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  UE-Home → History → Online Empire 81 → Interview-Übersicht → TYGERS OF PAN TANG-Interview last update: 20.11.2022, 22:24:48  

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Als Robert Mortimer "Robb" Weir in den späten 70er Jahren zusammen mit einigen Kumpels eine Band mit dem Namen TYGERS OF PAN TANG aus der Taufe hob, war nicht abzusehen, daß er von uns gut 40 Jahre später zu einem Interview gebeten würde. Schließlich mußten er und seine Band nach ersten Höhenflügen auch so ziemlich alle Probleme des Business kennenlernen. Doch Robb hat sich über all die Jahre als Stehaufmännchen entpuppt und die Band nie aufgegeben. Im Gegenteil, seine Hingabe zur Musik hat ihn jahrzehntelang hart arbeiten lassen. In Sänger Jacopo Meille, Drummer Craig Ellis sowie sowie Gavin Gray am Baß und Micky Crystal an der zweiten Gitarre hat sich in der letzten Dekade doch eine Besetzung etabliert, die sich auf der Bühne in glänzender Verfassung zeigte. Nicht nur dort, denn auch das 2016 veröffentlichte selbstbetitelte Album war verdammt stark und untermauerte den von vielen Fans bereits herbei diskutierten neuerlichen Frühling der TYGERS. Der findet aktuell eine Verlängerung, denn mit dem eben in die Umlaufbahn katapultierten »Ritual« stellt die Band erneut ihre Topform unter Beweis.

TYGERS OF PAN TANG-Headline

Grund genug also, sich mit "Ur-TYGER" Robb über den Stand der Dinge zu unterhalten. Das letzte verbliebene Gründungsmitglied erweist sich am Telefon als ebenso eloquenter wie blendend gelaunter und nicht zuletzt als überaus dankbarer Gesprächspartner.

Bei Euch scheint seit einiger Zeit alles bestens zu laufen, oder täuscht dieser Eindruck?

Nein, keineswegs. Alles gut bei uns! Ich bin auch sehr froh darüber, daß man das auch genauso wahrnimmt. Schließlich ist so etwas nicht selbstverständlich. Wir haben die letzten Jahre wirklich sehr hart für die Band gearbeitet und aus den durchweg positiven Reaktionen konnten wir immer wieder Kraft und natürlich auch weitere Motivation schöpfen.

Hat den Eure momentane Hochform auch etwas damit zu tun, daß die Band seit mehreren Jahren endlich wieder ein stabiles Line-up besitzt?

Definitiv! Ich bin sogar der Meinung, daß es anders nicht so gut laufen würde. Wir sind im Laufe der letzten Jahre regelrecht zusammengewachsen, um nicht zu sagen zu einer verschworenen Einheit geworden. Bei uns kann sich jeder auf den anderen verlassen. Ein derartiges Gefühl der Zusammengehörigkeit hatte ich in den Jahren zuvor wahrlich nicht immer.

Dieses Gemeinschaftsgefühl hat sich offenbar auch auf das Songwriting ausgewirkt. Oder siehst Du das anders?

Indirekt auf jeden Fall. Denn auch wenn wahlweise Gavin, Micky oder ich Ideen für Riffs, Licks und manchmal sogar ganze Songfragmente im Alleingang austüfteln und diese der gesamten Band erst in weiterer Folge vorstellen, wäre es für keinen von uns ohne die anderen Jungs möglich, ein derart kompaktes Album wie »Ritual« abzuliefern. Da bin ich mir ganz sicher. Denn auch wenn es in der Natur anders sein mag, wir TYGER bevorzugen es, in einem Rudel zu sein!

Das heißt auch Sänger Jacopo Meille und Drummer Craig Ellis tragen etwas zum Entstehen neuer Tracks bei?

