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  UE-Home → History → Online Empire 84 → Interview-Übersicht → BLUES PILLS-Interview last update: 18.06.2022, 10:01:29  

BLUES PILLS-Bandphoto 1

An sich war das dritte BLUES PILLS-Studioalbum für Anfang Juni angekündigt und auch bereits alles dafür vorbereitet. Doch just in jenen Tagen, an denen sich die Band mit den Promotion-Tätigkeiten für »Holy Moly!« loslegen wollte, kam ein doch überraschender Stop für sämtliche zugehörige Tätigkeiten seitens des Labels. Damit einhergehend gab es eine Terminverschiebung für die Veröffentlichung auf einen späteren, noch unbekannten Zeitpunkt. Da aber bald daraufhin der 21. August als neuer Termin bekanntgegeben wurde, waren zumindest sämtliche Spekulationen bezüglich etwaiger interner Differenzen vom Tisch.

BLUES PILLS-Logo

Sängerin Elin Larsson war ganz offenkundig heilfroh darüber, daß der Dreher unter Volk kommen kann und es schlußendlich auch mit Interviews losgehen konnte. Was sie uns zum neuen Album und diversen anderen aktuellen Geschehnissen rund um die von ihr zusammen mit Bassist Zack Anderson und dessen Halbbruder Cory Berry gegründeten BLUES PILLS mitzuteilen hatte, lest Ihr in den folgenden Zeilen.

Eines gleich vorweg: Die spontane Verschiebung des Veröffentlichungstermins hat für gehörig Unruhe und auch diverse Gerüchte gesorgt. War Euch das bewußt, was Ihr dadurch ausgelöst habt?

Ja, das war uns klar. Allerdings ist die Verschiebung nicht auf unserem Mist gewachsen, sondern auf Veranlassung unseres Labels geschehen. Den Grund könnt Ihr Euch wahrscheinlich vorstellen: Dieser die Welt in Angst und Schrecken versetzende Virus! An sich waren wir der Meinung, es würde reichen, durch die weltweite Absage von Konzerte jeder Art diesem Virus ausreichend Tribut zu zollen. Unser Label und unser Management haben uns aber davon überzeugt, daß auch eine Albumveröffentlichung mitten im "Lockdown" nicht unbedingt eine gute Idee ist. Zudem wurde uns klar gemacht, daß wir sehr wohl eine Zielgruppe ansprechen, die noch physikalische Tonträger bevorzugt. So gesehen machte es natürlich Sinn, einige Wochen zu warten. Denn was hilft es schon, ein Album zu veröffentlichen, wenn die Läden gesperrt sind und die Fans keine Möglichkeit haben, es zu kaufen?

BLUES PILLS-Headline

Eben. Die Verschiebung an sich war es ja auch nicht, die für Verwirrung gesorgt hat, sondern der nicht kommunizierte, anvisierte Zeitpunkt. Aber egal, jetzt steht das Datum ja fest, und auch die Promo scheint gehörig anzulaufen. Ich kann mir vorstellen, daß Euch ein Stein vom Herzen gedonnert ist, als sich alles in Wohlwollen aufgelöst hatte.

Das kannst Du laut sagen! Ich meine, immerhin haben wir im letzten Oktober mit den Vorbereitungen und Aufnahmen erster Ideen begonnen. Es hat im Endeffekt nun also beinahe ein Jahr gedauert, ehe wir das neue Album vorstellen können.

Na ja. Andere Bands haben in diesem Zeitraum gerade mal ihre Snaredrum entsprechend eingestellt, von daher wirkt der Zeitraum nicht übermäßig lange. Sehr eigenartig empfanden es viele Fans aber, daß »Lady In Gold« immerhin schon 2016 veröffentlicht wurde und es nach den entsprechenden Tourneen verdächtig still um Euch geworden ist. Mehr noch, man darf wohl durchaus sagen, daß Ihr seit Ende 2018 in der Versenkung verschwunden seid. Was war denn los?

Das kann ich Dir erklären, denn das lag in der Tat einzig und allein an uns. Und zwar noch nicht einmal ausschließlich an uns als Musiker, sondern noch vielmehr an uns als menschliche Individuen. Da wir für »Lady In Gold« und auch bereits davor, dermaßen lange auf Tournee waren und dazu auch noch jede Menge Festivalshows absolviert haben, waren wir allesamt körperlich ans Limit geraten. Darüber hinaus fühlten wir uns auch psychisch einigermaßen niedergeschlagen. Ich glaube, wir standen allesamt kurz vor einem derben Burn-out.
Im Nachhinein war es wohl eher ein Befreiungsschlag, daß ausgerechnet in jener Phase unser Gitarrist Dorian Sorriaux das Handtuch schmiß und seinen Ausstieg bekanntgab. Zunächst war das natürlich ein Riesenschock für uns, doch im Nachhinein betrachtet muß ich zugeben, daß uns die daraus resultierende Krise auf lange Sicht sogar gutgetan hat. Durchaus möglich, daß wir heute nicht über ein weiteres Album, ja noch nicht einmal mehr über die Band sprechen würden, wenn es anders weitergegangen wäre.

