Ralph "Mike/Ike Krull" Scaccia:
REVOLTING COCKS – Cocked And Loaded (Rundling)
RIGOR MORTIS (US, TX) – ONLINE EMPIRE 39-"Living Underground"-Artikel
RIGOR MORTIS (US, TX) – News vom 22.01.2003
RIGOR MORTIS (US, TX) – News vom 29.01.2003
RIGOR MORTIS (US, TX) – News vom 22.06.2008
RIGOR MORTIS (US, TX) – News vom 08.01.2013
RIGOR MORTIS (US, TX) – News vom 20.09.2014
siehe auch: Mike Scaccia verstirbt am 22. Dezember 2012 auf der B├╝hne
andere Projekte des beteiligten Musikers Louie Svitek:
ZOETROPE – News vom 29.07.2009
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Die UE-Gag-Ecke... "Wie nennt man Menschen, die immer mit Musikern rumh├Ąngen und sie durcheinanderbringen?" Die L├Âsung...
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