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  UE-Home → History → Online Empire 81 → Interview-Übersicht → SPEED LIMIT-Interview last update: 27.01.2021, 10:43:12  

SPEED LIMIT-Logo

Das Jahr 1984 gilt aus musikhistorischer Sicht als eines der essentiellen ĂŒberhaupt. Als Beispiele seien nur VAN HALEN, die mit dem entsprechend betitelten »MCMLXXXIV« den Megaseller ihrer Laufbahn schlechthin veröffentlichten, und die Herrschaften von DEEP PURPLE genannt, die sich in ihrer legendĂ€ren Besetzung wieder zusammengetan hatten und uns »Perfect Strangers« um die Ohren ballerten. Selbst im international zu jener Zeit noch eher milde belĂ€chelten "rockmusikalischen Niemandsland" Österreich tat sich einiges. Nicht nur, daß IRON MAIDEN auf ihrer "Behind The Iron Curtain" (!)-Tour zum ersten Mal bei uns vorstellig wurden, auch diverse einheimische Musiker waren fest entschlossen, ihr Leben fortan der Rockmusik zu widmen und gaben ordentlich Gas, um ihre Karriere voranzutreiben.
Im Salzburger Land etwa taten sich ein paar Burschen nach ersten Gehversuchen in einer Formation namens AMPERE mit ihren Kumpels zu einer Band mit Namen SPEED LIMIT zusammen. Die sollte sich bald in die Herzen der Fans spielen können und schaffte es, durch immenses Engagement in Windeseile nicht nur in und um die Mozartstadt herum zu Bekanntheit. Mit ihrer erster LP »Unchained« im Schlepptau graste die Truppe in Folge diverseste Clubs ab und schaffte es bald darauf (und mit einem weiteren Demo in der Hinterhand, auf dem sich mit Stefan Hogger ein neuer SÀnger prÀsentierte) selbst in von Rockkonzerten damals wahrlich nicht gerade gesegnete Ecken.
1988 veröffentlichte der FĂŒnfer (zu dem ĂŒbrigens in jenen Tagen noch ein gewisser Helmuth Lehner zĂ€hlte, der einige Jahre spĂ€ter durch die GrĂŒndung von BELPHEGOR in die Annalen der Rockhistorie eingehen sollte...) mit »The Prophecy« eines der bis heute wohl bekanntesten und bestrenommierten einheimischen Alben und war auch international ĂŒberaus angesehen. Zwar sollte es mit der ganz großen Karriere im Endeffekt leider doch nicht klappen, von ihrer Überzeugung haben sich die Herrschaften aber keineswegs abbringen lassen und spielten mit »Perfect Inspiration« 1992 ein weiteres Album ein. Wie bei vielen anderen auch, war aber gegen Mitte der 90er bei den Musikern die Luft raus, weshalb man die Band bis auf weiteres auf Eis legte. Als sich SPEED LIMIT 2008 schließlich wieder im 1989er-Line-up zusammentaten, war es dem seit 1989 den "Kern" der Band darstellenden Herren Chris Angerer (g), Chris Pawlak (b) und Joe Eder (g) bewußt, daß es sich nicht um einen Fortsetzung im eigentlichen Sinne handeln wĂŒrde, sondern um einen Neuanfang. Selbst wenn auf der 2010er Comeback-Scheibe »Moneyshot« mit Stefan Hogger ein weiterer frĂŒherer Kollege mit dabei war. Aber eben nur kurzfristig.
Das Ur-SPEED LIMIT-Trio hat sich aber auch davon nicht abbringen lassen weiterzumachen. Selbst die abermalige Suche nach neuen Kollegen am Schlagzeug und am Mirko konnte sie nicht aus der Ruhe bringen. Gut so, denn schlußendlich fand mit in Hannes Vordermayer und Manuel Brettl doch noch die geeigneten Mitstreiter um 2017 »Anywhere We Dare« einzuspielen und live zu prĂ€sentieren. AuszĂŒge daraus sind selbstverstĂ€ndlich auch bei der Ende 2019 laufenden "35 Jahre Anniversary-Tour" in der Setlist zu finden, wobei die Band selbst, genauer gesagt Gitarrist Joe Eder damit alles andere als einen Schlußstrich unter das Kapitel SPEED LIMIT ziehen will.

SPEED LIMIT-Headline

Ans Aufhören denken wir noch lange nicht! Im Gegenteil, es fĂŒhlt sich im Moment wieder so an wie frĂŒher. Das Band-Feeling ist phantastisch, und wir haben sogar schon einige Song-Fragmente fĂŒr zukĂŒnftige Veröffentlichungen zur VerfĂŒgung. Von uns wird man also noch lĂ€nger etwas hören. 35 Jahre als Band mögen sich fĂŒr manche verdammt lange und nach verdientem Ruhestand anhören, von unserer Seite aus darf es gerne noch viele Jahre weitergehen. [lacht]

Blickt man nach so langer Zeit in der Musikszene eigentlich sentimental auf die Vergangenheit zurĂŒck? Oder gar mit Ärger, weil nicht alles nach Wunsch gelaufen ist?

