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  UE-Home → History → Online Empire 80 → Interview-Übersicht → GALLOWS POLE (A)-Interview last update: 10.04.2019, 06:10:39  

GALLOWS POLE (A)-Logo

Wenn von österreichischen Rocklegenden die Rede ist, darf der Name GALLOWS POLE auf keinen Fall fehlen. Schließlich versorgt die seit den Anfängen in den 70er Jahren von Alois Martin Binder geführte Formation die Hard Rock-Gemeinde seit Dekaden immer wieder mit lässig rockendem Futter.
Auch wenn es zu jener Zeit anders aussah und Rockmusik aus Österreich international eher belächelt wurde und maximal "Exoten-Bonus" besaß, haben sich GALLOWS POLE mit ihrem Debut »In Rock We Trust« ein Denkmal setzen können. Das 1982 veröffentlichte Album wird nämlich bis heute nicht nur von Fans weltweit geschätzt, die Scheibe gilt - trotz einer Neuauflage auf CD in den 90ern - als absolute Rarität und wird im Internet zu teils unfaßbaren Preisen gehandelt. Nicht auszudenken, wie groß die Formation hätte werden können, wäre das Herkunftsland möglich England oder die USA gewesen...
Doch Alois Martin Binder zählt nicht zu jenen Typen, die sich jahrelang den Kopf darüber zerbrechen, was anders hätte laufen können. Noch weniger ist er einer dieser notorischen Jammerer, denen auch Dekaden später noch anzumerken ist, daß sie mit dem Verlauf ihrer Karriere sowie dem Lauf des Lebens allgemein nicht unbedingt zurechtkommen. Im Gegenteil, Alois hat längst zu sich selbst gefunden, weiß genau, was er will und hat schlicht und ergreifend Spaß daran, Rockmusik zu spielen und aufzunehmen. Das ist auch »This Is Rock« anzumerken, dem vor wenigen Monaten aufgelegten, neuen GALLOWS POLE-Album. Logisch, daß der Dreher auch im Mittelpunkt des Gesprächs stand, als wir Alois in seinem Feriendomizil auf Kreta aufspürten und zum Interview ans Telefon baten.

GALLOWS POLE (A)-Headline

Es freut mich, wieder ein neues Album von Euch hören zu können. Dieses Mal habt Ihr Euch ein wenig mehr Zeit gelassen, oder ist etwas dazwischengekommen?

Nein, es gab keinerlei Schwierigkeiten. Ich nehme mir einfach die Freiheit, zu tun und zu lassen was ich will. Das trifft natürlich auch auf das Aufnehmen von Alben zu. An Songs selbst mangelt es uns definitiv nicht. Das war an sich auch noch nie das Problem, im Prinzip könnten GALLOWS POLE sogar das doppelte an Scheiben in der Diskographie stehen haben.

Woran liegt es denn, daß speziell in den 90ern so gut wie nichts von Euch veröffentlicht wurde?

Das ist recht einfach erklärt. In dieser Zeit hatte man noch nicht die Chance, digital aufzunehmen, weil es die technischen Möglichkeiten einfach noch nicht gegeben hat. Analog aufzunehmen kostete aber jede Menge Kohle, und die war eben leider so gut wie gar nicht vorhanden. Es verschlang einfach zu viel, zumal ich obendrein auch immer den Anspruch hatte, ein Album anständig und von einem Profi abmischen zu lassen, bevor es veröffentlicht wird.

Die technischen Neuerungen in den 00er Jahren scheinen Dir also entgegengekommen zu sein, richtig? Schließlich habt ihr eben das sechste Werk seit 2008 in die Umlaufbahn katapultiert...

Auf jeden Fall! Wobei hier nicht nur die Tatsache anzuführen ist, daß das Aufnehmen selbst recht einfach und kostengünstig über die Bühne zu bringen ist. Da auch die Preise für Aufnahme-Equipment erschwinglich geworden sind, habe ich mich sogar dazu entschlossen, mir mein eigenes Studio im Dachgeschoß einzurichten. Nicht zuletzt deshalb, weil ich dann auch termingemäß völlig unabhängig und autark arbeiten kann.

Das bedeutet, Du bist aufgrund Deiner "DIY"-Businesspolitik mit BGG ENTERTAINMENT nicht nur unabhängig, sondern kannst auch aufnehmen, wann auch immer Du willst?

