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  UE-Home → History → Online Empire 67 → Interview-Übersicht → VARDIS-Interview last update: 10.04.2019, 06:10:39  

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Daran geglaubt haben nicht einmal mal mehr die eingeschworensten Fans von Oberhaupt Steve Zodiac und seinem Unternehmen VARDIS, doch 30 Jahre nach dem letzten Studioalbum »Vigilante« gibt es mit »Red Eye« tatsächlich wieder frischen Stoff der immer noch als Trio aktiven britischen Formation zu hören. Das sorgt natürlich für ausreichend Gesprächsstoff, weshalb sich der einst als Jonny Winter-Lookalike bezeichnete Engländer auch erst gar nicht lange bitten lassen muß, um darauf einzugehen.

VARDIS-Bandphoto 1

Zunächst müssen wir aber erst einmal die Hintergründe zum vorübergehenden Ende der Band Mitte der 80er mitgeteilt bekommen, paßt das, Meister?

Klar doch. Es war wirklich nicht einfach für mich, einen Schlußstrich zu ziehen, aber ich fühlte mich dermaßen ausgelaugt, betrogen und um meine gesamte Aufbauarbeit geprellt, daß ich die Schnauze vom Business einfach voll hatte. Der angestaute Frust konnte anders nicht abgebaut werden, und ich sah ehrlich gesagt auch keinen Grund, VARDIS weiter am Leben zu halten.

Die Enttäuschung hatte also nichts mit Musik an sich zu tun, richtig?

Exakt! Rockmusik ist wie eine Droge! Wenn Du ihr einmal verfallen bist, kommst Du einfach nicht mehr davon los. Für mich ist Rock'n'Roll sogar ein wesentlicher Bestandteil meiner persönlichen Entwicklung. Schließlich stamme ich aus einer Generation, in der es wahrlich nicht viel gab, woran man sich im Alltag erfreuen konnte. Doch zum Glück gab es Rockmusik!
Das war auch der Grund, weshalb ich auch in all den Jahren, in denen VARDIS auf Eis lagen, immer wieder Songs geschrieben und auch aufgenommen habe. Zwar vorwiegend nur auf einer Akustikgitarre, aus einigen dieser Geschichten sind aber zumindest Grundzüge späterer VARDIS-Songs entstanden.

VARDIS-Headline

Handelt es sich bei den neuen Tracks nun um eine Art "Resteverwertung" der letzten Dekaden, oder bekommen wir frischen Stoff zu hören?

Beides, obwohl ich den Begriff "Verwertung" so nicht stehen lassen möchte. Einige Songfragmente haben zwar tatsächlich schon zehn Jahre und mehr auf dem Buckel, der Großteil des Materials wurde aber erst fertiggestellt, als uns klar war, daß es mit VARDIS doch noch einmal weitergehen wird. Da für mich nichts anderes in Frage kommt, als Songs im Aufnahmestudio und in kompletter Bandbesetzung einzuspielen, ist der Aufnahmeprozeß die Essenz eines Albums. Dadurch hat die Fertigstellung allerdings etwas gedauert. Unter anderem, weil wir von einigen Tracks bis zu fünf qualitativ vergleichbare Versionen aufgenommen hatten, diese allerdings zum Teil völlig anders geklungen haben. Daher war es ebenso wichtig, daß wir gemeinsam unsere Aufnahmen durchhörten, um uns für die passende Variante zu entscheiden. Eine andere Vorgehensweise kommt für mich nicht in Frage!

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Eine solche Herangehensweise dürfte der Großteil Deiner Kollegen als nicht mehr wirklich zeitgemäß abtun, gab es für Dich keine modernere Alternative?

Nein, auf gar keinen Fall! Für uns zählt das Gefühl während der Aufnahmen mehr als alles andere. Es hilft nichts, Songs untereinander hin- und herzuschicken, denn man weiß nie, was der Kollege beim Hören wirklich empfindet. Daher gibt es für mich keine Kompromisse! Aber auch die Aufnahmetechnik selbst ist entscheidend. Computer sind wichtig, keine Frage, für Plattenaufnahmen sollten sie jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das Können der Musiker ist dadurch in den letzten Jahrzehnten leider zu sehr in den Hintergrund gerückt worden. Mir reichen meine Gitarre, meine Verstärker und ein anständiges Mikro, mehr brauche ich nicht!

VARDIS-Bandphoto 3

Wie fühlt es sich an, daß Ihr Eure neuen Songs nie wieder in der Besetzung live spielen könnt, die sie im Studio für das »Red Eye«-Album aufgenommen hatten?

Zum einen muß ich klarstellen, daß schon unser aktueller Drummer Joe Clancy »Red Eye« eingespielt hat. Es gibt einige Seiten im Internet, die diesbezüglich falsche Angaben machen. Terrys Tod war natürlich ein großer Schock. Terry war ein großartiger Musiker, ein Menschenfreund und wahrhafter Freund. Er nahm mir das Versprechen ab, daß ich nach seinem Tod mit der Band weitermachen werde. Ich glaube fest an die Zukunft der Band und freue mich, den VARDIS-Sound weiterzuentwickeln.

Hast Du jemals dran gedacht, Terrys Parts mit Eurem neuen Basissten Martin Connolly nochmal aufzunehmen?

Nein. Terrys Aufnahmen waren fertig, bevor er starb. Wir werden einige der neuen Songs live spielen, und ich bin mir sicher, daß Martin die Parts von Terry auf seine ganz eigene Weise spielen wird, was man dann hören wird, wenn wir sie für das neue Livealbum aufnehmen werden.

Wie kam es, daß Ihr Eure ersten Liveshows, unter anderen auch beim "Keep It True", mit Gary Pearson am Schlagzeug bestritten habt, der auch zwischen 1979 und 1986 bei Euch gewesen war, doch dann mit Joe Clancy weitergemacht habt?

Gary wollte nach den 2014er Reunionshows nicht mehr weitermachen, was an seinem Job hing. Ich beschloß dann gemeinsam mit Terry, daß wir mit Joe Clancy weitermachen werden, der seither unser einziger Drummer ist. Ich habe mit Phil Medley nicht mehr seit der 1979er »100 M.P.H.«-EP zusammengespielt. Da geistern einige falsche Informationen über Phil Medley und uns durchs Internet.

http://www.vardisrocks.com/

Vorbereitung, Interviews & Bearbeitung:
Walter Scheurer + Stefan Glas

Photos: Paul Harries [Photo 1]

VARDIS im Überblick:
VARDIS – 100 M.P.H. @ 100 Club (Rundling-Review von 2021)
VARDIS – 200 M.P.H. EP (Rundling-Review von 2015)
VARDIS – Red Eye (Rundling-Review von 2016)
VARDIS – ONLINE EMPIRE 67-Interview
VARDIS – News vom 08.01.2015
VARDIS – News vom 24.01.2015
VARDIS – News vom 20.02.2016
andere Projekte des beteiligten Musikers Martin Connolly:
SCARLET (GB) – News vom 10.04.2015
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