UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 84 → Rubriken-Übersicht → Special-Übersicht → MORDRED (US)-Special last update: 05.11.2020, 18:45:40  

MORDRED (US)-Logo

Auch wenn es mĂŒĂŸig ist, darĂŒber zu diskutieren, warum diese Band nicht wesentlich grĂ¶ĂŸer ist, darf nicht unerwĂ€hnt bleiben, daß MORDRED definitiv eine jener Bands waren, die fĂŒr die Erfindung des Crossover-Sounds verantwortlich zeichnete. So hatte die Formation aus der Bay Area schon auf dem 1989 aufgelegten Debut »Fool's Game« mit â€șEveryday's A Holidayâ€č einen Melodie-betonten Thrash-Song mit heftiger Funk-Schlagseite anzubieten und huldigte darĂŒber hinaus sogar Funk-Altmeister Rick James in Form einer mitreißenden Coverversion von â€șSuper Freakâ€č. Noch abgefahrener klang die Band knapp 24 Monate spĂ€ter auf ihrem zweiten Dreher »In This Life«, wurde dafĂŒr doch Aaron "DJ Pause" Vaughn ins Line-up geholt. Mit seinen elektronischen Spielereien und Scratches unterlegte er nicht nur die Songs, sein Beitrag hat den Sound der Truppe entscheidend geprĂ€gt und ĂŒberaus originell klingen lassen, wie anhand von Exemplaren wie â€șFalling Awayâ€č, die auch 30 Jahre spĂ€ter nichts von ihrer WĂŒrze eingebĂŒĂŸt haben, nachzuhören ist. Doch so innovativ und zu diesem Zeitpunkt auch einzigartig MORDRED geklungen haben, der Durchbruch blieb der Formation rund um den auf der BĂŒhne regelmĂ€ĂŸig zum Vieh mutierten Scott Holderby verwehrt. Daran konnte auch das 1995 veröffentlichte »The Next Room« nichts Ă€ndern, auch wenn sich die Kalifornier darauf zumindest hinsichtlich des Innovationsgeistes auf Augenhöhe zur Konkurrenz befanden. Davon offenbar schwer gefrustet, zog man sogar noch im selben Jahr einen Schlußstrich unter das Kapitel.

MORDRED (US)-Bandphoto

Eine erste Wiedervereinigung des Crossover-Ensembles folgte zwar bereits 2001, diese förderte jedoch kaum Verwertbares zu Tage und wurde 2007 wieder fĂŒr beendet erklĂ€rt. Sechs Jahre spĂ€ter wurde ein weiterer Versuch gestartet, offenbar mit Erfolg. Denn mit Ausnahme von Drummer Gannon Hall, der inzwischen durch Jeff Gomes ersetzt wurde, ist das »In This Life«-Line-up auch heute noch zusammen. In dieser Besetzung wurden in den Jahren 2014 und 2015 einige Clubgigs und Festivalshows absolviert und auch wieder neue Songs in Angriff genommen. Vier davon sind auf der vorliegenden Comeback-EP »Volition« verewigt und schon der Einstieg â€șNot For Youâ€č macht deutlich, daß sich die Herrschaften ganz offenkundig an ihrem 1991er GerĂ€t orientiert haben. Basierend auf einem gediegenen Thrash-Fundament brettert das Sextett mit Schmackes durch die Pampa, lĂ€ĂŸt aber auch ihrem DJ alle Freiheit dieser Welt und versteht es nicht zuletzt aufgrund der packenden Bridge mitsamt ebensolchem Refrain, zum Mitmachen zu animieren. Das macht Spaß und lĂ€ĂŸt den Hörer kurzfristig die letzten Dekaden vergessen. Wenn da nur nicht die nicht mehr ganz so fitten Kniegelenke wĂ€ren...

Weniger nach "Zeitmaschine" klingt das folgende â€șWhat Are We Coming Toâ€č, das nahezu völlig Metal-frei aus den Boxen kommt. Damit stellen MORDRED unter Beweis, daß die Band auch anno 2020 am Puls der Zeit zu musizieren versteht. Durchaus möglich, daß es die Kalifornier damit sogar schaffen, junge Fans auf sich aufmerksam zu machen. Die Ă€lteren Semester werden diesen Hip/Trip-was auch immer-Hop-Ausflug dagegen nicht zwingend brauchen. Nicht weiter tragisch, denn danach geht es wieder heftiger zur Sache. Und das mit Wucht, denn sowohl in â€șLove Of Moneyâ€č, noch vielmehr aber im Finale â€șThe Baronessâ€č, bringen James Sanguinetti und Danny White die Saiten in bewĂ€hrter FrĂŒh-90er-Bay Area-Manier zum GlĂŒhen. Auch Frontmann Scott hat nichts von seinem Charisma und seiner Ausdruckskraft eingebĂŒĂŸt und versteht es - selbst im erwĂ€hnten "Zeitgeist"-Ausfall - fĂŒr Zufriedenheit bei alteingesessenen Fans zu sorgen. Ob sich der gute Mann wohl immer noch blau anpinselt, wenn MORDRED auf die BĂŒhne gehen? WĂ€r' nett, wenn wir uns davon irgendwann mal persönlich ĂŒberzeugen könnten und die Formation bei dieser Gelegenheit auch gleich weitere neue Tracks vorstellig machen wĂŒrde. Cooles Comeback!

http://www.mordred.us/


Walter Scheurer

Photo: Tim Devlin

MORDRED (US) im Überblick:
MORDRED (US) – In This Life (Rundling)
MORDRED (US) – The Demos 1986-1988 (Rundling)
MORDRED (US) – UNDERGROUND EMPIRE 3-Interview
MORDRED (US) – ONLINE EMPIRE 84-Special
MORDRED (US) – News vom 06.04.1990
MORDRED (US) – News vom 12.03.2002
MORDRED (US) – News vom 31.03.2002
MORDRED (US) – News vom 15.02.2005
MORDRED (US) – News vom 03.03.2008
MORDRED (US) – News vom 20.08.2008
MORDRED (US) – News vom 05.11.2013
andere Projekte des beteiligten Musikers Scott Holderby:
BLUE SUN – News vom 07.06.2008
BORSTAL HOLIDAY – News vom 07.06.2008
HIGH SOCIETY ANGELS – News vom 07.06.2008
THE HI-NOBLES – News vom 07.06.2008
THE HI-NOBLES – News vom 27.09.2009
andere Projekte des beteiligten Musikers Arthur "Art" Liboon:
MERCENARY (US, CA) – News vom 01.06.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers James Sanguinetti:
MERCENARY (US, CA) – News vom 01.06.2008
© 1989-2020 Underground Empire


UNDERGROUND EMPIRE vor dreißig Jahren!
Button: hier