Generell ja. Der einzige Nachteil an der Sache ist aber, daß es im Sommer leider nur kurz unter dem Dach auszuhalten ist, da die Isolierung leider nicht optimal ist. Doch daran habe ich mich recht schnell gewöhnt, und außerdem muß man ja auch nicht immer nur arbeiten, sondern darf sich durchaus auch mal Urlaub gönnen. [lacht]

GALLOWS POLE (A)-Bandphoto 1

Speziell jetzt, wo das jüngste Album veröffentlicht ist und sämtliche Tätigkeiten dazu erledigt sein dürften. »This Is Rock« schließt nahtlos an seine Vorgänger an, man merkt schon nach kurzer Zeit, wer für das Album verantwortlich zeichnet. Ebenso schnell ist aber auch der wesentlichste Unterschied zu vernehmen, der Gesang. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der in der Szene bis dato völlig unbekannten Dina Höblinger?

Durch puren Zufall! Ich hab' sie bei einem Stadtfest in Niederösterreich mit ihrer Coverband auf der Bühne gesehen und sie singen gehört. Vom ersten Moment an wußte ich, daß ich diese Stimme auf einem meiner Alben haben muß. Mein Glück war, daß Dina überhaupt nicht abgeneigt war, sondern sehr positiv auf unsere Anfrage reagiert hat. Sie hat etwas sehr Spezielles in ihrer Stimme und hat dem Album das berühmte Sahnehäubchen aufsetzen können. Der Gesang ist einer der essentiellen Bestandteile der Rockmusik, darauf habe ich schon immer viel Wert gelegt. Deshalb war mir auch klar, daß ich nur jemanden bei GALLOWS POLE den Platz am Mikro überlasse, der das auch wirklich kann. Und Dina kann singen, ohne Frage!

Waren denn die Songs schon fertig, als Sie bei Euch eingestiegen ist?

Ja, sie brauchte im Prinzip nur noch zu uns kommen, ihre Stimme aufwärmen und das Mikro einschalten.

Hast Du im Plan mit Dina auch langfristig zusammenzuarbeiten?

Sofern sie es auch will, auf jeden Fall. Im Moment sieht es diesbezüglich wirklich gut aus, deshalb sind wir auch schon dabei, für 2020 und darüber hinaus zu planen. Zwar werden uns nach wie vor nicht auf etwaige Festivalangebote einlassen, wenn sich diese nicht rechnen, ansonsten sind wir aber auf jeden Fall bereit, in der aktuellen Besetzung Konzerte zu geben. Diese Festivalgeschichten sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Was hilft es uns, bei renommierten Festivals aufzutreten, wenn allein die logistischen Kosten für Band, Crew und Equipment zumindest 2000 Euro ausmachen? So etwas haben ich längst nicht mehr nötig, so toll kann der Event gar nicht sein, daß wir draufzahlen wollen. Da belassen wir es lieber dabei, die bereits zahlreich vorhandenen Songideen und Fragmente für die nächste Scheibe weiterzubearbeiten. Da kostet uns auch die Anreise nichts. [lacht]

Bis dahin wird zwar noch ein wenig Wasser die Donau hinunterfließen, mit »This Is Rock« können wir aber die Zeit auf gediegene Weise überbrücken. Wird es denn auch eine Vinyl-Edition davon geben?

Soviel ich weiß, ist das Label am Überlegen, mehr weiß ich leider noch nicht. Der Markt hat sich ja wieder gehörig verändert in den letzten Jahren. Mittlerweile ist es so, daß ein Band von unserem Bekanntheitslevel gerade einmal noch 500 bis 1000 CDs in Deutschland absetzen kann, während sowohl die digitalen Versionen wesentlich besser laufen. Und offenbar auch wieder Vinyl, weshalb eine Auflage wohl durchaus Sinn machen würde.

Außerdem käme dann auch das Cover besser zur Geltung.

Da bin ich ganz Deiner Meinung! Da der Albumtitel ja nichts weiter als ein Statement sein soll, habe ich auch nicht lange überlegt, sondern mich zur Abbildung des Pantheons entschieden, in dessen Steinmauer unser Kürzel eingearbeitet sind. Gut möglich, daß es davon auch T-Shirts geben wird, ich denke das Motiv gibt optisch einiges her.

Definitiv, und auch über den Anblick eines damit bedruckten Backdrops bei einem Konzert würden wir uns freuen.

Wir auch! Schauen wir mal, was sich machen läßt. Ich halte Euch auf dem Laufenden!

http://www.bgg-entertainment.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

GALLOWS POLE (A) im Überblick:
GALLOWS POLE (A) – Doors Of Perception (Rundling-Review von 2016)
GALLOWS POLE (A) – Revolution (Rundling-Review von 2010)
GALLOWS POLE (A) – Waiting For The Mothership (Rundling-Review von 2012)
GALLOWS POLE (A) – We Wanna Come Home (Re-Release-Review von 2007)
GALLOWS POLE (A) – ONLINE EMPIRE 80-Interview
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