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Da »World Gone Mad« vor sechs Jahren nahezu ohne Promotion veröffentlicht wurde, dürfte ein Großteil der Fans erst jetzt begreifen können, daß die legendären RIVERDOGS tatsächlich wieder zurück im Geschäft sind.
Und wie auch noch! Mit einem Hammer von einem Album, das zwar auf den nur wenig spektakulären Titel »California« getauft wurde, aber dennoch nichts vermissen läßt und von Anfang bis zum Schluß hin begeistert, legt das Quartett gehörig nach.
Der Vierer - Vivan Campbell (g), Nick Brophy (b), Marc Danzeisen (d) sowie Sänger und Gitarrist Rob Lamothe - liefert darauf nämlich genau jenen Mix aus blues-infiltriertem Hard Rock und grandiosen Melodien, für den man das Unternehmen zu Beginn der 90er zu schätzen wußte. Der auch für seine Soloscheiben in der Szene respektierte Rob zeigte sich von der Euphorie ob des neuen Albums in unseren Breiten logischerweise überaus angetan, weshalb seine Freude förmlich aus dem hiesigen Ende transatlantischen Leitung quoll.

Rob, laß doch bitte zum Einstieg einfach mal die letzten Jahre revuepassieren.

Gar nicht so einfach, weil ich erst einmal checken muß, wo und womit ich loslegen soll... [lacht] Mir ist bewußt, daß man bei Euch in Europa in der letzten Dekade nur sehr wenig von den RIVERDOGS mitbekommen konnte. Doch es war tatsächlich so, daß wir immer wieder zusammengekommen sind und - wenn es denn die Zeit erlaubt hat - auch gemeinsam Musik gemacht haben. Womit auch schon einen jener Faktoren erwähnt wäre, der ein kontinuierliches Arbeiten verdammt schwierig macht: die Zeit.

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Das klingt zwar bei vielen anderen Bands eher nach fauler Ausrede, wenn man sich aber beispielsweise vor Augen hält, was allein Vivian alles zu stemmen hatte, glauben wir Euch das aufs Wort.

Danke. Und ja, es stimmt tatsächlich. Denn wie ihr sicher wißt, waren und sind wir allesamt mit unzähligen anderen Aktivitäten beschäftigt. Auch abseits der Musik, und daher ist Freizeit für uns leider ein Fremdwort. Ein weiteres Problem, das uns die Arbeit nicht unbedingt einfacher macht, nennt sich übrigens Geographie. Da wir inzwischen quer über den nordamerikanischen Kontinent verteilt - Vivian und Marc sind im Großraum L.A. zu Hause, Nick in Nashville und ich in Kanada - seßhaft geworden sind, wurden persönliche Treffen zu seltenen Angelegenheiten. Einzig für Vivian und Marc wäre das an sich relativ einfach machbar, das hilft jedoch im Falle von Viv nicht allzu viel, da er häufiger auf Tournee ist als in Los Angeles.

Daraus ist zu schließen, daß es bei Euch um wesentlich mehr geht, als "nur" um die Band.

Absolut! Es mag sich vielleicht pathetisch anhören, aber wir hatten auch in der Vergangenheit zu keiner Phase den direkten Kontakt zueinander verloren und sind immer Freunde geblieben! So sind wir im Prinzip auch vor sechs Jahren für »World Gone Mad« zusammengekommen, auch wenn wir das Album in erster Linie für uns selbst und unsere Fans hier eingespielt haben. Na ja, vielleicht ergibt sich ja die Chance, einen vernünftigen Vertriebsdeal dafür an Land zu ziehen.

Dafür stehen die Sterne aktuell wohl gar nicht schlecht. Dennoch entnehme ich Deinen Worten bedeutet, daß wir »California« nicht irgendeinem Businesshai zu verdanken haben, dessen Lockruf ihr gefolgt seid...

