UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 69 → Interview-Übersicht → BLACKFOOT-Interview last update: 23.01.2021, 06:43:53  

BLACKFOOT-Logo

Zur allgemeinen Überraschung ist in »Southern Native« nach mehr als 20 Jahren Veröffentlichungspause endlich ein neues Studioalbum der Southern Rock-Legende BLACKFOOT erschienen.
Ob die Freude der Fans ob der doch eher ungewöhnlichen KlĂ€nge danach immer noch von jenem Ausmaß sein wird, wie das im Vorfeld der Fall ist, bleibt zwar zunĂ€chst einmal abzuwarten, Bandvorstand Ricky Medlock (der inzwischen eine Art "Non-Playing Captain" mimt und live nur noch sporadisch mitwirkt, als Songschreiber, Produzent und Manager jedoch immer noch, wenn auch eher im Hintergrund tĂ€tig ist) sieht die Angelegenheit logischerweise wesentlich gelassener, als er uns am Telefon Rede und Antwort steht.

BLACKFOOT-Headline

Ricky, mal ganz ehrlich, denkst Du denn nicht, daß viele deiner altgedienten Fans ziemlich dumm aus der WĂ€sche gucken werden, wenn sie »Southern Native« zum ersten Mal hören?

Ich verstehe durchaus, was Du meinst und bin auch darauf vorbereitet, daß sich so mancher alteingesessener Recke ĂŒber die Neuerungen bei uns verwundert zeigen wird, habe damit aber ĂŒberhaupt kein Problem. Solange man mir nicht mit böswilligen Anschuldigungen kommt, kann ich jede Kritik ganz gut verdauen.

BLACKFOOT-Bandphoto 1

Wie kam es denn ĂŒberhaupt dazu, daß BLACKFOOT einer solchen "Frischzellenkur" unterzogen werden mußten?

Mein Ansatz war ganz einfach: Die Band mußte am Leben erhalten werden! Zugleich war ich aber auch bestrebt, BLACKFOOT einer neuen Generation Fans schmackhaft zu machen. Wirklich weg vom Fenster waren wir ja trotz der vermeintlich langen Pause keineswegs und vor allem hier bei uns in den Staaten sogar sehr oft auf Tour, und das mit zufriedenstellendem Erfolg.

Diese Gastspielreisen haben Dich dann wohl im Endeffekt auch dazu "verleitet", in der runderneuten Besetzung noch einmal richtig loszulegen?

Genau! Wobei es besonders faszinierend fĂŒr mich war zu beobachten, daß wir als BLACKFOOT inzwischen Fans aus drei Generationen ansprechen. Und gerade deshalb dachte ich auch wirklich lange nach, wie die Band in Zukunft auf optimale Weise Zuseher aus allen Altersgruppen zugleich ansprechen könnte.

Komplett neu erfinden mußte sich die Formation zum GlĂŒck zwar nicht, der gute, alte Southern Rock ist jedoch nur noch als Basis zu hören. Wie war das denn fĂŒr Dich als Songschreiber?

Gar nicht so schwierig wie zunĂ€chst gedacht. Es galt in erster Linie, einen gangbaren Mittelweg zu finden, ohne die Roots zu verleugnen. Exakt das war mein Ziel, eigentlich auch mein einziger. BLACKFOOT sollten zwar neu aufgestellt werden, die alten Fans sich von den Tracks aber nicht verprellt fĂŒhlen. Nur so ist zu bewerkstelligen, daß der Name der Band in der Generation derer Kinder und sogar fĂŒr die Enkel unser alten Fans interessant bleibt.

BLACKFOOT-Singleshot: Ricky Medlock

Auch Deine Rolle in der Formation ist eine völlig neue geworden. WĂ€re es denn ĂŒberhaupt möglich gewesen, die Band als solche auch wirklich ernstzunehmen, wenn plötzlich nur noch unbekannte Namen im Line-up aufscheinen?

Zugegeben, die Geschichte mit dem Bandnamen wĂ€re eigenartig gewesen, die Musik allein hĂ€tte aber bestimmt viele Fans auf die Burschen aufmerksam gemacht! Davon bin ich ĂŒberzeugt, die Jungs können wirklich was!
Ich selbst bin zwar nicht mehr offiziell im Line-up, bleibe der Band aber auf jeden Fall erhalten. Unter anderem kĂŒmmere ich mich jetzt um diverse Management-Angelegenheiten und die Produktionen, und auch auf der BĂŒhne begleite ich die Band, sofern es mir möglich ist. Offiziell besteht die Formation jedoch nur noch aus den beiden Gitarristen und SĂ€ngern Tim Rossi und Rick Krasowski, Bassist Brian Carpenter und Drummer Matt Anastasi.

Besten Dank fĂŒr die Informationen, wie bist Du denn an diese Burschen herangekommen?

