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  UE-Home → History → Online Empire 72 → Interview-Übersicht → PRISTINE-Interview last update: 03.12.2021, 22:11:49  

PRISTINE-Logo

Manchmal dauert es eben eine gewisse Zeit, ehe man außerhalb der Landesgrenzen auf eine Band aufmerksam wird. Die Geographie spielt da zwar mitunter durchaus auch eine Rolle, im Fall der aus dem norwegischen Tromsö stammenden PRISTINE sollten das an sich kein Thema sein.
Dennoch wurde der Name der Band bei uns erst im letzten Jahr so richtig wahrgenommen, als sich für die NorwegerInnen die Möglichkeit ergab, im Schlepptau der Durchstarter von BLUES PILLS durch Europa zu gondeln.

PRISTINE-Bandphoto 1

Vom Status der Band zu diesem Zeitpunkt war auch Frontlady Heidi Solheim etwas überrascht, wie sie uns am Telefon wissen hat lassen. Dennoch war die Dame bestens gelaunt, schließlich war der Grund des Anrufs das demnächst erscheinende neue Album »Ninja«.

Ganz ehrlich: Hier bei uns dachten viele Musik-Freaks bis vor kurzem es mit einer Newcomer-Truppe zu tun zu haben, wenn von PRISTINE die Rede war. Hast Du eine Idee warum?

Ehrlich gesagt nicht. Allerdings muß ich zugeben, daß ich inzwischen zumindest eine Idee habe, was der Grund dafür gewesen ist. Zum Zeitpunkt unserer Tournee in Mitteleuropa, also vor etwas mehr als einem Jahr, war ich dagegen noch eher verdutzt. Mir war zwar klar, daß unsere ersten beiden Scheiben »Detoxing« und »No Regret« nur in kleinen Auflagen erschienen sind und offiziell auch nur in Norwegen zu kaufen war, hatte aber vermutet, daß man über diverse Händler die Teile auch überall anders auf der Welt beziehen könnte.
Was ich jedoch nicht wirklich bedacht hatte, war, daß bei Euch weder Promotion dafür betrieben, geschweige denn darüber in Medien berichtet wurde. Nun ja, am Ende ist man immer schlauer. [lacht]

PRISTINE-Headline

Ich muß zugeben auch zu jener Kategorie zu zählen, die erst durch »Reboot« auf Euch aufmerksam geworden ist. Wie haben PRISTINE denn zuvor geklungen? Gab es eklatante Unterschiede zu heute?

Im Nachhinein betrachtet kann man sagen, daß unsere ersten beiden Veröffentlichungen unsere Lehrzeit in der "Szene" sowie den für eine Band wichtigen Eintritt ins Business-Geschehen darstellen. Stilistisch klangen wir darauf zwar bei weitem noch nicht so breitgefächert aufgestellt wie jetzt, haben aber bereits dem klassischen Blues gefrönt. Für einen Anfang klangen wir auch gar nicht mal so schlecht, und von daher besteht kein Grund sich nachträglich dafür zu schämen.. [lacht]
Überhaupt nicht, denn schließlich konnten wir uns damit in unserer Heimat viele Fans erspielen und außerdem wurden auch diverse Konzertveranstalter auf uns aufmerksam. In Norwegen lief es schon damals wirklich gut für uns! Daher waren wir auch der Meinung, man würde uns auch woanders bereits kennen, als wir auf Tour mit den BLUES PILLS gehen durften. Unsere Vorfreude und die Euphorie, daß wir auf diese Tour gehen konnten und zudem kurz davor erst »Reboot« veröffentlicht hatten, waren wohl ausschlaggebend für unsere Fehleinschätzung. Die Tour ist aber trotzdem verdammt gut gelaufen, und immerhin weiß ich jetzt, daß PRISTINE seit dieser Reise bei Euch tatsächlich über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügen. Immerhin. [lacht]

PRISTINE-Singleshot: Heidi Solheim

Die nunmehr offenere Gestaltung der Songs scheint ein langfristiger Prozeß gewesen zu sein. Nach Deiner Beschreibung der ersten beiden Alben und meinem ersten Eindruck von »Ninja« würde ich sagen, der aktuelle Dreher ist in etwa so weit von »Reboot« entfernt wie dieses Teil von seinen Vorgängern.

Das kann man durchaus so sagen. Speziell der Anteil an Psychedelic-Zutaten ist im Laufe der Zeit immer stärker und deutlicher geworden. Durch den Umstand, daß unser Organist Benjamin Mørk inzwischen einen sehr wichtigen Part beim Komponieren übernommen hat, ergaben sich beim Schreiben der neuen Songs mehr Möglichkeiten. Nicht zuletzt deshalb ist »Ninja« auch so abwechslungsreich ausgefallen.

Apropos: Wie bitte kommt man denn auf diesen Titel? Ich meine, wenn man weder offensichtlich mit Kämpfern, noch mit Japan etwas am Hut und auch dem "Turtles"-Alter, mit Verlaub, nun auch schon ein wenig entwachsen ist...

[Lacht] Ich weiß. Der Titel mag für viele zunächst untypisch und eigenwillig anmuten, ist aber ganz einfach zu erklären: Ein Kämpferherz schlägt schließlich in jedem von uns. So gesehen sind wir alle irgendwie Ninjas!

Die Songs selbst erwecken aber auch nicht unbedingt einen kämpferischen Eindruck.

Ich verstehe, was Du meinst. Der Titel paßte einfach perfekt zu dieser Nummer und zu meinem Text, und deshalb haben wir ihn zum Titelsong erklärt. Paßt doch, oder?

PRISTINE-Bandphoto 2

Na gut. Das Schreiben der Songs scheint Euch generell leicht zu fallen. Zumindest macht die lockere, inspirierte Vortragsweise diesen Eindruck.

Du meinst, die Songs klingen spontan und überraschen durch ihre Details? Fein! Das ist gut, denn die gute Stimmung innerhalb der Band führte zu einem unglaublich positiven Feeling beim Schreiben. Noch voll von den Eindrücken der vielen Gigs im letzten Jahr, habe ich unmittelbar nach meiner Rückkehr in die Heimat mit dem Komponieren begonnen. Es lief wirklich verdammt gut, denn Inspirationen gab es jede Menge und auch die Jungs konnten sich auf Anhieb mit dem Material anfreunden. Da wir in weiterer Folge sehr intensiv auf die Studioarbeiten hingearbeitet haben, schafften wir es im Endeffekt innerhalb nur eines einzigen Tages, alle Songs aufzunehmen. Das gelingt aber wirklich nur dann, wenn im Vorfeld alles perfekt vorbereitet werden kann!

Wie, an nur einem Tag?

An einem guten offenbar! [lacht] Einem verdammt guten sogar, denn so war es tatsächlich. Allerdings waren wir noch nie dermaßen gut auf ein Album vorbereitet und hatten nicht mehr allzu viel zu tun.

http://www.facebook.com/pristineband

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Ørjan Bertelsen

PRISTINE im Überblick:
PRISTINE – Ninja (Rundling-Review von 2017)
PRISTINE – Road Back To Ruin (Rundling-Review von 2019)
PRISTINE – ONLINE EMPIRE 72-Interview
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