Eine ganze Menge sogar! Craig ist unser König der Melodien und Hooks. Er hat ein wahnsinnig gutes Gespür dafür und weiß die Basistracks damit immer wieder aufzupeppen. Auch Jacopo weiß, elegant mit Melodien zu hantieren, und ist zudem ein phantastischer Texter. Er schafft es mittlerweile sogar, einen Text binnen kurzer Zeit zu einem Song zu liefern, für den ich zuvor nichts weiter als einen Titel ge- oder erfunden habe. Ich muß zugeben, mit einer solchen Aufgabe völlig überfordert zu sein. Nicht aber Jacopo, der schafft das locker.

TYGERS OF PAN TANG-Bandphoto 1

Gab es denn eine bestimmte Intention, wie das Album klingen sollte, als Ihr mit dem Schreiben der Songs begonnen habt?

Nein, überhaupt nicht. Irgendwelche Vorgaben haben wir uns noch nie gemacht. Ich glaube, so etwas würde den kreativen Prozeß eher blockieren, als daß wir etwas Brauchbares liefern könnten. Dafür brauchst Du wahrscheinlich studierte Musiker, bei uns steht dagegen die Emotion und die Leidenschaft für die Musik im Vordergrund. Außerdem haben wir längst unseren eigenen Weg , Musik zu komponieren. Wir hatten nichts anderes im Sinn, als Alben im typischen "TYGERS-Style" aufzunehmen.

Wann habt Ihr denn begonnen, an den Songs zu arbeiten?

Vor ungefähr zwei Jahren. Wir hatten es allerdings nicht unbedingt eilig. Warum auch? Wir waren mit der Resonanz auf »Tygers Of Pan Tang« durchaus zufrieden, hatten keinerlei Streß von unserem Label und nahmen uns die Zeit, alles in Ruhe aufzunehmen. Idealerweise zu Hause. Da ich mich vor längerer Zeit schon mit technischem Equipment eingedeckt habe, ist es mir inzwischen sogar immer und überall möglich aufzunehmen. Bevorzugterweise nehme ich aber immer noch bei mir zu Hause auf. Dafür habe ich mir sogar vor einiger Zeit ein kleines Studio eingerichtet, denn so schaffe es nun locker, beispielsweise die Basistracks einer neuen Nummer zwischen Frühstück und Dusche aufzunehmen. Cool, was?

Absolut. Selbst produziert hast Du die Scheibe dann aber doch nicht?

Doch! Den ersten Schritt, also die Produktion an sich, haben wir sehr wohl im Alleingang erledigt. Allerdings haben wir danach unseren ehemaligen Gitarristen Fred Purser ins Boot geholt, der seit jeher ein begnadeter Studiotechniker ist und uns als Engineer zur Seite gestanden ist. Er hat die Songs nicht nur sprichwörtlich größer gemacht, sondern es auch geschafft, den Instrumenten einen voluminöseren Klang zu verabreichen.
Wie ihr wißt, ist Fred ja auch noch als Musiker aktiv und auch beim selben Label unter Vertrag wie wir. Dadurch kam relativ spontan und unkompliziert ein Kontakt zu Soren Anderson zustande, der ebenfalls bei MIGHTY MUSIC unter Vertrag steht und uns von den Labelmanagern für den Mix vorgeschlagen wurde. Da wir uns auf Anhieb bestens verstanden, war schnell vereinbart, daß Soren den Mix übernehmen würde. Für das abschließende Mastering haben wir das Album dann nach Kanada geschickt, um es von Harry Hess entsprechend veredeln zu lassen. Im Endeffekt nahm dieser Produktionsablauf zwar jede Menge Zeit in Anspruch, doch wir sind uns sicher, daß sich jeder einzelne Schritt gelohnt hat.

Zweifelsohne. Wobei hinzuzufügen ist, daß die Hitdichte im Vergleich zu Eurem letzten Dreher sogar noch ein wenig höher ist.

Danke. Doch das haben wir nicht zu erzwingen versucht. Es läuft einfach, wenn alle Bandmitglieder den TYGERS-Sound verinnerlicht haben. Man kann sogar sagen, alle in der Band haben den sprichwörtlichen "TYGER" im Blut! Eine andere Erklärung dafür habe ich auch nicht. Ein Gespür für derlei Sounds muß man einfach in der DNA haben, anders geht es wohl nicht. [lacht] Wir haben wohl die TYGERS-DNA einfach in uns!