Ich habe die Jungs hier in Florida spielen sehen, sie kennengelernt und ihnen meine Intention von BLACKFOOT nahegelegt. Ich hatte wirklich GlĂŒck, denn so richtig ins Rollen ist die Chose erst gekommen, als ich mit Tim und Brian zunĂ€chst fĂŒr einige Jams verabredet war. Das Talent der beiden, vor allem aber deren Feeling fĂŒr den fĂŒr die Band typischen, Blues-infiltrierten SĂŒdstaaten-Rock hat mich förmlich umgeblasen! Danach ging es Schlag auf Schlag, und wir legten mit den ersten Arbeiten zum Album los.

Deine Euphorie kann man gut nachvollziehen. Die Scheibe strotz nĂ€mlich regelrecht vor Energie und Spielfreude, sprich völlig unabhĂ€ngig von der stilistischen AusfĂŒhrung muß man sich von »Southern Native« einfach angezogen fĂŒhlen. Der Titel allerdings fĂŒhrt doch ein klein wenig in die Irre.

Findest Du? Okay, wir haben den Titel mit Absicht so plakativ gehalten und soll auf Anhieb klarmachen, was Sache ist! Versteht mich bitte nicht politisch falsch, aber ich wollte damit einfach zum Ausdruck bringen, daß ich stolz auf meine Herkunft und meine Wurzeln bin, und daher lag dieser Titel auf der Hand.
Abgesehen davon darf man ihn auch durchaus als Programm betrachten, auch wenn nicht alle Songs nach dem fĂŒr die Band typischen Sound klingen. Ich denke, der Spagat zwischen der klassischen Gangart und der Moderne ist uns aber ganz ordentlich gelungen. Konstruieren mußten wir die Tracks zwar nicht, an einige Vorgaben haben wir uns sehr wohl gehalten. Daher sind selbst aus den vordergrĂŒndig zeitgemĂ€ĂŸ klingenden Nummern immer wieder traditionelle Rock-Elemente herauszuhören.

BLACKFOOT-Bandphoto 2

Wie war es denn fĂŒr Dich, mit einer Horde Jungspunde zu arbeiten? Mußtest Du den Burschen erst einmal klarmachen, wie Aufnahmen zu laufen haben?

Die Aufnahmen selbst sind gut verlaufen. Allerdings habe ich den Jungs von Anfang an klargemacht, daß eine Produktion nur dann entsprechend authentisch klingt, wenn nichts davon erst am Computer erarbeitet werden muß. Deshalb haben wir das Album auch live im Studio eingespielt. Selbst meine Slide-Gitarren-Passagen habe ich so aufgenommen und nicht erst nachtrĂ€glich hinzugefĂŒgt. Nicht zuletzt deshalb waren wir vom Material auch von Anfang an ĂŒberzeugt. Ganz ehrlich, wenn Songs bei einer solchen Aufnahmemethode nicht funktionieren, wĂ€re es sinnlos, diese ĂŒberhaupt zu veröffentlichen. Das war jedoch bei uns nie wirklich ein Thema, viel schwieriger gestalteten sich die Auswahl der Tracks sowie deren Reihenfolge.

Anzunehmen, daß der Großteil der Nummern fortan auch Programm Eurer Shows sein wird, oder?

Davon kannst Du ausgehen! Außerdem wird es Zeit, mal wieder nach Europa zu kommen und auch bei Euch live zu spielen. Meine Burschen waren noch nie bei Euch und kennen sowohl das Publikum wie auch die Schönheit diverser europĂ€ischer StĂ€dte und Regionen nur aus meinen ErzĂ€hlungen.

Das stell ich mir nett vor: nach den Bandproben erzÀhlt "Onkel Ricky" noch eine Geschichte...

Unser VerhĂ€ltnis ist tatsĂ€chlich so, denn ich sehe die Jungs mitunter wie meine eigenen Söhne und versuche, ihnen auch abseits der Band immer wieder hilfreich zur Seite stehen zu können. In erster Linie sehe ich mich aber klarerweise als Mentor der Band und bin bestrebt, ihnen viel von meiner Arbeitsweise mitgeben zu können. Darin scheine ich auch erfolgreich zu sein und hab' den Jungs offenbar zuletzt zu einer gehörigen Zusatzportion Motivation verholfen. Sie sind nĂ€mlich schon jetzt am Erarbeiten von Songs fĂŒr ein weiteres Album!

http://www.blackfootband.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Doug Heslep [Photo 1 & 3], Katarina Benzova [Photo 2]

BLACKFOOT-Logo

 

BLACKFOOT im Überblick:
BLACKFOOT – ONLINE EMPIRE 24-"Living Underground"-Artikel
BLACKFOOT – ONLINE EMPIRE 69-Interview
BLACKFOOT – News vom 06.12.2006
BLACKFOOT – News vom 21.07.2007
BLACKFOOT – News vom 22.09.2010
BLACKFOOT – News vom 10.02.2012
Soundcheck: BLACKFOOT-Album »Medicine Man« im "Soundcheck Metal Hammer 21-22/90" auf Platz 4
© 1989-2021 Underground Empire


Alexi Laiho verstirbt zum Jahreswechsel 2020/2021. Mehr dazu in den...
Button: News