Nichts davon! Wenn wir das jemals gemacht haben, dann sind diese Zeiten lange vorbei. Klar hĂ€tten wir in den 90er Jahren vielmehr erreichen können, aber da waren Hard Rock-Bands eben generell nicht unbedingt gesegnet. Egal, welche von den großen Bands wir jetzt als Beispiel nennen wĂŒrden, alle haben ein Ă€hnliches Schicksal erlitten und mußten durch eine schwierige Phase gehen. Viele haben sogar aufgegeben. Doch manche sind zurĂŒckgekommen, wie auch wir! Und die Fans, die das genau so empfunden haben wie wir, sind uns bis heute treugeblieben.

Auf den aktuellen Bandphotos sind nur noch vier Mitglieder abgebildet. Konkret meine ich einen SĂ€nger zu vermissen. Was ist denn da passiert?

Gut beobachtet. Nun, Manuel hat uns vor geraumer Zeit mitgeteilt, daß er sich aus der Band wieder verabschieden möchte und hat das dann auch in aller Freundschaft getan. Wahrscheinlich hat das auch etwas damit zu tun, daß er doch einige Jahre weniger auf dem Buckel hat als die beiden Chris' und meine Wenigkeit. Aber was soll's, mußten wir uns eben wieder nach einer anderen Option umsehen.

Und die habt Ihr inzwischen gefunden, um live spielen zu können, aber noch keine neuen Photos veröffentlicht?

[Lacht] Nicht ganz. Da wir schon seit langer Zeit wissen, daß unser Schlagzeuger Hannes auch ein begnadeter SĂ€nger ist und er sein Talent schon zig-mal im Proberaum unter Beweis gestellt hat, haben wir ihn davon ĂŒberzeugen können, es doch auch als SĂ€nger von SPEED LIMIT zu versuchen. Das heißt, wir sind im Moment nur noch als Quartett, dafĂŒr aber mit einem singenden Drummer unterwegs.

SPEED LIMIT-Bandphoto 1

Klingt ehrlich gesagt irgendwie nach Notlösung. War denn von den anderen ehemaligen Kollegen keiner zu einer RĂŒckkehr zu bewegen?

Nein! Als Notlösung sehe ich die Sache aber dennoch ĂŒberhaupt nicht. Ich wĂŒrde die Geschichte eher unter dem Begriff "logische Schußfolgerung" einordnen. Nicht zuletzt, weil Hannes ja nicht erst von uns zum SĂ€nger gemacht werden mußte, sondern er ohnehin schon immer fĂŒr die Backing Vocals gesorgt hat und bei so mancher Bandprobe mit seiner wunderbaren Stimme "verhaltensauffĂ€llig" geworden ist.

Einverstanden. Der Bursche ist zwar ebenso um einige Jahre jĂŒnger als ihr drei, scheint sich aber perfekt eingefunden zu haben, richtig?

Absolut! Zum einen schafft er es immer wieder, uns mit seinem jugendlichen Charme voranzutreiben, und zum anderen hat er auch ĂŒberhaupt kein Problem damit, sich in sĂ€mtliche Bandgepflogenheiten einzubringen. Wir halten es als Band im traditionellen Sinn nĂ€mlich immer noch so wie unseren jungen Jahren und treffen uns zumindest einmal die Woche im Proberaum. Zwar sind wir definitiv keine VerĂ€chter oder Ignoranten diverser moderner Möglichkeiten und Medien, von einem Proberaum als Mittelpunkt des Bandgeschehens werden wir uns aber sicher nicht verabschieden. Und wenn wir uns nur auf ein Bierchen oder zwei zum Plaudern treffen und die Instrumente noch nicht einmal ausgepackt werden, wird es das auch weiterhin bei uns geben.

Es geht eben nichts ĂŒber Tradition. Apropos: Da Du bereits verraten hast, daß ihr schon neues Material in der Hinterhand habt, will ich mal ganz neugierig fragen, was wir denn zu erwarten haben? Den traditionellen SPEED LIMIT-Sound hoffentlich?

Exakt! Wer uns kennt, wird sich in etwa vorstellen können, was auf ihn zukommt. Wir haben nach all den Jahren lĂ€ngst keine Utopien mehr und verlieren noch nicht einmal einen Gedanken daran, wie weit man es im Musikbusiness heutzutage schaffen kann. Wozu auch? Wir haben Spaß an Musik, Spaß an der Band und auch am Schreiben von Songs. Was brauchen wir mehr? Es freut uns riesig, wenn bei unseren Konzerten nicht bloß wir selbst, sondern auch unsere Fans Spaß haben, und ebenso verhĂ€lt es sich mit neuen Songs. Das wir auf unsere alten Tage keine Death Metal-Geschosse mehr auf die Menschheit loslassen werden dĂŒrfte klar sein. [lacht] Das wĂŒrde uns aber wohl auch keiner abkaufen. [lacht] Im Ernst, da bei SPEED LIMIT eingĂ€ngige Melodien und Refrains seit jeher das Um und Auf eines Songs dargestellt haben, könnt Ihr Euch darauf verlassen, daß sich daran nichts Ă€ndern wird!

http://www.speedlimitweb.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

SPEED LIMIT im Überblick:
SPEED LIMIT – Anywhere We Dare (Rundling)
SPEED LIMIT – Unchained/Prophecy (Re-Release)
SPEED LIMIT – ONLINE EMPIRE 81-Interview
SPEED LIMIT – News vom 21.08.2008
SPEED LIMIT – News vom 09.12.2013
SPEED LIMIT – News vom 10.01.2016
andere Projekte des beteiligten Musikers Hannes Vordermayer:
FLOOD OF AGES – News vom 28.02.2006
SERAPH (D) – News vom 13.12.2004
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