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  UE-Home → History → Online Empire 69 → Interview-Übersicht → BLACKFOOT-Interview last update: 10.04.2019, 06:10:39  

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Zur allgemeinen Überraschung ist in »Southern Native« nach mehr als 20 Jahren Veröffentlichungspause endlich ein neues Studioalbum der Southern Rock-Legende BLACKFOOT erschienen.
Ob die Freude der Fans ob der doch eher ungewöhnlichen Klänge danach immer noch von jenem Ausmaß sein wird, wie das im Vorfeld der Fall ist, bleibt zwar zunächst einmal abzuwarten, Bandvorstand Ricky Medlock (der inzwischen eine Art "Non-Playing Captain" mimt und live nur noch sporadisch mitwirkt, als Songschreiber, Produzent und Manager jedoch immer noch, wenn auch eher im Hintergrund tätig ist) sieht die Angelegenheit logischerweise wesentlich gelassener, als er uns am Telefon Rede und Antwort steht.

BLACKFOOT-Headline

Ricky, mal ganz ehrlich, denkst Du denn nicht, daß viele deiner altgedienten Fans ziemlich dumm aus der Wäsche gucken werden, wenn sie »Southern Native« zum ersten Mal hören?

Ich verstehe durchaus, was Du meinst und bin auch darauf vorbereitet, daß sich so mancher alteingesessener Recke über die Neuerungen bei uns verwundert zeigen wird, habe damit aber überhaupt kein Problem. Solange man mir nicht mit böswilligen Anschuldigungen kommt, kann ich jede Kritik ganz gut verdauen.

BLACKFOOT-Bandphoto 1

Wie kam es denn überhaupt dazu, daß BLACKFOOT einer solchen "Frischzellenkur" unterzogen werden mußten?

Mein Ansatz war ganz einfach: Die Band mußte am Leben erhalten werden! Zugleich war ich aber auch bestrebt, BLACKFOOT einer neuen Generation Fans schmackhaft zu machen. Wirklich weg vom Fenster waren wir ja trotz der vermeintlich langen Pause keineswegs und vor allem hier bei uns in den Staaten sogar sehr oft auf Tour, und das mit zufriedenstellendem Erfolg.

Diese Gastspielreisen haben Dich dann wohl im Endeffekt auch dazu "verleitet", in der runderneuten Besetzung noch einmal richtig loszulegen?

Genau! Wobei es besonders faszinierend für mich war zu beobachten, daß wir als BLACKFOOT inzwischen Fans aus drei Generationen ansprechen. Und gerade deshalb dachte ich auch wirklich lange nach, wie die Band in Zukunft auf optimale Weise Zuseher aus allen Altersgruppen zugleich ansprechen könnte.

Komplett neu erfinden mußte sich die Formation zum Glück zwar nicht, der gute, alte Southern Rock ist jedoch nur noch als Basis zu hören. Wie war das denn für Dich als Songschreiber?

Gar nicht so schwierig wie zunächst gedacht. Es galt in erster Linie, einen gangbaren Mittelweg zu finden, ohne die Roots zu verleugnen. Exakt das war mein Ziel, eigentlich auch mein einziger. BLACKFOOT sollten zwar neu aufgestellt werden, die alten Fans sich von den Tracks aber nicht verprellt fühlen. Nur so ist zu bewerkstelligen, daß der Name der Band in der Generation derer Kinder und sogar für die Enkel unser alten Fans interessant bleibt.

BLACKFOOT-Singleshot: Ricky Medlock

Auch Deine Rolle in der Formation ist eine völlig neue geworden. Wäre es denn überhaupt möglich gewesen, die Band als solche auch wirklich ernstzunehmen, wenn plötzlich nur noch unbekannte Namen im Line-up aufscheinen?

Zugegeben, die Geschichte mit dem Bandnamen wäre eigenartig gewesen, die Musik allein hätte aber bestimmt viele Fans auf die Burschen aufmerksam gemacht! Davon bin ich überzeugt, die Jungs können wirklich was!
Ich selbst bin zwar nicht mehr offiziell im Line-up, bleibe der Band aber auf jeden Fall erhalten. Unter anderem kümmere ich mich jetzt um diverse Management-Angelegenheiten und die Produktionen, und auch auf der Bühne begleite ich die Band, sofern es mir möglich ist. Offiziell besteht die Formation jedoch nur noch aus den beiden Gitarristen und Sängern Tim Rossi und Rick Krasowski, Bassist Brian Carpenter und Drummer Matt Anastasi.

Besten Dank für die Informationen, wie bist Du denn an diese Burschen herangekommen?