BLUES PILLS-Singleshot: Elin Larsson

Habt Ihr Euch denn gar nicht um einen neuen Gitarristen umgesehen, oder gab es einen bestimmten Grund für Zack, vom Baß zur Gitarre zu wechseln?

Wir hatten das Glück, erst gar nicht nach einem neuen Gitarristen suchen zu müssen. Da Zach ohnehin überaus versiert an der Sechssaitigen ist und seit jeher Riffs und Songideen lieferte, lag es auf der Hand. Hinzu kommt auch noch, daß er vor einigen Jahren damit begonnen hat, sich ein Studio einzurichten und sich zum Soundengineer ausbilden zu lassen. Dadurch haben wir zwar im Vorfeld ein paar Monate zusätzlich verloren, doch es hat sich ausgezahlt. Zach hat für »Holy Moly!« also nicht die Gitarren und einen Teil der Baßspuren eingespielt, sondern darüber hinaus auch die Vorproduktion bei ihm zu Hause über die Bühne gebracht. Das wiederum hat uns nicht nur viel Geld, sondern auch jede Menge Zeit gespart. Auch wenn es aufgrund aller "Nebengeräusche" komisch klingen mag, kann ich Dir sagen, daß wir noch nie dermaßen rasch mit den Aufnahmen eines Albums fertig waren.

Diese Spontanität ist hörbar. Mehr noch, ich denke, daß Ihr auf »Holy Moly!« irgendwie freier klingt als auf »Lady In Gold«. Kannst Du ungefähr nachvollziehen, was ich empfinde?

Absolut! Du kennst die Band seit den ersten Veröffentlichungen, oder? Anders läßt sich so ein Vergleich nämlich nicht herstellen. Und ja, auch wir sind der Meinung, daß wir jetzt wieder auf einem Lockerheitslevel agieren, wie einst auf unserer EP und dem selbstbetitelten Debut.

Dennoch haben die Songs noch nie dermaßen persönlich gewirkt als jetzt.

Auch das stimmt, wobei das an den Texten liegt. Es gab eben jede Menge an Erfahrungen, die wir in den letzten Monaten und Jahren machen mußten und die es zu verarbeiten gab. Musik eignet sich immer noch bestens dafür, warum also hätten wir unsere Gefühle auf andere Art ausdrücken sollen? Klar werden mich viele Fans und Journalisten in erster Linie auf ›Proud Woman‹ ansprechen. Na und? Ja, ich bin eine Frau, habe eben eine Meinung, und zu der stehe ich auch!

BLUES PILLS-Bandphoto 2

Mich persönlich sprechen aber der knallharte Blues-Rocker ›Low Road‹ und das tiefenentspannte, eine gehörige Dosis Hippie-Flair in die Bude zaubernde ›California‹ noch stärker an. Da Dein Gesang in beiden Tracks sehr emotionsgeladen daherkommt, denke ich, daß es sich auch hierbei um persönliche Themen geht. Schreibst Du Texte generell als "Krisenbewältigung"?

Sehr häufig. Allerdings unterscheiden sich die beiden Songs, die Du erwähnt hast, doch sehr deutlich. ›Low Road‹ ist an sich auf jeden Fall zur erwähnten Krisenthematik zu zählen, schließlich handelt die Nummer von der Ausweglosigkeit des Menschen im Kampf mit sich selbst. Wenn eine Entscheidung getroffen werden muß, hilft es einfach nicht, den Zeitpunkt für eine Entscheidung immer weiter hinauszuzögern. Irgendwann muß man sich schließlich für eine Sache entscheiden. Viele Menschen wollen das aber einfach nicht einsehen und schaden dadurch sich selbst, aber auch anderen ganz gewaltig. ›California‹ handelt dagegen vom Gegenteil einer Krise. In diesem Track geht es schlicht um die sensationell geile Zeit, die ich dort verbringen durfte. Diese Nummer ist meine Hommage an eine der aufregendsten Gegend dieser Welt. Außerdem bin ich Kalifornien auf ewig meinen Dank schuldig, schließlich wurde die Band dort gegründet!

http://www.bluespills.eu/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Patric Ullaeus

BLUES PILLS im Überblick:
BLUES PILLS – Blues Pills (Rundling-Review von 2014)
BLUES PILLS – Devil Man (Rundling-Review von 2013)
BLUES PILLS – Lady In Gold (Rundling-Review von 2016)
BLUES PILLS – ONLINE EMPIRE 55-Special
BLUES PILLS – ONLINE EMPIRE 60-Interview
BLUES PILLS – ONLINE EMPIRE 84-Interview
BLUES PILLS – News vom 24.08.2014
BLUES PILLS – News vom 06.11.2014
BLUES PILLS – News vom 22.11.2018
BLUES PILLS – News vom 28.10.2019
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