Ein Gespür habt Ihr offenbar auch für gelungene Liveshows. Eine schwache TYGERS-Show hab' zumindest ich noch nie erlebt.

Das sind wir unseren Fans schuldig! Alles andere, als Vollgas zu geben, ist bei uns schlicht verboten und macht auch gar keinen Sinn. Schließlich bezahlen die Fans dafür, uns zu sehen, von daher darf es durchaus als "Arbeitsauftrag" betrachten, wenn man als Band auf die Bühne geht. Wie hat es denn Dir eigentlich bei unseren Shows gefallen?

Ich war immer schwer begeistert. Wobei ich Euch zwar schon mehrmals, aber immer am selben Ort gesehen habe.

Wo denn?

Beim "Bang Your Head!!!"-Festival!

Das ist einer unserer Lieblingsplätze! Veranstalter Horst ist obendrein einen der nettesten Typen, die es in diesem Business überhaupt gibt. Wir lieben es einfach, in Balingen aufzutreten! Das Publikum ist immer bestens drauf, die Organisation einfach der Hammer und auch das Drumherum spitze. Selbstverständlich haben wir auch viele andere Veranstaltungen bei Euch in Deutschland fest ins Herz geschlossen. Das "Rock Hard Festival" etwa oder auch das "Headbangers Open Air". Alles wunderbare Festivals! Deutschland ist generell der wichtigste Markt für uns, treuere Fans findest du nirgendwo auf dieser Weltkugel! Und auch was das Organisatorische betrifft, seid Ihr auch ganz weit vorne.

Den eigentlichen Startschuß in Euren aktuellen "Bandfrühling" gab angeblich ein anderes, bislang noch nicht erwähntes Festival. Korrekt?

Genau! Es war 1999, als unser ehemaliger Sänger Jess Cox von den Organisatoren des "Wacken Open Air" kontaktiert wurde, ob er sich denn eine Reunionshow vorstellen könnte. Tja, er konnte das sofort, und auch mich mußte er nicht lange überreden, denn ich war sofort dabei. Dann wurde es zwar kurzzeitig ein wenig eng mit Personal, doch zum Glück waren wir schon mit den Jungs von BLITZKRIEG gut befreundet. Im Endeffekt mußten Jess und ich nämlich auf deren Angebot zurückkommen, uns bei diesem, inzwischen von vielen Fans als legendär bezeichneten Auftritt auszuhelfen. Es war zudem eine für die Zukunft überaus wichtige Entscheidung, diese Jungs in Wacken mit uns auftreten zu lassen. Schließlich lernte ich dabei den früheren Bassisten der Band, einen gewissen Gavin Gray kennen. Ein furchtbar netter Typ, sag' ich Euch. Das mußte er aber auch sein, sonst hätte ich ihn mehr als zehn Jahre später vermutlich nicht zu einem TYGER gemacht.

http://www.tygersofpantang.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photo: Jacob Muxall

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TYGERS OF PAN TANG – Crazy Nights (Re-Release-Review von 2007)
TYGERS OF PAN TANG – First Kill (Re-Release-Review von 2004)
TYGERS OF PAN TANG – Live At Nottingham Rock City (Rundling-Review von 2002)
TYGERS OF PAN TANG – Live At Wacken (Rundling-Review von 2002)
TYGERS OF PAN TANG – Majors & Minors (Rundling-Review von 2021)
TYGERS OF PAN TANG – Ritual (Rundling-Review von 2020)
TYGERS OF PAN TANG – Spellbound (Re-Release-Review von 2007)
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TYGERS OF PAN TANG – News vom 15.07.2021
TYGERS OF PAN TANG – News vom 24.08.2021
Playlist: TYGERS OF PAN TANG-Album »Tygers Of Pan Tang« in der Kategorie "aktuelle Faves" auf Platz 2 von Gerald Mittinger
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