Ich habe die Jungs hier in Florida spielen sehen, sie kennengelernt und ihnen meine Intention von BLACKFOOT nahegelegt. Ich hatte wirklich Glück, denn so richtig ins Rollen ist die Chose erst gekommen, als ich mit Tim und Brian zunächst für einige Jams verabredet war. Das Talent der beiden, vor allem aber deren Feeling für den für die Band typischen, Blues-infiltrierten Südstaaten-Rock hat mich förmlich umgeblasen! Danach ging es Schlag auf Schlag, und wir legten mit den ersten Arbeiten zum Album los.

Deine Euphorie kann man gut nachvollziehen. Die Scheibe strotz nämlich regelrecht vor Energie und Spielfreude, sprich völlig unabhängig von der stilistischen Ausführung muß man sich von »Southern Native« einfach angezogen fühlen. Der Titel allerdings führt doch ein klein wenig in die Irre.

Findest Du? Okay, wir haben den Titel mit Absicht so plakativ gehalten und soll auf Anhieb klarmachen, was Sache ist! Versteht mich bitte nicht politisch falsch, aber ich wollte damit einfach zum Ausdruck bringen, daß ich stolz auf meine Herkunft und meine Wurzeln bin, und daher lag dieser Titel auf der Hand.
Abgesehen davon darf man ihn auch durchaus als Programm betrachten, auch wenn nicht alle Songs nach dem für die Band typischen Sound klingen. Ich denke, der Spagat zwischen der klassischen Gangart und der Moderne ist uns aber ganz ordentlich gelungen. Konstruieren mußten wir die Tracks zwar nicht, an einige Vorgaben haben wir uns sehr wohl gehalten. Daher sind selbst aus den vordergründig zeitgemäß klingenden Nummern immer wieder traditionelle Rock-Elemente herauszuhören.

BLACKFOOT-Bandphoto 2

Wie war es denn für Dich, mit einer Horde Jungspunde zu arbeiten? Mußtest Du den Burschen erst einmal klarmachen, wie Aufnahmen zu laufen haben?

Die Aufnahmen selbst sind gut verlaufen. Allerdings habe ich den Jungs von Anfang an klargemacht, daß eine Produktion nur dann entsprechend authentisch klingt, wenn nichts davon erst am Computer erarbeitet werden muß. Deshalb haben wir das Album auch live im Studio eingespielt. Selbst meine Slide-Gitarren-Passagen habe ich so aufgenommen und nicht erst nachträglich hinzugefügt. Nicht zuletzt deshalb waren wir vom Material auch von Anfang an überzeugt. Ganz ehrlich, wenn Songs bei einer solchen Aufnahmemethode nicht funktionieren, wäre es sinnlos, diese überhaupt zu veröffentlichen. Das war jedoch bei uns nie wirklich ein Thema, viel schwieriger gestalteten sich die Auswahl der Tracks sowie deren Reihenfolge.

Anzunehmen, daß der Großteil der Nummern fortan auch Programm Eurer Shows sein wird, oder?

Davon kannst Du ausgehen! Außerdem wird es Zeit, mal wieder nach Europa zu kommen und auch bei Euch live zu spielen. Meine Burschen waren noch nie bei Euch und kennen sowohl das Publikum wie auch die Schönheit diverser europäischer Städte und Regionen nur aus meinen Erzählungen.

Das stell ich mir nett vor: nach den Bandproben erzählt "Onkel Ricky" noch eine Geschichte...

Unser Verhältnis ist tatsächlich so, denn ich sehe die Jungs mitunter wie meine eigenen Söhne und versuche, ihnen auch abseits der Band immer wieder hilfreich zur Seite stehen zu können. In erster Linie sehe ich mich aber klarerweise als Mentor der Band und bin bestrebt, ihnen viel von meiner Arbeitsweise mitgeben zu können. Darin scheine ich auch erfolgreich zu sein und hab' den Jungs offenbar zuletzt zu einer gehörigen Zusatzportion Motivation verholfen. Sie sind nämlich schon jetzt am Erarbeiten von Songs für ein weiteres Album!

http://www.blackfootband.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Doug Heslep [Photo 1 & 3], Katarina Benzova [Photo 2]

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BLACKFOOT im Überblick:
BLACKFOOT – ONLINE EMPIRE 24-"Living Underground"-Artikel
BLACKFOOT – ONLINE EMPIRE 69-Interview
BLACKFOOT – News vom 06.12.2006
BLACKFOOT – News vom 21.07.2007
BLACKFOOT – News vom 22.09.2010
BLACKFOOT – News vom 10.02.2012
Soundcheck: BLACKFOOT-Album »Medicine Man« im "Soundcheck Metal Hammer 21-22/90" auf Platz 4
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