[Lacht] Lockruf? Geld? Guter Witz! Leider sind die goldenen Zeiten für Musiker und das Business im allgemeinen längst vorbei. Zumindest bei uns, ist das bei Euch denn nicht so? [lacht] Spaß beiseite. Ich kann in der Tat behaupten - und das ganz ohne angeben zu wollen - daß es sich bei den RIVERDOGS um eine Band im klassischen Sinne handelt. Eine, bei der vier Freunde gemeinsam Musik machen! Und nur dieser Freundschaft ist unser neues Album zu verdanken.

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Stop, Halt, Aus. Unseren Informationen nach hatte FRONTIERS-Chef Serafino Perugino sehr wohl seine Fingerchen im Spiel. Oder etwa doch nicht?

Das stimmt schon, denn indirekt war er auf jeden Fall daran beteiligt. Und zwar insofern, da er bei einem LAST IN LINE-Gig Vivian dazu befragte, der logischerweise sofort Feuer und Flamme war. Somit ist die Initialzündung zwar nicht von uns selbst ausgegangen, sehr wohl aber der Arbeitseifer. Denn binnen kurzer Zeit waren wir allesamt dermaßen motiviert, daß wir heute - noch nicht einmal ein Jahr danach - bereits über unser neues, fix und fertiges Album sprechen können.

Das heißt, es fehlte lediglich genau diese "Zündquelle", um das Feuer wieder zu entfachen?

Genau, mehr war es nicht. Binnen weniger Tage waren wir uns einig, daß wir es zumindest einmal versuchen würden und nicht zuletzt, da auch von der geschäftlichen Seite her von Beginn an alles klar geregelt war, blickten wir voll Zuversicht auf die anstehenden Aufnahmen.

An Motivation und Inspiration dagegen dürfte es nicht gemangelt haben, oder?

Überhaupt nicht. Viele Fragen nach dem Grund, wie es denn sein kann, daß die RIVERDOGS so plötzlich mit einem neuen Dreher am Start sein können, sollten sich zwar durch unsere freundschaftliche Beziehung beantwortet haben, doch damit allein kann man eben auch kein neues Album liefern. Von daher war die Marschrichtung klar, und ab jenem Zeitpunkt, als wir wieder gemeinsam in einem Proberaum zu jammen begannen, ging alles verdammt schnell.

Weil jeder von Euch längst zig Fragmente für Songs im Talon hatte, korrekt?

Klar, und zudem wußte jeder, wie der andere tickt und in welche Richtung es gehen sollte. So kam es, daß binnen fünf Tagen sämtliche Drumparts in Marcs Studio aufgenommen werden konnten, ehe wir uns zu Nick in dessen Homestudio begaben und er seinen Teil der Sache in noch kürzerer Zeit erledigen konnte. Man kann durchaus sagen, daß wir komplett entfesselt loslegten, denn selbst für das Einspielen der Gitarren haben Vivian und ich nur vier Tage benötigt!

Gab es denn zumindest eine Idee, wohin die Reise gehen sollte, oder habt Ihr Euch komplett darauf verlassen, daß sich früher oder später der "Flow" einstellen würde?

Es war durchaus unsere Intention, daß »California« wie ein direkter Nachfolger von »Bone« (dem 1993 aufgelegten, zweiten Studioalbum der Formation - der Verf.) klingt. Wir haben die Zeit damals sehr genossen und denken auch heute noch gerne daran zurück. Dennoch mußten wir uns nicht verbiegen, um wie "damals" zu klingen. Dieser Stil steckt einfach tief ins uns drin, ebenso die durchweg positive Ausrichtung unserer Texte.

Das tut gut zu hören. Ehrlich gesagt dachte ich nämlich zunächst, auch Ihr hättet Euch von der momentanen Mißstimmung Eurem Heimatland gegenüber anstecken lassen...

Nein! Wir verstehen Rockmusik nämlich immer noch als Unterhaltung, und daher wird man von uns auch in Zukunft nichts anderes als puren, handgemachten Rock zu hören bekommen. Weniger überraschen sollte in diesem Zusammenhang daher, daß unsere Mucke auch immer noch mit entsprechend positiven Lyrics ausgestattet wurde. Denn auch wenn man denken mag, wir würden etwa mit ›American Dream‹ auf melancholische, oder gar verbitterte Weise auf die Vergangenheit unseres Landes zurückblicken, tun wir das nicht. Absolut nicht!

Was stimmt Euch denn so positiv?

Die Aussichten für die Zukunft! Wenn Du selbst Kinder hast, wirst du mich wahrscheinlich gut verstehen können. Wer, so wie ich, tagtäglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat (Rob unterrichtet an einer Musikschule Gesang und ist selbst mehrfacher Vater - der Verf.), wird feststellen, daß es keineswegs falsch ist, positiv in die Zukunft zu blicken. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Selbst, wenn sich die Politik momentan am Abgrund befinden mag, steckt jede Menge Gutes in uns Menschen. Wir müßen einzig an uns Menschen selbst glauben! Ich bin davon überzeugt, daß die nächste Generation vieles wieder verbessern wird, was heutzutage falsch läuft.

http://www.riverdogsmusic.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Kelsey Danzeisen

RIVERDOGS im Überblick:
RIVERDOGS – Absolutely Live (Rundling-Review von 1994)
RIVERDOGS – Bone (Rundling-Review von 1994)
RIVERDOGS – California (Rundling-Review von 2017)
RIVERDOGS – ONLINE EMPIRE 72-Interview
RIVERDOGS – News vom 21.07.2004
RIVERDOGS – News vom 13.07.2016
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andere Projekte des beteiligten Musikers Vivian Campbell:
Graham Bonnet – The Day I Went Mad (Rundling-Review von 2002)
Vivian Campbell – News vom 13.05.2011
CLOCK – News vom 23.03.2004
CLOCK – News vom 06.10.2006
DEF LEPPARD – The Story So Far - The Best Of (Rundling-Review von 2018)
DEF LEPPARD – X (Rundling-Review von 2003)
DEF LEPPARD – ONLINE EMPIRE 28-"Living Underground"-Artikel
DEF LEPPARD – ONLINE EMPIRE 71-"Eye 2 I"-Artikel: »And There Will Be A Next Time - Live From Detroit«
DEF LEPPARD – News vom 02.05.2011
siehe auch: DEF LEPPARD-Aufkleber als Requisite im Film "Airheads"
siehe auch: DEF LEPPARDs ›Pour Some Sugar On Me‹ als Bestandteil der Storyline des Films "Die To-Do Liste"
siehe auch: Musik von DEF LEPPARD im Film "Last Action Hero"
siehe auch: Musik von DEF LEPPARD in einer Episode der zweiten Staffel der TV-Serie "American Dad!"
Playlist: DIO in der Kategorie "All-Time-Faves" auf Platz 1 von Walter Scheurer
siehe auch: Musik von DIO im Film "Bad Teacher"
Carmine Appice's GUITAR ZEUS – News vom 13.09.2009
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LAST IN LINE (US, CA) – II (Rundling-Review von 2019)
LAST IN LINE (US, CA) – ONLINE EMPIRE 79-Interview
LAST IN LINE (US, CA) – News vom 16.05.2012
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Ricky Warwick – Love Many Trust Few (Rundling-Review von 2006)
WHITESNAKE – 1987 (20th Anniversary Special Edition) (Re-Release-Review von 2007)
siehe auch: Vivian Campbell als Gast bei zwei SWEET SAVAGE-Shows
siehe auch: Wohltätigkeitsessen mit Vivian Campbell
siehe auch: WHITESNAKE als Bestandteil der Storyline des Films "The Rocker"
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BEAUTY IN CHAOS – News vom 28.09.2018
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